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StartseiteThemaEuropa und das Coronavirus - was man wissen muss02.03.2020

Lungenkrankheit COVID-19Europa und das Coronavirus - was man wissen muss

Das Coronavirus breitet sich in Europa immer weiter aus. In Italien steigt die Zahl der Infektionen weiter an, auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern gibt es neue Fälle. Was die Ausbreitung für Europa bedeutet - und wie man sich schützen kann.

Menschen mit Mundschutz in Mailand (dpa/ Cristiano Barni/Eidon/)
"Wir haben eine neue Lage, mit der wir umgehen müssen", sagt Gesundheitsminister Spahn nach einem Krisentreffen in Italien (dpa/ Cristiano Barni/Eidon/)
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Das Coronavirus ist außerhalb Chinas weiter auf dem Vormarsch, auch in Deutschland. Hier wurden bisher rund 170 Ansteckungsfälle registriert. Bislang sind 13 Bundesländer und mehr als 50 Landkreise betroffen. 

Angesichts der neuen Fälle von Ansteckungen mit dem Coronavirus in Deutschland bildete die Bundesregierung einen Krisenstab.

Mehr zu den Maßnahmen in Deutschland finden Sie hier.

Auch in weiteren europäischen Ländern gibt es bestätigte Infektionen mit SARS-CoV-2, darunter Frankreich, Großbritannien, Österreich und Spanien. Die meisten Fälle in Europa gab es bislang in Italien, dort starben bislang 52 Menschen an dem Virus. Mehr als 2.000 Menschen sind laut Behördenangaben infiziert. (Stand: 03.03.2020) Der lokale Ursprung der Krankheit soll in Venetien liegen.

Aktuelle Zahlen zum Coronavirus in Deutschland finden Sie auf der Seite des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) äußerte sich besorgt über Krankheitsfälle ohne erkennbare Verbindung zu China.

Handelt es sich schon um eine Pandemie?

Das Virus breitet sich aus, auch auf andere Kontinente. Ist aus der Epidemie nun eine Pandemie geworden, also eine Ausbreitung der Infektionskrankheit, die nicht mehr örtlich beschränkt ist? Darüber könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch streiten, doch es deute vieles darauf hin, erklärt Volkart Wildermuth aus der Dlf-Wissenschaftsredaktion. "Jetzt kann man sich fragen: Schaffen die Italiener das noch in den Griff zu kriegen? Eine Pandemie bedeutet aber nicht, dass auf einen Schlag alle in der Welt krank werden", so Wildermuth.

Virologen Prof. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg  (privat) (privat)Virologe über die "stille Pandemie"
Es handele sich bei Covid-19 um eine sogenannte stille Pandemie, sagt der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit: Das Virus breitet sich weltweit aus, wird aber erst bemerkt, wenn schwere Erkrankungsfälle auftreten.

Um den Ausbruch in Italien zu beschränken, wird nun der "Patient Null" gesucht - also derjenige, von dem ausgehend das Virus in Italien verbreitet wurde. "Aber um das zu machen, muss man wirklich alle erwischen, die das Virus in sich tragen. Und dafür ist es eben wichtig, die Quelle zu kennen, um von da aus dann alle Verästelungen nachverfolgen zu können." Das werde jedoch immer schwieriger, je mehr sich infizieren. "Das ist praktisch eine Lawine. Jeder muss gefragt werden. Mit wem hattest du den letzten drei, vier, fünf Tagen engen Kontakt? Und das werden dann einfach sehr viele. Und dann ist das irgendwann logistisch auch nicht mehr zu machen."

Coronavirus (imago / Science Photo Library)Coronavirus (imago / Science Photo Library)

Breitet sich das Coronavirus auch in Deutschland weiter aus?

Experten der Europäischen Gesundheitsagentur ECDC haben zwischenzeitlich das Risiko durch das neue Coronavirus in der Europäischen Union von moderat auf hoch heraufgestuft. Die Experten gehen davon aus, dass sich in Deutschland und in anderen Ländern viele Menschen mit diesem Virus infizieren werden, berichtet Dlf-Wissenschaftsredakteur Wildermuth.

"Die Strategie, die Viren aus dem Land zu halten, hat noch nie funktioniert", sagte Andrea Ammon, Direktorin des Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) im Dlf. 

Eine Gruppe Menschen mit Atemschutzmasken steht mit leeren Einkaufswagen auf einem Parkplatz. (AFP/Miguel Medina) (AFP/Miguel Medina)EU-Gesundheitsbehörde rechnet mit weiteren lokalen Corona-Ausbrüchen
Direktorin Ammon sagte im Dlf, in Italien erlebe man derzeit zum ersten Mal in Europa, dass die Zahl der Erkrankungen schnell anwachse. Das Coronavirus entwickele sich in Europa jetzt dynamisch.

Die gute Nachricht sei, dass dieses Virus doch nicht so aggressiv ist, wie anfangs gedacht, betont Wildermuth. "Jetzt geht es darum, dafür sorgen, dass sich die Zahl der Infizierten nicht auf einen Schlag mehrt, sondern dass das sozusagen gestreckt wird." Problematisch werde es, wenn Tausende gleichzeitig so krank sind, dass sie in die Krankenhäuser müssen. Krankenhäuser müssen sich nun vorbereiten und die Bevölkerung müsse über das Risiko informiert werden, sagte Ammon.

