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StartseiteThemaAnsteckung, Gefährlichkeit und Schutz27.03.2020

Lungenkrankheit COVID-19Ansteckung, Gefährlichkeit und Schutz

Wie gefährlich ist das Coronavirus? Wie kann man sich damit anstecken - und wie schützt man sich am besten? Was sollte man tun, wenn man glaubt, sich infiziert zu haben? Und wie steht es um Medikamente und Impfstoffe. Ein Überblick.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen Erreger

28.01.2020, Nordrhein-Westfalen, Oberhausen: Eine Frau trägt vor einer Apotheke eine Mund- und Nasenmaske. (picture alliance / Fabian Strauch)
Coronavirus - Mundschutz (picture alliance / Fabian Strauch)
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Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung: Infektionsschutz

WHO: Coronavirus

Ansteckung und Symptome

Gefährlichkeit

Schutz, Medikamente und Impfstoffe

Während in China und auch in Südkorea die Zahl der registrierten Neuinfektionen sinkt, steigt sie in anderen Teilen der Welt zum Teil dramatisch. Den aktuellen Stand der Fälle können Sie auf dieser Karte der US-amerikanischen Johns Hopkins Universität einsehen. Aktuelle Zahlen zum Coronavirus in Deutschland finden Sie auf der Seite des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Corona, SARS-CoV-2 und COVID-19
Das Virus SARS-CoV-2 ist der Gruppe der Coronaviren zuzurechnen. Das Virus ruft die Lungenkrankheit mit dem Namen COVID-19 (Abkürzung für: Corona virus disease 2019) hervor. Der neue Erreger wurde wie alle Coronaviren zunächst zwischen Tier und Mensch übertragen, eine sogenannte Zoonose. Das Virus überträgt sich auch von Mensch zu Mensch. Wie der Name des Erregers ahnen lässt, ähnelt er dem SARS-Virus, das in den Jahren 2002/2003 eine Pandemie ausgelöst hatte.

Wie kann man sich mit dem Coronavirus anstecken?

Primär wird das Virus - wie andere Coronaviren auch - über die Tröpfcheninfektion übertragen, wie das Robert-Koch-Institut mitteilte. Das Virus wurde bisher vor allem im Sekret des Nasen- und Rachenraumes, in den unteren Atemwegen, im Stuhl, und in der Tränenflüssigkeit nachgewiesen. Es ist unklar, ob auch Schmierinfektionen vorkommen, sie spielen jedoch nur eine untergeordnete Rolle im Infektionsgeschehen.

Was sollte man tun, wenn man glaubt, sich infiziert zu haben? 

Coronavirus Verlauf und Meldekette (dpa)Coronavirus Verlauf und Meldekette (dpa)

Welche Symptome werden durch das Coronavirus ausgelöst?

Zu den Symptomen von COVID-19 zählen trockener Husten, Halskratzen und Fieber, bisweilen auch Schnupfen. Manche Betroffene leiden zudem an Durchfall. Bei einigen Patienten scheint das Virus zu Atemproblemen und Lungenentzündungen zu führen. Todesfälle gab es bisher insbesondere bei solchen Patienten, die älter waren, an chronischen Erkrankungen litten, beziehungsweise ein geschwächtes Immunsystem hatten.Was passiert genau bei einer Sars-CoV-2-Infektion? Warum dauert es, bis wir Antikörper bilden? Wie soll ein zukünftiger Wirkstoff wirken? Und wie erklärt man sich die unterschiedlichen Verläufe? Wir haben die Virologin Stephanie Pfänder dazu befragt.

Illustrative Darstellung einer viralen Lungentzündung mit Blick in das innere eines Menschen, die von Coronaviren verursacht werden kann. (imago / Science Photo Library) (imago / Science Photo Library)Was bei einer Sars-CoV-2-Infektion im Körper passiert 
Was passiert genau bei einer Sars-CoV-2-Infektion? Warum dauert es, bis wir Antikörper bilden? Wie soll ein zukünftiger Wirkstoff wirken? Und wie erklärt man sich die unterschiedlichen Verläufe? Wir haben die Virologin Stephanie Pfänder dazu befragt.

Wie gefährlich ist eine Infektion mit SARS-CoV-2?

Das Robert Koch-Institut stuft die Gefährdung durch das Coronavirus für die Bevölkerung in Deutschland seit dem 17. März als hoch ein - bei Risikogruppen sei die Gefährdung sogar "sehr hoch". Zu den besonders gefährdeten Personen zählen laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Personen ab etwa 50 bis 60 Jahren, Raucher, Menschen mit Vorerkrankungen des Herzens und der Lunge sowie Krebspatienten, Patienten mit chronischen Lebererkrankungen und mit geschwächtem Immunsystem.

