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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Impfpflicht ist der richtige Weg05.05.2019

MasernDie Impfpflicht ist der richtige Weg

Mit der Impfpflicht wähle Bundesgesundheitsminister Jens Spahn einen schwierigen, aber richtigen Weg, kommentiert David Zajonz. Denn die medizinischen Fakten sprächen für sich - zudem gehe es um die Gesundheit aller Kinder in Deutschland.

Von David Zajonz

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Ein Impfpass mit der Spalte zur Masernimpfung (Hauke-Christian Dittrich/dpa)
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn möchte, dass Eltern bis Ende Juli 2020 nachweisen müssen, dass ihre Kinder geimpft sind (Hauke-Christian Dittrich/dpa)
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Es ist eines der sensibelsten Themen überhaupt, das sich Jens Spahn hier vorgenommen hat. Schließlich geht es um die Gesundheit von Kindern. Und darum, ob der Staat oder die Eltern darüber bestimmen dürfen. Mit der Impfpflicht wählt der Bundesgesundheitsminister einen schwierigen Weg. Aber den richtigen.

Eingriff in persönliche Freiheit?

Denn die wissenschaftlichen Fakten sprechen für sich. Masern-Impfungen sind sinnvoll. Sie können helfen, die Krankheit endgültig auszurotten. Die Risiken dieser Erkrankung sind weitaus größer als mögliche Risiken durch eine Impfung.

Da stimmen auch viele zu, die eine Impfpflicht kritisch sehen. Ihr Argument ist häufig der Eingriff in die persönliche Freiheit. Nur wenn es wirklich notwendig ist, sollte der Staat sich über den Willen der Eltern hinwegsetzen.

Staat in der Verantwortung

Hier ist es notwendig. Denn es geht um die Gesundheit aller Kinder in Deutschland. Sie sind die Leidtragenden, wenn einige ihrer Freundinnen im Kindergarten oder ihrer Mitschüler nicht ausreichend geimpft sind. Ihnen gegenüber hat der Staat eine Verantwortung, die er wahrnehmen muss.

Dass einige Impfgegner hier sehr emotional werden, ist verständlich. Sie sind nicht aus böser Absicht gegen die Impfung, sondern weil sie ihre Kinder lieben und ihre Gesundheit nicht gefährden wollen. Häufig sind diese Eltern durch Desinformation beeinflusst. Beispielsweise durch eine zigfach widerlegte Studie, die einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus herstellt.

Wichtig: Von Aufklärung begleiten

Die radikalsten dieser Eltern werden sich wohl weiter weigern ihre Kinder impfen zu lassen – trotz aller Drohungen des Staates. Doch bei vielen anderen könnten die Sanktionen wirken. Einige unentschlossene Eltern werden sich möglicherweise von drohenden Geldbußen einschüchtern lassen. Für andere wirkt das geplante Gesetz als besonders eindringliche Erinnerung an die notwendige zweite Impfung ihrer Kinder. Dass die Impfpflicht auch für Ärzte, Krankenschwestern, Lehrer und Erzieher gilt, ist ein weiterer wichtiger Beitrag im Kampf gegen Masern.

Diese Schritte müssen begleitet werden von Aufklärungskampagnen. Außerdem muss es einfach und unkompliziert sein, seine Kinder impfen zu lassen. Die medizinische Versorgung muss überall im Land gut sein. Gruppenimpfungen in Kindergärten und Schulen könnten ein weiteres Mittel sein. Damit die Masern in Deutschland hoffentlich bald Geschichte sind.

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