Freitag, 30.10.2020
 
27.01.2012

Planetologie Das Magnetfeld des Mondes hielt länger als gedacht.

Nach seiner Entstehung bildete sich um den Mond ein Magnetfeld. Es entstand dabei ganz ähnlich wie das der Erde: Strömungen im flüssigen Eisen des Mondkern ließen das Magnetfeld entstehen. Im Laufe der Jahre jedoch kühlte der Kern ab, erstarrte – und damit brach auch das Feld zusammen. Astronomen gingen bislang davon aus, dass das vor rund 4,2 Milliarden Jahren der Fall war. Wissenschaftler des MIT in Boston und Kollegen widersprechen dieser These jetzt in "Science". Nach neuen Untersuchungen von Mondgestein sind sie überzeugt, dass das Mond-Magnetfeld 500 Millionen Jahre länger hielt. Für die Astronomen wirft dieser Befund neue Fragen auf: Sie müssen jetzt klären, was den Kern des Mondes so lange flüssig hielt, dass er ein Magnetfeld erzeugen konnte. //[gät]//

Quelle: DOI:10.1126/science.1215359

Physik Graphen verleiht Membranen ungewöhnliche Eigenschaften.

Membranen sind dünne Folien, die sich zum Beispiel zum Filtern von Flüssigkeiten verwenden lassen: Ihre Poren können nur die Atome oder Moleküle passieren, die klein genug sind – die anderen werden von der Membran zurückgehalten. Ein britisch-chinesisches Forscherteam hat jetzt dieses Prinzip quasi auf den Kopf gestellt: Die Wissenschaftler haben aus Graphen-Oxid eine Membran entwickelt, die Wasser schnell passieren lässt, kleinere Moleküle wie Heliumgas jedoch nicht. Die Poren weiten sich dabei nur für die Wassermoleküle, für andere sind sie zu eng. Die Forscher zeigten sich in "Science" überrascht von diesem Verhalten und hoffen, eine technische Anwendung dafür zu finden. //[gät]//

Quelle: DOI:10.1126/science.1211694

Raumfahrt Ob die nächste Sojus-Mission wie geplant starten kann, ist unklar.

Bei der Prüfung der Dichtheit der Rückkehr-Kapsel entdeckten die Techniker der Herstellers ein Problem. Interfax berichtet unter Berufung auf die Raumfahrtbehörde Roskosmos, die Hülle der Kapsel sei bei den Tests beschädigt worden. Der für den 30. März geplante Start der Sojus-Raumkapsel TMA 04 M zur ISS müsse daher verschoben werden. Gegenüber Itar-Tass sagte der Leiter der bemannten Russischen Raumfahrt, Alexei Krasnov, es habe zwar ein Problem gegeben, dies sei aber auf ein Service-Modul zurückzuführen. Eine Entscheidung über den Starttermin werde erst nach einer weiteren Analyse kommende Woche getroffen. Unterdessen ist der Raumfrachter Progress M14M nach seinem Start am Donnerstag auf dem Weg zu ISS. Er soll kurz nach Mitternacht Mitteleuropäischer Zeit andocken und Treibstoff, Proviant sowie Ersatzteile zur Raumstation liefern. Die Raumstation selbst wird am Sonntag ein Ausweichmanöver starten müssen, um Weltraumschrott zu entgehen. Sie weicht damit Trümmern des chinesischen Satelliten Fengyun 1c aus. Dieser wurde 2007 von einer chinesischen Rakete gezielt zerstört. //[gät]//

Quelle: Agenturen

Neurologie Forscher hoffen, Autismus früh erkennen zu können.

Autismus lässt sich derzeit erst mit Sicherheit erkennen, wenn die Betroffenen zwei Jahre und älter geworden sind. Forscher wissen daher nur sehr wenig über die Frühphase dieser Krankheit. Ein britisches Wissenschaftlerteam hofft nun, das einmal ändern zu können. Im Fachblatt "Current Biology" begründen sie ihre Hoffnung mit Messungen von Hirnströmen bei Babys, während jemand diese anblickt oder wegschaut. Normalerweise zeigt das Hirn des Menschen eine typische Reaktion bei Augenkontakt, nicht aber bei autistischen Kindern. Tatsächlich zeigten diese Aufnahmen auch bei Babys ungewöhnliche Muster, wenn die Kinder später Autismus entwickelten. Die Forscher unterstreichen jedoch, dass es sich bei ihrer Untersuchung nur um einen ersten Schritt zu Früherkennung von Autismus handele. //[gät]//

Quelle: DOI:10.1016/j.cub.2011.12.056

Paläoanthropologie Die ersten Menschen wanderten entlang des Roten Meers aus Afrika nach Arabien.

