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Margarete Stokowski"Man ist als politische Autorin in diesem Land heute nicht besonders gut geschützt"

Margarete Stokowski, bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltung 100 Frauen und 100 Jahre Frauenwahlrecht im Bundesministerium der Justiz und fuer Verbraucherschutz, 01.11.2018, Berlin. Berlin Deutschland .  (imago/photothek)
Margarete Stokowski sieht politische Autoren in Deutschland als "nicht besonders gut geschützt" an. (imago/photothek)

Die Kolumnistin Margarete Stokowski beklagt, dass politische Autoren in Deutschland heute "nicht besonders gut geschützt" seien.

Das sagte sie in ihrer Rede zur Verleihung des Tucholsky-Preises, die die Tageszeitung "TAZ" dokumentiert. Stokowski erklärte, die Lage sei auch deshalb so, weil diejenigen, die für den Schutz von Presse- und Meinungsfreiheit eigentlich zuständig seien, ihre Arbeit zum Teil nicht gut machten: "Es gibt dort Leute, die sich Mühe geben, aber es gibt auch die, die komplett versagen." So sehe sie etwa, wie Kolleginnen und Kollegen an der Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft verzweifelten - "und man muss sagen: mit Recht verzweifeln."

Auch habe man Arbeit, die man nicht haben sollte. Es gehe darum, Drohungen zu dokumentieren und anzuzeigen. Es mache noch mehr Arbeit, wenn diese Sachen dann nicht richtig bearbeitet würden. Sie würde die Zeit, die sie darin investiere, lieber nutzen, um Texte zu schreiben.

Stokowski überlegt auch, was gegen die Drohungen getan werden könnte oder müsste. Was nach ihrer Ansicht funktionieren würde, wäre Abschreckung, weil Täter ermittelt und bestraft würden: "Damit sich die Feinde von Presse- und Meinungsfreiheit nicht mehr so sicher fühlen können." Was funktionieren würde, wäre eine Gesellschaft, die Angriffe auf Journalist*innen ernster nehme und nicht als etwas betrachte, was diese eben aushalten müssten.

Weiter heißt es bei ihr: "Was funktionieren würde, wäre eine Öffentlichkeit, die 'Hass im Netz' nicht als etwas betrachtet, das frustrierte Typen am Computer im Keller ihrer Mutter verbreiten, weil sie von der Welt enttäuscht sind. Sogenannter 'Hass im Netz' bleibt nicht unbedingt im Netz. Walter Lübcke bekam auch 'Hass im Netz' ab, bevor er erschossen wurde."

"Messerscharfe Analysen"

Margarete Stokowski hat den Tucholsky-Preis 2019 Anfang des Monats für ihre Kolumnen bekommen. In der Begründung der Jury heißt es, ihre Analysen seien messerscharf und brächten auf den Punkt, "dass wir alle weit davon entfernt sind, in einer gerechten Gesellschaft zu leben".

Außerdem schreibt die Jury, den Feminismus habe sie im deutschsprachigen Raum "clubfähig" gemacht und nicht nur die junge Generation zurechtgerüttelt, sondern auch die Älteren daran erinnert, dass der Kampf um Gleichberechtigung noch lange nicht vorbei sei.