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StartseiteCampus & Karriere"Mit Tod und Trauer umgehen"04.10.2019

Marius Fuchs, Bestatter"Mit Tod und Trauer umgehen"

Marius Fuchs ist 22 Jahre alt und arbeitet als Bestattungsfachkraft in Stuttgart Vaihingen. Vor seinem Jobeinstieg hatte er erwartet, dass der Umgang mit dem Tod schwierig sei - stattdessen belasten jetzt eher die Arbeitszeiten.

Von Christian Ignatzi

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2559311884_Marius Fuchs 2.jpg (Deutschlandradio / Christian Ignatzi)
Marius Fuchs mag seine Arbeit als Bestatter (Deutschlandradio / Christian Ignatzi)
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Was verdienen Sie?

"Das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung lieg ungefähr bei 2.800 Euro brutto. Das Finanzielle reicht für ein ordentliches Leben. Es sind vielleicht nicht die größten Sprünge drin, aber es ist wunderbar."

Was war beim Berufseinstieg anders als erwartet?

"Das Berufsfeld stellt man sich schwieriger vor, als es ist. Man hat die Erwartung, dass es etwas Schwieriges ist, mit dem Tod und der Trauer umzugehen. Im Endeffekt ist es eigentlich durch die fehlende Bindung zu den Verstorbenen gut machbar, den Beruf auszuführen. Es ist sehr vielseitig. Auch das habe ich nicht erwartet. Es ist extrem viel Arbeit im Büro und Organisatorisches zu tun."

Jemand geht eine Treppe hinauf und wirft Schatten (imago images / alimidi)In der Reihe "Karrierestart" erzählen junge Menschen, wie sie den Start in den Beruf erlebt haben (imago images / alimidi)

Was an Ihrem Job macht Spaß?

"Es ist die Vielseitigkeit des Berufes. Ich komme im Prinzip jeden Tag zur Arbeit und weiß nicht, was mich erwartet. Und wenn ich nach Hause gehe, dann weiß ich, ich habe etwas Gutes getan. Ich kann jedem Tag mit dem Gefühl nach Hause gehen, Menschen geholfen zu haben in einer Situation, in der die Menschen auch Hilfe brauchen."

Was an Ihrem Job nervt manchmal?

"Wenn man diesen Beruf macht, muss man darauf vorbereitet sein, auch Bereitschaftsdienste zu machen. Das heißt, man muss teilweise nachts und am Wochenende raus und erreichbar sein. Das ist am Anfang ziemlich schwierig, weil man unter Strom steht. Jederzeit kann ein Anruf kommen. Was passiert, wenn ich diesen Anruf nicht höre. Das ist, glaube ich die größte Schwierigkeit in dem Beruf. Es schränkt das Privatleben etwas ein."

Marius Fuchs steht an einem offenen Sarg. (Christian Ignatzi)Der Tod ist für Marius kein Tabuthema (Christian Ignatzi)

Wurden Sie für den Joballtag gut ausgebildet?

"Ja, würde ich sagen. Die Ausbildung war sehr gut. Ich bin wirklich zufrieden, ich habe alle Bereiche kennengelernt und positive und negative Rückmeldungen bekommen, wie ich was besser machen kann oder was ich gut gemacht habe. Ich bin der Meinung, dass sie mich sehr gut darauf vorbereitet haben, diesen Beruf ein Leben lang zu machen."

Und sonst so?

"Der Job ist eigentlich genial. Ich kann ihn eigentlich nur jedem empfehlen. Viele können sich gar nicht vorstellen, so einen Beruf machen zu wollen, gerade weil es ein Tabuthema ist. Ich finde es ganz wichtig, gerade, dass dieses Tabuthema ein bisschen aus dem Schatten rausgerückt wird. Denn der Tod ist etwas, womit sich jeder beschäftigen sollte. Sei es in der Familie, sei es mit Freunden. Ich rede sehr oft mit meinen Freunden und meiner Familie über das Thema. Wenn man sich die Frage stellt, was möchte ich für eine Bestattung, was soll mit mir nach dem Tod passieren. Die meisten schauen einen erst mal an und haben keine Ahnung, weil sie einfach die Möglichkeiten nicht kennen. Ich finde es ganz wichtig, dass man mal darüber spricht und sich Gedanken macht, wie es mit einem weitergehen soll. Wir haben oft das Problem, dass Menschen hier sitzen und gar nicht wissen, was der Verstorbene gewollt hätte."

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