Montag, 26. September 2022

Kommentar: Corona-Maßnahmen
Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln abschaffen

Angesichts des mittlerweile hohen Immunisierungsgrads in der Gesellschaft sei es Zeit, die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln abzuschaffen, kommentiert Leonard Ameln. Wer sich schützen möchte, könne das selbst entscheiden.

Ein Kommentar von Leonard Ameln | 19.09.2022

Ein Hinweisschild weist die Fahrgäste am Bahnhof Köln Deutz / Messe auf die wegen der Coronaschutzverordnung geltenden Corona-Maßnahmen hin wie das Tragen von Masken in Bus und Bahn.
Die Pflicht zum Tragen einer Maske im Nah- und Fernverkehr soll in Deutschland im Herbst/Winter 2022 erstmal weiter gelten. (picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt)
Mittlerweile sind manche einfach maskenmüde. Anekdotisch zu beobachten ist das unter anderem in Berlin: Wer dort den öffentlichen Nahverkehr nutzt, sieht bisweilen mehr Menschen ohne Atemschutz als mit. Trotz strenger, unverhältnismäßiger FFP2-Maskenpflicht, trotz Bußgeldandrohung.
Unverhältnismäßige FFP2-Maskenpflicht deshalb, weil der Nutzen gegenüber einer einfachen Maske bei Laien - insgesamt gesehen - nicht belegt ist. Weder Robert-Koch-Institut noch der Expertenrat der Bundesregierung empfehlen generell FFP2 für die Allgemeinheit (außerdem sind sie bedeutend teurer – finanziell Schwache werden damit unnötig belastet).
Ja, eine Maske schützt - allerdings nur, wenn sie auch korrekt getragen wird – was etwa bei Kindern, Bartträgern oder Maskenmuffeln aber eben oft nicht der Fall ist.
Die Maske ist in erster Linie sehr sinnvoll für all diejenigen, für die Covid-19 noch gefährlich sein kann. Diese Risikogruppen brauchen einen effektiven, zusätzlichen Schutz: durch Impfungen (wenn möglich), Tests z.B. in Kranken- und Pflegeeinrichtungen, Medikamente und Aufklärung. Außerdem hilft eine breite Grundimmunität in der übrigen Bevölkerung, die zum einen durch Impfung erreicht werden kann – und hybrid, also kombiniert mit Infektion, noch effektiver ist. Je mehr Menschen hochgradig immun sind, desto kleiner das Risiko für die Risikogruppen.

Ständiges Masketragen habe auch Nachteile

Vor dem Restrisiko aber kann auch eine Maskenpflicht hier und da nicht schützen, denn zu Infektionen kommt es überall. Nicht nur im öffentlichen Nahverkehr. Oder in öffentlich zugänglichen Innenräumen.
Und ständiges Masketragen hat auch einen Nachteil: Das Immunsystem kommt seltener in Kontakt mit potenziellen Erregern. Auch der Corona-Expertenrat der Bundesregierung rechnet für den Herbst mit anderen Atemwegserkrankungen als Nachholeffekt. So könnten uns die quasi ausgefallenen Grippewellen der vergangenen beiden Winter auch noch einholen.
Außerdem, darauf weisen erste Auswertungen einer vom Bundesforschungsministerium finanzierten Studie hin, haben die allermeisten Menschen schon eine gewisse Immunität aufgebaut. In der Studie hatten fast 95 Prozent der Teilnehmer schon mal Kontakt mit dem Virus – per Impfung und oder Infektion, und mehr als 90 Prozent sogar drei Mal. Wann, wenn nicht jetzt also, sollte Schluss sein mit dem Maskenzwang? Wer sich schützen möchte, kann das selbst entscheiden.
Die Menschen in vielen anderen Ländern – in Neuseeland, Großbritannien, USA und der Schweiz beispielsweise - haben Covid-19 längst als Teil des allgemeinen Lebensrisikos akzeptiert. Zeit auch für uns, den Pandemiemodus runterzufahren.
Zeit, sich Maßnahmen für den Fall vorzubehalten, sollten sie wirklich notwendig werden: Nämlich beim Auftreten einer neuen, wesentlich gefährlicheren Variante. – Mit ziemlicher Sicherheit würden die Meisten dann auch freiwillig Maske tragen. Sogar in Berlin.