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StartseiteHintergrundMehr als nur Randale14.11.2013

Mehr als nur Randale

Rassismus in Italiens Fußballstadien

Trotz blutiger Schlachten mit den Ordnungskräften, gibt es noch immer zahlreiche fußballbegeisterte Fans in Italien. Da schlug die Meldung wie eine Bombe ein, dass der Spitzenverein AC Mailand ohne Publikum spielen sollte. Der Grund: rassistisch angehauchte Beschimpfungen der Mailänder Fangemeinde beim Spiel in Turin.

Von Karl Hoffmann

Italienische Fans feiern den Sieg ihrer Mannschaft (picture alliance / dpa / Maxppp Lionel Vadam)
Italienische Fans feiern den Sieg ihrer Mannschaft (picture alliance / dpa / Maxppp Lionel Vadam)
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In den italienischen Stadien geht es schon lange nicht mehr nur um sportliche Leistungen. Der allwöchentliche Kampf der Ballakrobaten auf dem Rasen wird auf den Rängen oft zur Schlacht gegnerischer Fanklubs untereinander. Und wo Barrieren und massive Polizeikräfte eine handfeste Auseinandersetzung vereiteln, wird lautstark Randale gemacht gegen unliebsame Spieler und Fans. Traditionell rechte Jugendliche enthüllen, wie beim Spiel von Lazio in Rom Neonazi-Spruchbänder. Alba Dorata, Goldene Morgenröte, stand da zu lesen, neben "Manolis” und "Yorgos”, den Namen der beiden in Athen getöteten Neofaschisten.

Italienische Fußballleidenschaft ist ungebrochen

Der Tifo, das italienische Fußballfieber, abgeleitet vom Wort Typhus, ist noch immer eine der großen Leidenschaften der Italiener. 80 Prozent der italienischen Männer und immerhin 54 Prozent der Frauen erklären sich zu Tifosi. Trotz Pay-TV und hohen Eintrittspreisen, blutiger Schlachten mit den Ordnungskräften und Skandalen, die viele Erstligavereine erschüttert haben, gibt es noch immer zahlreiche durch und durch fußballbegeisterte Fans. Da schlug die Meldung Mitte Oktober wie eine Bombe ein, dass der Spitzenverein AC Mailand hinter verschlossenen Türen und ohne Publikum spielen sollte. Der Grund: rassistisch angehauchte Beschimpfungen der Mailänder Fangemeinde beim Spiel in Turin.

Mailands Vereinspräsident Adriano Galliani war weniger über das skandalöse Betragen der Fans als vielmehr über die verhängte Strafe außer sich, ganz im Stile des Klubeigners Silvio Berlusconi erklärte er:

"Wir werden uns gegen diese Entscheidung in allen möglichen Instanzen wehren. Wir sind gegen das Spiel hinter verschlossenen Türen. Wir werden versuchen diese Bestrafung zu verhindern."

Fußballspiel vor leeren Rängen angedroht

Die unerwartet strengen Sportrichter wollten mit ihrer Entscheidung ein Zeichen setzen, um die zunehmend mit rassistischen Parolen begleiteten Auseinandersetzungen der verschiedenen Fanklubs in den Stadien an der Wurzel zu packen. Zum Entsetzen von Vereinen und Verbänden. Giorgio Abete, Präsident des italienischen Fußballverbandes, rief zur Besonnenheit auf, bevor derart drastische Methoden wie Fußballspiele vor leeren Rängen angewandt würden.

"Das Verhalten der Fans schadet ja nicht nur dem eigenen Klub, sondern auch den unbeteiligten Zuschauern. Denen nimmt man zu Unrecht die Möglichkeit ins Stadion zu gehen wegen einer Handvoll Krawallmachern. Wir sollten jetzt erst einmal prüfen, welche Maßnahmen zu treffen sind, um zu verhindern, dass sie Unschuldige treffen."

