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Startseite@mediasresKlappern gehört auch zum Geschäft25.01.2018

Matthias DellKlappern gehört auch zum Geschäft

Die Drehbuchautoren seien entscheidend für den Erfolg eines Films, findet Kolumnist Matthias Dell. "Wenn man den Autoren mehr Raum gäbe und Wertschätzung bei Preisverleihungen, würde das den Erfolgspressemitteilungen von Sendern und Förderern überhaupt nicht schaden."

Von Matthias Dell

Trophäe Deutscher Fernsehpreis (picture alliance / WDR / Deutscher Fernsehpreis)
Die Drehbuchautoren verdienen eine Einladung zum Deutschen Fernsehpreis, findet Kolumnist Matthias Dell. (picture alliance / WDR / Deutscher Fernsehpreis)
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Preisverleihungen werfen ihre Schatten voraus. Und zwar in Form von Pressemitteilungen, die für den Film etwa von Sendern und Förderern rausgehauen werden. Da steht dann drin: zwei von uns geförderte Filme für den Auslands-Oscar nominiert. Zehn von uns produzierte Filme für den Grimme-Preis nominiert. Drei von uns geförderte für den Wettbewerb von Cannes ausgewählt.

Oder was auch immer. Man kann das für ganz normale Pressearbeit halten, klappern gehört zum Geschäft, Qualität will nachgewiesen werden, tu gutes und rede darüber.

Selbstmarketing verfehlt die Realität der Kunstproduktion

Was hinter dieser ganz normalen Öffentlichkeitsarbeit allerdings verschwindet, sind die Leute, die den Preis oder die Nominierung verdient haben. Die Kreativen, die einen guten Film tatsächlich machen. Denn das Lustige an den Erfolgsmeldungen von Sendern und Förderern beim Film ist ja, dass da mehr Preise und Nominierungen zusammenkommen, als es überhaupt Preise gibt. Weil verschiedene Regionalförderer Geld für Projekte bewilligen, weil mehrere Sender koproduzieren.

Und das allein zeigt schon, wie sehr das Selbstmarketing die Realität der Kunstproduktion verfehlt. Natürlich braucht es Geld, um Filme zu realisieren. So wie es Zeitungen und Medienhäuser braucht, um hervorragende Artikel zu veröffentlichen. Aber das Selbstlob ist einfach zu haben, schon weil es viel weniger Sender und Förderer und Zeitungen gibt als gute Filme und Artikel. Es ist also umgekehrt nur logisch, dass unter den geförderten und produzierten Filmen auch welche sein müssen, die dann preiswürdig werden können. Das ist wenig spezifisch, das hat nicht viel zu tun mit einem kuratorisch hochstehenden Förderprogramm, mit einer interessanten journalistischen Arbeit. Oder für den Journalismus: Beim letztem Reporterpreis, der mit dem Männerschuss, sind zwei Texte ausgezeichnet wurden, die ein mehr als 25 Jahre altes Lamento für die Gegenwart aktualisiert haben – das über die allerschlimmste Schlimmheit der sogenannten Politischen Korrektheit.

Vorjury könnte Texte auswählen, die preiswürdig erscheinen

Dass diese Texte in der "Zeit" oder dem "Spiegel" gestanden haben, ist dann weniger Ausweis für deren ambitionierten, alles hinterfragenden Journalismus – es ist vielmehr ein Zeichen für deren Borniertheit, die Homogenität der Redaktionen. Denn solche Texte haben in den letzten mehr als 25 Jahren andauernd in "Zeit" und "Spiegel" gestanden. Was, bitteschön, soll daran neu sein?

Schon deshalb wäre es aufregender, sich für die Leute zu interessieren, die waghalsige Arbeit wirklich machen. Die guten Filme, die spannenden Artikel. Letzteres könnte dadurch gelingen, dass man sich um einen Preis nicht bewerben muss, dass also Autoren oder eben die großen Redaktionssekretariate Texte einsenden, aus denen dann ausgesucht wird. Sondern dass statt Vorjurys lesefreudige Scouts eingesetzt werden, die breit und tief Veröffentlichungen verfolgen und die Texte vorauswählen, die ihnen preiswürdig erscheinen.

Und für die Filme hieße das, nicht die Geldgeber auf die Bühne zu bitten, die in Deutschland ja alle mit irgendwie öffentlichen Mitteln ihre Arbeit tun und nicht auf eigenes Risiko.

Drehbuchautoren sind entscheidend für den Erfolg eines Films

Morgen wird der Deutsche Fernsehpreis verliehen. Es hat im Vorfeld Aufregung darum gegeben, weil Drehbuchautorinnen von nominierten Produktionen nicht oder nur im Erfolgsfall eingeladen wurden zur Gala. Daran zeigt sich, wie fundamental eine Branche nicht versteht, wovon sie lebt. Denn die Drehbuchautoren sind entscheidend für den Erfolg eines Films: Das Drehbuch, die Geschichte ist der Ausgangspunkt aller weiteren Arbeit. In diese Arbeit Zeit und Geld zu investieren und für diese Arbeit Freiheiten zu gestatten – das würde den deutschen Fernsehfilm besser machen. Aber davon hat die Branche keinen Begriff, wie die Einladungspolitik vorführt.

Der größte Witz ist außerdem: Wenn man den Autoren mehr Raum gäbe und Wertschätzung bei Preisverleihungen, würde das den Erfolgspressemitteilungen von Sendern und Förderern überhaupt nicht schaden. Die könnten sich weiter brüsten, weil es in Deutschland ja nur eine überschaubare Zahl an Geldgebern und Produzenten gibt. Zu irgendeinem ausgezeichneten Film haben sie immer Geld gegeben.

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