Dienstag, 21.05.2019
 
Seit 14:35 Uhr Campus & Karriere
StartseiteKulturfragenMoralische Pflicht zur Rückgabe19.04.2019

Meisterwerke, Raubkunst, KulturpolitkMoralische Pflicht zur Rückgabe

Die Uffizien gehören zu den ältesten und bekanntesten Museen der Welt. Direktor Eike Schmidt machte im Januar auf ein von der Wehrmacht gestohlenes Gemälde aufmerksam, das in die Uffizien zurückkehren soll. Die deutsche Rechtslage erschwere dies jedoch, sagte Schmidt im Dlf.

Eike Schmidt im Gespräch mit Anja Reinhardt

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein Porträt von Eike Schmidt, amtierender Direktor der Uffizien in Florenz und künftiger Leiter des Wiener KHM (imago / IPP / Paolo lo Debole Firenze )
Eike Schmidt, amtierender Direktor der Uffizien in Florenz und künftiger Leiter des Wiener KHM (imago / IPP / Paolo lo Debole Firenze )
Mehr zum Thema

Uffizien in Florenz Große Gruppen müssen extra zahlen

Umbau in Florenz Schnellparcours für die Uffizien

Umbau der Uffizien in Florenz Parcours für eilige Besucher eingerichtet

Eike Schmidt zu Italiens "Museumsrevolution" Kein "Hort der Gebildeten" mehr

Eike Schmidt Von den Uffizien ans Wiener KHM

Eike Schmidt Ein Deutscher als Direktor der Uffizien

"Rubato", "gestohlen", steht quer über der Schwarz-weiß-Abbildung des Bildes "Vaso di fiori" von Jan van Huysum. Das Bild fehlt seit dem Zweiten Weltkrieg, weil die Wehrmacht es zusammen mit anderen Bildern aus der Sammlung der Uffizien entwendet hatte. "Dieses Bild wurde im Grunde zwei Mal gestohlen", sagte Eike Schmidt, denn die "Blumenvase" gelangte auf einen Markt, wurde von einem deutschen Soldaten gekauft und befindet sich heute immer noch im Privatbesitz der Nachfahren des Soldaten. Es gäbe eine moralische Pflicht zur Rückgabe, so Schmidt, außerdem würden solche Fälle nur in Deutschland verjähren, in Italien sei die Rechtslage anders.

Die Rhetorik in Italien hat sich geändert

Eike Schmidt war 2015 als erster Nicht-Italiener als Direktor an die Uffizien gekommen, in den nächsten Monaten wird er den Arbeitsplatz schon wieder wechseln und die Leitung des Kunsthistorischen Museums in Wien übernehmen. Ob das an der italienischen Kulturpolitik läge, das ließ er offen. Generell habe sich die Rhetorik geändert, aber das beziehe sich weniger auf die Museen. Grundlegende Richtungswechsel sähe er bislang nicht.

Keine Rückgabe nur um der Rückgabe willen

Am Kunsthistorischen Museum, zu dem auch das Weltmuseum gehört, wird sich Schmidt mit der Frage beschäftigen müssen, wie mit Objekten aus kolonialem Kontext umgegangen wird. "Es gibt in der Tat einige Werke, einige Werkgruppen, bei denen solche Restitutionsforderungen anhängig sind", so Schmidt. "Es kann aber keine Rückgabe nur um der Rückgabe willen sein. Das müsste Teil einer viel größeren Auseinandersetzung sein."

Die Aura des Werks

Als Museumsleiter sei es ihm wichtig, zwar auch, aber nicht nur wirtschaftlich zu denken. "Es kann einem Museum nicht darum gehen, so viele Besucher wie möglich durchzuschleusen", so Schmidt. "Das Wichtige ist, dass der Besucher sich gefangen nehmen lässt". Schmidt hatte in den Uffizien die Bilder neu angeordnet und mit der Universität von L'Aquila einen Algorithmus entwickelt, der die Besuchermassen reguliert, sodass es zu erstaunlich wenig Schlangen vor und in den Uffizien kommt. Das Ikonische und Auratische eines Werks wie der "Geburt der Venus" von Botticelli müsse erhalten bleiben.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk