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StartseiteVerbrauchertippNur zwei von sieben sind gut02.03.2020

Luftreiniger Nur zwei von sieben sind gut

Blütenpollen, Haus- und Feinstaub, Gerüche oder sogar Luftschadstoffe aus Lacken oder Klebstoffen können sich in den eigenen vier Wänden ansammeln. Lüften ist da nicht verkehrt, doch gerade in der Pollensaison kann das kontraproduktiv sein. Luftreiniger versprechen eine gute und saubere Innenluft.

Von Dieter Nürnberger

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Der Rauch einer brennenden Zigarette aufgenommen (picture-alliance / dpa /   Karl-Josef Hildenbrand)
Die getesteten Luftreiniger mussten alltägliche Raumluftbelastungen filtern, wie zum Beispiel Zigarettenrauch (picture-alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)
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Das Prinzip eines Luftreinigers ist recht einfach: Die Raumluft wird über einen Ventilator in das Innere gesaugt, dort gereinigt und danach wieder zurück in den Wohnraum oder auch das Büro geleitet. Gefiltert wird also nicht die Luft, die beim Lüften von außen hereinkommt, sondern einfach die Luft im Raum. Eine gute und saubere Raumluft ist das Ziel und viel Platz benötigen die Luftreiniger dabei nicht, so Reiner Metzger von der Stiftung Warentest.

"Das sind meistens so kleine Kästen, ein bisschen größer als ein Papierkorb. Und die versprechen, die Luft sauber zu machen - von Pollen, von Feinstäuben und von Gerüchen aller Art. So ein Luftreiniger hat auch immer Filter. Zuerst einen Grobfilter, dahinter ein Feinfilter und dann noch ein Aktivkohle-Filter."

Allergiker sollten keine Wunder erwarten

In einem zwölf Quadratmeter-großen Prüflabor mussten sich sieben Luftreiniger beweisen. Sie mussten drei alltägliche Raumluftbelastungen filtern: Blütenpollen, Zigarettenrauch und das Lösungsmittel Formaldehyd.

"Wir haben im Labor gemessen: Bei Blütenpollen waren in rund zehn Minuten über 90 Prozent der Pollen aus einer Kammer entfernt. Das ist schon ganz schön flott. Bei Zigarettenrauch hat es ungefähr 20 Minuten gedauert."

Ein ganz guter erster Eindruck. Allerdings sollten Allergiker bei den Blütenpollen keine Wunder durch die Luftreinigung erwarten. Denn je nach Pollenart und auch abhängig von der jeweiligen Konzentration in der Raumluft reicht auch ein 90-Prozent-Ergebnis nicht immer aus, sagt Warentester Reiner Metzger.

"Es gibt ja Pollenarten, wie beispielsweise die Ambrosia-Pflanze. Wenn Sie da nur sechs oder sieben Pollen im Kubikmeter haben, dann haben Sie schon heftige allergische Reaktionen. Es wird besser sein als nichts, aber bei empfindlichen Allergikern kann ein Luftreiniger wahrscheinlich das Problem auch nicht vollständig lösen."

Frühzeitiger Leistungsabfall bei Zigarettenrauch

Zudem punktete kein einziges Testmodell bei der Reinigung der Luft von flüchtigen organischen Verbindungen. Formaldehyd kann beispielsweise aus Klebern in Möbeln oder Lacken entweichen. Es kann die Schleimhäute reizen und es gilt als krebserzeugend.

"Die brauchen total lange, bis sie beispielsweise Formaldehyd aus einem Raum raus haben. Das ist teilweise sogar mangelhaft gewesen. Und die Geräte schwächeln teilweise in der Ausdauer. Neu filtern sie alles super, aber dann haben einige Geräte deutlich nachgelassen. Das ist ein Schwachpunkt. Da müssen sie dann wahrscheinlich die Filter häufiger wechseln."

Besonders Zigarettenrauch führte in der Untersuchung zu einem frühzeitigeren Leistungsabfall der Luftreiniger. Und noch eines fiel auf: Die Hersteller preisen ihre Modelle oft für kleine und gleichzeitig auch große Räume an. Da jedoch auch die Raumhöhe eine Rolle spielt, sind solche Angaben wenig aussagekräftig. Nur zwei Luftreiniger erhielten eine gute Gesamtbewertung. Warentester Reiner Metzger:  

"Philips liegt vorne. Der kostet 350 Euro. Der filtert am Anfang gut und hält auch länger durch. Gleich dahinter ein Modell von Soehnle, kostet weniger und hat auch günstigere Filter. Hier haben wir aber festgestellt, dass die Filter im Staubbereich schneller in die Knie gehen. Da müsste man öfter einen Filter nachkaufen."

Der Zweitplatzierte kostet rund 250 Euro. Mit knapp 40 Euro würden hier die zu wechselnden Filter zu Buche schlagen. Noch vergleichsweise günstig. Denn bei vielen anderen Modellen in der Warentest-Untersuchung muss dafür mit Ausgaben von rund 80 Euro oder sogar mehr gerechnet werden.

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