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StartseiteGeneration Einheit ExtrabeiträgeMarie S. aus Bremen06.09.2010

Marie S. aus Bremen

Ich komme aus Bremen, und da meine Familie von der Teilung Deutschlands kaum betroffen war, bin ich auch größtenteils ohne Geschichten von der Teilung aufgewachsen. Natürlich war mir ab einem gewissen Alter immer klar, dass Deutschland "irgendwann mal" geteilt war, aber für mich persönlich hatte das keinerlei Auswirkungen auf die Gegenwart und gehörte damit in die Kategorie "Geschichte".

In diesem Punkt merke ich auch deutlich den Unterschied zum Beispiel zu meinen Eltern. Ein Beispiel: Ich erzähle meiner Mutter von einem Bekannten, der aus Brandenburg kommt und sie stellt sofort die Frage, ob er denn in der DDR gelebt hat, was mir bis dahin gar nicht in den Sinn gekommen war.

Die Behandlung des Themas in der Schule war bei mir (wie der gesamte Zeitraum nach dem Zweiten Weltkrieg) deutlich zu wenig. Vom Unterricht habe ich nicht mehr als einen groben Überblick über die Deutsche Nachkriegsgeschichte mitgenommen, was für ein deutsches Abitur meiner Meinung nach ein Armutszeugnis ist. Der Grund dafür liegt bei mir, wie wohl bei vielen anderen auch teilweise schlicht darin, dass das Thema (zeitgeschichtlich gesehen wohl durchaus sinnvoll) üblicherweise am Ende des Lehrplans der Sekundarstufe 1 liegt. Wenn es vorher im Unterricht irgendwelche Verzögerungen gibt, kann dann nur noch wenig dazu gemacht werden.

Inzwischen sind mir die Folgen der unterschiedlichen Entwicklung von Ost und West natürlich klar, aber obwohl ich mich seit ein paar Jahren privat mehr für den Prozess der Deutschen Einheit interessiere, blieb das alles für mich eher abstrakt. Emotional ist mir das Thema erst letzten Herbst nähergekommen, dank der Möglichkeit auf tagesschau.de, sich die 20:00 Uhr Nachrichten vor 20 Jahren jeden Tag anzusehen. Als das Angebot im September begann, wollte ich eigentlich "nur mal reingucken" aber nach kurzer Zeit fing ich dann tatsächlich an, dem entscheidenden Tag "entgegenzufiebern". Spannend ist für mich daran vor allem, durch Nachrichten über ganz andere Themen die Stimmung und Diskussionen von damals nachempfinden zu können und gleichzeitig jederzeit nachschlagen zu können, was im Nachhinein über die eine oder andere Aktion herauskam.

Ein solches Projekt, das neugierig macht, zum Weiterrecherchieren und Nachfragen anregt würde ich mir sehr für die Schulen wünschen. Gerade weil (zumindest in meinem Bekanntenkreis) der Kampf um die Einheit schon lange Geschichte zu sein scheint, finde ich es wichtig, sich über die DDR, die Bürgerbewegung, den Mauerfall und den Prozess der Wiedervereinigung Gedanken zu machen.

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