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StartseiteSport am WochenendeMediationsidee ad absurdum?20.08.2011

Mediationsidee ad absurdum?

Der Fall Amerell-Kempter geht in die nächste Runde

Am Dienstag hatte der DFB verkündet, Wolfgang Huber, Ex-Vorsitzender der Evangelischen Kirche, solle auf Initiative von Präsident Theo Zwanziger im Fall um die Schiedsrichter Amerell und Kempter vermitteln. Amerell, der davon aus den Medien erfuhr, bezeichnete den Vorstoß als "PR-Gag".

Von Thomas Kistner

Manfred Amerell sprach von einer "neuen Dreistigkeit des DFB" (picture alliance / dpa)
Manfred Amerell sprach von einer "neuen Dreistigkeit des DFB" (picture alliance / dpa)

Am Dienstag gab der DFB eine Pressemeldung heraus, die so klang, als habe sie Manfred Amerell persönlich unterschrieben. Professor Wolfgang Huber übernehme die Vermittlung im Fall Amerell, verkündete der DFB, in Hinblick auf Ex-FIFA-Referee Michael Kempter und "die Situation" des früheren Schiedsrichter-Funktionärs sei "auf Initiative von Theo Zwanziger eine Mediation eingeleitet" worden. Denn im Rechtsstreit zwischen DFB und Amerell seien die Gerichtsverfahren "zugunsten des DFB und Zwanzigers" juristisch abgeschlossen; nun wünsche der Verband eine "menschliche Aufarbeitung". Dafür stünde Huber bereit – flott stand die Meldung auch auf der Website des Ex-Vorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Amerell brauchte einen Tag, um sich von dieser "neuen Dreistigkeit des DFB", wie er sagt, zu erholen. Eine Mediation bezeichnet ein freiwilliges Verfahren zur konstruktiven Konfliktbeilegung – da wirkt es wie eine Farce, dass er selbst davon nur aus den Medien erfuhr. Vom DFB wurde er nie gefragt, ob er die Vermittlung wünsche. Die Peinlichkeit lieferte Amerell nun die Chance, den Vorstoß seines Intimgegners Zwanziger als "PR-Gag" zu geißeln. Über Anwalt Jürgen Langer teilte der Ex-Funktionär mit, allein schon der "selbstherrliche und rechtfertigende Verfügungsakt des DFB und seines Präsidenten" führe die Mediationsidee ad absurdum.

Womöglich hat der deutsche Fußball das nächste Eigentor des für seine Alleingänge gefürchteten DFB-Bosses zu beklagen. Denn während es im DFB-Text heißt, Theologe Huber wolle mit Amerell und Kempter "in den kommenden Wochen intensive Gespräche führen", reichte Amerell am selben Tag seine Berufung gegen Kempter beim OLG Stuttgart ein.

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Ähnlich originell ist die Verfahrensweise des DFB, mit dem Amerell nun auch gleich wieder in den Ring steigt. Zwanzigers Verband lieferte ihm dafür die Steilvorlage mit der Behauptung, dass alle juristischen Händel beendet und zugunsten des DFB entschieden seien.
Das sei falsch, sagt Anwalt Langer, vielmehr laufe zurzeit ein vom DFB-Kontrollausschuss eingeleitetes Verfahren gegen Amerell. Auch hatte sich der Ex-Funktionär dort im April selbst angezeigt. Langer verweist zudem auf frühere Streitrunde wie die im März 2010 vorm Münchner Landgericht, die "unentschieden, weil im Vergleichswege" beigelegt worden war. Oder an die Einstellung der Strafermittlungen bei der Augsburger Staatsanwaltschaft. Jetzt hat Amerell beim Landgericht München eine einstweilige Verfügung gegen die Behauptung beantragt, dass alle juristischen Streitereien beendet seien.

Nachvollziehbar ist ihm Zwanzigers plötzlicher Friedenskurs nicht: Noch im Frühjahr hatte der für eine Sperre Amerells durch den DFB-Kontrollausschuss plädiert. Amerell wiederum will nach Ende des Kempter-Prozesses den DFB verklagen – daran, sagt er, habe sich nichts geändert. Zudem sei bald mit neuen Entwicklungen zu rechnen – in deren Folge dann eine Mediation vielleicht erforderlich sei.

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