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StartseiteSprechstundeUnerwünschte Nebenwirkungen vermeiden 12.04.2016

MedikamenteUnerwünschte Nebenwirkungen vermeiden

Von Martin Winkelheide

Viele Stammkunden der Kölner Ewaldi Apotheke besitzen eine Kundenkarte.

"Dann können wir einsehen, was die Patienten bei uns kaufen.

Das bezieht sich sowohl auf frei verkäufliche Arzneimittel als auch auf ihre rezeptpflichtigen Arzneimittel, die sie entweder regelmäßig nehmen oder in Akutfällen – zum Beispiel Antibiotika", sagt die Apothekerin.

Kommt ein Stammkunde mit einem Rezept in die Apotheke, lässt sich schnell sehen: Bekommt er das Medikament zum ersten Mal? Oder muss er es regelmäßig einnehmen? Sie haben eine Kundendatei offen. Eine Patientin, die braucht Marcumar, das heißt einen klassischen Blutverdünner.

"… was viele Patienten zum Beispiel nach Schlaganfällen bekommen und dann auch in der Regel den Rest ihres Lebens auch weiterhin brauchen."

Nicht alle Mittel vertragen sich

Was ist denn das zweite Medikament, das kombiniert werden soll?

"Das ist ein Phosphodiesterase-Hemmer. Das ist zum Beispiel, um die Gehstrecken zu verlängern, wenn Gewebsnekrosen zum Beispiel bestehen. Vor allem an den Beinen."

Die Patientin bekommt das Mittel, um die Gehstrecke zu verlängern, nimmt aber gleichzeitig Marcumar, was sagt dann Ihr System?

"Unser System sagt, dass diese beiden Mittel absolut kontraindiziert sind."

Da sind zwei große rote Kästchen. Da steht einmal "Cave" – Achtung! Und daneben steht: in bestimmten Fällen kontraindiziert.

"Weil das zweite Mittel, das zur Verlängerung der Gehstrecke ein erhöhtes Blutungsrisiko unter der Therapie mit Marcumar hervorrufen kann, was für Patienten durchaus lebensgefährlich sein kann, wenn die Patienten sich vielleicht nur stoßen. Für einen normalen Patienten ist das nur ein blauer Fleck, für einen Patienten unter Marcumar kann das lebensgefährlich sein."

Besser, in diesem Fall: nicht kombinieren. Oder mit etwas anderem kombinieren?

In dem Fall wäre es so, dass ich die Ärzte informieren würde, weil man halt auch immer überlegen muss, ist das eine Mittel jetzt genauso wichtig wie das andere? Oder hat das eine eine höhere Dringlichkeit? Das muss man im Einzelfall klären."

Aspirin dürfen viele Patienten nicht einnehmen

Nun sind das zwei Medikamente, die rezeptpflichtig sind. Häufig kommen ja auch Patienten so herein und kaufen "über die Theke" etwas. Ist das schwieriger dann?

"Ja, das ist wesentlich schwieriger. Vor allem bei den Patienten, wo man nicht weiß, was sie täglich sonst noch nehmen. Klassisches Beispiel: Aspirin. Viele Patienten dürfen kein Aspirin nehmen. Und auch das ist so was, wo man immer durch gezielte Fragen feststellen muss: Darf der Patient das nehmen? Vielleicht darf er es nehmen – aber eben nicht die gleiche Menge. Oft ist es bei älteren Patienten so ein Problem mit den Nieren. Dass die Nierenleistung nicht mehr so gut ist. Dass Wirkstoffe schlechter abgebaut werden, die über die Niere verstoffwechselt werden."

Wie ist es mit der Wahrnehmung? Es gibt ja viele, die nehmen noch Nahrungsergänzungsmittel, Vitaminpräparate etc. Spielt das eine Rolle, wenn es um Nebenwirkungen geht? Viele nehmen das ja gar nicht als Wirkstoffe wahr.

"Bei vielen ist es so, dass ihnen manchmal die Tragweite gar nicht so bewusst ist, gerade auch bei frei verkäuflichen Medikamenten. Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist auch so ein Fall, dass Schilddrüsenpatienten darauf achten sollten, nicht extreme Mengen Jod zu sich zu nehmen, zum Beispiel. Und die sind dann immer ganz froh, wenn man mit wachem Auge dabei ist. Das ist halt immer im Rahmen unserer Möglichkeiten: Ob wir das einsehen können, und ob die Patienten auch uns gegenüber offen sind und auch sagen, was sie nehmen. Und das auch ehrlich tun. Aber es ist auch im Umkehrschluss so, wenn man die Patienten fragt: Was nehmen Sie alles? Da wird ganz oft was vergessen. Entweder die Nahrungsergänzungsmittel oder Präparate, die man nicht jeden Tag nimmt. Das ist auch so etwas, was dann oft vergessen wird."

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