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StartseiteSportgespräch"Habe Angst, dass manche Symptome nicht so schnell zurückgehen"11.04.2021

Long Covid im Sport"Habe Angst, dass manche Symptome nicht so schnell zurückgehen"

Im vergangenen August wurde bei Extremsportlerin Katharina Blach eine Covid-Erkrankung nachgewiesen. Noch heute leidet sie unter den Folgen, berichtete sie im Dlf-Sportgespräch. Wichtig sei eine "dosierte Belastung und ein ganz langsamer Belastungsaufbau", sagte Sportmediziner Wilhelm Bloch.

Katharina Blach und Wilhelm Bloch im Gespräch mit Maximilian Rieger

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Covid-19 Tests und Proben die im Testcenter koordiniert zugewiesen werden - Pandemie - Querformat quer horizontal - Event/Veranstaltung: 75. Dwars door Vlaanderen - Roeselare nach/to Waregem 181.4 km - Ort/Location: Waregem - Region: Flandern/Vlaanderen - Land/Country: World Welt Belgien Belgium - Datum/Date: 31.03.2021 *** Covid 19 tests and samples coordinated assigned in the test center Pandemic Landscape landscape horizontal Event Event 75 Dwars door Vlaanderen Roeselare to Waregem 181 4 km Location Location Waregem Region Flanders Vlaanderen Country Country World World Belgium Belgium Date Date 31 03 2021 Stiehl Photography  (IMAGO / Mario Stiehl)
Covid-19 Tests und Proben in einem Testcenter (IMAGO / Mario Stiehl)
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Für eine Spendenaktion wollte Extremsportlerin Katharina Blach in Eigenregie einen kompletten Ironman laufen. Dass sie das schaffen kann, hatte sie in Hamburg bereits bewiesen. Doch dieses Mal musste sie den Marathon nach 21 Kilometern abbrechen. Ihr Hausarzt schickte sie ins Krankenhaus, wo eigentlich nur ihr Herz aufgrund eines angeborenen Herzfehlers untersucht werden sollte. Doch dann kam heraus: Katharina Blach hatte Covid-19. "Und keine zwölf Stunden später habe ich plötzlich alle Symptome gehabt: ganz hohes Fieber, Schüttelfrost und so viel Schwindel, dass ich mich kaum auf den Beinen halten konnte", berichtete Blach im Dlf-Sportgespräch.

Noch heute, acht Monate später, leidet sie unter den Folgen der Erkrankung. "Das große Problem bei mir war das Nervensystem und ist es auch immer noch. Meine Hände und Füße sind dann wie eingeschlafen. Ich spüre sie dann nicht richtig", sagte sie. Zwischenzeitlich sei sie sogar auf einen Rollator angewiesen gewesen, damit sie überhaupt laufen konnte.

"Manche Sportler haben auch diese schweren Verläufe"

"Das ist jetzt schon eine sehr ausgeprägte Symptomatik", erklärte der Sportmediziner Professor Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln. "Bei den Sportlern ist es oft abgestuft. Was die Sportler trotz allem haben, ist in manchen Fällen so sehr ausgeprägte Symptome. Das ist aber nicht die Mehrzahl, sondern vielmehr ist es so, dass viele Sportler auch nach Monaten noch einen erhöhten Ruhepuls haben." Zwar sei das Immunsystem vieler Sportlerinn und Sportler durch den Sport gestärkt, "aber sie sind nicht davor gefeit und manche Sportler haben halt auch diese schweren Verläufe", so Bloch.

Moritz Fürste und Hilde Gerg lächeln in die Kamera. (picture alliance / dpa | Felix Hörhager | Georg Wendt) (picture alliance / dpa | Felix Hörhager | Georg Wendt)"Ich wollte einfach mal nach Lösungsansätzen suchen"
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Wie lange es dauert, bis Athletinnen und Athleten nach einer Corona-Infektion wieder Höchstleistungen bringen können, könne man noch nicht sicher sagen, so Bloch. "Ich habe schon ein bisschen Angst und auch ein bisschen Bauchschmerzen dabei, dass eine Symptome nicht so schnell zurückgehen und dass es im Prinzip dauerhaft auch Leistungseinschränkungen bringen kann", sagte er. Untersuchungen hätten etwa ergeben, dass bei Sportlerinnen und Sportlern auch Monate nach einer Infektion noch Veränderungen der roten Blutkörperchen sichtbar waren. Die roten Blutkörperchen sorgen für den Sauerstofftransport in die Zellen und somit in die Muskeln.

