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StartseiteCorsoSchwarz-weißer Horrortrip28.11.2018

Manga aus DeutschlandSchwarz-weißer Horrortrip

Monster und Alpträume, die in den Alltag von zwei Geschwistern eindringen - Martina Peters gehört mit ihren Geschichten und Zeichnungen zu den erfolgreichsten deutschen Manga-Künstlerinnen. Jetzt erscheint Band 3 ihrer Reihe "Focus 10".

Von Andrea Heinze

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Manga aus Deutschland - Band 3 aus der Reihe "Focus 10" von Martina Peters (Carlsen Verlag )
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Tagsüber ist Adrian ein smarter Barista – nachts wird er von Monstern verfolgt. Vor allem, wenn er aufwacht begegnen ihm Monster, die sich mit ihren bizarren Körpern vor ihm verrenken. Dann wieder scheint er in einer Welt aus sich ständig verändernden Strukturen gefangen zu sein, in denen er den unterschiedlichsten Wesen begegnet. Schlafparalyse sei das, heißt es im ersten Band.

Martina Peters: "Ich bin auf die Idee zu Focus 10 gekommen, weil ich selbst an Schlafparalyse leide, nicht so oft Gott sei Dank. Ich habe es halt nur, wenn ich sehr gestresst bin, aber ich hab es halt."

Gefangen im eigenen Körper

Martina Peters weiß genau, was dann in ihrem Körper passiert. Im Schlaf gibt es normalerweise keine Verbindung zwischen Gehirn und Muskulatur, denn sonst würde man bei wüsten Träumen um sich schlagen. Bei einer Schlafparalyse braucht es ein paar Sekunden, manchmal auch Minuten, bis die Verbindung zwischen Hirn und Muskulatur nach dem Aufwachen wieder funktioniert. So lange bleibt der Körper bewegungslos.

"Stell Dir vor, Du wachst mitten in der Nacht auf, es ist dunkel, Du hast das Gefühl, da ist jemand mit Dir im Raum. Du kannst dich nicht bewegen. Du kannst nicht laut schreien. Du kannst halt nur atmen. Und meistens atmest Du sehr schnell, weil Du halt in Panik aufwachst."

Martina Peters zeichnet diesen Zustand in ihrem Manga "Focus 10" als schwarz-weißen Horrortrip, der vor allem im Kopf von Adrian stattfindet. In seiner Imagination lässt sie Adrian so rasant mit den Monstern kämpfen, dass man sich beim Lesen fühlt, als sei man selbst mit dabei. Das ist üblich im Manga. "Es kommt mehr dem Storyboard für Filme nahe als einem Comic, weil es sehr filmisch erzählt wird. Die Panels sind viel weniger statisch. Ich glaube, das ist es, was Manga ausmacht. Und es gibt eine gewissen Ästhetik, es muss sehr viel sehr schön gezeichnet werden – aber es ist ziemlich schwierig, das abzugrenzen."

Fließende Grenze zwischen Comic und Manga

Als Martina Peters Mitte der 90er-Jahre anfing zu zeichnen, gab es eine klare Trennung zwischen Comic und Manga. Heute greifen auch junge Comic-Autoren auf die Ästhetik der japanischen Comics zurück – weil sie als Kind vor allem Manga gelesen haben. Die Grenzen zwischen Comic und Manga sind fließend geworden. Wie bei Haiko Hörnig und Marius Pawlitza und ihrer Manga-Serie "A House Divided". 

"'A House Divided' wird unter Manga gezählt, ist aber bunt und hat einen eher cartoonigen Charakter, aber wird unter Manga gezählt. Ob es eine Marketing-Sache ist oder weil die Erzählstruktur sehr filmisch ist? Müsste man die beiden vielleicht fragen."

Zur deutschen Manga-Szene gehört vor allem, wer sich in ihr bewegt. Wer also auf Manga-Convention geht, dort seine Arbeiten an einem Stand präsentiert und in einem der zahlreichen Self-Publishing-Netzwerken veröffentlicht. Martina Peters ist seit mehr als 10 Jahren beim großen Carlsen-Verlag. Trotzdem veröffentlicht auch sie einige ihrer Arbeiten im Selbstverlag. Die Initialzündung für ihre Manga-Leidenschaft bildete in den 90er Jahren die Manga- und Anime-Serie "Sailor Moon" – die prägte eine ganze Generation von Frauen, weil endlich nicht nur die Jungs als Helden dargestellt wurden.

Kämpfe gegen Monster

"Das war halt nicht so super rosa Glitzer niedlich Prinzessinnen-Gedöns, sondern die Hauptfiguren waren Mädchen, die Heldinnen waren und die die Welt gerettet haben. Und das fand ich halt damals superspannend. Da war ich elf, zwölf so um den Dreh rum. Und das sah cool aus. Und so habe ich dann angefangen, meine eigenen Charaktere zu entwickeln. Und so kam das dann langsam. Das wurde halt immer mehr."

Immer komplexer werden ihre Manga. "Focus 10" ist auf zehn Bände angelegt. Schon im ersten Band erfahren wir, wie Adrian für seine kleine Schwester sorgt, weil die Eltern tot sind. Wie er schwankt zwischen elterlicher Sorge und Bruderwitz. Er muss stark sein, die Monster, die ihn des Nachts überfallen im Zaum halten. Und je mehr die Geschichte voranschreitet, desto unklarer wird, ob die Monster nicht vielleicht doch echt sind."Das ist bewusst gemacht, weil Adrian zu Anfang der Einzige ist, der weiß, dass er mit seinem Körper in eine andere Welt eintaucht. Und die anderen denken halt, sie träumen das nur oder sie sind nur mit ihrem Geist da und sie sind sicher in ihren Betten und ihnen kann nichts passieren."

Mit jedem Band werden die Kämpfe mit den Monstern drastischer. Wie genau sich die Geschichte entwickeln wird kann man kaum ahnen – denn die narrativen Wendungen im Manga sind oft unvorhersehbar.

Martina Peters: "Focus 10" 
Carlsen Verlag Hamburg, 2018. 69 Seiten, 6,99 Euro

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