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StartseiteCampus & Karriere"Ich würde Masken auch bei den Kleineren empfehlen"10.11.2020

Maskenpflicht in Grundschulen"Ich würde Masken auch bei den Kleineren empfehlen"

Die Tröpfcheninfektion sei gerade bei nah beieinander sitzenden Schülern relevant, sagte die Virologin Melanie Brinkmann im Dlf. Daher sollten auch Grundschüler - zumindest ab der 3. Klasse - Masken gegen Infektionen tragen: "Wir wissen, dass sie wirken, sie bieten einen Schutz."

Melanie Brinkmann im Gespräch mit Kate Maleike

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Children wearing masks are seen in Sanaa, Yemen, March 15, 2020. YEMEN-SANAA-COVID-19 nieyunpeng (imago / Xinhua )
Auch kleine Kinder sollten eine Maske tragen, um sich gegenseitig zu schützen, sagt die Virologin Brinkmann im Dlf (imago / Xinhua )
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Die Maskenpflicht an Grundschulen steht aufgrund steigender Infektionszahlen zur Debatte: Bundesbildungsministerin Anja Karliczek tritt dafür ein, Stefanie Hubig, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) hingegen hält sie nicht für notwendig. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnt vor einer Maskenpflicht in der Grundschule, weil Kinder beim Lesen- und Schreiben-Lernen und auch aus emotionalen Gründen auf die Mimik angewiesen seien. Ilka Hoffmann (GEW) betont, dass Masken kein Ersatz für Abstand, Lüftungsmöglichkeiten und Hygiene seien.

Was weiß die Forschung zur tatsächlichen Wirksamkeit von Masken im Schulunterricht und dürfen unterschiedliche Regelungen in der augenblicklichen Situation möglich sein? Professor Melanie Brinkmann, Virologin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, spricht sich für einheitliche Lösungen aus.

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Bei niedrigem Infektionsgeschehen Anpassungen vornehmen

Kate Maleike: Können wir uns zu diesem Zeitpunkt mit diesen Infektionszahlen unterschiedliche Regelungen erlauben?

Melanie Brinkmann: Ich glaube, es ist wirklich wichtig, dass man jetzt einheitliche Regeln findet. Das ist ja auch gerade bei den Masken ein ganz gutes Beispiel, denn wir wissen, dass sie wirken, sie bieten einen Schutz, sie sind also ein gutes Schutzschild für uns, um uns vor Infektionen zu schützen und andere zu schützen. Mit diesem Wissen kann man eigentlich ganz gut rechtfertigen, dass man einheitliche Lösungen findet. Es sollte natürlich auch immer betrachtet werden, wie hoch das Infektionsgeschehen gerade ist, das ist schon ein wichtiger Punkt. Wenn es sehr niedrig ist und die Zahlen unter Kontrolle sind, kann man da auch noch mal Anpassungen vornehmen. Aber bei den jetzigen hohen Zahlen und der jetzigen Entwicklung ist es wichtig, so viele Infektionen wie möglich zu verhindern, und da sind die Masken ein ganz wichtiger und wertvoller Bestandteil in dieser Bekämpfung gegen hohe Infektionszahlen.

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Maskenpflicht auch "bei der dritten, vierten Klasse"

Maleike: Im Moment sind ja die, ich sag mal, Maskenzweifler häufig im Grundschulbereich unterwegs, Grundschulen sind andere Schulformen, völlig klar, da sind die Kinder viel kleiner. Was ist denn Ihre Empfehlung für die Grundschulen zurzeit, ist das da sinnvoll, die Masken wegzulassen jetzt?

Brinkmann: Das ist eine schwierige Frage. Aus Gründen des Infektionsschutzes würde ich sagen, ja, ich würde tatsächlich Masken auch bei den Kleineren empfehlen – vielleicht nicht bei den ganz Kleinen, erste, zweite Klasse, aber bei der dritten, vierten Klasse. Aber es gibt natürlich auch viele Probleme, die einfach dann beim Unterricht natürlich entstehen, dass die Kinder die Mimik des Lehrers nicht sehen, wenn er spricht. Das ist ja gerade auch ein sehr wichtiger Bestandteil des Unterrichtes, dass man die Mimik sieht, da muss man auch teilweise dann einfach abwägen.