Illustration neuartiger Corona-Viren   February 3, 2020, Atlanta, GA, United States of America: Illustration created at the Centers for Disease Control and Prevention showing the ultrastructural morphology exhibited by the Novel Coronavirus 2019-nCoV virus which has caused an outbreak of respiratory illness first detected in Wuhan, China in 2019. Note the spikes that adorn the outer surface of the virus, which impart the look of a corona surrounding the virion, when viewed electron microscope. Atlanta United States of America PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAp138 20200203zaap138002 Copyright: xCdc/Cdcx (imago images / ZUMA Press / Cdc/Cdc) (imago images / ZUMA Press / Cdc/Cdc)Was wir über die Gefährlichkeit der Virus-Varianten wissen 
Das Coronavirus mutiert, und damit können neue Varianten entstehen. Ob sich daraus neue Risikoabschätzungen ableiten lassen, wird derzeit unter Medizinern kontrovers diskutiert. Dies hat auch Auswirkungen auf die Berechnung der Sterberaten.

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO verlaufen vier von fünf Erkrankungen mild. Auch das RKI geht davon aus - teilweise seien die Krankheitsverläufe allerdings schwer. Eine Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 würde häufiger tödlich als die Grippe enden, so das RKI. Die genaue Sterberate werde man aber erst nach dem Ende der Epidemie sehen, so RKI-Präsident Lothar Wieler.

Kann man sich mehrfach mit SARS-CoV-2 anstecken?

Bisher ist unklar, ob man sich mehrfach mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 anstecken kann. In China und Japan sollen sich Menschen, die eine COVID-19-Erkrankung bereits überstanden hatten und negativ getestet wurden, erneut mit dem Coronavirus infiziert haben. Der Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth hält das für unwahrscheinlich. Verschiedene deutsche Virologen hätten sich die Veröffentlichungen für das Science Media Center angesehen und seien nicht überzeugt, sagte er im Dlf. Dafür sprächen vor allem zwei Gründe:

1. Es sei nicht klar, ob das Virus beim zweiten Test wirklich verschwunden sei. Die Tests selbst sind zwar sehr empfindlich, aber die Probenentnahme sei nicht einfach und es könne beim Abstrich zu Ungenauigkeiten kommen. Tests könnten bei Patienten, die keine Symptome mehr aufweisen, weniger gründlich durchgeführt worden seien.

2. Die Empfindlichkeit des Tests, der das Erbgut des Coronavirus sehr genau nachweise, sei ein Problem. Ob dieses Erbgut sich nur als Bruchstück noch im Rachen befindet oder ob tatsächlich infektiöse Virenpartikel vorhanden sind, das sei bei den betroffenen Personen nicht klar, sagte Wildermuth. 

In einem Coronavirus-Testzentrum in Baden-Württemberg gibt eine Ärztin ein Abstrichstäbchen im Plastikröhrchen in einen Plastikbeutel. (Felix Kästle / dpa ) (Felix Kästle / dpa )Wie die Tests für das Coronavirus funktionieren
Die aktuellen Tests für das Coronavirus können in wenigen Stunden zeigen, ob jemand infiziert ist. Eine höhere Effizienz ließe sich mit besserer Logistik erreichen. Dennoch sei es nicht sinnvoll, "jeden mit einem Husten auf Corona zu testen", sagte Wissenschaftsredakteur Volkart Wildermuth im Dlf

Wie kann man sich schützen?

Vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen gute Händehygiene, Hust- und Niesregeln und das Abstandhalten zu Erkrankten - zu mindestens 1,5 bis 2 Meter Abstand zu anderen Menschen in der Öffentlichkeit wird geraten, besonders wenn es sich um Menschen aus der besonders gefährdeten Risikogruppe handelt, zum Beispiel ältere Menschen. Personen mit Atemwegssymptomen wird geraten, zu Hause bleiben.

Ein Mundschutz im Alltag schützt in der Regel nicht die Person, die ihn trägt, sondern wird vor allem zum Schutz anderer Personen eingesetzt. In erster Linie hilft er, die Verbreitung von Speicheltröpfchen zu verhindern.

