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StartseiteCorsoGrime-Musiker beklagen rassistische Schikane der Polizei 15.04.2017

Londons KonzertszeneGrime-Musiker beklagen rassistische Schikane der Polizei

Schon seit zehn Jahren wird Grime, eine Mischung aus Rap, Hip-Hop und Elektro, in den Clubs immer populärer. Jetzt aber berichten Musiker über Schikanen der Polizei, die sie als rassistisch einstufen. Das alarmierte sogar den britischen Kulturminister Matt Hancock - der sich zugunsten des Grime einschaltete.

Von Thomas Spickhofen

Skepta spielt auf dem Glastonbury Festival of Contemporary Performing Arts 2016 (picture alliance / dpa / Andrew Cowie)
Der britische Grime-Musiker Skepta (picture alliance / dpa / Andrew Cowie)
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Für manche Fachleute ist "Grime" das größte Ding seit dem Britpop. Die Mischung aus Rap, Hip-Hop und Elektro erobert die Clubs, mischt seit zehn Jahren vom Londoner East End aus die Szene auf und war zuletzt sogar bei den ehrwürdigen Brit Awards mehrfach nominiert. Aber die Grime-Szene in London hat ein Problem, und es lautet: Formular 696. Dieses Formular muss jeder ausfüllen, der in London eine Musik-Veranstaltung mit Playback durchführt, also Live-Gesang zur Musik vom Band.

Es fragt nach Namen, Adressen, Telefonnummern der Künstler, aber auch nach ihrem Publikum und dessen ethnischer Herkunft.

Formular erfragt ethnische Herkunft des Publikums

"Wir hinterfragen das schon gar nicht mehr", sagt P-Money, einer der Grime-Stars. "Wir wissen nur, dass es der Versuch ist, Grime fertig zu machen." Und weiter: "Meiner Erfahrung nach kommt dieses Formular vor allem, wenn du Shows mit schwarzem Publikum hast. Wo ich nicht überwiegend Schwarze im Publikum habe, da muss ich das nicht ausfüllen. Für mich fühlt sich das wie ein rassistisches Ding an."

Formular 696 diene vor allem der Vorbeugung, sagt die Polizei. Es helfe ihr dabei, Gefahren zu erkennen und für Sicherheit zu sorgen. P-Money mag das nicht so recht glauben.

"Meine Geburtstagsparty wäre beinahe zugemacht worden, obwohl ich einen Künstler sogar aus dem Programm genommen hatte", sagt P-Money. "Und das auch nur, weil sein Bruder vor Gericht stand. Es ging nicht mal um den Künstler selbst."

Kulturminister schaltet sich ein

Die Polizei versichert, das Formular sei freiwillig und es richte sich nicht gegen bestimmte Künstler oder Genres. Trotzdem hat sich jetzt sogar der Kulturminister der Regierung von Theresa May eingeschaltet. In einem Brief an Bürgermeister Sadiq Khan bekennt sich Matt Hancock von den Konservativen zum Grime als wichtigen Teil der Musikgeschichte:

Matt Hancock (imago / Andrew Parsons)Matthew Hancock, Kulturminister der Regierung von Theresa May (imago / Andrew Parsons)

"Stilrichtungen wie Grime haben heute dieselbe Bedeutung wie der Punk in den 70ern. Ich glaube, dass wir solche Genres unterstützen sollten, ganz im Sinne der reichen Musikgeschichte Londons, die uns schon die Kinks, David Bowie, die Sex Pistols und Amy Winehouse gegeben hat."

Matt Hancock fürchtet, dass das Londoner Nachtleben und sein Business unter womöglich rassistisch motivierten Verboten leiden:

"Meine Sorge ist, dass das Formular 696 nicht nur junge Künstler und die Vielfalt von Londons weltbekannter Musikszene einschränkt, sondern auch negative Auswirkungen auf Londons Wirtschaftsleben hat."

Kulturminister Matt Hancock von den Tories möchte darüber gern mit Bürgermeister Sadiq Khan von Labour diskutieren. Eine Antwort von Sadiq Khan ist bislang nicht bekannt.

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