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Startseite@mediasresVon einem, der die Zeitungslandschaft vermessen hat23.12.2019

Medienforscher Horst RöperVon einem, der die Zeitungslandschaft vermessen hat

Ohne ihn wüssten wir vieles über die deutsche Medienlandschaft nicht: Der Wissenschaftler Horst Röper hat sich seit den 80er-Jahren ein ganz neues Forschungsfeld erschlossen, das heute unverzichtbar ist. Jetzt geht er in den Ruhestand.

Von Bettina Köster

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Porträt von Horst Röper (Imago / Hoffmann)
Medienforscher Horst Röper geht in den Ruhestand (Bild von 2003) (Imago / Hoffmann)
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"Damals machte die Uni ein relativ großes Projekt, das hieß 'Medienatlas NRW', in dem zum ersten Mal überhaupt versucht wurde, die Medienlandschaft in einem großen Bundesland zu kartieren und darzustellen, was gibt es überhaupt, wie wird das gemacht, wem gehört das", erzählt Horst Röper.

So fing alles an für den Absolventen des Journalistikstudiums an der Universität Dortmund. Und schnell war für Horst Röper klar: Vielfaltsicherung, Konzentrationsentwicklung auf dem Printmarkt und wirtschaftliche Verflechtungen der Medienhäuser - das sollten seine Lebensthemen werden.

"Das hat auch zu tun mit meinen eigenen Erfahrungen, die ich gesammelt habe, weil ich eben in jungen Jahren als freier Mitarbeiter in einer Zeitung beschäftigt war, die plötzlich auch verkauft wurde an die große WAZ, wie das damals x-fach passiert ist. Das hat mich schon angespornt, mal nachzuschauen, wer sind denn überhaupt diejenigen, die diesen Markt im letztlich Griff haben. Das war damals ja alles Terra incognita. Man kannte sich damit nicht aus, es gab keine Literatur dazu."

Forschung im Geist der Zeit

An der Universität wollte er diesen Fragen allerdings nicht weiter nachgehen. Zu viele bürokratische Hürden blockierten ihn und seinen Mitstreiter Professor Ulrich Pätzold. Bei einem gemütlichen Abend in der Kneipe entstand dann die Idee, sich auf eigene Forscherbeine zu stellen.

"An der Uni fehlte manchmal Geld und da hat man sich der Drittmittel mal kurzfristig bedient, die noch im Topf waren. Und das hieß dann für uns, dass unsere eigenen Drittmittel eben zeitweilig nicht zur Verfügung standen, weil sie andernorts benötigt wurden. Mit solch einer großen universitären Verwaltung umzugehen, ist nicht so ganz einfach. Und das haben wir dann in viel schlankerer Organisation in Eigenregie gelöst."

Drittmittel, sind Forschungsgelder, die sowohl Universitäten als auch eigenständige Forschungsinstitute bei Stiftungen oder anderen Institutionen beantragen können. Diese Drittmittel wollten Ulrich Pätzold und Horst Röper künftig selbst in die Hand nehmen.

Deshalb befreite sich das Forscherduo von der universitären Zwangsjacke und gründete das Forschungsinstitut FORMATT. Dieser heute sperrig klingende Name steht für "Forschung Medien Aktuell Technologie Transfer". Transfer war vor 40 Jahren in aller Munde, so Röper. Und somit gehörten sie damals zum Zeitgeist.

In den 80er-Jahren war medienpolitisch und -ökonomisch Einiges im Auf- und Umbruch. Private Sender sprossen damals wie Pilze aus dem Boden, und das Institut war oft gefragt, wenn es um Auftragsstudien ging. Ministerien, Staatskanzleien, Landesmedienanstalten und viele andere Institutionen brauchten wissenschaftliche Grundlagen für ihre Entscheidungen. Expertisen zur Lage der mittelständischen Fernsehproduzenten in Deutschland waren genauso gefragt wie Untersuchungen über die Marktfähigkeit eines Großkino-Centers in Marl.

Röper erforschte erstmals Pressekonzentration

Neben der Auftragsforschung bewahrten Röper und Pätzold ihr Forscher-Spielbein: "Wir haben auch ein paar Projekte immer wieder mal zum Zeitungsmarkt gemacht, die eben nicht von Dritten finanziert wurden. Wir kamen aus Sicht der Zeitungsverleger eigentlich immer zu den falschen Ergebnissen, das heißt also Ergebnisse, die denen nicht passten.

Von Pressekonzentration und Qualitätsverlusten in der Tageszeitung wollten viele Verleger lieber nichts wissen. Auch für einen großen Teil der Medienöffentlichkeit waren Röpers Forschungsergebnisse neu.

"Weil niemand wusste, dass dieser Konzentrationsprozess im Tageszeitungsmarkt ja schon so weit fortgeschritten war. Es war kaum bekannt, dass diese kleinen Lokalzeitungen längst zu größeren Einheiten gehörten, dass nur eben der Titel gleich geblieben war, und das war damals in den 80er-Jahren eben völlig neu."

Horst Röper blieb trotzdem während seiner ganzen Forscherlaufbahn ein Mahner für Zeitungsvielfalt. Ausreichend gehört hat er sich allerdings nie gefühlt.

"Vieles, was wir damals vielleicht als pessimistische Erwartung geäußert haben, ist vom Markt inzwischen längst übertroffen worden. Also die Marktrealitäten sind heute viel schlechter, als wir sie noch in den 80er-Jahren für möglich gehalten haben."

Lokaljournalismus bleibt sein Sorgenkind

In seinen Augen hat die Medienpolitik versagt: "Weil man sich natürlich in der Politik auch nicht anlegen will mit mächtigen publizistischen Organisationen. Und wenn man Vielfalt hätte halten wollen und Konzentration hätte verhindern wollen, dann hätte das auch geheißen, gegen die Interessen von großen Medienunternehmen zu verstoßen und das war nicht gerade gewünscht."

2010 stieg sein Partner Ulrich Pätzold aus Altersgründen aus. Von da an war Horst Röper allein als Forscher im Formatt-Institut. Jetzt geht auch seine Ära zu Ende. Und wie ist sein Blick in die Zeitungszukunft? Bundesweit sieht er eine breite und vielfältige Berichterstattung. Aber der Lokaljournalismus bleibt für ihn ein Sorgenkind.

"Das Problem im Lokalen, das haben wir eben in keinster Weise im Griff. Und hier gibt es eben immer mehr Monopole und wir müssen davon ausgehen, dass man demnächst auch in bevölkerungsschwachen Regionen beispielsweise damit leben wird, dass vielleicht sogar weiße Flecken in Bezug auf die Lokalberichterstattung erscheinen. Hier und da wird sich vielleicht auch der Rhythmus von Zeitungen und andern Organen ändern. Also nicht mehr werktägliche Erscheinungsweise, vielleicht dann nur noch einmal wöchentlich Lokaljournalismus. Und derzeit ist nicht zu sehen, dass das Problembewusstsein in der Bevölkerung gewachsen ist.

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