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StartseiteEuropa heuteMehr als ein Name16.10.2013

Mehr als ein Name

Mazedoniens Weg in die EU

Mazedonien ist bereits seit über 20 Jahren unabhängig. Trotzdem befindet sich das Land immer noch in einer Übergangsphase. Streit gibt es außerdem um den Namen des Landes, bei dem auch Griechenland mitreden will. Das alles erschwert einen möglichen Beitritt zur EU.

Von Karla Engelhard

Griechenland beansprucht Namen und die Symbole der unabhängigen Republik Mazedonien für sich (AP)
Griechenland beansprucht Namen und die Symbole der unabhängigen Republik Mazedonien für sich (AP)

Seit mehr als 20 Jahren ist Mazedonien, die einst südlichste Teilrepublik Jugoslawiens, unabhängig. Doch in den internationalen Organisationen, ob in den Vereinten Nationen oder in der NATO, heißt dieses kleine Land nur kurz Fyrom, oder aus formuliert sperrig: Former Yugoslav Republic of Macedonia - ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien.

In der Landesverfassung steht zwar Republik Mazedonien, aber Nachbar Griechenland ist damit nicht einverstanden. Das EU-Mitgliedsland beansprucht Namen und die Symbole der unabhängigen Republik für sich. Sie haben eine gemeinsame Geschichte und die geografische Region Makedonien teilen sich beide Länder noch immer. Im sehr emotional geführten Namensstreit berufen sich beide Seiten auf ihre Geschichte und schenken sich nichts. Doch die Republik Mazedonien verbaut sich damit den Weg in die Europäische Union. Seit 2005 versucht Skopje, alle Voraussetzungen für eine EU-Mitgliedschaft zu erfüllen. Die Bilanz ist gut, doch nicht ausreichend. Auf den Straßen von Skopje meint Händler Toni:

"Das Problem mit dem Namen ist nur ein Vorwand der EU, uns nicht aufzunehmen. Ich denke, dass Mazedonien die EU-Mitgliedschaft nicht verdient hat."

Sofia, eine Hausfrau, Mitte 40 ist sich sicher:

"Die Europäische Union muss uns am Ende aufnehmen. Den Namen werden wir nie ändern, aber man könnte unser Land ja zum Beispiel "Obermazedonien" nennen."

Faik Mehmed ist Rom, für ihn ist egal, wie das Land heißt:

"Das Leben ist schwer hier, das Land ist arm. Es wird nur geredet, aber davon kann man nicht leben."


Nach 20 Jahren Unabhängigkeit ist Mazedonien noch immer ein Land im Übergang. Die Volkswirtschaft ist schwach, die Infrastruktur marode, die Arbeitslosigkeit hoch - Investoren sind rar. Die Mehrheit der rund zwei Millionen Einwohner versucht, irgendwie durchzukommen. Die Spannungen zwischen den Volksgruppen, die 2001 fast zu einem Bürgerkrieg geführt hätten, sind entschärft. Orthodoxe Mazedonier und muslimische Albaner sind sich nähergekommen. Doch die Europäische Union ist noch fern, meint Gjorgi Ristevski, Geschäftsmann aus Skopje, Mitte 50:

"Selbst wenn wir alle Voraussetzungen für Beitrittsverhandlungen erfüllen, werden sie dennoch nicht beginnen. Die Union will von uns eine Lösung für das Namensproblem. Doch das EU-Mitgliedsland Griechenland stellt sich quer und die EU tut nichts. Andere EU-Mitglieder, wie Bulgarien, Rumänien und seit jüngstem Kroatien, erfüllten auch nicht alle Anforderungen, aber sie sind in der EU. Obwohl wir auf einigen Gebieten besser sind als diese Länder. Auch in den nächsten 20 Jahren werden wir nicht der Europäischen Union beitreten."

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