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StartseiteSport AktuellEin Messi oder 3.000 indonesische Arbeiter13.07.2018

Löhne bei WM-AusstatternEin Messi oder 3.000 indonesische Arbeiter

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist eine der größten Werbeplattformen für Sportartikelhersteller, allen voran für die Branchenriesen Adidas und Nike. Die Sportler erhalten als Werbefiguren noch viel mehr Millionen Euro als vor 15 Jahren. Doch die Näherinnen haben nichts davon - sie leben an der Armutsgrenze.

Von Ronny Blaschke

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Der argentinische Fußballer Lionel Messi ist Werbefigur für den Sportartikelhersteller adidas. Hier zu sehen mit einer großen Diskokugel. (imago sportfotodienst)
Nach außen pflegen Sportartikelhersteller wie Adidas mit Lionel Messi ihr Hochglanz-Image. (imago sportfotodienst)
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Die 32 WM-Teilnehmer wurden von acht Ausrüstern ausgestattet. Sie erhielten insgesamt mehr als 250 Millionen Euro pro Jahr. Der Deutsche Fußball-Bund allein kassiert bis zur WM 2022 jährlich 65 Millionen Euro von Adidas. Das Trikot des noch amtierenden Weltmeisters kostet 90 Euro pro Stück.

Lohnanteil der Näherinnen gesunken

Im Vergleich zu 2014 sind die Preise der WM-Hemden durchschnittlich um zwölf Prozent gestiegen. Doch der Lohnkostenanteil für die Näherin oder den Näher beträgt davon maximal zwei Prozent. Dieser Anteil ist damit dreißig Prozent geringer als vor 25 Jahren, sagt Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero, die sich für Arbeitsrechte in der Bekleidungsindustrie einsetzt.

President of the German Football Association (DFB) Reinhard Grindel (R) and CEO of Adidas-Group Herbert Hainer pose in front of the Eiffel Tower after a press conference about the sponsors agreement between DFB and adidas in Paris, France, 20 June 2016. The UEFA EURO 2016 takes place from 10 June to 10 July 2016 in France. Photo: Christian Charisius/dpa | Verwendung weltweit (dpa)Lukrativer Deal für den DFB: Der Ausrüstervertrag mit adidas spült dem Verband bis 2022 jedes Jahr Millionen in die Taschen. (dpa)

"Die Sportbekleidungsproduktion findet zu einem großen Teil in Asien statt. Und da zieht es sich eigentlich durch alle Länder, dass die Löhne, die Mindestlöhne, die staatlich festgelegten Löhne nicht Grundbedürfnis-befriedigend sind.

Kinder müssen mitarbeiten

Wir gehen davon aus, dass man drei bis vier Mindestlöhne bräuchte, um den Grundbedarf einer Durchschnittsfamilie abzudecken. Die Realität ist aber, dass oft alleinerziehende Frauen in diesen Fabriken arbeiten. Und dann liegt es natürlich auch auf der Hand, dass die Kinder mitarbeiten müssen."

Die Christliche Initiative Romero gehört zur "Kampagne für Saubere Kleidung". Dieses internationale Netzwerk hat im Juni einen ausführlichen Bericht zur Sportartikelindustrie veröffentlicht.

Ein Messi oder 3.000 indonesische Arbeiter

Ein Beispiel: Adidas investiert viel in Werbung, zahlt dem argentinischen Spielmacher Lionel Messi jährlich elf Millionen Euro mehr als dem Franzosen Zinédine Zidane vor 15 Jahren. Von diesem Geld könnten in Indonesien 3.000 Arbeiter pro Jahr entlohnt werden. Doch ein Bewusstsein gibt es dafür nicht, sagt Maik Pflaum.

Die Reste des Rana Plazas (Deutschlandradio Kultur / Jürgen Webermann)Die Reste der eingestürzten Textilfabrik Rana Plazas in Bangladesch. (Deutschlandradio Kultur / Jürgen Webermann)

"Da passiert überhaupt nichts von Verbandsseite. Ab einem gewissen Level kommt man weder an Vereine noch an Verbände heran. Da ist dann das Sponsoringgeld viel zu wichtig. Und ich glaube, wenn hier die Fans ein klares Signal senden würden: Wir laufen gern mit den drei Streifen oder mit dem Puma-Emblem herum, aber die Produktion muss sauber erfolgen, dann würden die Sportartikler reagieren müssen."

Sportmagazine scheuen Anzeigen für faire Löhne

In der Bundesliga zum Beispiel finanzieren kritische Fangruppen ihre Antirassismus-Aktionen mit dem Handel eigener Devotionalien. Ob ihre T-Shirts oder Taschen von Kindern gefertigt wurden, wissen sie nicht. Maik Pflaum und die Christliche Initiative Romero möchten aufklären, mit Broschüren und Mitmachaktionen. Einmal wollten sie eine Anzeige in einem Sportmagazin schalten, für mehrere Tausend Euro. Der Verlag lehnte die Anfrage ab, er wollte es sich nicht mit den Ausstattern verscherzen.

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