Auf einem Tisch liegt ein fertig genähter Mundschutz mit floralem Muster auf lila Hintergrund sowie diverse Utensilien wie Scheren, Zange, Gummibänder und eine Rolle Draht. (dpa / Frank Rumpenhorst) (dpa / Frank Rumpenhorst)#Maskeauf - Wie sinnvoll ist der Mundschutz?
Immer mehr Prominente unterstützen #Maskeauf. Der Mundschutz sei wichtig, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, sagen sie. Stimmt das? Unser Wissenschaftsredakteur Martin Mair macht den Faktencheck.

Wann kommt ein Impfstoff gegen das Virus?

Weltweit wird mit Hochdruck nach einem Impfstoff gegen das Sars-CoV-2-Virus gesucht. Rund 20 Unternehmen, Universitäten und Institute arbeiten bereits daran.

Mitte März ist der erste Impfstoff zum ersten Mal bei einem Menschen angewandt worden, so Marylyn Addo, Leiterin der Infektiologie an der Uniklinik Hamburg Eppendorf, im Dlf. Nun würde unter anderem geschaut, ob Antikörper generiert werden. Vorstellbar ist laut Addo, dass die nächsten Studien zu diesem Impfstoff Ende des Jahres in der Weiterentwicklung sind. Frühestens flächendeckend einsetzbar könnte er nach Einschätzung der Infektiologin aber erst frühestens Ende 2021 sein.

Eine Arzthelferin impft in einer Arztpraxis eine Patentin mit einer Spritze mit dem Impfstoff Rabipur zum Schutz vor Tollwut. (picture alliance/Ole Spata/dpa) (picture alliance/Ole Spata/dpa)Die Impfstoff-Entwicklung läuft auf Hochtouren 
COVID-19 breitet sich weiter rasend schnell in vielen Ländern aus. Kein Wunder, denn das menschliche Immunsystem ist völlig unvorbereitet auf das neue Virus. Hilfestellung könnte eine Impfung geben.

Gibt es Medikamente?

Einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus zu entwickeln, braucht Zeit. Weniger langwierig ist es, die Patienten mit Medikamenten zu behandeln, die bereits auf dem Markt sind und zur COVID-19-Therapie zweckentfremdet werden könnten. Die WHO führt jetzt mit vier Medikamenten eine weltweite Studie durch.

Als besonderer Hoffnungsträger gilt der Wirkstoff Remdesivir: Ein antivirales Mittel, das ursprünglich gegen Ebola entwickelt worden war. Der Nachteil dabei: Es muss intravenös verabreicht werden und steht im Moment nicht in großen Mengen zur Verfügung.

Das Gilead-Logo wird auf einem Smartphone neben einem Bildschirm mit einer Coronavirus-Grafik (AFP / Olivier Douliery) (AFP / Olivier Douliery)Wirkstoff Remdesivir 
Bei ersten Medikamententests habe das ursprünglich für Ebola entwickelte Mittel Remdesivir "sehr gute therapeutische Effekte gezeigt", sagte Clemens Wendtner, Chefarzt in München. Es könne für wenig symptomatische bis schwer erkrankte Patienten geeignet sein.

Ein zweiter von der WHO untersuchter Wirkstoff ist ein seit Jahrzehnten etabliertes Mittel gegen Malaria: Chloroquin - beziehungsweise der verwandte Wirkstoff Hydroxychloroquin. Dieser blockiert einen Weg, auf dem das Virus in die Körperzellen gelangen kann, nämlich über kleine Abschnürungen der Zellmembran, die dann das Virus in die Zelle hineinschleusen. Das ist allerdings nicht der Haupteintragspfad für das Coronavirus. Und deshalb sind hier auch noch viele Experten skeptisch, ob Chloroquin wirklich helfen kann, so Dlf-Wissenschaftsredakteur Arndt Reuning.

Eine Infektiologin in Schutzausrüstung steht mit vorgefertigten Fragebögen in der Eingangstür der Corona-Ambulanz an der Uniklinik Dresden. (imago / Max Stein) (imago / Max Stein)Die Jagd nach spezifischen Wirkstoffen 
Von Tag zu Tag werden es mehr COVID-19-Fälle in Deutschland: Bei der Behandlung der Symptome kommen oft altbewährte Medikamente zum Einsatz. Um die Virusvermehrung zu blockieren, müsse aber an mehreren Punkten im Lebenszyklus des Virus eingegriffen werden, sagte der Wissenschaftsjournalist Martin Winkelheide im Dlf.

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Coronavirus (imago / Science Photo Library) (imago / Science Photo Library)

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