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StartseiteDeutschland heuteGegen extremistische Einflussnahme in Sportvereinen28.11.2018

Mecklenburg-VorpommernGegen extremistische Einflussnahme in Sportvereinen

Vereine aller Art sind froh über jedes ehrenamtliche Engagement - auch Sportvereine. Doch was tun bei Sportlern, Fans, Trainern oder Eltern, die eine extremistische Weltanschauung pflegen? Der Breiten- und Vereinssport in Mecklenburg-Vorpommern hat Beratungsstellen eingerichtet.

Von Silke Hasselmann

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(Silke Hasselmann, DLR)
Fußballfan-Banner der SG Dynamo Schwerin (Silke Hasselmann, DLR)
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Rund 150 Fans der SG Dynamo Schwerin schauen sich dieses Punktspielderby an - darunter vor allem kräftig gebaute Männer im Alter zwischen 20 und 45 Jahren. Die meisten tragen komplett schwarze Kleidung oder die typisch weinrote Dynamo-Trainingsjacke. Auf dem Rücken in Frakturschrift: "Schweriner Jungs" oder auch großflächig das Eiserne Kreuz, darunter der Spruch "Sport frei!". An vielen Füßen: Turnschuhe der Marke "New Balance", die in der rechtsextremen Szene besonders beliebt ist.

Rechte Kleidungscodes

"Es ist ja so, dass das gern auch als eine Art Versteckspiel betrieben wird. Dass Kennzeichen nicht nur eine Fankultur darlegen, sondern auch eine politische Zugehörigkeit."

Sagt Daniel Trepsdorf, der weiß, dass die SG Dynamo Schwerin seit Jahren schon den Ruf hat, zumindest auch ein Sammelbecken für Rechtsextreme zu sein. Was Trepsdorf am Spielfeldrand sieht, entziffert er als einschlägige Codes. Wobei:

"Beim Spruch 'Sport frei!' kann man es eben nicht eindeutig zuordnen, weil er auch in der DDR weit verbreitet gewesen ist. Insofern ist es immer auch ein Spiel mit den politischen Avancen, die man mit dem Kleidungsstil vertritt."

(Silke Hasselmann, DLR)Daniel Trepsdorf, Regionalzentrum für demokratische Kultur Westmecklenburg (Silke Hasselmann, DLR)

Beratung bei extremistischer Einflussnahme

Daniel Trepsdorf leitet das Regionalzentrum für demokratische Kultur Westmecklenburg. Das versteht sich als Anlaufstelle für Menschen, die rechtsextreme Strukturen oder fremdenfeindliche Verhaltensweisen in ihrem Umfeld erleben – auch im Sportverein.

"Eltern, die sich beispielsweise an uns wenden, die sagen dann auch mal: 'Da ist doch jemand, der ist relativ engagiert im Sportverein'. Das braucht man ja auch: Ehrenamtliche, die engagiert sind."

In diesem Fall habe ein hilfsbereiter Vater auch andere Kinder gern zum Training gefahren, dabei aber merkwürdige Musik gehört. Als ein Kind einmal einen Mitschnitt per Handy mit nach Hause brachte, habe sich herausgestellt:

"Dass es sich beispielsweise um Screwdriver handelt, also eine sehr gewaltbetonende ausländerfeindliche, fremdenfeindliche Nazi-Gruppe. Dann muss auch mit Trainerinnen und Trainern gesprochen werden, damit Akteure der extremen Rechten nicht den Sport für ihre Zwecke instrumentalisieren können."

Rechte unterwandern Sportvereine

Die Regionalstellen für demokratische Kultur in MV arbeiten eng mit dem Landessportbund zusammen. Der vertritt 47 Sportarten und 1.900 Vereine. Als Torsten Haverland 2003 LSB-Geschäftsführer wurde, musste er häufiger feststellen, "dass man versucht hat, einige Vereine - naja, ich will nicht sagen zu infiltrieren, aber Personen mit rechtsextremistischem Hintergrund versucht haben, dort Fuß zu fassen."

Auch weil Vereinsvorstände, Übungsleiter, Schiedsrichter und Ordner geschult würden, seien Fälle wie jener deutlich seltener geworden: als ein großer Traditionsverein in Wismar eine neue Kampfsportabteilung aufgenommen hatte, nur um dann zu bemerken, dass diese auf einschlägigen rechtsextremistischen Veranstaltungen auftrat.

Zwar meint der Landessportbundchef mit Blick auf die Folgen der Migrations- und Flüchtlingskrise Ende 2015:

"Die gesamtgesellschaftliche oder gesamtpolitische Situation ist ja schon so, dass man gemerkt hat, da ist eine gewisse Polarisierung da. Die wird sicherlich auch in den Vereinen diskutiert. Da können wir uns auch nicht von freimachen."

Doch niemand dürfe wegen seiner privaten politischen Meinung aus einem Sportverein gedrängt werden. Es sei denn, jemand versucht die Vereinsstrukturen für die Radikalisierung anderer Mitglieder zu nutzen. Insofern bleibe es wichtig, "auch die Vereine insgesamt zu sensibilisieren, dass man nicht auf dem rechten, aber auch nicht auf dem linken oder auf dem religiösen Auge blind ist."

So verhöhnten kürzlich FC-Hansa-Ultras bei einem Heimspiel auf einem riesigen Spruchbanner einen tödlich verunglückten Rostocker Polizisten. Selbsternannte Linksautonome lobten diese Aktion auf der einschlägigen Internetplattform Indymedia und schrieben ihrerseits über "mehr als nur klammheimliche Freude, als uns seine Todesnachricht erreichte!"

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Bei derartigen Verhaltensweisen ist es für Vorstand und Mitgliederversammlung einfach, sich zu distanzieren. Schwierig werde es jedoch immer, sobald einzelne Personen beschuldigt werden. Niemand wolle "Gesinnungsschnüffelei" und "Rufmord" durch falsche Verdächtigungen betreiben, erklärt Eckardt Schimansky von der "Mobilen Beratungsstelle im Sport". Die ist beim Landessportbund M-V angedockt und sichert jedem, der sich an sie wendet, absolute Vertraulichkeit zu.

"Also so pauschal zu sagen: `Den schmeißen wir jetzt raus und dann hat sich das geregelt!` - so einfach ist es ja tatsächlich nicht. Gerade im ländlichen Raum, in der Dorfgemeinschaft - da freut man sich im Prinzip über jeden, der sich engagiert, der Verantwortung übernimmt. Aber gerade, wenn es um Übungsleiter geht, die Verantwortung tragen gegenüber Jugendlichen und entsprechende Arbeit machen, da darf natürlich kein menschenverachtendes Gedankengut weiterverbreitet werden."

Der vorhin erwähnte Traditionsverein zum Beispiel hatte sich letztlich entscheiden, die Kampfsportvereinigung wieder auszuschließen.

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