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StartseiteAus Kultur- und SozialwissenschaftenMarkante Stimmen der Mächtigen09.10.2008

Markante Stimmen der Mächtigen

Wer Macht hat, hat anderen etwas zu sagen und nutzt dazu oft seine Stimme. Verändert das Ausüben von Macht die Qualität der Stimme? Was bedeutet es, dass der Diktator und Massenmörder Adolf Hitler sich stimmlich als Schreihals betätigte? Auf den 7. Internationalen Stuttgarter Stimmtagen vergangene Woche stand die "Macht der Stimme, Stimme der Macht" im Mittelpunkt.

Von Cajo Kutzbach

Wut und Ärger, aber auch Befehle werden per Stimme transportiert. (Stock.XCHNG / Daniel V.)
Wut und Ärger, aber auch Befehle werden per Stimme transportiert. (Stock.XCHNG / Daniel V.)
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Ein Kommandeur, der seine Truppe befehligt, tut das mit lauter Stimme. Laute Stimmen können machtvoll sein, haben aber auch Nachteile, wie Oberstabsärztin Dr. Yvonne Stelzig berichtet, die sich als Stimmfachärztin im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz um die Stimmen der Soldaten kümmert. Die meisten Nöte haben Mannschaft und Unteroffiziere:

"Es ist so, dass bei diesen Dienstgraden häufig eben eine sehr starke Stimmbelastung vorhanden ist; dass sie eben beispielsweise sehr häufig laut rufen müssen, laut ihre Kommandos von sich geben müssen; das aber in einer Art und Weise tun, die nicht unbedingt gesund ist - sie wissen es auch häufig nicht besser, so etwas lernt man ja nicht unbedingt, wie man Stimme richtig einsetzt, vor allem in Extremsituationen. Dann kommt die Belastung danach noch dazu, eben Konferenzen, Gespräche mit den anderen Dienstgraden; oder eben auch im Freizeitbereich, dass da eben häufig die Stimme fehlt und überlastet wird."

Wobei sowohl die lang andauernde Nutzung der Stimme in Grenzbereichen zu Stimmproblemen führen kann, als auch psychischer Stress. Meist trifft es diejenigen, deren Stimme bereits geschädigt ist:

"Das ist logisch, denn es ist, wie wenn sie einen kranken Rücken haben: Wenn sie den noch weiter falsch behandeln, dann tut er noch mehr weh. Das ist im Bereich der Stimme natürlich nicht anders.

Man muss sagen, wenn die Stimme schon eine Erkrankung hat, sei es funktioneller Art - das muss jetzt nicht unbedingt schon ein organischer Befund sein - führt es eben dazu, dass diese sich im Verlauf der Belastung noch mal verschlechtern, weil natürlich die physiologischen Gegebenheiten nicht besser werden, wenn man noch mehr redet."

Probleme mit der lauten Stimme haben viele - zum Beispiel jeder zweite Lehrer, dessen Stimme versucht, im Klassenzimmer die Macht zu behalten - berichtet Professor Bernhard Richter, ausgebildeter Sänger, ebenfalls Facharzt und Leiter des Instituts für Musikermedizin in Freiburg.

"Wenn man Lehrer aktiv befragt, was ist denn euer wichtigstes gesundheitliches Problem, dann kommt Stimmstörung raus.

Das bildet sich nicht so ganz in den veröffentlichten Statistiken ab, weil dort geht's häufig auch um "Burn-out" oder andere Dinge, die dann zur Berufsunfähigkeit zum Beispiel führen; aber wenn man die Lehrer aktiv befragt - und da gibt es große Gruppen von mehreren tausend Lehrern, die da befragt worden sind - Stimmstörungen stehen als eine der wichtigsten, oder in manchen Untersuchungen sogar als die wichtigste körperliche Malaise im Vordergrund."

Wenn aber eines der wichtigsten Werkzeuge des Lehrers, die Stimme, angeschlagen ist, dann kann er ihre Macht auch nicht einsetzen um den Schülern so anregend und farbig von Dingen zu erzählen, dass sie ihm leicht und gerne folgen, so dass ihnen das Lernen leicht fällt. Stimm-Probleme zeigen sich meist bereits im Studium:

"Dort sehen wir ganz häufig, dass die stimmliche Grundvoraussetzung um eigentlich einen solche intensiven Sprechberuf zu ergreifen eigentlich gar nicht mehr gegeben ist: Die Modulationsfähigkeit der Stimme, die Tragfähigkeit der Stimme ist nicht mehr gegeben und zum Teil gibt es schon am Anfang des Studiums oder im Verlauf der ersten Berufsjahre Stimmstörungen, die sogar Krankheitswert haben und die dann auch entsprechend behandelt werden müssen."

Dabei geht es nicht um Lehrer, die Schüler durch Anbrüllen bändigen wollen, sondern um die ganz normale Belastung durch stundenlanges lautes Reden, wie es in unruhigen Klassen, oder hallenden Klassenzimmern - die die akustische Verständigung behindern - nötig ist.

Die Vorstellung, dass eine laute Stimme mit Macht gekoppelt sei, hat ihren biologischen Sinn. Tiere ersparen sich nämlich Kräfte raubende Kämpfe um den Rang, indem sie Brüllduelle ausführen. Der röhrende Hirsch erlaubt durch sein Klangvolumen dem Konkurrenten abzuschätzen wie groß und stark er ist. Zum Kampf kommt es nur noch dann, wenn der Konkurrent etwa gleich stark ist. Auch einer Schlägerei unter Menschen gehen meist stimmliche Angriffe voraus, seien es lautstarke Schmähungen oder der Versuch Argumente durch Lautstärke zu ersetzen. Das kennt man ja aus der Geschichte.

Die Stimme ist im Laufe der letzten 150 Jahre verschiedenen Moden unterworfen gewesen, fand der Sprachphilosoph und emeritierte Professor für Sprechwissenschaft Helmut Geißner. Zunächst galten Offiziere als Vorbilder:

"Das war wohl nach dem gewonnen Krieg 70/71 mit der Veränderung in die so genannte erste Gründerzeit hinein, war der Offizier, auch meistens von hohem Geblüt, ein Modell und wurde ein Modell für Viele, die im Grunde dann versucht haben, wie die Offiziere zu sprechen. Das war also: Knapp, präzis, meistens mit einer geringen Nasalität und in erhöhter Stimmlage, weil das möglicherweise auf dem Kasernenhof eine Möglichkeit war sich über große Entfernung mit mehreren Menschen zu verständigen, was natürlich völlig absurd ist, wenn ich zu ihnen auf diese Weise spreche. Aber: Diese Stimmmode wurde nachgemacht."

Denn wer so sprach, wollte dazu gehören, wollte aufsteigen, wollte sich von den Sprechweisen der Bauern und Arbeiter abheben. Die Stimme diente als Werkzeug zur sozialen Deklassierung. Da viele auf dem Umweg über das Militär in den Staatsdienst, oder als Lehrer an Schulen kamen, verbreitete sich diese Aufsteiger-Stimm-Mode.

"Und insofern hat dieses ursprüngliche Stimmideal aus der Oberklasse sich dann in die Mittelklasse der gehobenen Bürger durchgesetzt und war anfällig nach der Offizierszeit, sagen wir nach dem ersten Weltkrieg, auch für die burschikose, für die volkstümliche Kombination des Militaristischen und des Volkstümlichen, des Proletarischen in Hitlers Rhetorik."

Man könnte sagen Hitlers Sprechstil sei eine Mischung aus Kasernenhof, Burgtheater und Bierzelt. Er war keine Erfindung Hitlers, sondern zum großen Teil zeitbedingt, denn Karl Kraus, gewiss kein Freund des Diktators, sprach ganz ähnlich. Wie sehr diese Stimmführung, dieser Sprechstil eine Mode war, zeigt eine Geschichte:

"Hitler hatte sich ja einmal - was oft nicht gewusst wird - überschrien. Und während dieses fast einen Jahres hat ihn der Gauleiter Wagner von München in seinen Reden vertreten und es ist überhaupt nicht aufgefallen."

Wobei Hitlers Bild als Rhetoriker heute dadurch verfälscht wird, dass in den Medien vor allem die Schreiszenen vorgeführt werden. Er konnte auch ganz anders, kam aber auf Grund seiner eher süddeutschen Sprechweise nicht überall gleich gut an.

Nach dem Krieg wurde diese gewalttätige Art der Stimmgebung von einer zivileren, der natürlichen Sprache näheren, Stimmführung ersetzt. Die 68er haben sich bewusst bemüht, faschistische Anklänge in ihren Reden zu vermeiden. Die heutige Aufsplitterung der Gesellschaft spiegeln Stimme und Sprache, Helmut Geißner:

"Wir haben keine Übereinstimmung im Sinne einer Mode. Oder sie wechseln so schnell, wie die Plattenindustrie es anbietet. Dann müssten wir unterscheiden eine Stimm-Mode für die ganz Alten, wir müssten unterscheiden für die Frauen, für die Männer, für die jungen Frauen, für die jungen Männer, für die Jugendlichen, und so weiter."

Dem entsprechend gibt es verschiedene, auf Zielgruppen ausgerichtete Hörfunkprogramme. Dabei wird in fast allen Programmen die Sprache geschönt:

"Wenn ich im Funk rede, äh, dann hat mir zunächst einmal der, ähm, Techniker gesagt: Äh, Herr Geißner, äh, sie sprechen noch, es blubbert noch. Dann hab ich gesagt: Dann geben sie mir ne andere Mikrofoncharakteristik. Äh ich werde meinen Sprechstil nicht ändern. Und wenn ich ne Pause mache, dann gut, können wir darüber reden, ob sie sie rausschneiden wollen, mir ist es nicht, mich stört es nicht, ich - wie eben auch - ich kann mich verbessern, ich bin ein lebendiger Mensch, der sich verspricht, der gelegentlich im Ansatz auch mal äh, äh, äh in der Wortsuche so einen hilfsweisen Stotterer rein bringt, den müssen sie mir nicht rausschneiden. Ich möchte nicht geglättet erscheinen. Sondern wenn, dann möchte ich, dass meine Hörenden mich so hören, wie ich im Augenblick aufgeregt, oder nachdenklich, oder ärgerlich bin."

Nur dann kann der Zuhörer nämlich miterleben, was Heinrich von Kleist "das allmähliche Verfertigen der Gedanken beim Reden" nannte. Die geglättete Sprechstimme vermittelt eine Perfektion, also Sprachkompetenz, die im Alltag höchst selten ist.

Das Kürzen von Pausen hat zwei Gründe: Einmal sieht man im Radio nicht, wie der Andere um Worte ringt. Zum Anderen wollen Journalisten möglichst viel Information in die Sendezeit packen, weil sie meist ein längeres Ereignis in wenigen Minuten abhandeln.

Bei "Ähs" und "Stotterern", also den Schaltgeräuschen der Sprache, schneidet man lieber alle heraus, als in jedem Fall zu prüfen, ob sie den Gedankenfluss stören, oder nicht.

Aber so wie das Radio im Dritten Reich zur Verbreitung der Hitlerschen Sprechmode beitrug, so tun es heute die verschiedenen Programme mit verschiedenen Stimmgebungen.

"Sie beeinflussen ganz sicher die Jugendlichen. Aber sie beeinflussen vor allen Dingen diejenigen, die als neue Moderatoren in die "Anstalten" hinein wollen. Die lernen erst die "Channel Identity" über den "Channel Sound". Und wenn sie denn "Channel Sound" nicht beherrschen, haben sie keine Karrierechance. Und insofern ist das eine Riesenmaschine der Anpassung."

Neben der geglätteten Sprache und dem Programm-typischen Sprechstil, meist "locker flockig", werden die Stimmen oft auch noch elektronisch geschönt, damit sie voller klingen. Außerdem orientiert sich der Funk häufig an der mit wesentlich höherem Aufwand produzierten Werbung, statt sich von ihr zu unterscheiden, da er ja informieren und nicht überreden sollte.

