Montag, 16.07.2018
 
Seit 16:30 Uhr Nachrichten
StartseiteCorsoZwischen Joch und Erlösung05.07.2018

Maschinen in der PopkulturZwischen Joch und Erlösung

Maschinen und Technik sind ein Dauerbrenner in der Popkultur. Neben utopischen Hoffnungen bietet technologischer Fortschritt aber immer auch Grund zur Sorge. Bleiben wir hinter unseren Apparaten zurück?

Von Tim Baumann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Szene aus Fritz Langs "Metropolis", bei dem Karl Freund die Kamera führte (imago/United Archives)
Der Androide, ein Sinnbild der Verschmelzung von Mensch und Maschine (imago/United Archives)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Netzkünstler Hans Bernhard "Auch Algorithmen entwickeln Empathie"

Performance "Cyborg-City" Das absolute Verschmelzen

Serie "Westworld" Roboter als bessere Menschen

Ausstellung "Artistes et Robots" Große Künstler, große Erfinder

Ehrfürchtig steht der junge Freder vor einer gewaltigen Maschine, die von einem Dutzend Fabrikarbeitern unter schwerstem Körpereinsatz bedient wird. Dann die Katastrophe – vor den Augen des jungen Mannes stößt der Apparat heißen Dampf aus und verwandelt sich in einen Moloch mit weit aufgerissenem Schlund, in den Kolonne um Kolonne von Arbeitern marschiert, dem sicheren Tod entgegen.

Fritz Langs Stummfilmmeisterwerk "Metropolis" von 1927 ist eine der ersten filmischen Darstellungen eines Maschinenmenschen und zeichnet das dystopische Bild einer Zweiklassengesellschaft, in der die Unterschicht durch Fabrikarbeit zu Tode geknechtet wird.

Ganz anders geht es knapp 80 Jahre später im Pixar-Streifen "Wall E" zu, wo ein kleiner, anthropomorpher und unfassbar niedlicher Roboter die von den Menschen verlassene Erde aufräumt. Er verliebt sich in die Roboterdame Eve und rettet schließlich gemeinsam mit ihr die Zukunft der Menschheit.

Mensch und Maschine sind eng miteinander verknüpft

Der Kontrast zwischen "Metropolis" und "Wall E" ist augenfällig, dennoch vereint beide die Thematik des Menschen als technisches Wesen. Dr. Bruno Gransche arbeitet am Forschungskolleg "Zukunft menschlich gestalten" der Universität Siegen. Dass Mensch und Maschine eng miteinander verknüpft seien, habe Tradition, sagt er:

"Also in der philosophischen Anthropologie wird oft das Menschsein und Technik zusammengebracht. Also es gibt die Ideen, dass der Mensch wesentlich ein techniknutzendes Wesen ist und dass es ohne Technik keinen Menschen gibt."

Der Sage nach hat der Titan Prometheus einst mit dem olympischen Feuer der Menschheit die Technik gebracht. In unserer Kultur hat die Sage einen so hohen Stellenwert, dass "die Prometheus-Figur kaum wegzudenken ist in unserem Verständnis von Technik und unserer Kultur. Kultur jetzt verstanden als das, was der Mensch mittels Technik aus Natur macht", sagt Gransche.

Der Sound der Maschinen

Mithilfe der Technik macht sich der Mensch also die Natur untertan – sie wird zur Kultur. Ein Gedanke, der auch den Futuristen Anfang des 20. Jahrhunderts wichtig war. Fasziniert von der Geschwindigkeit und Dynamik der Maschinen und Fabriken machten sie sich von Italien aus daran, die Kunstwelt zu revolutionieren. Mit großem propagandistischem Aufwand schufen die Avantgardisten um Filippo Tomasso Marinetti eine Ästhetik, die die Kunst der Vergangenheit vergessen machen sollte. Und trotz seiner Nähe zu Faschismus und Kriegsverherrlichung trugen sie ihre Gedanken weiter. So legten die Geräuschmaschinen des futuristischen Komponisten Luigi Russolo zum Beispiel den Grundstein für die Industrial-Musik der späten 70er-Jahre.

Und auch die Elektropop-Pioniere von Kraftwerk setzten zunehmend auf Roboterästhetik und maschinelles Auftreten. Mit ihrem Album "Menschmaschine" definierten sie zugleich ihren eigenen Stil und griffen auf Fritz Langs "Metropolis" und seinen Maschinenmenschen zurück.

Künstliche Intelligenz - Segen oder Gefahr?

Was aber, wenn die Maschinen ein Bewusstsein entwickeln? In Filmen wie Terminator oder Stanley Kubricks "2001 - Odyssee im Weltraum" drohen die Menschen, ihren Schöpfungen zum Opfer zu fallen. Einen anderen Ansatz verfolgt die Serie "Westworld" - die menschenähnlichen Roboter werden von Besuchern in einer Art Western-Freizeitpark nach Belieben erschossen und vergewaltigt, nur um am nächsten Tag wieder mit gelöschtem Gedächtnis einsatzbereit zu sein. Gransche:

"Sollte es gelingen, dass wir, wie Prometheus damals die Menschen, wir unsererseits Geschöpfe schaffen, die wir dann intelligenzbegabt machen können, also ihnen vielleicht im übertragenen Sinne auch ein Fünkchen olympischen Feuers einhauchen können, - und das wäre KI! - dann würde uns das zu Schöpfern machen und ein Stück weit in Gottposition stellen."

Die Frage ist nur, ob wir uns unserer Verantwortung als Schöpfer stellen oder zügellos unsere Triebe an den bewussten Apparaten ausleben werden – der von Anthony Hopkins verkörperte Dr. Ford, in Westworld sozusagen der "Puppenspieler" der Maschinen, lässt an seiner Antwort auf diese Frage keinen Zweifel, wenn er einem todgeweihten Androiden sagt: Ich habe Dich gewarnt, uns zu vertrauen. Wir sind nur Menschen. Am Ende werden wir Dich immer enttäuschen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk