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Massaker von SrebrenicaSerbischer Regierungschef von Gedenkfeier vertrieben

Eine Frau trauer am Grab eines Verwandten in der Nähe von Srebrenica.  (DIMITAR DILKOFF / AFP)
Gedenken an die Toten von Srebrenica. (DIMITAR DILKOFF / AFP)

Im ostbosnischen Srebrenica haben zehntausende Menschen der Opfer des Massakers vor 20 Jahren gedacht. Als Geste der Aussöhnung sollte auch der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vucic teilnehmen. Er wurde jedoch mit Steinen und Flaschen attackiert und musste fliehen.

Aufgebrachte Demonstranten haben den serbischen Regierungschef Aleksandar Vucic von der Gedenkfeier vertrieben. Der Politiker wurde von den Demonstranten ausgebuht, massiv bedrängt und mit Steinen beworfen. Er wurde leicht im Gesicht verletzt und verließ den Gedenkort unter Polizeischutz. 

Kurz vor den Gedenkfeiern bezeichnete Vucic in einem offenen Brief das Massaker als "monströses Verbrechen". Den Begriff "Völkermord", den Serbien ablehnt, verwendete er aber erneut nicht. Die Grünen-Politikerin Marieluise Beck rief Serbien dazu auf, sich zum Massaker zu bekennen. Im Deutschlandfunk sagte sie, es wäre an der Zeit dass Vucic erkläre, sich mit dem Völkermord auseinandersetzen zu wollen.

An der Gedenkfeier nahmen zahlreiche Würdenträger aus dem Ausland teil, darunter der frühere US-Präsident Bill Clinton. Das Massaker von Srebrenica im Jahr 1995 war das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Kurz vor dem Ende des Bosnienkriegs waren damals bosnisch-serbische Milizen in die damalige UNO-Schutzzone einmarschiert und hatten an den leichtbewaffneten niederländischen UNO-Blauhelmsoldaten vorbei rund 8.000 muslimische Jungen und Männer verschleppt und getötet.

 "Ein Verbrechen gegen die gesamte Menschheit"

Der Vorsitzende des UNO-Kriegsverbrechertribunals, Theodor Meron, nannte den Völkermord  "ein Verbrechen gegen die gesamte Menschheit". Der Bürgermeister von Srebrenica, Camil Durakovic, beschrieb das unfassbare Massaker mit den Worten: "Die meisten meiner damaligen Spielkameraden und damit meine Kindheit liegen heute begraben in der Gedenkstätte Srebrenica."

Tribunal-Staatsanwalt Serge Brammertz berichtete, das UNO-Tribunal in Den Haag habe die 20 wichtigsten Befehlshaber des Genozids in Srebrenica vor Gericht gestellt und rund 2.000 Zeugen gehört. Er rief die Behörden in Bosnien-Herzegowina und in den Nachbarländern auf, "noch Hunderte Gerichtsverfahren" gegen die Mittäter einzuleiten, die immer noch unbehelligt lebten.

136 weitere, erst kürzlich identifizierte Opfer werden beigesetzt

Die Gedenkfeier fand in der alten Batteriefabrik statt, die den niederländischen UNO-Soldaten damals als Hauptquartier gedient hatte. Mehr als 6.000 der Opfer sind inzwischen in der Srebrenica-Gedenkstätte bestattet. Am Samstag sollen dort am Nachmittag 136 weitere, erst kürzlich identifizierte Opfer beigesetzt werden.

(pg/fwa)

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