Montag, 25.05.2020
 
Seit 01:10 Uhr Interview der Woche
StartseiteKommentare und Themen der WocheDas Aus für Germanwings sozialverträglich gestalten07.04.2020

Lufthansa im SchrumpfprozessDas Aus für Germanwings sozialverträglich gestalten

Die Lufthansa will den Flugbetrieb ihrer Tochter Germanwings dauerhaft einstellen. Diese Entscheidung sei nachvollziehbar, denn die Flugline werde von der Coronakrise hart getroffen, kommentiert Brigitte Scholtes. Doch dürfe das Wohlergehen der Mitarbeiter nicht außer Acht gelassen werden.

Von Brigitte Scholtes

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein Flugzeug der Luftlinie Germanwings auf einem Flughafen. (imago / Ralph Peters)
Vor der Entscheidung über staatliche Beihilfen streicht die Lufthansa ihre Flotte zusammen (imago / Ralph Peters)
Mehr zum Thema

Enorme Geschäftseinbußen Lufthansa bittet um Staatshilfe

HDE-Hauptgeschäftsführer Genth "Hausbanken waren überhaupt nicht vorbereitet"

Wirtschaft und Corona "Entscheidend ist, dass wir schnell und unbürokratisch helfen"

Tourismusexperte "Es müssen deutlichere Signale kommen, um unsere Wirtschaft zu unterstützen"

Nun ist es also beschlossen: Der Flugbetrieb der Germanwings wird eingestellt. Die 2002 gegründete Billigtochter der Lufthansa war dem Vorstand schon lange ein Dorn im Auge, arbeiteten dort schließlich noch einige Piloten unter dem teuren Lufthansa-Konzerntarifvertrag und nicht zu den günstigeren Konditionen einer Eurowings. Dass Lufthansa nun mit so harter Hand durchgreift, zeigt einerseits, als wie bedrohlich der Vorstand nun die Lage ansieht.

Lufthansa verliert Milliarden an Umsatz

Und tatsächlich muss man dem Management ja zugestehen, dass wohl keine Branche in Deutschland von der Coronakrise so hart betroffen ist wie die Luftfahrt. Bis auf einige wenige Verbindungen und ein paar Rückholflüge ist derzeit Flaute am Himmel. Lufthansa verliert deshalb Milliarden an Umsatz. Ohne Staatshilfe wird die Kranichlinie kaum durch die Krise kommen. Aber sie will sich möglichst gut vorbereiten, damit sie nach Ende der Reisebeschränkungen ihren Flugbetrieb schnell und vor allem effizient wieder aufnehmen kann.

Das erklärt die harten Einschnitte. Aber die Art und Weise, wie der Vorstand das durchpeitscht, ist doch etwas fragwürdig. Klar, der hat keine Zeit für langwierige Verhandlungen mit den Gewerkschaften. Doch wie geschehen, die Zukunft von Germanwings eher im Vorbeigehen zunächst in Frage zu stellen und dann ein paar Tage später ernst zu machen, das gleicht einem Coup. Die Gewerkschaften haben Recht, wenn sie jetzt den Lufthansachef daran erinnern, dass man gerade in einer Krise dieses Ausmaßes sozialpartnerschaftlich handeln sollte. Denn natürlich sehen auch die Tarifpartner, wie ernst die Lage ist. Dann aber wäre es gerade geboten, diese Entscheidung nicht an ihnen vorbei vorzubereiten.

Fair mit den Mitarbeitern verhandeln

Betriebswirtschaftlich kann man die Einstellung der Germanwings, immerhin nur einer kleinen Fluggesellschaft innerhalb des Konzerns, zwar nachvollziehen. Die sogenannten Skaleneffekte sind deutlich. Denn wenn jede Fluggesellschaft, die innerhalb der Eurowingsgruppe fliegt wie eben bisher auch Germanwings, unterschiedliche Maschinen womöglich auch unterschiedlicher Typen fliegt, dann ist es sehr schwierig, das Geschäft operativ schnell und flexibel zu steuern.

Diese Überlegungen also gab es schon seit dem Herbst. Es ist das Vorgehen, das fragwürdig ist. Diesen Eindruck zurechtrücken kann das Management jetzt nur, indem es fair mit den Mitarbeitern verhandelt, wie man diese einsetzen kann, wie man dieses Aus sozialverträglich gestalten kann. Denn auch in der Krise gilt: Eine Gesellschaft wie Lufthansa wird nach außen vor allem durch ihre Mitarbeiter repräsentiert. Deren Wohlergehen darf man nicht außer Acht lassen. Nur gemeinsam kann sich die Lufthansa nach der Krise wieder aufschwingen, auch wenn das noch einige Zeit dauern wird.

Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes, Jahrgang 1958, studierte Wirtschaftsgeschichte und Anglistik in Aachen und Bonn mit dem Abschluss Lehramt für Gymnasien. Sie arbeitete zunächst für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die damals auch Hörfunksendungen für das Privatradio RPR produzierte, wechselte dann zur Nachrichtenagentur Bloomberg Business News. Seit 1992 Partnerin im Redaktionsbüro Business Report, das 1998 die Wirtschaftskorrespondenz aus Frankfurt für Deutschlandradio übernommen hat. 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk