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StartseiteKommentare und Themen der WocheAussichtslose Maskerade03.04.2020

Medizinische SchutzmaskenAussichtslose Maskerade

Schnelle Lösungen des Schutzmaskenengpasses kann und wird es nicht geben, selbst wenn Europa verstärkt mit der Produktion beginnen würde, kommentiert Volker Finthammer. Hilfreich sei jetzt nur das konsequente Einhalten der Abstandsregeln, um die Beschäftigten im Gesundheitswesen in dieser Lage zu entlasten.

Von Volker Finthammer

Zu sehen sind Hände mit Einweghandschuhen, die eine weiße Schutzmaske halten. (imago images | photothek | ULMER Pressebildagentur)
Derzeit kommen acht Millionen Masken pro Woche nach Deutschland, gebraucht werden aber bedeutend mehr (imago images | photothek | ULMER Pressebildagentur)
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Wie viel Globalisierung, wie viel internationale Arbeitsteilung darf es sein? Diese Frage muss man angesichts der Versorgungsengpässe in der aktuellen Coronakrise noch einmal gesondert stellen.

Medizinische Schutzmasken galten bis vor wenigen Wochen noch als chinesisches Billigprodukt, das trotz der besonderen Anforderungen kaum noch woanders hergestellt wird, obwohl die Maschinen dafür und auch die feinporigen Fleecestoffe zum Teil noch aus Deutschland kommen.

Aber die Montage des Endprodukts hat man gerne den günstigen Herstellern in China überlassen, was zu normalen Zeiten zumindest ausreichend funktioniert hat. Heute aber sind wir mit einem ganz anderen Bild konfrontiert.

Coronavirus (imago / Science Photo Library)Alle Beiträge zum Thema Coronavirus (imago / Science Photo Library)

In diesen Tagen hängt die Versorgungssicherheit in ganz Deutschland von einem täglichen Cargo Flieger und einer Verteilerfirma in Thüringen ab, die nach einem ausdifferenzierten Plan das ganze Land versorgt, damit und anders kann man das nicht formulieren - damit die medizinische Versorgung in den Krankenhäusern und darüber hinaus überhaupt noch angemessen aufrecht erhalten werden kann.

Wie dramatisch die Lage ist, lässt sich schon daraus ermessen, das es seitens des Krisenstabes der Bundesregierung die offizielle Empfehlung gibt, die medizinischen Schutzmasken bis zu drei Mal wiederzuverwenden, in dem man sie danach jeweils bei Temperaturen zwischen 65 und 70 Grad desinfiziert.

Derzeit werden 40 Millionen Masken im Monat gebraucht

Es ist einmal mehr die Not, die erfinderisch macht. Der tägliche Flieger aus Schanghai bringt - wenn alles gut - geht 8 Millionen Masken pro Woche nach Deutschland. Aber selbst das ist nicht garantiert, wenn Vorlieferanten abspringen, oder andere Käufer und mit Sicherheit auch Kriminelle sich dazwischen drängeln.

Gebraucht werden aber derzeit bis zu 40 Millionen im Monat und sollten die Krankenhäuser tatsächlich überrannt werden, bis zu 100 Millionen.

Ein Radfahrer mit Atemschutzmasker am Rheinboulevard in Köln. (picture alliance / Geisler Fotopress) (picture alliance / Geisler Fotopress) Gesundheitspolitiker Erwin Rüddel - Schutzmasken sollten "in der Bevölkerung zum Standard werden"
Das Tragen von Schutzmasken in der Öffentlichkeit werde künftig eine bedeutende Rolle spielen – und sei eine Möglichkeit der Exit-Strategie nach Ostern, sagte der CDU-Gesundheitspolitiker Erwin Rüddel im Dlf. Sobald die Gesundheitsberufe ausreichend ausgestattet seien, sollte es zum Standard werden.

Da wird der eine Flieger mit Sicherheit nicht reichen und ob weitere hinterhergeschickt werden können ist alles andere als sicher. Denn Deutschland ja nicht das einzige Land ist, das diese Schutzmasken dringend braucht.

Eine schnelle Lösung kann und wird es da nicht geben, selbst wenn jetzt in Deutschland und Europa verstärkt mit der Produktion von Masken begonnen wird. Für die Dauer der Krise mag sich das noch lohnen. In normalen Zeiten dürfte das schnell wieder unrentabel werden.

Aber dennoch stellt sich die Frage, ob es nicht tatsächlich dauerhaft hinreichende deutsche und europäische Kapazitäten braucht, zumal die Lieferketten derzeit alles andere als gesichert sind.

Hilfreich wäre da gewiss auch, wenn unser konsequentes Einhalten der Abstandsregeln tatsächlich zu weniger schweren Infektionen führen würde, um alle Beschäftigten im Gesundheitswesen in dieser schwierigen Lage zu entlasten.

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