Gewalt und Rassismus der Fußballfans in den Griff bekommen

Eine Hinhaltetaktik, die seit Jahren das Problem der zunehmenden Radikalisierung von Fußballanhängern lediglich vor sich herschiebt. Italiens Fußballvereine kümmern sich herzlich wenig um die Fans. Solange sie den Verein lautstark unterstützen sind sie willkommen, kommt es aber zu Ausschreitungen, dann wollen die Vereine mit ihren Fans nichts mehr zu tun haben. Wollte man sie für das Verhalten der Fans bestrafen, dann, so ihr Argument, würde man die Vereine schutzlos wenigen gewalttätigen Fans ausliefern, die mit ihren Aktionen jederzeit den Spielbetrieb lahmlegen könnten.

Die Sportrichter sehen das genau umgekehrt. Nur mit drastischen Reaktionen könnte man die Fans zur Vernunft bringen. Die Entscheidung der Richter wurde schließlich nach zähen Verhandlungen erst einmal vertagt. Die Mannschaft spielte mit Publikum und die Verantwortlichen diskutieren nun über weitere Maßnahmen, wie man Gewalt und Rassismus der Fußballfans in den Griff bekommen könnte.

2008 errang Italien zum vierten Mal den Weltmeistertitel. Getrübt wurde die Freude in der Folgezeit nicht nur durch eine beispiellose Betrugsaffäre mit getürkten Spielergebnissen, sondern auch durch gewalttätige Fanklubs, die Angst und Schrecken verbreiteten und den Staat zum Handel zwangen. Die neuen, strengeren Regeln für den Stadionbesuch verleideten vielen italienischen Fußballfans den Spaß am Spiel. Repression statt Aufklärung und Vermittlung zwischen verfeindeten Fangruppen vertrieben immer mehr Zuschauer aus den Stadien.

Schon die alten Römer hatten es gerne heftig

Löwen und Sklaven lieferten sich in der Arena blutige Kämpfe. Damit ist gottseidank Schluss - geblieben ist die antike Tradition von panem et circenses. Brot und Spiele wird von manchen jungen Zuschauern heutiger Wettkämpfe in "Spiele gleich Gewalt” umfunktioniert. Nirgendwo wie in Rom sind die Tifosi in der Vergangenheit derart heftig aufeinander losgegangen.

Sie haben sich den wenig ehrenwerten Titel "Ultras" zugelegt und vor allem eines im Sinn: Zoff machen. Seit geraumer Zeit immer öfter mit rassistischen und Neonazi-Parolen. Gianluca Trione ist ein unwandelbarer Lazio-Tifoso. Lange gehörte er zu den besonders extremen Fans, ging keiner Schlägerei aus dem Weg und verunglimpfte die gegnerischen Fans so gut er konnte. Gianluca ist Anfang Dreißig, hat kurzes, dunkles Haar, einen Dreitagebart. Er spricht den typischen römischen Vorstadtdialekt. Aus seiner Herkunft macht er keinen Hehl.

Viele der gewalttätigen Fußballfans kommen aus niedrigen sozialen Schichten, sind ausgegrenzt, arbeitslos, ohne Zukunftsperspektiven. Viele haben die Ausländer zu Sündenböcken für ihre eigene Misere gemacht, da ist der Schritt nicht weit zum Rassismus. Die ruhmlose Karriere eines Ultra beginnt im Kindesalter.

"Jeder von uns entwickelt von klein auf eine "fede calcistica”, eine lebenslange Treue zu einem bestimmten Verein. Die Vereinsfarben haben oft schon Familientradition. Der Vater, der Onkel oder Freunde nehmen dich mit zu den ersten Spielen. Und so wird man Tifoso eines bestimmten Klubs. Später trennen sich dann die Wege, die einen werden zu wirklich leidenschaftlichen Fans im Stadion, andere wiederum erwärmen sich weniger. Aber Fan bist du tief im Inneren schon, wenn du erst vier oder fünf Jahre alt bist. Die Begeisterung hat in den letzten Jahren nachgelassen, vor allem seit den Skandalen von Calciopoli."

Calciopoli, eine gigantische Affäre um getürkte Spiele, gekaufte Spieler und Schiedsrichter, bestochene Linienrichter, illegale Spielgewinne. Ein derart schamloser Betrug der Fußballmacher, dass bei vielen die Begeisterung in Gewalt umschlug, da ist sich Tirone sicher. Denn die Spiele wirkten plötzlich abgekartet und es wurde immer klarer, dass reines Kalkül der Fußballmächtigen die Tabelle bestimmte.

