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StartseiteKommentare und Themen der WocheLufthansa-Rettung sollte auch an Klimazielen ausgerichtet sein11.06.2020

Luftfahrt in der KriseLufthansa-Rettung sollte auch an Klimazielen ausgerichtet sein

Ein Zurück zur Vorkrisen-Normalität im Luftverkehr kann und darf nicht das Ziel der Lufthansa-Rettung sein, kommentiert Mischa Ehrhardt. Neben dem Erhalt möglichst vieler Jobs sollten auch Umweltziele dazu gehören, denn die Klimaschäden der Luftfahrt seien einfach zu groß.

Von Mischa Ehrhardt

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Flugzeuge der Lufthansa stehen am Flughafen in München am Boden. Bei der Airline sind nach der Coronakrise 22.000 Arbeitsplätze bedroht. (imago)
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Das Verhältnis zwischen der Konzernführung der Lufthansa und den Gewerkschaften war schon vor der Krise gespannt. Zuletzt hatte das zu Streiks durch die Flugbegleiter geführt. Nun steht auch in der Krise wieder Ärger ins Haus.

Dabei ist unbestritten die Krise der Luftfahrtbranche historisch einmalig. Das Kerngeschäft von Fluglinien wie der Lufthansa steht still. Und es wird lange dauern, bis die Maschinen nach diesem Stillstand wieder durchstarten. Deswegen ist ein neun Milliarden Euro schweres Rettungspaket notwendig und ausgehandelt worden. Weil letztlich aber das Geld der Steuerzahler im Feuer steht, sollte hiermit auch gesellschaftlich erwünschte Ziele verbunden sein. Ein Jobkahlschlag, dem jeder fünfte Arbeitsplatz  zum Opfer fallen könnte, gehört ganz sicher nicht dazu.

Hilfen an Bedingungen knüpfen

Klar ist andererseits aber auch: Stellenstreichungen sind angesichts der nur sehr langsamen Erholung im Flugverkehr unvermeidlich. Ansonsten würde wahrscheinlich die Lufthansa kaum überleben können. Das würde dann noch viel mehr Arbeitsplätze vernichten und obendrein wären die Steuermilliarden dahin. Ein sozialverträglicher Abbau sollte deswegen möglich sein. Schon seit langem gewünschte Kostensenkungen auf diesem Weg durchzuboxen allerdings sollte verhindert werden. Ohnehin zeigen sich die Beschäftigten in der Krise durchaus zu massiven Zugeständnissen bereit, wenn etwa die Piloten auf bis zu 45 Prozent ihres Gehaltes verzichten wollen. Der nun angekündigte mögliche Kahlschlag, dem jeder fünfte Arbeitsplatz im Konzern zum Opfer fallen könnte, stellt die Leidensbereitschaft von Gewerkschaften und Beschäftigten auf eine harte Probe. Und heizt zu Recht die Diskussion wieder an, ob die Bundesregierung ihre Hilfen nicht doch an Bedingungen knüpfen sollte.

Ja, das sollte sie. Und neben dem Erhalt möglichst vieler Jobs sollten auch Umweltziele Eckpfeiler der Lufthansa-Rettung sein. Ein Zurück zur Vorkrisen-Normalität im Luftverkehr kann und darf nicht das Ziel sein. Dafür sind die Klimaschäden einfach zu groß. Hier übrigens lohnt ein Blick nach Frankreich. Da bekommt Air-France KLM zwar auch ein milliardenschweres Hilfspaket. Das ist aber klar an Klimazielen ausgerichtet. So etwas geht also.

Fluglinie nachhaltig aufstellen

Und letztlich sollte die Lufthansa das auch wollen. Denn auch andere Unternehmen werden sich künftig immer stärker an Klimazielen orientieren. Sie werden sich in Zukunft zweimal überlegen, ob sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter per Flugzeug an entfernte Orte bringen müssen. Und wenn sie ihre Beschäftigten dann doch auf Dienstreisen schicken, werden sie sich auch die CO2-Bilanzen der Flüge und Fluglinien ansehen. Sollte ein Flug mit Air France KLM dann deutlich weniger CO2 produzieren, werden Unternehmen ihre Reisen auch in dieser Hinsicht planen und buchen, damit sich die eigene CO2-Bilanz verbessert oder man zumindest damit werben kann, so klimafreundlich wie möglich zu agieren.

So oder so wird es im Wettbewerb also von Vorteil sein, wenn man sich als Fluglinie möglichst nachhaltig aufstellt. Schließlich dürfte ein solches – in doppeltem Sinne "nachhaltiges" Zukunftskonzept – auch die Akzeptanz bei den Lufthansa-Beschäftigten erhöhen, wenn sie nun den Gürtel enger schnallen sollen.

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