Ich glaube, man sollte wirklich, wenn die Infektionszahlen sehr hoch sind, trotzdem auch sagen, es wird helfen, wenn die Kleinen auch schon eine Maske tragen, denn wir haben ja das Problem, dass wir die Abstände nicht halten können, und wie kann ich sonst die Kinder davor schützen, dass sie sich gegenseitig anstecken. Sie sitzen nah an nah in den meisten Klassenräumen, und da ist ja die Tröpfcheninfektion relevant, und die Maske kann dieses Risiko schon deutlich reduzieren, denn sie verhindert ja, dass Tröpfchen aus unserem Mund zum Nachbarn kommen – nicht perfekt, aber sie reduzieren doch sehr deutlich.

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Maske befeuchtet Schleimhäute - "auch ein guter Schutz"

Maleike: Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat heute noch mal betont, dass sie eine allgemeine Maskenpflicht im Unterricht an allen Schulen für sinnvoll hält und dafür auch plädiert. Würden Sie sich diesem Plädoyer anschließen?

Brinkmann: Ja, also ich fang noch mal woanders an: Der Winter stellt uns vor große Herausforderungen, und es wird unheimlich schwierig sein, die Infektionszahlen wieder in den Griff zu bekommen. Wir müssen Kontakte reduzieren, wo auch immer das geht. Und dass die Schulen offen bleiben, solange es irgendwie möglich ist, das finde ich richtig und gut so, aber dort müssen wir auch wirklich uns Konzepte überlegen, wie wir Infektionen vermeiden können.

Die Maske ist ein Mittel, mit dem wir das können, aber auch da brauchen wir, denke ich, für die zukünftigen Wochen auch noch vernünftige Konzepte, wie ich Klassengrößen reduzieren kann. Wir haben im Winter eine niedrigere Luftfeuchtigkeit in der Luft, und wir wissen von Viren, die Atemwegsinfektionen verursachen, dass sie geringe Luftfeuchtigkeiten unter 40 Prozent, dass sie da stabiler sind, dass sie sich in Aerosolkernen lange aufhalten können in der Luft und das ist für sie leichter als im Sommer. Was hinzu kommt, ist, dass die trockene Luft, die wir ja häufig haben durch die Heizungsluft, dass die auch schlecht ist für unsere Atemwege. Und auch da hilft tatsächlich die Maske, denn wenn ich eine Maske auf habe, dann merkt man ja selber, es ist relativ feucht um den Mund. Das ist gut für unsere Schleimhäute, dass die befeuchtet sind, denn dann können die deutlich besser die Atemwege reinigen, und auch das schützt uns vor Infektionen, das kommt auch noch dazu. Also die Maske reduziert einmal das Risiko, dass ich meinen Nachbarn anstecke, aber auch über Aerosole noch mehrere Menschen im Raum anstecken kann – und sie befeuchtet meine Schleimhäute, was auch ein guter Schutz ist. Also eigentlich spricht in meinem Augen alles nur für die Maske.

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"Es spricht eigentlich alles nur für die Masken"

Maleike: Es gibt ja auch erweiterte Hygienekonzepte, dazu zählt natürlich auch das Lüften, Sie haben die Luft ja auch gerade angesprochen. Da haben sich ja auch viele Schulen auf den Weg gemacht, die Kultusministerkonferenz hat ein Hygienekonzept verabschiedet. Was sagen Sie den Maskengegnern, die gerade versuchen, Schuldeutschland wieder in einen Flickenteppich zu verwandeln?

Brinkmann: Ich würde sie fragen, was denn Ihre Idee ist, dieses Virus einzudämmen. Wenn man weiß, die Maske hilft, und ich diskutiere gerne, wenn die mit Ideen kommen, warum sie nicht helfen sollte, ich wüsste einfach kein Beispiel dafür, dass jemand gezeigt hat, die Maske hilft nicht. Ich bin vielleicht bei den Querdenkern, wenn sie sagen, eine schlecht sitzende Maske bringt uns nichts oder nur eine einlagige Stoffmaske, das ist korrekt. Je mehr Lagen eine Maske hat und je besser sie am Gesicht ansitzt, desto besser kann sie uns schützen. Mir fällt noch ein Argument für die Maske ein, was Ihnen vielleicht auch schon mal selber aufgefallen ist: Man fast sich einfach seltener ins Gesicht, direkt an die Nase oder an den Mund, wenn man eine Maske trägt. Auch das ist ja ein wichtiger Baustein bei unseren ganzen Schutzmaßnahmen, dass wir auf unsere Handhygiene achten. Es spricht eigentlich alles nur für die Masken, und das würde ich den Querdenkern gerne mit auf den Weg geben, dass mir einfach nichts einfällt, was dagegenspricht im Moment.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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