Montag, 26.10.2020
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
Startseite@mediasresDie Wahrheit war es nicht wert08.06.2020

Meinungsvielfalt in der New York TimesDie Wahrheit war es nicht wert

In der New York Times war ein Gastkommentar zu lesen, der Trump nach dem Mund redete. Doch mit der Reaktion auf diesen Meinungsbeitrag hat die Zeitung keinen Beweis ihrer journalistischen Qualität geliefert – sondern ihren Bewunderern eine Ohrfeige verpasst, wie Antje Passenheim kommentiert.

Von Antje Passenheim

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Der Gebäude der "New York Times" in Manhattan - mit gelben Taxen im Vordergrund. (imago / Rüdiger Wölk)
Die New York Time steht für einen Gastkommentar in der Kritik (imago / Rüdiger Wölk)
Mehr zum Thema

Proteste in den USA Polizeigewalt auch gegen Journalisten

Pressekonferenzen von Donald Trump Die Corona-Show

US-Berichterstattung Quotenkiller Klimawandel

Das wird den Präsidenten ja freuen! Eine New York Times ganz in seinem Sinne. Nicht nur, weil ein Meinungsartikel Donald Trump das Wort redet und ein konservativer Senator Demonstranten angreift und fordert: Schickt die Truppen rein. Sondern erst recht, weil Trump jetzt hört, was er selbst immer sagt:  Die Königin der links-liberalen US-Zeitungen hält eine andere Meinung nicht aus. Sie verjagt ihre eigenen Leute, wenn sie abdrucken, was der Großteil der Redakteure und Leser nicht hören will.

Auf diese Art von Demokratie kann die New York Times alles andere als stolz sein. Sie hat damit die Meinungsfreiheit beschädigt. James Bennet ging. Die Redaktion revoltierte gegen den einflussreichen Chef des Meinungsressorts, weil er den militanten Gastkommentar eines Republikaners ins Blatt gelassen hatte.

Vielfalt der Meinungen

Am Rande bemerkt: Es ist dumm, dass Bennet zugeben musste, den Text vorher gar nicht selbst gelesen zu haben. Aber er hat Recht, wenn er betont: Die Zeitung muss auf ihren Meinungsseiten weltanschauliche Vielfalt widerspiegeln.

Dafür hat die New York Times gerade wieder dick bei den Pulitzer-Preisen abgesahnt. Dafür steht sie weltweit als Aushängeschild für ausgewogenen Journalismus. Als vierte Gewalt, deren Aufgabe es ist, durch Wahrheit die Freiheit mit zu schützen. Und die Fronten im Land durch Einseitigkeit nicht noch härter zu machen, als sie das ohnehin schon sind.

Teil der Polarisierung

Längst hat sich die tiefe Spaltung in den USA auf die Medien übertragen. Rechts oder links. Pro-Trump oder dagegen. America First oder This is not America. Dazwischen liegt nichts mehr. Die New York Times ist da als die große Dame des freien Journalismus nicht besser als der Weiße Haus-Sender Fox News.

Erst kürzlich hat sie das gezeigt: Auf Druck vieler Demokraten hin änderte die Zeitung die Titelzeile ihrer Aufmacher-Geschichte. Weil die den Kritikern zu Trump-freundlich war.

Diesmal hat die Times Trump einen Beweis in die Hände gespielt: Dafür nämlich, wie voreingenommen auch liberale Medien sind. Die geschätzte New York Times hat damit all ihren Bewunderern eine Ohrfeige gegeben. Und der Meinungsvielfalt im Dienst der Wahrheitssuche einen Stoß versetzt. Und damit auch ihrem eigenen Motto: "Die Wahrheit ist es wert."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk