Freitag, 15.11.2019
 
Seit 09:35 Uhr Tag für Tag
StartseiteThemaDas sind die Tory-Kandidaten13.06.2019

Mays NachfolgeDas sind die Tory-Kandidaten

Wer wird Theresa Mays Nachfolger? Das werden nun die Parteimitglieder der Tories per Briefwahl zwischen Boris Johnson und Jeremy Hunt entscheiden. Sie hatten bei der Stichwahl in der Tory-Fraktion die meisten Stimmen erhalten. Ein Überblick aller Kandidaten.

Boris Johnson (l.) und Theresa May  (imago images / i Images)
Boris Johnson, der als britischer Außenminister im Mai zurückgetreten ist, hat größte Chancen, neuer Tory-Chef und neuer britischer Premierminister zu werden. (imago images / i Images)
Mehr zum Thema

May-Nachfolge Außenminister Jeremy Hunt will Tory-Chef werden

Konservative suchen Nachfolger für May Das letzte Wort haben die Parteimitglieder

May-Nachfolge "Unter Johnson gibt es einen harten Brexit"

Theresa May Am Ende einer kurzen Ära

Nach dem Rücktritt von Premierministerin May wählen die Konservativen nicht nur eine neue Parteispitze. Mays Nachfolge wird zugleich der Premierministerposten zuteil. Der vorgesehene Auswahlprozess ist kompliziert: Ein Komitee der Torys nominierte zu Beginn zehn potenzielle Kandidaten. In weiteren Abstimmungsrunden wird sich die Anzahl der Kandidaten sukzessive verringern. Die Hürde der ersten Runde haben die beiden Frauen unter den zehn Nominierten nicht geschafft: Andrea Leadsom und Esther McVey sind raus, ebenso der Kandidat Mark Harper. Sie alle haben die 17 erforderlichen Stimmen nicht erreicht.

Wie läuft die Wahl ab?

Die zweite Runde übersteht nur, wer mindestens 33 Stimmen erhält. Dieses Verfahren wird so lange fortgeführt, bis noch zwei Kandidaten übrig sind, die zur Stichwahl antreten. Der Prozess kann sich also durchaus noch verkürzen. In der Stichwahl stimmen alle 160.000 Tory-Mitglieder per Briefwahl über den Kandidaten ihrer Wahl ab, die neue Parteiführung soll Ende Juli feststehen.

Die Kandidaten im Überblick

Boris Johnson

 Boris Johnson, ehemaliger Außenminister unter Theresa May (imago / Artur Widak)Boris Johnson (imago / Artur Widak)Boris Johnson wird von vielen als Favorit gehandelt. Er ist Brexit-Befürworter der ersten Stunde. Im Falle einer Wahl verspricht er, den Brexit bis spätestens Ende Oktober – mit oder ohne Deal. Im Lager der Konservativen und der Hardliner ist er beliebt. Laut Dlf-Korrespondent Friedbert Meurer hat Johnson die größten Aussichten auf den Parteivorsitz und den Posten des Premierministers. In London herrsche, so Meurer, die Ansicht: "Nur Boris Johnson selbst kann Boris Johnson noch stoppen." Johnson ist nicht nur für seine Wortgewandtheit, sondern auch für verbale Ausrutscher und mangelndes Feingefühl bekannt.

In der Fraktion führt Johnson derweil haushoch: Die erste Abstimmungsrunde hatte er mit 114 Stimmen eindeutig für sich entschieden. In der zweiten erhielt er 126 der insgesamt 313 Stimmen.

Jeremy Hunt

  Der britische Außenminister Jeremy Hunt (EPA / Andy Rain)Jeremy Hunt (EPA / Andy Rain)Jeremy Hunt ist im Amt des Außenministers vor etwa einem Jahr Boris Johnson gefolgt. Hunt ist ehemaliger "Remainer". Er stimmte zunächst für den Verbleib Großbritanniens in der EU. Später hat Hunt es sich anders überlegt – eine Haltung, die er mit vielen anderen Torys gemein hat. Hunt ist allerdings ein moderater Brexiteer: Für ihn muss der Brexit nicht zwingend bis zum 31. Oktober erfolgen. Er gilt als einziger Gegner, der Boris Johnson gefährlich werden könnte. In der ersten Abstimmungsrunde hat er 43 Stimmen bekommen. Die zweite Runde hat er ebenfalls überstanden - mit 46 Stimmen.

Diese Kandidaten sind bereits ausgeschieden:

Michael Gove

 13. Juni 2019 - London, GB, Umweltminister Michael Gove verlässt seine Londoner Wohnung. June 13, 2019 - London, London, UK - London, UK. Secretary of State for Environment, Food and Rural Affairs and Tory leadership candidate, MICHAEL GOVE MP, leaves his London home this morning. Later today the first Tory leadership ballot will take place. London UK PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAl94_ 20190613_zaf_l94_014 Copyright: xVickiexFloresx (imago  / ZUMA Press / Vickie Flores)Michael Gove (imago / ZUMA Press / Vickie Flores)Der Umweltminister Michael Gove ist zwar neben Jeremy Hunt – und weit nach Johnson – der einzige Kandidat mit Aussichten auf die Stichwahl, gilt jedoch als angeschlagen. Im Alter von 30 Jahren hatte er mehrmals Kokain geschnupft, eine Straftat, die er nun in einem Interview zugegeben hat. Er bereue die Vorfälle zutiefst, so Gove. Gove gilt als bestens vernetzt, er war nebenberuflich auch schon als Journalist tätig. Mit 37 Stimmen in der ersten Wahlrunde liegt er derzeit auf einem soliden Platz drei. In der zweiten Runde verteidigte er Platz drei mit 41 Stimmen.

Matt Hancock

Matt Hancock (imago / Andrew Parsons)Matthew Hancock (imago / Andrew Parsons)Gesundheitsminister Matt Hancock lehnt einen Brexit ohne Deal ab. Seine Kampagne setzte auf einen "fresh start". Seine Chancen galten von Anfang an als gering. Er versprach die CO2-Emissionen Großbritanniens bis 2050 auf Null zu bringen. Den Klimaschutz nannte er einen "urkonservativen" Instinkt. In der ersten Runde erhielt er 20 Stimmen. Jetzt zog er sich freiwillig aus dem Rennen um den ersten Posten im Land zurück.

Dominic Raab

LONDON, ENGLAND - 14. NOVEMBER 2018: Dominic Raab, früherer Brexit-Minister, verlässt die Downing Street (Photo by Dan Kitwood/Getty Images) (Getty Images / Dan Kitwood)Dominic Raab (Getty Images / Dan Kitwood)Sein Amt als Brexit-Minister legte Dominic Raab nach wenigen Monaten aus Protest gegen den Vertragsentwurf zum EU-Austritt nieder. Als er noch im Amt war, trat er auch in einige Fettnäpfchen: In einer Konferenz hatte Raab als Brexit-Minister gesagt, ihm sei die Bedeutung des Ärmelkanals für die Wirtschaft nicht klar gewesen – eine Bemerkung, die ihm viel Spott einbrachte. Raab ist überzeugter Brexiteer, er würde wohl auch ohne Deal die EU verlassen. Mit gerade einmal 27 Stimmen war er der vierterfolgreichste Kandidat der ersten Abstimmrunde. In der zweiten Runde schied er jedoch mit 30 Stimmen aus.

Sajid Javid

 Innenminister Sajid Javid  epa05643697 Secretary of State for Communities and Local Government Sajid Javid leaves after a cabinet meeting at Downing Street in London, Britain, 23 November 2016. Chancellor of the Exchequer Philip Hammond will deliver the Autumn Statement later today in the first economic statement since the referendum of British membership of the European Union. EPA/WILL OLIVER | (picture alliance / dpa / Will Oliver)Sajid Javid (picture alliance / dpa / Will Oliver)Im vergangenen Mai ernannte Theresa May Javid zum Innenminister, vorher war er Kulturminister, davor einmal Manager bei der Deutschen Bank. Javid gilt als Hardliner. Unter anderem entzog er einer in Großbritannien aufgewachsenen Frau, die sich dem IS angeschlossen hatte, die Staatsbürgerschaft. Die Frau saß mit ihrem Kind in einem syrischen Flüchtlingslager fest – und konnte nicht mehr einreisen. Als ihr Kind starb, erntete Javid heftige Kritik für sein Handeln. In der ersten Abstimmungsrunde der Torys bekam Javid 23 Stimmen. In der zweiten Runde waren es 33 Stimmen. Bei der vorletzten Abstimmungsrunde bekam er den geringsten Zuspruch. 

Rory Stewart

11. Juni 2019 - London, England, Großbritannien - Entwicklungshilfeminister Rory Stewart verlässt Downing Street 10 (imago / ZUMA Press / Wiktor Szymanowicz)Rory Stewart (imago / ZUMA Press / Wiktor Szymanowicz)Entwicklungsminister Stewart gilt zwar als äußerst fähig, hat aber britischen Medien zufolge keine großen Chancen. Er sei Außenseiter – immerhin ist Stewart Freund der EU, auch wenn er das Ergebnis des Referendums annimmt. Einen "No Deal" lehnt Stewart dementsprechend kategorisch ab. Als Premierminister will er außerdem mehr für den Klimaschutz tun. Mit 19 Stimmen hat er die erste Abstimmungsrunde gerade so überstanden. In der zweiten Runde kam er auf 37 Stimmen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk