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StartseiteForschung aktuellSchlafmangel gefährdet die Gesundheit19.05.2016

MedizinSchlafmangel gefährdet die Gesundheit

Wer zu wenig schläft, schädigt auf Dauer nicht nur das Gehirn, sondern auch die Organe. Das haben Forscher in Finnland herausgefunden. Im schlimmsten Fall drohen Schlaganfall und Herzinfarkt.

Von Michael Stang

Eine Frau schläft im Bett, während ein Wecker neben ihr auf dem Nachttischränkchen steht. (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
Eine Frau schläft im Bett, während ein Wecker neben ihr auf dem Nachttischränkchen steht. (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

"Nun, in Finnland gibt es das Sprichwort, dass die Kinder des Schuhmachers keine Schuhe besitzen. Und ja, Schlaf-Defizit-Forscher schlafen nicht immer ausreichend."

Das gelte momentan auch für sie, so Vilma Aho vom Schlafteam Helsinki. Während die meisten ihrer Kollegen der Frage nachgehen, wie Schlaf und Wachheit im Gehirn auf molekularer Ebene geregelt werden, schaut sie sich auch andere Organe des Körpers an.

"Obwohl eigentlich früher die Auffassung galt, dass Schlaf primär etwas für das Gehirn ist und sich auch dort abspielt, zeigt sich mittlerweile, dass es das Zusammenspiel aller Organe ist. Deshalb konzentriere ich mich auf den Rest des Körpers und schaue im Vergleich zum Gehirn, was passiert, wenn der Körper ausreichend beziehungsweise zu wenig Schlaf bekommt."

Was aber heißt "ausreichend Schlaf"? Generell lässt sich diese Frage nur schwer beantworten, da es auch innerhalb einer Population große Unterschiede hinsichtlich des Schlafbedarfes gibt. Daher könne sie nur eine Zeit zwischen sieben und acht Stunden angeben.

"It's not so easy to say how much sleep you need."

Wenig Schlaf, mehr Appetit

Somit gelte grob die Regel, so Vilma Aho, dass ausreichend Schlaf jene Zeitspanne betreffe, nach der man von alleine ausgeruht aufwache, zudem sage die reine Schlafdauer noch nichts über die Qualität des Schlafes aus. In ihrer Studie, die kürzlich im Fachjournal "Scientific reports" veröffentlicht wurde, befasste sich die Forscherin der Universität Helsinki mit den Auswirkungen von Schlafmangel auf die Blutgefäße. Hinzu kommt: Wer zu wenig schläft, hat einen größeren Appetit, denn der Körper lechzt nach Energie. Wer unter Schlafmangel leidet, isst nicht nur mehr als ausgeruhte Personen, sondern auch deutlich ungesünder, also meist energiereiche Kost. Deshalb hätte sie sich auf den Fettstoffwechsel konzentriert.

"We focused of lipid metabolism and especially cholesterol metabolism."

Daher untersuchte Vilma Aho den Lipoproteinspiegel beziehungsweise die verschiedenen Cholesterin-Werte, allem voran das so genannte HDL-Cholesterin, welches als "gutes Cholesterin" gilt. Denn Cholesterin ist ein lebenswichtiger Stoff, aus dem die Membranen der Zellen bestehen. Für ihre Studie hatte die Forscherin zum einen auf Langzeitdaten zurückgegriffen, zum anderen hatte sie eine Gruppe junger Männer im Schlaflabor untersucht. Während die eine Hälfe nach vier Stunden Nachtschlaf geweckt wurde, konnten die Teilnehmer der Kontrollgruppe ausschlafen. Zusammen analysierte sie die Daten von mehr als 2.700 Personen.

"Dabei sahen wir, dass Schlafmangel die Menge an gutem Cholesterin verändert. Die Menge an so genannten HDL-Cholesterin-Transport-Proteinen waren bei den Probanden mit Schlafmangel deutlich reduziert im Vergleich zu den ausgeschlafenen Studienteilnehmern."

Gefahr von Herzinfarkt und Schlaganfall

Zudem waren bei den Probanden mit Schlafmangel bestimmte Gene weniger aktiv, die für die Regulierung des Cholesterin-Transports zuständig sind. Schon nach wenigen Tagen Schlafmangel sei die Veränderung des Stoffwechsels nachweisbar. Fehlen diese Transportvehikel, wird das so genannte "schlechte" Cholesterin LDL in den Arterien nicht mehr vollständig abtransportiert. Daher kann es bei einem chronischen Schlafdefizit zu einer Arterienverstopfung kommen, im schlimmsten Fall zu einem Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Wie schnell sich ein negativ veränderter Fettstoffwechsel wieder umstellt, wisse sie nicht. Klar sei nur, dass ein oder zweimal Ausschlafen nicht ausreichen, um längeren Stress abzubauen. Das kennten viele Menschen, vor allem Montagmorgen, so Vilma Aho mit einem Augenzwinkern.

"Yeah, it might be on Monday that: Ouch, I still am not ready for a new round of this."

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