Im Schnitt hören Bundesbürger täglich 200 Minuten Radio, also über drei Stunden. Deshalb werden jährlich 700 Millionen Euro für Radiowerbung ausgegeben. Dabei sprechen die Werber stets das Unbewusste im Menschen an, weil dort die Kaufentscheidungen fallen. Sie nutzen Erkenntnisse der Hirnforschung, das "Neuromarketing" und die Marktforschung um eine Art "Landkarte der Gefühle" zu schaffen.

Damit Werbung funktioniert, müssen dann die Marke, das Produkt und die Sprecherstimme an derselben Stelle dieser "Gefühlslandkarte" angesiedelt sein. Lukas-Pierre Bessis, selbst Sprecher und Gründer der Stuttgarter Werbeagentur BPPA gibt ein Beispiel:

"Wenn man ein Qualitätsprodukt hat, sagen wir mal ein Familienauto, die Marke steht für Qualität, für Sicherheit, dann würden wir eine tiefe Männerstimme nehmen für diesen Radiospot, weil diese Stimme einfach diese Attribute, wie Qualität und Sicherheit, aber eben auch Wohlbefinden - ich umgarne die ganze Familie und trage sie, führe sie in Sicherheit von A nach B, das liegt alles in dieser tiefen Stimme."

Würde man alle Werbefunkbeiträge an Hand der gewählten Stimmen auswerten, dann erhielte man eine Liste mit den Sehnsüchten der Bevölkerung.

"In Deutschland wissen wir eben, dass nahezu 50% ein Sicherheitsbedürfnis haben, deshalb eben Sparverträge und so weiter abschließen und weniger jetzt zum Ausgeben tendieren, wie z.B. Südeuropäer oder so, die ihr ganzes Geld auf den Kopf hauen.

Und deshalb kann man sagen, ja, wenn man jetzt alle Spots durchhört, die im Radio laufen als Beispiel, wird man viel häufiger eine tiefe Männerstimme hören, als sagen wir mal, eine hohe Kinderstimme, weil eben diese tiefe Männerstimme das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung stillt."

Bei einer älter werdenden Bevölkerung mit sinkenden Testosteron- und Dopaminspiegeln ist das wenig verwunderlich. Aber die Auswirkungen sind verblüffend. Prof. Bernhard Richter hat Stimmen von Radiomoderatorinnen verglichen:

"Dabei ist eigentlich interessanter Weise herausgekommen, dass diese Stimmen wesentlich tiefer sind, als in den Fachbüchern die mittlere Frauenstimmlage angegeben wird normalerweise. Die liegt in den Fachbüchern bei etwa 220 Hz. Und heutzutage liegt sie deutlich unter 200 Hertz, zum Teil kommen wir da fast in einen männlichen Bereich, hohe tenorale oder baritonale Lage in der Sprechstimme."

Vor 50 Jahren war das anders. Allerdings gab es damals sehr viel weniger Frauen in Funk und Fernsehen. Diente die tiefe Stimme der Durchsetzung in einer Männerdomäne? Die Ursache ist bisher nicht eindeutig geklärt:

"Aber die Tendenz ist doch deutlich feststellbar bezüglich der mittleren Sprechstimmlage. Was Anderes hat mich aber noch mehr fasziniert eigentlich, dass die Stimmqualität eigentlich immer schlechter geworden ist.

Wir unterscheiden ja bei der Stimme die reine Stimmproduktion, also, was im Kehlkopf vor sich geht, von der sprachlichen Artikulation, also das "Wie gut man jemand versteht". Die Sprachartikulation ist sehr gut, auch bei den heutigen Sprecherinnen.

Aber die reine Stimmfunktion ist eigentlich ziemlich schlecht ausgebildet. Hauptsächlich knarrende Elemente, also Stimmen, die immer wieder solche Brüche drin haben fast schon und die eigentlich nicht tragfähig sind, ob ihrer Tiefe A, B aber ihrer Rauhigkeitskomponente.