"40 Jahre lang haben die Leute in den Bars über den Fußball ihre Witze gemacht und dann stellt sich plötzlich heraus, dass das alles tatsächlich geschehen ist. Man hat schon immer vermutet, dass es Mannschaften gab, die mehr Einfluss hatten als andere und an den Ergebnissen irgendwie drehen konnten. Heute wissen wir, dass wir Jahre lang hinters Licht geführt wurden und Zuschauer eines abgekarteten Spielchens waren. Das ist so als würdest du ins Kino gehen, wo ein Film abläuft, dessen Ende längst feststeht."

Idole denken mehr an ihre Karriere, als an die Fans

Wütend werden die Tifosi immer öfter auch dann, wenn ihre Idole, teuer bezahlte Stars, sich schonen, weil sie mehr an ihre Karriere denken, als an die Fans. So wie die Führung der großen Vereine, die sich teure Fernsehrechte gesichert haben, statt sich um Stadien und Zuschauer zu kümmern. Schuld an der Gewalt in den Stadien sind nicht nur die Tifosi, sondern vor allem die Gesellschaft, sagt Gianluca.

"Die Gesellschaft ist nun Mal voller Gewalt. Das, was in den Stadien passiert, ist nur sehr viel sichtbarer. Wie viele Tausend Jugendliche kriegen sich an jedem Wochenende in den Diskotheken in die Haare; darüber spricht man nicht. Im Stadion prügeln sich zehn Fans und die Kameras übertragen das überallhin. Ich will nicht bestreiten, dass wir auch Fehler gemacht haben. Heute versuchen wir dem Nachwuchs in den Stadien beizubringen, wie man ehrenvoll eine Niederlage hinnimmt. Im Stadion kann man gewinnen oder verlieren. Wichtig ist, dass sich die Spieler Mühe geben, und sich den Applaus der Fans verdienen, auch wenn sie 0:4 verloren haben. Das versuchen wir zu vermitteln. Aber in unserer Gesellschaft zählt nur der Sieg um jeden Preis, auch mit Doping und Korruption – daran sind die Fans nicht schuld. Oft sind sie noch die Ehrlichsten im Fußball, denn sie haben noch echte Leidenschaft."

In den Stadien ist es nicht nur dank strenger Vorschriften inzwischen etwas ruhiger geworden. Auf den Tickets müssen die Namen der Besitzer stehen, die sich am Eingang ausweisen müssen. Alle Gegenstände, die zur Randale dienen könnten, sind in den Stadien streng verboten. Gegnerische Fangruppen werden voneinander getrennt. Natürlich gilt ein Vermummungsverbot und mithilfe von Videokameras lassen sich Randalierer in der Regel leicht identifizieren. Aber all das nützt wenig in der Umgebung der Stadien, wo es immer wieder zu Gewaltakten kommt.

Auch drastische Strafen konnten Gewaltakte nicht verhindern."

Vor zwei Monaten wurde in Rom der Mannschaftsbus der Gäste aus Verona mit Steinen beworfen und schwer beschädigt. Der italienische Verbraucherverband Codacons, der die Interessen der friedlichen Stadionbesucher vertritt, forderte umgehend drakonische Strafen für die Täter. Der Fußballverband Coni dagegen warnte vor Verallgemeinerungen: Wegen weniger gewalttätiger Fans dürfte man nicht eine ganze Fangruppe kriminalisieren. Noch dazu seien die Steinwürfe ja außerhalb des Stadions passiert.

Massive Polizeiaufgebote, drastische Strafen, Repression in den Stadien konnten Gewaltakte bis heute nicht gänzlich verhindern. All diese Krawallmacher seien keine wirklichen Fans, meint Gianluca Tirone. Der ehemalige Ultra hat inzwischen einen verantwortungsvollen Job, mit dem er aktiv gegen die Gewalt in den Stadien kämpft.

Täglich zweieinhalb Stunden lang sitzt er vor dem Mikrofon des römischen Privatsenders "Radio 6". Er hat die Plauderstunde für Tifosi im Lokalsender erfunden, um Fußballbelange zu diskutieren, die Fans aufzuklären und künftige Ausschreitungen zu vermeiden. Längst hat er eingesehen, dass die Gewalt viel Gegengewalt erzeugt und den Spaß am Fußball am Ende kaputtmacht.

"Man kann den Fußball praktisch nicht mehr genießen. Die Behörden haben einfach alles verboten, auch wenn es gar keinen Sinn macht. Man darf nicht mal mehr Fahnen benutzen oder farbige Rauchkerzen. In Deutschland ist das viel besser. Dort darf man noch Fußballfan sein, Farbe ins Stadion bringen, nach bestimmten Regeln. Bei uns ist wieder mal alles anders gelaufen. Erst gab es überhaupt keine Vorschriften und jetzt darf man gar nichts mehr machen. Der Besuch im Stadion sollte doch eigentlich Spaß machen, stattdessen ist er zu einem Hindernislauf zwischen tausend Vorschriften geworden, man wird wie ein Verbrecher behandelt. Und auf der anderen Seite gibt der Staat Unsummen aus für all den Polizeiaufwand bei den Fußballspielen."

Flavio di Caruccio hat einen Namen wie ein italienischer Landadeliger. Dabei ist er von morgens bis abends auf den Beinen, um seinen bescheidenen Lebensunterhalt zu verdienen. Seine kleine Bar liegt in einem Vorort von Neapel, direkt unter der Stadtautobahn. Viele seiner Kunden sind arbeitslose Jugendliche, die sich an die Spielautomaten stellen. Und Rentner aus der Nachbarschaft, die sich bei einem Espresso die wenigen täglichen Neuigkeiten austauschen.

Entsprechend ist Caruccios Bar: sauber, aber einfach. Himmelblau gestrichen, in den Vereinsfarben von Napoli. An den Wänden Plakate, Fotos von Fußballspielern, aufgespannte Trikots. Caruccio besitzt keine üppigen Ländereien, sein Reichtum ist die Leidenschaft zu seinem Fußballklub Napoli. Doch die goldenen Zeiten der Fußballanhänger sind vorbei. Die Tifoseria als eingeschworene Gemeinschaft ist den strengen Kontrollen zum Opfer gefallen, meint Flavio.

"Wir sind wie Menschen, die sich verstecken müssen. Wir haben keine Spruchbänder mehr, keine Vereinsabzeichen – nichts. Wir dürfen nur noch namenlose Zuschauer sein. Viele werden von der Polizei immer wieder zur Feststellung der Personalien festgenommen. Oft auch ohne Grund. Nur weil sie dich kennen und wissen, dass du Tifoso bist. Ich bin gegen unsinnige Gewalt und Vandalismus. Ich bin für eine ehrliche Auseinandersetzung, nicht zehn gegen einen, sondern jeder gegen jeden mit bloßen Händen, wenn es zum Streit kommt. Für die wirklichen Prügel sorgt inzwischen die Polizei, das heißt der Staat, der uns derart zusetzt."

Flavios Fußballleidenschaft hat also auch noch eine Kehrseite. Sie kann, das gibt er zu, auch mal zu einer echten Rauferei werden. Im Kittchen landete er zum Glück bisher noch nie.

Staatsanwaltschaft erhob zum ersten Mal Anklage gegen eine Gruppe von Tifosi wegen Rassismus

Eine Minderheit italienischer Fußballfans hat sich in den letzten zehn Jahren zunehmend zu Rassisten entwickelt, vor allem seit immer mehr Spitzenspieler schwarzer Hautfarbe das Spielgeschehen entscheidend beeinflussen. Am 3. Januar 2013 stoppte der ehemalige AC-Mailand Spieler Kevin Cesar Boateng bei einem Freundschaftsspiel den Ball und schoss ihn die Zuschauerränge, nachdem er jede Menge üble Beleidigungen über sich hat ergehen lassen müssen. Das Spiel wurde abgebrochen, nachdem die Mannschaft des AC Mailand geschlossen den Rasen verlassen hatte. Ein Wendepunkt in Italiens Fußballgeschichte: Die Staatsanwaltschaft erhob zum ersten Mal Anklage gegen eine Gruppe von Tifosi wegen Rassismus.