Was sind die Symptome von Covid-19?

Die WHO erklärt am Montag, laut aktuellen Daten würden bei vier von fünf Infizierten nur leichte oder gar keine Symptome auftreten. Auch einer chinesischen Analyse zufolge verläuft die Mehrheit (mehr als 80 Prozent) der Infektionen mit milden Symptomen. Zu diesen gehören etwa Fieber und/oder trockener Husten. Bei schweren Fällen (14 Prozent) kann es zu Atemnot kommen, in knapp fünf Prozent der Fälle treten lebensbedrohliche Symptome wie Atemstillstand, septischer Schock oder Multiorganversagen auf. Die Abgrenzung gegen bekannte Krankheiten ist schwierig. 

Eine Ansteckung mit dem Coronavirus Sars-Cov-2 endet nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts häufiger tödlich als die Grippe. Die genaue Sterberate werde man aber erst nach dem Ende der Epidemie sehen, sagte RKI-Präsident Wieler in Berlin. Er appellierte an die Bevölkerung, selbst zur Eindämmung des Virus beizutragen.

Wie kann man sich schützen? 

Das Coronavirus wird durch Tröpfchen übertragen, die erkrankte Menschen beim Niesen oder Ausatmen hinterlassen. Daher sollte man engen Kontakt und große Ansammlungen vieler Menschen meiden. Dazu hat die italienische Regierung ähnlich wie die chinesische zahlreiche Schritte unternommen: Städte sind abgeriegelt, etliche Geschäfte, Museen und Schulen geschlossen. Das seien richtige Maßnahmen, um den engen Kontakt vieler Menschen zu verhindern und damit die Zahl der Infizierten nicht auf einen Schlag zu erhöhen, erläutert Dlf-Wissenschaftsredakteur Wildermuth.

Jeder Einzelne kann sich vor allem durch Hygienemaßnahmen schützen: Mindestens einen Meter Abstand zu Menschen halten, die niesen. Hände waschen, selbst in die Ellenbeuge niesen. "Es geht darum, dass wenn man selber Symptome hat, dass man nicht ins volle Wartezimmer geht, sondern dann den Notdienst anruft und dann Instruktionen bekommt, wie man sich zu verhalten hat", legte Seuchenexpertin Andrea Ammon dar, Direktorin des Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten. "Dass wenn man Symptome hat, wenn man Husten hat oder niesen muss", sei es wichtig, so Ammon, "dass man das nicht in die Welt hinaus pustet, sondern eben den Mund und die Nase schützt, dass man in den Ärmel niest oder so was. Diese Maßnahmen kann jeder ja treffen."

Ob das Virus auch durch Schmierinfektionen übertragen werden kann, also durch Erreger aus Fäkalien, die über den Mund in den Organismus gelangen, ist derzeit noch unklar. Die neuartigen Coronaviren wurden aber auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden.

Was unternimmt die EU?

Die EU-Kommission hat rund 230 Millionen Euro für den weltweiten Kampf gegen das Virus freigegeben. Davon geht die Hälfte an Gesundheitsorganisationen und 100 Millionen in die Forschungsförderung - insbesondere, um einen Impfstoff gegen das Virus zu entwickeln, berichtet Dlf-Korrespondentin Bettina Klein aus Brüssel. Die Entwicklung eines Impfstoffes werde allerdings noch Monate dauern, sagte Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Institus, am 27.02.2020. Problematisch sei, dass es bislang keine Medikamente gebe, die nachweisbar helfen würden, so Wieler.

Gesundheitspolitik sowie Reisewarnungen sind insgesamt Sache der Mitgliedsländer. Dennoch sei ein abgestimmtes Vorgehen nicht nur wünschenswert, sondern scheint immer dringlicher, beobachtet Klein: Bereits vor zehn Tagen beim ersten Treffen der EU-Gesundheitsminister zum Thema habe man die Staaten aufgefordert, ihre Vorsorgemaßnahmen zu verstärken, sagte der für die Krisenkoordination zuständige EU-Kommissar Janez Lenarcic. Man arbeite an Notfallplänen für verschiedene Szenarien.

Menschen mit Schutzmasken laufen in einem Flughafen. (www.imago-images.de / Tass / Yuri Smityuk) (www.imago-images.de / Tass / Yuri Smityuk) Exogener Schock Coronavirus: Welche Konsequenzen zieht die deutsche Wirtschaft?: Homeoffice, Atemmasken und Reiseverbote – die Folgen des Corona-Virus-Epidemie werden spürbarer in Europa. Zurückgehenden Flugverkehr und weniger Tourismus sind zwei Auswirkungen. Doch es gibt weitere Folgen für Handel und Industrie. Ein Ökonom erwartet gar einen "Lehman-Brüder-Moment" durch die Coronavirus-Krise.

Auch das mögliche Aufheben des kontrollfreien Schengen-Systems liege in der Entscheidung der einzelnen Mitgliedsstaaten. Die Empfehlung der EU-Kommission lautet: Die Entscheidungen sollten auf Grundlage "einer glaubwürdigen Risikoanalyse und wissenschaftlicher Belege" getroffen werden - und verhältnismäßig und untereinander abgestimmt sein. 

Audio-Playlist zum Thema Coronavirus (Direkter Link zur Spotify-Playlist)

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