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StartseiteCampus & KarriereMehr Freiheit für die Viadrina29.02.2008

Mehr Freiheit für die Viadrina

Europa-Universität wird als Stiftung weitergeführt

Die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder darf sich ab 1. März Stiftungsuniversität nennen. Das bedeutet mehr Autonomie für die Hochschule, keine Gängelung mehr durch das Land Brandenburg.

Von Claudia van Laak

Portal der Viadrina. (Heide Fest)
Portal der Viadrina. (Heide Fest)
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Europa-Universität Viadrina

Bundespräsidentin ist Gesine Schwan nicht geworden, aber als Unipräsidentin hat sie erreicht, was sie wollte - die Umwandlung der Viadrina in eine Stiftungsuniversität, auch gegen Widerstände des Landes.

"Ich glaube, dass die Konstruktion, die wir jetzt hier in Brandenburg gefunden haben, von denen, die ich kenne, die beste ist, unter meinen Kriterien."

Gesine Schwan (SPD) und Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) können wieder gemeinsam lachen. Sie haben sich geeinigt: Das Land bringt die Immobilien und die bisherigen Mitarbeiter in die Stiftung ein, erhält einen Sitz im Stiftungsrat, verspricht, die Viadrina weiter mit etwa 20 Millionen Euro jährlich zu fördern und entlässt die Hochschule in die Unabhängigkeit. Johanna Wanka:

"Also viele Entscheidungen, wo man bisher, lax gesagt, sich beschweren konnte, dass das das Ministerium so macht, die sind dann voll in der Verantwortung der Hochschule. Das ist einerseits gut, andererseits ist es auch eine Verpflichtung, das sind Chancen und Risiken."

In einem Punkt ist das Wissenschaftsministerium dem Sicherheitsbedürfnis der bisherigen Landesbediensteten weit entgegen gekommen. Sollte die Stiftungsuniversität Viadrina scheitern, haben sie ein Rückkehrrecht. Das führte zum Durchbruch bei den Verhandlungen.

Auch die Studentenvertretung hat sich lange mit der neuen Rechtsform auseinandergesetzt. Sarah Damus, hochschulpolitische Referentin beim AStA:

"Wir sehen es einfach als etwas Positives, als etwas Zusätzliches, was jetzt die uni-interne Struktur nicht verändert und deshalb für uns keine Nachteile bringt, sondern es ist einfach eine Möglichkeit, zusätzliche Mittel zu bekommen."

Der große Vorteil der Stiftungsuniversität: Sie kann mit Geld kreativer umgehen als eine staatliche Hochschule und wird so attraktiv für Mäzene und Sponsoren, die ihre Zuwendungen steuerlich absetzen können. Gesine Schwan:

"Das ist jetzt nicht ein Zug, der losfährt, und bei dem wir nichts mehr machen müssen, im Gegenteil, das sind neue Chancen, neue Verantwortlichkeiten, das verlangt Kraft."

Kraft, die der Nachfolger von Gesine Schwan gut gebrauchen kann. Die Suche nach ihm oder ihr ist in vollem Gange, die 64-Jährige geht im September in den Ruhestand. Wissenschaftsministerin Johanna Wanka:

"Es muss eine Person sein, die im wissenschaftlichen Leben Reputation hat, aber es wäre sehr gut, wenn es auch wieder eine Person ist, die gesellschaftlich deutlich wahrgenommen wird, um diese besondere neue Form zum Erfolg zu führen."

Sarah Damus vom AStA wünscht sich außerdem eine Persönlichkeit, die Polnisch kann und beste Kontakte nach Osteuropa hat - wichtig für eine Universität, bei der jeder dritte Studierende aus Polen, der Ukraine oder Russland kommt. Sarah Damus wird der bisherigen Präsidentin mit Sicherheit eine Träne nachweinen.

"Wir werden Frau Schwan vermissen, auf jeden Fall."

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