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StartseiteUmwelt und VerbraucherForum der Meeresregionen will Ozeane schützen01.10.2019

MeeresschutzForum der Meeresregionen will Ozeane schützen

Meere müssen Plastikmüll und Altöl schlucken, Überfischung verkraften und demnächst vielleicht noch den Abbau von Rohstoffen aus der Tiefsee. Beim Forum der Meeresregionen in Berlin treffen sich unter anderem Forscher und Politiker, um gemeinsame Lösungen zum Schutz der marinen Ökosysteme zu suchen.

Von Dieter Nürnberger

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Bunte Korallen und Fische (Milos Prelevic /Unsplash)
Ozeane und Meeren sind massiv von Zerstörung bedroht (Milos Prelevic /Unsplash)
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Meeres- und Klimaschutz gehören zusammen. Denn die Weltmeere bieten mit ihrer natürlichen Speicherfähigkeit für Kohlendioxid und auch für Wärme einen wichtigen Schutz gegen den Klimawandel. Bislang war es so, dass etwa 30 Prozent der CO2-Emissionen und sogar 90 Prozent der zusätzlichen Energie durch den Treibhauseffekt aufgenommen wurden. Doch diese Funktion ist gefährdet - durch vielfältige Faktoren, die von außen auf die Meere einwirken.

Antje Boetius ist eine von rund 200 Expertinnen und Experten, die sich bis morgen in Berlin treffen, um Gegenmaßnahmen zu beraten. Die Meeresbiologin leitet das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.      

"Leider ist es eben die Komplexität: Also die Erwärmung der Ozeane, aber auch die Versauerung, aber auch die Verschmutzung - die Plastik-Vermüllung. Sie wirken allesamt zugleich auf die Lebewesen. Wir müssen das zusammendenken."

Antje Boetius steht vor einem Hafen-Gelände (Alfred-Wegener-Institut / Kerstin Rolfes)AWI-Direktorin Antje Boetius (Alfred-Wegener-Institut / Kerstin Rolfes)

Ostseeschutz als gemeinsame Aufgabe der Anrainer

Doch wie können übergreifende Regeln für die Weltmeere aussehen? Im Mittelpunkt der Konferenz stehen die Meeresregionen und schon gesammelte Erfahrungen. Beispiel Ostsee: Im Rahmen der Helsinki-Kommission wurde vereinbart, bis 2021 einen guten ökologischen Zustand wiederherzustellen, sagt Regina Dube, Leiterin der Abteilung Wasserwirtschaft und Ressourcenschutz im Bundesumweltministerium:

"Wo wir schon seit vielen, vielen Jahren mit unseren Partnerländern sehr vertrauensvoll zusammenarbeiten, wo wir gemeinsam versuchen, Dinge besser zu unterstützen, die eben für die Nachhaltigkeit, für nachhaltige Bewirtschaftung der Meere, aber auch für die Biodiversität von größter Bedeutung sind."

Eine Aquakulturfarm in Chile zur Lachszucht. Auf dem offenen Meer sind quadratische Netze im Wasser für die Lachse. (Greenpeace) (Greenpeace)Lachsfarmen in Chile - Schock auf dem Meeresgrund
Lachs ist mittlerweile das zweitwichtigste Exportgut Chiles geworden, direkt nach Kupfer. Das Geschäft boomt, weil massenhaft Antibiotika eingesetzt werden. Die Folgen sind verheerend.

Vor allem durch die Erfassung von Daten sollen die ökologischen Zusammenhänge besser erfasst werden. Durch die Zusammenarbeit der Anrainerstaaten gingen beispielsweise die Schadstoffeinträge in die Ostsee zurück, doch ein guter ökologischer Zustand sei noch längst nicht erreicht, kritisieren Umweltschützer.

Die Zusammenarbeit von Regionen, um nachhaltigen Meeresschutz zu erreichen, sei unumgänglich, so Antje Boetius vom Alfred-Wegner-Institut. Allerdings fehle es noch an Sanktionsmöglichkeiten:  

"Da ist leider noch nicht so viel los. Wie können wir messbare Ziele erzeugen, wie können wir auch eine Strafe oder einen Anreiz erzeugen für die, die zu den Guten oder Schlechten gehören, wenn es um Ozeanschutz geht."

Zwei Tiefsee-Schlote auf dem Grund des Marianengraben im Pazifik  (picture alliance / dpa / Thom Hoffman) (picture alliance / dpa / Thom Hoffman)Tiefseebergbau - Greenpeace warnt vor Rohstoff-Ausbeutung im Meer
Mangan, Kupfer, Nickel: Diese Rohstoffe lagern auch auf dem Meeresgrund – und sie werden längst ausgebeutet. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace sieht darin jedoch eine Gefahr für die Weltmeere und befürchtet eine Katastrophe.

Ansätze für gemeinsamen Meeresschutz in Afrika

Ein Großteil der Meere sind internationale Gewässer, sagt Klaus Töpfer. Der ehemalige Bundesumweltminister ist Gründungsdirektor des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam, einer der Veranstalter der Berliner Konferenz. Er betont die Wichtigkeit der Zusammenarbeit von Regionen, beispielsweise in Afrika. Auch hier versuchen Anrainerstaaten, ihre Meeresregionen unter ein gemeinsames Ökomanagement zu stellen. Erste Ansätze funktionieren, so Töpfer, etwa in der Madagaskar-Straße.  

"Die Mangroven sind die besten Küstenschützer. Dort ist inzwischen also sehr konkret die Bestandaufnahme vorangebracht worden. Das kann man weiter so machen. Die regionale Komponente kommt immer dann ins Spiel, wenn auch regionale Spezifitäten vorhanden sind."

Warnung vor dem Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee

Töpfer schaut zudem mit Sorge auf Pläne einzelner Staaten in internationalen Gewässern, in der Tiefsee Metalle und Mineralien abzubauen. Auch Deutschland hat hier inzwischen Lizenzen zur Erkundung erhalten. Der falsche Weg, sagt Klaus Töpfer:    

"Das ist eine unheimliche Herausforderung an Technik, in der Tiefsee Manganknollen zu ernten und ähnliches zu machen. Deshalb haben wir auch eine ganz besondere Verantwortung, es eben nicht in einer leichtfertigen Weise zu tun. Und wir können es sogar ganz vermeiden, wenn wir Kreisläufe schließen. Wenn wir Kreislaufwirtschaft machen und die Materialien nicht hinterher wegwerfen. Wir sind ja eine Wegwerfgesellschaft - schon seit Jahren, seit Jahrhunderten."

Auch der steigende Rohstoffbedarf wird den Meeren zusetzen, sagt Töpfer, ein besseres Recycling sei deshalb unabdingbar.  
Die Expertinnen und Experten der Berliner Konferenz hoffen, dass ihre Erkenntnisse und Vorschläge in die Beratungen zur UN-Meereskonferenz im nächsten Jahr einfließen. Die Zeit drängt, sagt Regina Dube, die Wasserwirtschaftsexpertin des Bundesumweltministeriums:    
 
"Wenn es uns nicht gelingt, pfleglich mit den Ozeanen umzugehen, dann werden wir auch nicht in der Lage sein, uns mit richtigen Mitteln gegen den Klimawandel stellen zu können."

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