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MeinungsfreiheitJakob Augstein: Freiräume gehen allenfalls für "alte weiße Männer" verloren

Der Journalist und Verleger Jakob Augstein im Studio von Deutschlandfunk Kultur (Deutschlandradio / Annette Bräunlein)
Der Journalist und Verleger Jakob Augstein im Studio von Deutschlandfunk Kultur (Deutschlandradio / Annette Bräunlein)

Der Journalist und Verleger Jakob Augstein fordert mehr journalistische Vielfalt.

Die Berichterstattung über die Spaltung zwischen dem sehr weit rechts stehenden Teil der Bevölkerung und dem Rest der Gesellschaft überlagere inzwischen alle anderen Themen, sagte Augstein im Podcast des Journalisten Gabor Steingart. Man schlage sich dauernd mit der Abwehr der AfD herum. Darüber gingen oft dringende gesellschaftliche Fragen wie denen nach sozialer Gerechtigkeit, Verteilungs- und Chancengerechtigkeit verloren.

Augstein äußerte sich auch zu einer Umfrage, wonach eine Mehrheit in Deutschland davor zurückschrecke, sich zu vermeintlichen Tabuthemen öffentlich ehrlich zu äußern. Gott sei Dank dürfe man nicht alles sagen, führte er aus. So etwas nenne man Konventionen. Im übrigen dürften die herrschenden Verhältnisse scharf kritisiert werden, was auch geschehe. Dies sei aber nicht gemeint, wenn Menschen sagen, sie könnten ihre Meinung nicht frei äußern.

Sie können eben das böse "N"-Wort nicht mehr ungestraft aussprechen

Diese Menschen meinen vielmehr, sie könnten nicht ungehemmt ihren Ressentiments in der Öffentlichkeit freien Lauf lassen. Sie könnten das böse "N"-Wort nicht mehr ungestraft aussprechen, keine frauenfeindlichen Witze mehr machen, nicht darüber schimpfen, dass Migranten faul seien oder Italiener nach Knoblauch riechen, so wie das früher in der "guten alten Zeit" gewesen sei. Zwar könne man derartige Dinge heute immer noch äußern, aber man bekomme dafür Gegenwind. Mit diesem kämen manche Menschen offenbar nicht klar. Für diese gingen dann Freiräume verloren, erklärte Augstein.

Diese Freiräume galten bisher allerdings nur für "alte weiße Männer", die sie zu Lasten anderer gesellschaftlicher Gruppen genutzt hätten. Für sie sei die Modernisierung tatsächlich mit einem Freiheitsverlust verbunden, der für alle anderen Menschen aber einen unheimlichen Freiheitsgewinn bedeute.