Davon zeigen sich Wissenschaftler aus Portugal und Großbritannien überzeugt. Im "American Journal of Human Genetics" schreiben sie, eine Untersuchung des Erbguts von Mitochondrien zeige, dass es in Arabien Spuren einer sehr alten Besiedlung gebe. Mitochondrien sind die Energielieferanten der Zellen, ihr Bauplan wird nur von den Müttern vererbt. Verwandtschaftslinien zwischen Bevölkerungen und das Alter einzelner Linien lassen sich daher anhand von Unterschieden erschließen. Im Falle des Befundes aus Arabien vermuten die Wissenschaftler, dass die ersten aus Afrika auswandernden Menschen entlang des Roten Meeres gezogen sind und seitdem durchgehend in Arabien siedelten – wenngleich die Bevölkerungsdichte zu manchen Zeiten sehr dünn gewesen sei. //[gät]//

Quelle: DOI:10.1016/j.ajhg.2011.12.2010

26.01.2012

Biologie Männliche Hausmäuse singen, um ihre Partnerin anzulocken.

Das menschliche Ohr kann diese Balzlaute nicht hören, da sie im Ultraschallbereich liegen. Dass es sich aber nicht nur um Quietschlaute, sondern um komplexe Phrasen handelt, die an Vogelgesänge erinnern, das konnten jetzt Forscher der Universität Wien zeigen. Sie haben verlangsamte Tonaufnahmen von Mausmännchen analysiert. Dabei stellten sie fest, dass die Lieder einzelne Passagen enthalten, die sich wie Fingerabdrücke von einem Individuum zum anderen unterscheiden. Wie die Fachzeitschrift "Physiology and Behavior" berichtet, waren sich außerdem die Lieder von Geschwistern ähnlicher als die nicht verwandter Männchen. Möglicherweise helfe dies den Mäuseweibchen Inzucht zu vermeiden. //[tj]//

Quelle: Pressemitteilung Veterinärmedizinische Universität Wien

Psychologie Moderne Netzwerker suchen sich ihre Freunde wie früher die Jäger und Sammler.

Wie wir Freundschaften schließen, hat sich scheinbar in den vergangenen Jahrtausenden kaum geändert. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Fachmagazin "Nature" veröffentlichte Studie. Wissenschaftler der Harvard Universität hatten eine isolierte Volksgruppe in Tansania untersucht: die Hazda, die noch als Jäger und Sammler leben. Bei der Studienauswertung zeigten sich eine Reihe von Ähnlichkeiten mit modernen sozialen Netzwerken in Nord- und Mittelamerika. So suchen sich Menschen gerne Freunde, die ihnen ähneln – im Äußerlichen wie im Wesen. Und dementsprechend halten beliebte Menschen nach wie vor Ausschau nach anderen beliebten Menschen. //[tj]//

Quelle: Nature

Physik Der erste atomare Röntgenlaser ist extrem scharf.

Wissenschaftler vom "Center for Free Electron Laser Science" in Hamburg haben zusammen mit amerikanischen Kollegen den ersten atomaren Röntgenlaser konstruiert. Hier erzeugt ein Gas aus Neon-Atomen ultrakurze Röntgenblitze mit extrem geringer Streuung. Werden die Röntgenblitze schnell hintereinander auf ein Objekt abgefeuert, entsteht eine Serie von Schnappschüssen, die später wie in einem Daumenkino zusammengesetzt werden können. Wie das Fachmagazin "Nature" schreibt, wird es so möglich, Nanostrukturen und Nanoprozesse genauer als bisher abzubilden. Da der atomare Röntgenlaser ein Licht mit extrem kurzer Wellenlänge erzeugt, liefere er aus der Nanowelt Bilder, die 60 Mal schärfer seien als bei herkömmlichen Röntgenlasern. //[tj]//

Quelle: Nature

Endokrinologie Zuviel Testosteron im Mutterleib verzögert die spätere Sprachentwicklung.

