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Luise RainerHollywood-Diva für drei Jahre

Von Thorsten Funke
Luise Rainer in ihrem ersten Oscar-Erfolg "Der große Ziegfeld". (imago/EntertainmentPictures)
Luise Rainer in ihrem ersten Oscar-Erfolg "Der große Ziegfeld". (imago/EntertainmentPictures)

Sie war die erste Schauspielerin, die in zwei aufeinander folgenden Jahren einen Oscar gewonnen hat: Luise Rainer ist im Alter von 104 Jahren gestorben. In Deutschland wurde sie geboren, in Hollywood zum Star. Doch dort blieb sie es nur für kurze Zeit.

1937 war Luise Rainer, wie die New York Times damals schrieb, "ohne Zweifel eine der wahrhaft großen Schauspielerinnen unserer Zeit". Nur wenige Jahre später war sie von der großen Leinwand verschwunden. Ihre kurze, erstaunliche Karriere in Hollywood ist die Geschichte eines Missverständnisses zwischen einer ambitionierten jungen Schauspielerin aus Europa und dem sich längst als Industrie verstehenden Studiosystem in den USA.

In dem Film "Die gute Erde", ein Drama nach dem Roman von Pearl S. Buck, spielte sie 1937 ein Sklavenmädchen, dafür erhielt sie einen Oscar als beste Schauspielerin und verursachte bei den Kritikern regelrechten Enthusiasmus – zum wiederholten Male. Im Jahr zuvor war Rainer bereits für ihre Rolle in "Der große Ziegfeld" ausgezeichnet worden, einem Filmmusical. Unterschiedlicher hätten die beiden Rollen nicht sein können. Luise Rainer konnte mühelos die dramatische Bandbreite zwischen der einfachen, tugendhaften, schweigsamen Frau vom Land und der glamourösen Dame des Show Business abdecken. Produzenten schätzten ihre Fähigkeit, das Publikum zu bezaubern ebenso wie die Verletzlichkeit, die sie ausstrahlte.

In "Der große Ziegfeld" beeindruckte vor allem eine sehr emotionale Szene, in der sie unter Tränen telefonisch ihrem Ex-Mann zur neuerlichen Hochzeit gratuliert:

Doch fast scheint es, als wäre mit dieser Bandbreite ihre Karriere bereits ausgeschöpft gewesen. Nach 1937 folgten eher enttäuschende Rollen, und bald war Luise Rainers Hollywood-Zeit vorbei. Filmhistoriker sehen einen Streit Rainers mit dem Produzenten Louis B. Mayer als Ursache für den Rückzug. Die eigensinnige, noch nicht 30-jährige Frau wollte sich wohl dem Druck der Studiobosse nicht beugen. Ihre kreative Heimat sah sie stets, so hat Luise Rainer es später beschrieben, beim Theater.

Dort hatte sie begonnen, in Wien, bei Max Reinhardt. Bald folgten erste Filmrollen, schließlich kam das Angebot aus Amerika. Zwei Jahre nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland nahm das Filmstudio MGM die Jüdin unter Vertrag. Diesen Vertrag sollte sie später brechen. Sie zog zunächst nach New York, dann nach England, wo sie den größten Teil ihres Lebens verbrachte und gelegentlich in Film und Fernsehen auftrat.

So kam es dazu, dass Luise Rainer bis zu ihrem Tod als letzte Überlebende der klassischen Hollywood-Ära galt – obwohl sie nur für sehr kurze Zeit zu diesem System aus Stars und Studios gehörte und gehören wollte.

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