Meine Erklärung bei diesen Beispielen würde darin liegen, dass das eben typische Mikrofonstimmen sind."

Damit sind sie für junge Mädchen ein irreführendes Vorbild, denn die sollten im Alltag mit ihrer Stimme auch ohne Mikrofon Gehör finden.

"Sie klingen sicher anders, als die natürliche Frauenstimme klingen sollte. - Die Vorbilder in den Medien sind so stark, dass ich häufig feststelle, dass Frauen die zu mir in die Sprechstunde kommen - nicht diese Moderatorinnen wohlgemerkt, da ist keine einzige Patientin von mir darunter - aber, dass Frauen häufig genau unter diesem Phänomen leiden: Ihre Stimmen sind zu tief, sind zu knarrig, sind nicht tragfähig, ermüden sehr schnell und werden sehr schnell heiser."

Wenn heute in Sprechberufen, etwa Lehrer, Verkäufer, Telefonistin, Probleme mit der Stimme auftreten, dann kann das Folge falscher Vorbilder sein, die durch Mikrofon und Verstärker überhaupt erst möglich wurden. Dabei ist Pop allerdings noch schlimmer:

"Popsänger versuchen zum Teil mit Stimmen zu singen, oder singen mit Stimmen, die künstlich im Studio zusammen gemixt worden sind eigentlich, sowohl die Veränderungen, die da klanglich mit Equalizern oder Ähnlichem gemacht werden, also sogar im Frequenz- oder auch im Tonhöhenbereich. Das heißt also: Da werden Klänge produziert, die nur über eine elektrische Verstärkung überhaupt rüber kommen. Das versuchen jetzt junge Mädchen nachzuahmen. Und das ist natürlich extrem schwierig, auch extrem stimmbelastend. Wir erleben immer wieder, dass zehn-, elfjähriger Kinder dann versuchen diese Popsongs nachzusingen und das ist natürlich für die Stimmen alles Andere als gut."

Bevor es die Elektroakustik gab, schulte jeder zwangsläufig die Stimme beim gemeinsamen Singen, beim Vorlesen oder Erzählen. Prof. Bernhard Richter wünscht sich deshalb:

"Junge Menschen haben heute wenig Stimmausbildung. Und das sollten wir dringend wieder ändern, damit die Stimmen wirklich wieder gesünder werden."

Dazu würde auch gehören, dass man die Stimme wieder in ihrer ganze Vielfalt - von laut bis leise - zur Geltung kommen ließe. Dafür müsste es im Alltag leiser werden. Wolfram Seidner, emeritierter Professor und ebenfalls Stimmfacharzt, betont, dass auch eine leise Stimme Macht ausüben kann, nicht nur beim Liebesgeflüster:

"Wenn jemand etwas durchsetzen will, dominant sein will und die leise Stimme benutzt, ist das ein Zeichen von Stärke; der kann sich beherrschen!"

Wird jedoch die Tontechnik dazu gebraucht andere Klänge, etwa das Fahrgeräusch im Auto, den Lärm am Arbeitsplatz zu übertönen, indem man das Programm durch einen Kompressor schickt, dann führt das zu einer Verarmung.

"Nicht eine Verarmung der Stimme, eine schändliche Verarmung der Stimme. Es geht die Vielfalt einfach verloren und ich muss immer wieder beklagen - ich wohne jetzt in einem sehr schönen Hotel - überall wird man vollgedudelt und vollgenudelt von Klangmüll. Warum kann ich denn nicht die drei Etagen im Fahrstuhl fahren, ohne diesen Klangmüll. Der wird mir dort auch noch rein gedrückt. - Das bedeutet, die Leute müssen Abwehrmechanismen aufbauen, um sich gegen diese Invasion zu wehren, das heißt sie werden unsensibel, undifferent und immer weniger in der Lage auf das Leise, auf das Feine, auf die Nuance zu hören. Das gehört doch aber zu unserem Leben. Das ist doch die Vielfalt des Lebens. Dazu gehört die leise Stimme."

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