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StartseiteUmwelt und VerbraucherMehr Effizienz ist gefordert30.11.2006

Mehr Effizienz ist gefordert

Nachholbedarf bei der Kraft-Wärme-Kopplung

Um beim Klimaschutz voranzukommen, sind Energiesparen und der Einsatz erneuerbarer Energien angesagt. Aber auch eine effizientere Energienutzung kann den CO2-Ausstoß mindern. Bei der Kraft-Wärme-Kopplung hinkt Deutschland im europaweiten Vergleich hinterher.

Von Markus Rimmele

Der Kraft-Wärme-Kopplung gehört die Zukunft in der Stromerzeugung, sagen Politiker wie Wissenschaftler. (AP)
Der Kraft-Wärme-Kopplung gehört die Zukunft in der Stromerzeugung, sagen Politiker wie Wissenschaftler. (AP)
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"Wir bauen Blockheizkraftwerke für die nachwachsenden Rohstoffe Pflanzenöl. Da freigegeben sind Raps, Soja und Palm. Wir haben einen Dieselmotor, und in dem Motor wird das Pflanzenöl verbrannt. Dabei entsteht Bewegungsenergie, und es entsteht Wärme, die wir durchs Kühlsystem und durch die Abgaswärme transportieren und zum Kunden für die sinnvolle Heizungstechnik zur Verfügung stellen."

Es entstehen Energie und Wärme. Olaf Kolata von der Firma Würz in Wilnsdorf arbeitet an der Basis im Kraft-Wärme-Kopplungsgeschäft. Das kleine Unternehmen hat erst 2005 mit der Produktion von Blockheizkraftwerken auf Pflanzenölbasis begonnen, und in diesem Jahr seine Stückzahlen um 400 Prozent gesteigert. Ein wachsender, innovativer Markt. Der Kraft-Wärme-Kopplung gehört die Zukunft in der Stromerzeugung, sagen Politiker wie Wissenschaftler. Und doch, beklagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Kraft-Wärme-Kopplung Adi Golbach, ist

"noch viel zu wenig bekannt, was wir hier für eine Riesenmöglichkeit haben im Bereich Energieeffizienz. Alles fokussiert sich im Moment auf erneuerbare Energien. Es ist auch gut, dass das ein Thema geworden ist, aber es ist ganz wichtig, dass Energieeffizienz jetzt auch bekannt wird. Und innerhalb der Energieeffizienz ist die Kraft-Wärme-Kopplung eigentlich die Maßnahme, wo wir am kürzesten, am effektivsten, am schnellsten, eigentlich sogar ohne Kosten volkswirtschaftlich gesehen sehr viel erreichen könnten. Aber es erfordert ein Umdenken."

Kraft-Wärme-Kopplung oder kurz KWK ist eine Methode, um die Energieausbeute zu steigern. Bei jeder Stromerzeugung entsteht unvermeidbar Wärme. In herkömmlichen Kraftwerken entweicht diese Wärme ungenutzt als Abfallprodukt. KWK-Anlagen fangen diese Abwärme auf und stellen sie zum Heizen oder auch als Prozesswärme in der Industrie zu Verfügung. Das Prinzip funktioniert, egal ob fossile Brennstoffe verbrannt werden oder Biomasse, wie es die Anlagen der Firma Würz tun. Der Wirkungsgrad eines Brennstoffes liegt mit diesem Verfahren bei knapp 90 Prozent. Ohne KWK hingegen unter 40 Prozent. Durch Kraft-Wärme-Kopplung lässt sich also sehr viel Energie einsparen und somit auch CO2-Emissionen.

In Dänemark liegt der Anteil der im KWK-Verfahren gewonnenen Elektrizität bei 50 Prozent, in den Niederlanden bei 30, in Polen bei 17, in Deutschland aber nur bei 12 Prozent - zum Unmut der EU-Kommission, die von Deutschland eine Verminderung der Treibhausgas-Emissionen fordert. Guido de Wilt, der zuständige EU-Beamte in Brüssel:

"Ich fürchte, Deutschland hinkt ein bisschen nach. Deutschland ist unterdurchschnittlich in der EU. Ich erwarte von Deutschland, dass die wirklich ein ambitiöses Programm zusammenstellen werden. Das können Förderprogramme sein, aber das kann auch eine gute Gesetzgebung sein. Und ich denke, dass wir auch mit den deutschen Behörden ganz gut reden möchten, dass wir da auch zusammen mit der Kommission und den deutschen Behörden gut prüfen, was da möglich wäre."

Möglich wäre theoretisch viel. Einer aktuellen Studie des Bremer Energieinstituts zufolge könnten 57 Prozent der Stromerzeugung in Deutschland im KWK-Verfahren erfolgen. Die elektrische Leistung von KWK-Anlagen könnte bis 2020 verdreifacht werden, das entspräche einer jährlichen CO2-Einsparung von mehr als 50 Millionen Tonnen. Hinderlich für den schnellen Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung ist allerdings deren dezentrales Grundprinzip. Es geht um die Umrüstung unzähliger Anlagen. Das Spektrum reicht von Blockheizkraftwerken, die ein ganzes Stadtviertel versorgen, bis hin zu kleinen Anlagen in der Industrie, in Schwimmbädern, Kaufhäusern, Krankenhäusern. Die Politik muss jetzt einen Investitionsschub auslösen, sagt Adi Goldach.

"Wir brauchen jetzt eine Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes, weil das alte KWK-Gesetz nicht hinreichend funktioniert hat. Es hat im Grunde genommen nur dazu gedient zu verhindern, dass KWK-Anlagen still gelegt wurden. Und jetzt brauchen wir eine neue Phase. Jetzt muss investiert werden in neue Anlagen. Das sind enorme Potenziale, die da bestehen. Da müssen Signale gesetzt werden, und das auch mit klaren Anreizen."

Also finanzielle Förderung, aber nicht nur das. In den kommenden Jahren muss ein großer Teil des deutschen Kraftwerkparks ersetzt werden. Der Bundesverband KWK fordert, keine neuen konventionellen Anlagen zu errichten, sondern ganz auf die Kraft-Wärme-Kopplung zu setzen.

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