Auch Katharina Blach ist nach einigen Monaten klar geworden, dass sie ihrem Körper nach der Covid-Erkrankung zu schnell zu viel zugemutet hatte. "Jetzt kommt der große Hammer im Nachhinein, dass ich merke, hätte ich langsamer gemacht, hätte ich jetzt nicht mehr so viele Probleme wie ich sie jetzt habe. Aber ich habe das einfach übersehen, oder versucht zu übersehen. Weil ich halt dachte, die bist Sportlerin, du bist jung und kriegst das schon irgendwie hin. Das war falsch von mir. Das weiß ich aber auch jetzt erst."

Blach wollte wieder Ironman laufen

Blach wollte "unbedingt" Anfang Juni wieder einen Ironman machen. Die Vorbereitung dauere normalerweise sechs bis acht Monate. Vor zwei Wochen wurde das Rennen nun abgesagt. "Und mir ist dann ein riesen Stein vom Herzen gefallen, weil ich plötzlich das Gefühl habe: Ok, Du musst jetzt nicht fit sein, es ist jetzt egal, Du kannst jetzt runterkommen. Für mich ist das psychisch gerade eine ganz große Entlastung."

Mediziner müssten Sportlerinnen und Sportler häufig bremsen, sagte Bloch. "Es ist eine dosierte Belastung und ganz langsamer Belastungsaufbau. Da habe ich schon meine Bedenken, dass manche Sportler, auch mit Blick auf große Wettkämpfe, relativ schnell wieder ins Training reingehen und dann kommen die Rückschläge. Denn die Krankheit kommt nicht in einem einzigen Schub, sondern sie hat Wellen und kommt nach Monaten mit anderen Symptomen wieder. Das ist eine Erkrankung, die alle Organe des Körpers betrifft." Im Endeffekt sei die Ruhe-Herzfrequenz ein einfacher Parameter. "Die muss einfach fast wieder im Normalbereich sein, wenn ich im Prinzip in maximale Leistungsbereiche gehen. Ansonsten einfach zurücknehmen, reduzieren, dem Körper ein, zwei Tage Pause gönnen."

Peter Sagan fährt über Kopfsteinpflaster (picture alliance/dpa/BELGA | Dirk Waem) (picture alliance/dpa/BELGA | Dirk Waem)"In einer anderen Saison"
Das Coronavirus betrifft den Leistungssport nicht nur wegen Wettkampfabsagen. An Covid-19 erkrankte Athletinnen und Athleten müssen bei der Rückkehr in den Trainingsbetrieb auch Vorsicht walten lassen.

Das gelte auch für Freizeitsportler. Hier wünscht sich Bloch, dass auch bei kleineren Anzeichen direkt eine weitere Diagnostik gemacht werde. "Wenn ich merke, ich bin nicht so belastbar, muss ich mich zurücknehmen und dann ist es aber auch angesagt, sich wirklich noch einmal durchchecken zu lassen."

"Deswegen sollten sich die Menschen impfen lassen"

Katharina Blach wurde mittlerweile zum ersten Mal geimpft, hatte danach aber wieder mit Symptomen zu kämpfen. "Das ist einfach nur eine Immunantwort. Und da bin ich sehr froh, dass mein Körper das macht." Zehn Tage lang habe sie mit hohem Fieber zu kämpfen gehabt. Auch die Nerven- und Kopfschmerzen seien wieder da. "Das ist schon heftig. Das könnte jetzt von der Impfung kommen, oder, wie Herr Bloch sagte, die Krankheit kommt in Wellen, was mir nicht so bewusst war. Und ich glaube, das wissen die wenigsten in der Bevölkerung, dass die Krankheit in Wellen kommt. Und genau deswegen sollten sich die Menschen impfen lassen. Ich werde mich auch ein zweites Mal impfen lassen, egal womit. Hauptsache, es wirkt."

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