Ein 1993 eingeführtes Gesetz verbietet alle Gesten, Äußerungen und Verhaltensweisen mit nazistisch-faschistischem Hintergrund. Kaum verabschiedet war das Gesetz aber gleich wieder in Vergessenheit geraten. In Italien geht man mit Rechtsradikalen eher lässig um. Ein beliebter Versammlungsort der Ewiggestrigen ist zum Beispiel der kleine Ort Predappio, ein paar Kilometer südlich von Bologna.

Vor einer prunkvollen Grabstätte marschieren grotesk kostümierte Anhänger des Faschismus auf, in ehrendem Andenken an ihr Idol Benito Mussolini, der friedlich in der Familiengruft ruht.
Vor zwei Monaten gaben sich europäische Neonazis mit Billigung der örtlichen Behörde in Mailand ein Stelldichein. Gegen die Megafete sei rechtlich nichts einzuwenden, so der Polizeipräfekt. Auch in Rom machen sich Neofaschisten breit, weshalb der Bürgermeister Ignazio Marino jüngst einen dringenden Appell an seine Bürger richtete:

"Ich bin selber Sportler und weiß, wie wertvoll der Sport ist und wie wenig er zu tun hat mit Gewalt, Intoleranz und Rassismus, die wir aus unseren Stadien verbannen müssen."
Hart wollen die Sportrichter jetzt auch gegen eine neue Form des Rassismus vorgehen: Üble Beleidigungen gibt es nämlich inzwischen nicht mehr nur von den Fans, sondern auch von Mitspielern. Opfer war jüngst Khaled Ekubane, Stürmer in einer Südtiroler Regionalmannschaft, der aus Ghana stammt.

""Er hat mich Scheißschwarzer genannt.”
"Und was hast du ihm geantwortet?”
"Ich habe gar nichts gesagt, ihn nur angesehen und ihn ausgelacht. Um klar zu machen, dass mich das nicht juckt, was du über mich sagst.”"

Der beleidigende Gegenspieler, Gaetano Iannini vom Fußballverein Matera, erhielt prompt eine Sperre für zehn Spieltage. Auch Giulio Ebagua, Italiener afrikanischer Abstammung vom Erstligavereien La Spezia, muss sich immer wieder Beleidigungen gefallen lassen. Ob das wirklich Rassimus ist, daran zweifelt er allerdings:


""Ich gaube, die Hautfarbe ist manchmal nur etwas, woran man seine Wut auslässt, Rassismus, das ist noch mal was anderes, der herrschte, als es Hitler gab. Italien ist im Grunde kein rassistisches Land, aber es gibt hier einen Haufen von Schafsköpfen, die einfach mitmachen und untereinander sympatisieren, ohne nachzudenken."

Wie zum Beispiel die Fans vom AC Mailand, die wegen ihrer rassistischen Sprechchöre beinahe dafür gesorgt hätten, dass der Spitzenverein vor verschlossenen Türen spielen musste. Beim darauffolgenden Spiel gegen die Gäste aus Udine gab es prompt wieder Ärger.
Nur mit Mühe konnte der Stadionsprecher die hitzigen Ultras zur Vernunft bringen und verhindern, dass das Spiel abgebrochen wurde. Dafür sah man aber ein Spruchband mit der ironischen Botschaft: "Teure Tickets, kaputte Stadien, zensierte Sprechchöre - und wir sollen Schuld sein, dass niemand mehr ins Stadion geht.”

Eine klare Verwechslung von Ursache und Wirkung. Die Rassisten in den italienischen Stadien verdrängen schlichtweg, dass sie der Grund sind für die immer strengeren Vorschriften, die aus dem einst lockeren Sonntagsvergnügen einen anstrengenden und teuren Hürdenlauf für die letzten wahren Fußballliebhaber gemacht haben.

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