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StartseiteInformationen am MorgenÖkologisches Vorbild oder Illusion?10.03.2015

Masdar CityÖkologisches Vorbild oder Illusion?

Auf seiner Golf-Reise besuchte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel auch Masdar City in Abu Dhabi. Die Stadt sollte einst ein Vorzeigeprojekt der ökologischen Stadtplanung werden: autofrei, klimaneutral und durch erneuerbare Energien versorgt. Doch die Arbeit an dem Projekt ist ins Stocken geraten.

Von Angela Ulrich

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, Sonnenbrille tragend, mit Ahmad Belhoul, dem Geschäftsführer des Masdar-Projekts, neben einem Solarfeld stehend. (dpa/picture alliance/Bernd von Jutrczenka)
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel mit Ahmad Belhoul, dem Geschäftsführer des Masdar-Projekts. (dpa/picture alliance/Bernd von Jutrczenka)
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Ehrgeiziges Ziel
(Deutschlandradio Kultur, Weltzeit, 15.03.2010)

Schnurgerade läuft die Asphaltstraße durch die Wüste. Rechts und links aufgereiht ein paar bewässerte Palmen. Sonst: Sand, die Luft ist staubig. Bis sich - wie eine Fata Morgana - ein Gebäudekomplex aus dem Dunst erhebt - Masdar City. Als Öko-Vorzeigequartier nahe des Flughafens von Abu Dhabi geplant. Autofrei, klimaneutral, vollständig versorgt durch erneuerbare Energien. Aber das Stadtviertel der Zukunft ist in der Gegenwart stecken geblieben. Planungschef Anthony Mallows ist trotzdem gut gelaunt:

"Wir haben mit dem Masdar-Institut angefangen, der Uni, weil es uns um Wissen hier geht, 80.000 Quadratmeter und rund 500 Studierende."

Nur ein paar Fußballfelder groß ist Masdar City bisher. Neben der Uni hat Siemens sein regionales Hauptquartier hier, und ein paar andere Firmen. Sigmar Gabriel ist gerade in einer Art Elektrofahrzeug unterirdisch in Masdar City angekommen, nur eine ganz kleine Strecke vom geplanten System mit Magnetfeld ist schon fertig.

Der Bundeswirtschaftsminister lässt sich das Projekt erklären. Es sollte eigentlich nächstes Jahr fertig sein. Jetzt ist 2030 angepeilt:

"Das hat glaube ich viel damit zu tun, dass die großen Entwicklungen ins Stocken geraten sind, mit der Finanzkrise. 2008/2009 stoppte das alles, jetzt gibt es endlich neue Projekte."

Zweckoptimismus des Energieministers. Denn von diesen neuen Projekten ist in Masdar City wenig zu sehen. Für Planungschef Mallows ist schon dies eine gute Nachricht - es gibt einen Bauauftrag:

"Die Herausforderung hier sind die Wohnquartiere, damit das Viertel mit Leben erfüllt wird. Letzte Woche haben wir den Auftrag für 500 Wohnungen erteilt, und es sollen noch 2.000 mehr werden."

Mehr als 20 Milliarden Dollar soll das Vorhaben Masdar City verschlingen

Eng stehen die 13 Gebäude beieinander, die schon fertig sind - damit sie sich gegenseitig Schatten spenden. Auf einem kleinen Platz plätschert Wasser, ein Windturm ragt in den Himmel. Oben wird Wasserdampf versprüht, dadurch fällt kühle Luft durch einen Schacht nach unten und spendet Frische am Boden - nach dem Vorbild traditioneller Häuser im Emirat. Noch ist alles eher ein groß0es Versuchsfeld. Der Solaringenieur Joachim Krüger, der mit Gabriel gekommen ist, zeigt auf einige Solarpaneele auf den Dächern und zuckt mit den Achseln:

"Ein schöner Ansatz, aber er reicht eben nicht, um so ein ganzes Gebäude zu kühlen. Da gehört mehr dazu. Aber immerhin, es wurde gemacht und gezeigt, dass das geht. Und das ist das Wichtige dabei und deswegen finde ich es gut."

Masdar City (Grafik) (masdar.ae)Grafik: So soll Masdar City mal aussehen. (masdar.ae)

Mehr als 20 Milliarden Dollar soll das Vorhaben Masdar City verschlingen - ob das Geld je fließt ist offen. Gerade ist ein weiterer kleiner Baustein fertig geworden: Die Internationale Energieagentur IRENA bezieht ihr Gebäude in der Ökostadt. Sie hat eine Dependance in Bonn - Generaldirektor Adnan Amin schwärmt von der deutschen Energiewende:

"Es ist sehr ermutigend zu sehen, dass in Deutschland die Bürger trotz relativ hoher Kosten Vertrauen haben in die Energiewende. Das ist ein starkes Signal für den Rest der Welt."

Gabriel hört sich das gern an. Aber: Viel deutsche Erneuerbare-Energie-Technik hat er auf seiner Reise noch an die Golfstaaten vermitteln können. 

 

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