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StartseiteVerbrauchertippTipps zum Pflegeunterstützungsgeld21.09.2020

Lohnersatz bei Pflege von AngehörigenTipps zum Pflegeunterstützungsgeld

Berufstätige, die einen Angehörigen pflegen, können sich vom Arbeitgeber freistellen lassen. Dabei steht ihnen während der Freistellung ein Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatz zu. Tipps, unter welchen Voraussetzungen dieses Pflegeunterstützungsgeld beantragt werden kann, gibt es hier.

Von Klaus Deuse

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Vater mit erwachsener Tochter im Park (imago images / emil umdorf)
Die Pflege von Angehörigen stellt für Berufstätige eine große Herausforderung dar (imago images / emil umdorf)
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Ein akut eingetretener Pflegefall eines nahen Angehörigen stellt für berufstätige Familienmitglieder eine immense Herausforderung dar, sagt die Leiterin des Fachbereichs "Pflegeversicherung und Häusliche Krankenpflege" bei der Krankenkasse DAK-Gesundheit Kerstin Klimke.

"Bedarfsgerechte Pflege zu organisieren mit allem Drum und Dran ist parallel zur Erwerbstätigkeit kaum möglich."

Die Pflege vorerst selbst zu übernehmen oder sich um einen Platz in einem geeigneten Pflegeheim zu bemühen - dafür bleibt neben dem eigenen Job eigentlich keine Zeit. Für betroffene Angehörige von Pflegebedürftigen gibt es immerhin eine gesetzliche Möglichkeit der Entlastung.

"Beschäftigte haben demnach das Recht, sich von der Arbeit freistellen zu lassen, um sich in einer akut auftretenden Pflegesituation um einen nahen Angehörigen und um seine Versorgung zu kümmern."

Arbeitgeber darf Freistellung nicht verweigern

Wenn dieser Fall eintritt, sollte man den Arbeitgeber umgehend informieren. Der Arbeitgeber wiederum, betont Kerstin Klimke, kann die Freistellung nicht verweigern, muss aber dann den Lohn auch nicht fortzahlen. Für entgangenes Arbeitsentgelt während der Freistellung zahlen Pflegekassen einen Ausgleich. Dieses sogenannte Pflegeunterstützungsgeld muss bei der Pflegekasse des Bedürftigen, also der zu pflegenden Person beantragt werden. Anspruch auf das Pflegeunterstützungsgeld besteht für zehn Tage. In Anbetracht der Corona-Pandemie ist dieser Anspruch auf 20 Tage verlängert worden, und zwar vorerst bis Ende Dezember. Expertin Klimke erläutert, worauf bei diesem Antrag unter anderem zu achten ist.

"Wichtig ist, dass zu dem Zeitpunkt, an dem der Antrag gestellt wird, beim Pflegebedürftigen der Pflegegrad noch nicht offiziell sein muss. Es reicht die Bestätigung vom Arzt oder der Ärztin, dass hier aller Wahrscheinlichkeit nach Pflegebedürftigkeit vorliegt."

Obergrenze liegt bei 110 Euro pro Tag

Benötigt wird außerdem eine Entgeltbescheinigung des Arbeitgebers. Die Höhe des Pflegeunterstützungsgeldes beträgt zwischen 90 und 100 Prozent des Nettoarbeitsentgeltes - je nachdem, ob Arbeitnehmer in den vergangenen zwölf Monaten auch Einmalzahlungen erhalten haben. Allerdings gibt es eine Obergrenze, die zurzeit bei rund 110 Euro pro Tag liegt.

Angehörige bleiben während der Freistellung sozialversichert

Während der Freistellung bleiben Angehörige, die sich um den Pflegefall kümmern, übrigens komplett sozialversichert. Beantragt werden kann eine Freistellung unter anderem für Eltern, Großeltern, Kinder und Ehegatten, aber auch für Lebenspartner, Geschwister sowie für Adoptiv- und Pflegekinder. Oft jedoch bringt es die Pflegesituation mit sich, dass es nicht bei einer kurzzeitigen Freistellung bleiben kann. In solchen Fällen, sagt Kerstin Klimke, besteht die Möglichkeit, ein Darlehen in Anspruch zu nehmen, um Einkommensausfälle abzufedern.

"Es gibt ein zinsloses Darlehen für den Fall, dass der Pflegeeinsatz längerfristig ist und sich ein Beschäftigter längerfristig vollständig oder teilweise freistellen lassen muss. Nach dem Pflegezeitgesetz kann das bis zu sechs Monate sein."

Maximal 24 Monate freistellen lassen

Unabhängig davon besteht nach dem Familienzeitenpflegesetz die Möglichkeit, sich für maximal 24 Monate freistellen zu lassen. Mit dem Darlehen, das zurückgezahlt werden muss, soll der ausgefallene Bruttolohn zum Teil ausgeglichen werden, wobei die Hälfte der Gehaltsdifferenz als monatliches Darlehen ausgezahlt wird.

Nähere Informationen dazu findet man unter dem Stichwort "Familienpflegezeit" auf der Internetseite des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.

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