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StartseiteKommentare und Themen der WochePokal für die schlechteste Verbandsführung03.05.2021

Machtkampf im DFBPokal für die schlechteste Verbandsführung

Nachdem DFB-Präsident Fritz Keller seinen Vize Rainer Koch in einer Präsidiumssitzung mit dem Nazi-Richter Roland Freisler verglichen hat, wird der Machtkampf im Verband weiter offen ausgetragen. Für den Fußballstandort Deutschland ist das nur noch peinlich, kommentiert Marina Schweizer. Was es bräuchte, wäre eine Revolution von unten.

Ein Kommentar von Marina Schweizer

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Fritz Keller mit Blumenstrauß in der Hand nach der Wahl zum DFB-Präsidenten. (dpa-Bildfunk / Boris Roessler )
Vielen Dank für die Blumen? Die Zeiten der Nettigkeiten sind beim DFB Vergangenheit. (dpa-Bildfunk / Boris Roessler )
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Der Deutsche Fußballbund zerfleischt sich wieder einmal selbst. Die Landes- und Regionalverbände haben jetzt zwei mächtigen Funktionären das Vertrauen entzogen – dem Präsidenten Fritz Keller und dem Generalsekretär Friedrich Curtius.

Wenn das Amateurlager diese beiden Top-Funktionäre nicht mehr mittragen will, ist das zwar noch nicht bindend. Aber es kann als ein de facto Rauswurf verstanden werden, denn ein Präsident und ein Generalsekretär, die das Vertrauen der Amateure entzogen bekommen, sind kaum haltbar.

Fritz Keller und Rainer Koch (DFB-Präsidium) auf der Stadion-Tribüne (imago images/ Actionpictures)Zwischen ihnen kam es zum Eklat: DFB-Spitze Fritz Keller und Rainer Koch (imago images/ Actionpictures)Machtkampf beim DFB - "Enormes Misstrauensvotum gegen alle"
Die Landes- und Regionalverbände fordern nach Fritz Kellers NS-Vergleich dessen Rücktritt als DFB-Präsident. Für SZ-Journalist Thomas Kistner und ARD-Sportreporterin Martina Knief ist das keine große Überraschung. Kistner sieht jedoch auch Vize-Präsident Rainer Koch unter Druck.

Es dürfte inzwischen auch Nicht-Insidern klar sein: Das alles geht weit über den inakzeptablen Nazi-Vergleich aus dem Munde des Präsidenten hinaus. Dass auch Friedrich Curtius das Vertrauen entzogen wurde, offenbart das Lagerdenken, dass im DFB seit langer Zeit vorherrscht: Auch bei Kellers Gegenspielern soll aufgeräumt werden. Aber diese beiden Personalien werden nicht reichen.

"Die alte Garde entscheidet auch über sich selbst mit"

Es würden zu viele Funktionäre bleiben, die wegen schlechter Verbandsführung, Steuer-Ermittlungen oder vor allem der Sommermärchen-Affäre selbst belastet sind. Fritz Keller wurde schon zum Amtsantritt entmachtet, weitreichende Befugnisse und Richtlinienkompetenz waren dahin – manche nennen so etwas "Grüß-August". Auch das verhinderte, dass er Licht ins Dunkel vor seiner Zeit bringen konnte.

Dr. Rainer Koch, links, und der neue DFB-Praesident Fritz Keller 43.Ordentlicher DFB-Bundestag am 27.09.2019 in Frankfurt/ Deutschland. POOLFOTO   Dr Rainer Koch, left, and the new DFB President Fritz Keller 43 Ordinary DFB Bundestag on 27 09 2019 in Frankfurt Germany POOLFOTO  (IMAGO / Sven Simon)DFB-Vizepräsident Rainer Koch (l.) und DFB-Präsident Fritz Keller (IMAGO / Sven Simon)Misstrauensvotum gegen DFB-Präsident Keller - "Ein Rücktritt würde die Probleme des DFB nicht lösen"
Dass Fritz Keller noch lange DFB-Präsident bleibt, könne er sich "kaum vorstellen", sagte Roland Eitel, Ex-Medienberater von Joachim Löw, im Dlf. Doch auch ein Rücktritt Kellers könne den DFB aus seiner Sicht nicht retten: "Ich befürchte, dass diese ganze Organisation in ihrer eigenen Welt lebt."

Wenn im Deutschen Fußballbund die Streitigkeiten und die Machtkämpfe aufhören sollen, dann müssen künftig auch auf den wirklich mächtigen Positionen Aufklärer und auch Aufklärerinnen sitzen, die den Namen verdient haben. Problem ist, dass über diese Positionen auch die alte Garde mitentscheidet, die den Laden seit einigen Jahren fehlsteuert. Sie entscheidet auch über sich selbst mit: Bestes Beispiel ist Vize-Präsident Rainer Koch, der sich Dank diverser Posten am Wochenende bei der Abstimmung der Landesverbände praktisch selbst das Vertrauen aussprechen konnte.

"Es bräuchte eine Revolution von unten"

Was an der Verbandsspitze abläuft, ist auch für den Fußballstandort Deutschland einfach nur noch peinlich. Der DFB bemüht sich seit Jahren geradezu um den Pokal in schlechter Verbandsführung.

Was es bräuchte, wäre eine Revolution von unten, von der Basis: Denn der DFB als größter nationaler Sportfachverband der Welt ist ohne seine rund sieben Millionen Mitglieder nichts. Die Kreisligateams, die Kinder- und Jugendmannschaften. Sie dürften sich momentan wenig repräsentiert fühlen von einem Dachverband, der mehr durch Machtfragen, Steuerrazzien und Intrigen auffällt, als durch den Kampf für ihre Belange. Aber, wer soll die große Revolution an der Basis organisieren? Ausgerechnet mitten in einer beispiellosen Krise des Vereinssports in der Pandemie?

Es sieht düster aus für die Erneuerung des Deutschen Fußballbundes.

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