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Startseite@mediasresJournalistenausbildung in Leipzig in der Krise26.04.2017

Masterstudiengang auf Eis gelegtJournalistenausbildung in Leipzig in der Krise

Die Leipziger Journalistik-Ausbildung steckt schon länger in Schwierigkeiten. Anfang 2011 kam es zu einer Umstrukturierung, bei der die Abteilung mehrere Personalstellen verlor. Doch der jetzige Immatrikulationsstopp soll nicht das Ende bedeuten.

Von Mattis Jungblut

Eine Statue von Gottfried Wilhelm Leibniz auf dem Innenhof des Campus der Universität Leipzig (picture alliance / dpa / Peter Endig)
Statue von Gottfried Wilhelm Leibniz auf dem Leipziger Campus (picture alliance / dpa / Peter Endig)

Seit gestern nachmittag ist es offiziell: An der Universität Leipzig werden vorerst keine Journalisten mehr ausgebildet. Nach einigen Spekulationen rund um die Abteilung Journalistik wurde bekannt, dass sich für das kommende Wintersemester keine neuen Studierenden mehr einschreiben können. Grund ist eine grundlegende Reform des Studiengangs. Diese ist nötig geworden, weil offenbar erhebliche Mängel bei der Qualität der Ausbildung und der Durchführung des Masterprogramms festgestellt worden sind.

Das Pikante: Der Einschreibestopp geht nicht von der Abteilung für Journalistik selbst aus, sondern von der Leitung des Fachbereichs Sozialwissenschaften und Philosophie. 

"Curriculare Verbesserungsmöglichkeiten"

Studiendekan Prof. Dr. Thomas Kater: "Das hat sich ergeben im Umfeld der an der Fakultät etablierten Qualitätssicherungsprozesse und da war ein Kernstück der Lehrbericht des vergangenen Jahres, der angezeigt hat, dass es da an verschiedenen Stellen curriculare Verbesserungsmöglichkeiten gibt".

Das bestätigt auch das Lehrpersonal der Abteilung Journalistik, die sich heute dazu offiziell nicht äußern möchte. Verschiedene Dozenten verweisen auf die gravierenden Strukturprobleme, unter denen der Studiengang seit Jahren leide. Viele Stellen seien in den vergangenen Jahren weggefallen – aktuell soll es noch eine weniger werden. So habe es einfach zu viele Aufgaben für zu wenig Lehrpersonal gegeben.

Studenten ratlos

Die Studentenschaft selbst ist verunsichert. Auch hier will sich niemand "offiziell" äußern:

"Das macht ein mulmiges Gefühl, vielmehr als ein mulmiges Gefühl eigentlich. Wir wussten, dass die Journalistik hier einen schwierigen Stand hat, aber das macht diese Nachricht, diese Entscheidung nicht viel besser".

Der gestrige Paukenschlag hat nämlich ein Vorspiel: In den vergangenen Jahren hatte es von Studentenseite mehrere Versuche gegeben einen Dialog über die Studienbedingungen zu starten – meistens jedoch vergeblich. Die Stimmung am Institut sei merklich angespannt und teilweise ängstlich gewesen, so die Beteiligten.

Zukunft unsicher

Doch einzelne Personen seien nicht der alleinige Grund für die Reform des Studiengangs, so Thomas Kater:

"Studiengänge sind ein komplexes Unterfangen, da sind viele verschiedene Akteure – Studierende und Lehrende insbesondere – involviert. Dann gibt es eine curriculare Struktur, dann gibt es institutionelle Rahmenbedingungen und es ist immer ein komplexes Paket".

Wie der Studiengang Journalistik in Zukunft aussehen könnte, ist derzeit noch völlig unklar. Sicher ist aber: Es wird ihn weiterhin geben, versichert Thomas Kater:

 "Der Fakultätsrat hat gestern eine Reformkommission eingesetzt, dessen konstituierende Sitzung soll am 10. Mai sein und die Kommission hat den Arbeitsauftrag durch den Fakultätsrat Vorschläge zu machen, wie die Journalistik-Ausbildung an der Uni Leipzig künftig aufgestellt sein kann."

Grundlegende Veränderung nötig

Unklar ist, was der der Einschreibestopp zum kommenden Wintersemester für das Lokalradio der Uni Leipzig mephisto 97,6 bedeutet. Das Ausbildungsradio genießt einen hohen Stellenwert in der Journalistenausbildung.

Aber Programmdirektor Sven Knobloch ist zuversichtlich: "Also ich denke auf mephisto wird das keine großen Auswirkungen haben. Wir haben zwar Studierende die hier mitarbeiten aus dem Journalistik-Studiengang, aber das ist ein kleiner Teil. Hier arbeiten Leute aus allen möglichen Instituten und Fakultäten mit".

Ab Mai wird sich entscheiden, wie es in Leipzig weitergeht. Bei allen unterschiedlichen Ansichten: Alle Beteiligten hoffen darauf, dass sich grundlegend etwas ändert.

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