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StartseiteSternzeitIngeborg Bachmanns Hymne an die Sonne20.07.2021

LyrikIngeborg Bachmanns Hymne an die Sonne

In ihrem Gedicht "An die Sonne" verrät Ingeborg Bachmann astronomische Kenntnisse. In den neun Strophen der österreichischen Lyrikerin geht es um die Sonne und das Auge, um die Schönheit, um Licht und Liebe.

Von Dirk Lorenzen

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Ein Schwarzweiß-Foto zeigt die österreichische Lyrikerin Ingeborg Bachmann 1972 nach der Verleihung des Wildganspreises  in  weißem Hemd und schwarzer Weste auf einer Bank sitzend, die linke Hand erhoben gestikulierend,  den Blick leicht lächelnd nach oben gerichtet.  (picture-alliance / IMAGNO / Barbara Pflaum )
"Nichts Schönres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein …" (Ingeborg Bachmann) (picture-alliance / IMAGNO / Barbara Pflaum )

Schöner als der beachtliche Mond und sein geadeltes Licht,
Schöner als die Sterne, die berühmten Orden der Nacht,
Viel schöner als der feurige Auftritt eines Kometen
Und zu weit Schönrem berufen als jedes andre Gestirn,
Weil dein und mein Leben jeden Tag an ihr hängt, ist die Sonne.

So beginnt das Gedicht "An die Sonne" von Ingeborg Bachmann. In den neun Strophen der österreichischen Lyrikerin geht es um die Sonne und das Auge, um die Schönheit, um Licht und Liebe.

Dabei verrät die Autorin astronomische Kenntnisse. Der Mond und die Sterne mögen uns des Nachts in den Bann schlagen – und hin und wieder auch ein Komet, etwa wie "Neowise" vor genau einem Jahr.

Sonnenflekcen auf der Sonne (SDO/NASA)Die Sonne, der Stern des Lebens (SDO/NASA)

Aber das einzig wirklich wichtige Gestirn ist die Sonne. Ohne ihr Licht und ihre wärmenden Strahlen wäre es auf der Erde dunkel und eisig – unser Leben hängt nicht an Mond, Sommerdreieck und Komet Halley, sondern allein an der Sonne.

Ingeborg Bachmanns Hommage an unseren Stern ist ein wunderschönes Gedicht über die Liebe:

Schönes Licht, das uns warm hält, bewahrt und wunderbar sorgt,
Daß ich wieder sehe und daß ich dich wiederseh!

Auch der Aufbau des Gedichts ist astronomisch: Die erste der neun Strophen hat fünf Zeilen, dann nimmt die Zeilenzahl immer um eins ab, bis sie wieder auf fünf anwächst: So wie die Schatten am Morgen und Abend am längsten – mitten am Tag aber am kürzesten sind.

Der zentrale Satz in der Mitte – am Mittag – des Gedichts gilt im irdischen Alltag genauso wie im kosmischen Kontext:

Nichts Schönres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein …

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