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StartseiteSport am Wochenende"Das Vermögen des Staates ist begrenzt"15.08.2020

Mehr Geld für Profivereine? "Das Vermögen des Staates ist begrenzt"

Der Sportökonom Henning Vöpel hat dem Ruf der Sportvereine nach neuen Staatshilfen gebremst: Klubs müssten selber innovativ und kreativ werden, um auch unter veränderten Bedingungen einen wirtschaftlichen Spielbetrieb organisieren zu können, sagte er im Dlf. Andere Bereiche seien gesellschaftlich relevanter.

Henning Vöpel im Gespräch mit Marina Schweizer

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Blick in die leere Max-Schmeling-Halle in Berlin.  (dpa / picture alliance / Engler)
Gerade für Hallensportarten wird der anstehende Spielbetrieb ohne oder mit nur wenigen Zuschauern eine große Herausforderung. (dpa / picture alliance / Engler)
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Es sei verständlich, dass die Profivereine in der aktuellen wirtschaftlichen Situation nach staatlichen Hilfen rufen, sagte Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) im Deutschlandfunk. Ob dieser Hilferuf aber gerechtfertigt ist, sei zumindest umstritten. "Man muss sich fragen, was wichtiger für eine Gesellschaft ist: Kinderbetreuung, Schule?", sagte der Sportökonom.

Angesichts wieder steigender Corona-Infektionszahlen hatte Gernot Tripcke, Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga (DEL), für die Hallenprofiligen zusätzliche finanzielle Hilfe vom Staat gefordert. "Die Frage ist: Wie kann man einen Spielbetrieb wirtschaftlich sicherstellen, damit wir nicht nächstes Jahr alle, und da meine ich auch viele tausend Arbeitsplätze im Umfeld der Profiligen, arbeitslos sind", sagte Tripcke dem Sportinformationsdienst.

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Innovationen und Kreativität sind gefragt

Sportökonom Vöpel findet, dabei sei auch immer die Frage, was sinnvoll sei und wie hoch die Hilfen des Staates sein dürften. Gerade für Vereine mit Hallensportarten werde der Spielbetrieb kritisch und die Lage akut. Vöpel forderte die Klubs aber auf, sich Gedanken über neue Erlösmöglichkeiten zu machen. "Vielleicht kann ich über Streamingmöglichkeiten etwas erlösen oder über andere Beteiligungen der Fans am Spielbetrieb", so der HWWI-Direktor.

Henning Vöpel, Direktor und Geschäftsführer des Hamburgischen Weltwirtschafts Instituts (HWWI). (dpa / picture alliance / Christian Charisius)HWWI-Geschäftsführer und Sportökonom Henning Vöpel (dpa / picture alliance / Christian Charisius)

Die Bundesregierung verhindert zwar bei Einnahmeausfällen pro Klub mit Zuwendungen von bis zu 800.000 Euro eine unmittelbare Insolvenz, einen Spielbetrieb ohne oder mit wenigen Zuschauern könnten laut DEL-Geschäftsführer Tripcke trotzdem die wenigsten Vereine darstellen. Denn Indoor-Ligen wie die DEL, die Handball- und Basketball-Bundesliga seien in einem weitaus größeren Maße von Ticketverkäufen abhängig, als der Profifußball. Daher fordert Tripcke einen runden Tisch mit der Bundes- und den Landesregierungen, um gemeinsam Wege zum mittel- und langfristigen Überleben der DEL-Klubs zu finden.

Forderung nach Aufbau eines Sicherungsfonds

"Das Vermögen des Staates ist natürlich auch begrenzt", sagte Vöpel. Die Rettungsmaßnahmen, Bürgschaften und Kredite seien für eine erste Welle ausgerichtet gewesen. Sollte die Corona-Pandemie langfristig anhalten, müssten sich die Vereine darauf einstellen, dass der Staat nicht mehr helfen werde. Bei der Frage, wie man den Spielbetrieb organisiere, seien die Vereine gefragt, innovativ und kreativ zu sein, um neue Erlösquellen zu erschließen. 

Ein dunkle und leere Sporthalle mit einem Handball-Tor. (imago images / Patrick Scheiber) (imago images / Patrick Scheiber)Handball-Bundesliga - "Es geht ums finanzielle Überleben"
Die Handball-Bundesliga will im Oktober ihre Saison starten – mit Zuschauern, denn dies sei finanziell essenziell für die Vereine, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann im Dlf. 

Ein Problem des Sports und der Profivereine ist aber, dass sie oft nicht ausreichend Rücklagen und Eigenkapital bilden können. Hier seien die Verbände gefordert, einen Sicherungsfonds zu bilden, der einzelne Vereine unterstützen kann. "Man kann aber Reserven nicht von heute auf morgen aufbauen", gab Vöpel im Deutschlandfunk auch zu Bedenken.

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