Kommentare und Themen der Woche 07.11.2019

Lufthansa-StreikÜberfällige Annäherung der Tarifpartner Von Brigitte Scholtes

Beitrag hören Passagiere warten am Flughafen von Frankfurt am Main (Hessen). (dpa / Frank Rumpenhorst )Wartende Lufthansa-Passagiere hoffen, dass der Arbeitskampf bald endet (dpa / Frank Rumpenhorst )

Dass Lufthansa-Führung und Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo wieder miteinander reden wollen, sei der richtige Weg, kommentiert Brigitte Scholtes. Alles andere sei Passagieren, die heute und morgen unter dem Streik litten, nicht mehr vermittelbar gewesen. Es sei höchste Zeit für normale Tarifgespräche.

Endlich scheint Vernunft einzukehren bei der Ufo und der Lufthansa. Denn dass mindestens 180.000 Passagiere unter dem juristischen Hickhack der beiden Tarifpartnern leiden müssen, das war nicht mehr vermittelbar. Lufthansa hatte die schwierige Lage der kleinen, aber bisher sehr schlagkräftigen Flugbegleitergewerkschaft ausnutzen wollen und zwischenzeitlich Tarifgespräche mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi geführt. Die hat bisher unter den Flugbegleitern noch nicht so viele Mitglieder. Einen internen Streit auf dem Rücken der Passagiere auszutragen, das war und ist nicht vermittelbar. Das haben offenbar beide Seiten inzwischen eingesehen.

Übergeordnete Machtkämpfe

Das Problem geht bis auf den langen Streik 2015 zurück, der erst 2016 geschlichtet werden konnte. Darin hatten sich die Tarifpartner auch auf ein sogenanntes Monitoring geeinigt. Diese Regelung hat zur Folge, dass jedes monetäre Zugeständnis der Lufthansa an anderer Stelle wieder eingespart werden muss, etwa bei der betrieblichen Altersvorsorge. Das habe auf die Dauer Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen zur Folge, fürchtet die Dienstleitungsgewerkschaft Verdi - und offenbar auch Mitglieder der Ufo. So kam es zu Machtkämpfen in der Flugbegleitergewerkschaft, gepaart mit Korruptionsvorwürfen, die zu Rücktritten einiger Vorstandsmitglieder führten. Bis schließlich nur noch ein Rumpfvorstand aus zwei Mitgliedern übrigblieb. Das war willkommene Gelegenheit für die Lufthansa, die Spartengewerkschaft weiter zu schwächen, indem sie diesen Vorstand als nicht verhandlungsfähig ansieht. Denn Ufo hatte ihr in den vergangenen Jahren viele Schwierigkeiten gemacht. Es ging und geht also kaum um die eigentlichen Tarifforderungen - höhere Spesen oder Zulagen sind Themen, die am Verhandlungstisch schnell erledigt sind. Auch die Konditionen für saisonal beschäftigte Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter zu verbessern, dürfte nicht zu unüberwindbaren Schwierigkeiten führen.

Überfällige Einsicht

So war es also höchste Zeit für beide Seiten, aufeinander zuzugehen. Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Arbeitnehmer wegen der Verbesserung ihrer Arbeitsverhältnisse in den Ausstand treten. Doch wenn es nicht darum geht, sondern um die Folgen von Verfehlungen des Vorstands, um eine Machtprobe zwischen den Tarifpartnern, die nichts mit diesen Arbeitsverhältnissen im Konzern zu tun haben, dann können beide Seiten nicht mit Verständnis der Kunden rechnen. Diese Gefahr haben beide Tarifpartner offenbar gesehen. Denn wenn die Kunden mit den Füßen abstimmen und ihre Flüge nicht mehr bei der Lufthansa buchen, dann leiden am Ende auch deren Arbeitnehmer. Deshalb kann man nur hoffen, dass diese Einsicht auch in den folgenden Tagen anhält und Ufo und Lufthansa ihren juristischen Streit beilegen. Dann wäre endlich wieder Zeit für "normale" Tarifgespräche.

Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes, Jahrgang 1958, studierte Wirtschaftsgeschichte und Anglistik in Aachen und Bonn mit dem Abschluss Lehramt für Gymnasien. Sie arbeitete zunächst für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die damals auch Hörfunksendungen für das Privatradio RPR produzierte, wechselte dann zur Nachrichtenagentur Bloomberg Business News. Seit 1992 Partnerin im Redaktionsbüro Business Report, das 1998 die Wirtschaftskorrespondenz aus Frankfurt für Deutschlandradio übernommen hat. 

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