Das gilt jedoch nur für Jungen. Australische Forscher hatten das männliche Geschlechtshormon Testosteron im Nabelschnurblut von rund 800 männlichen und weiblichen Neugeborenen gemessen. Wenn bei der Geburt die Testosteronwerte besonders hoch waren, hatten die Jungen beim späteren Sprechenlernen zwei- bis dreimal so häufig Probleme. Bei Mädchen schien das Testosteron dagegen eher förderlich zu wirken: je höher, desto seltener kam es zu einer verzögerten Sprachentwicklung. Das berichten die Forscher im Fachmagazin "Child Psychology and Psychiatry". Eine mögliche Erklärung dafür liefern sie auch: Es scheint eine Art Schwelleneffekt zu geben, ab dem Testosteron auf die Sprachentwicklung negativen Einfluss nimmt. Männliche Föten sind im Mutterleib per se schon einer etwa zehnmal höheren Menge an Testosteron ausgesetzt, als Mädchen. //[tj]//

Quelle: Child Psychology and Psychiatry

Tiermedizin Bakterien, die gegen alle gängigen Antibiotika resistent sind, werden immer häufiger in Tierställen gefunden.

Der Deutsche Forschungsverbund "Reset" hat bislang 54 Viehbestände auf sogenannte ESBL-bildende Keime untersucht - das sind Keime, welche die meisten Antibiotikaarten zerstören und somit resistent sind. Diese Bakterien fanden sich in 67 Prozent der Ställe für Milch- und Mastvieh, in 88 Prozent der Schweineställe und in allen Hähnchenmastanlagen. Das sei zwar erst ein Zwischenergebnis, der noch nicht abgeschlossenen Studien, allerdings zeige es eine deutliche Zunahme. Unklar sei, in welchem Umfang das Problem mit dem teils exzessiven Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung zusammenhängt. //[tj]//

Quelle: Pressemitteilung Reset

Physik Mit einer Tarnkappe ließ sich erstmals ein dreidimensionaler Gegenstand unsichtbar machen.

US-amerikanische Forscher erläutern im "New Journal of Physics", wie sie es schafften, ein 18 Zentimeter großes Zylinderrohr für Mikrowellen unsichtbar zu machen – und zwar aus allen Blickrichtungen. Dazu nutzten sie sogenannte plasmonische Metamaterialien. Das sind künstliche Stoffe, die besondere Eigenschaften bei der Lichtstreuung haben. Sie streuen Licht genau entgegengesetzt zu Alltagsmaterialien. Wenn sich die Streufelder der Tarnkappe und der Gegenstand dann überlagern, löschen sie sich gegenseitig aus: wie im Experiment geschehen. //[tj]//

Quelle: New Journal of Physics

25.01.2012

Seismologie In Italien bebte die Erde

Heute morgen um kurz nach 09.00 Uhr hat das Nationale Institut für Geophysik ein Beben der Stärke 4,9 in Norditalien registriert. Der Erdstoß sei in Mailand und Turin zu spüren gewesen. Das Zentrum lag demnach in der Region Emilia-Romagna. Berichte über Verletzte oder Schäden liegen bislang nicht vor. [Mst]

Biologie / Klima Polygamie trotzt dem Klimawandel

Je höher die Temperaturen sind, desto eher schlüpfen aus Reptilieneiern Weibchen. Im Zuge der globalen Erwärmung führt dies zu einem Missverhältnis der Geschlechter. Bei einer Suppenschildkröten-Population im Norden Zyperns lag 2008 der Anteil der geschlüpften Weibchen schon bei rund 95 Prozent. Biologen der University of Exeter befürchteten, dass die genetische Vielfalt der Schildkröten bald verloren geht und die Tiere auf absehbare Zeit aussterben werden. Wie die Forscher nun in den „Proceedings B“ der britischen Royal Society schreiben, reichen auch wenige Männchen aus, um den Bestand der gefährdeten Suppenschildkrötenart im Mittelmeer stabil zu halten. Genetische Tests hätten gezeigt, dass sich die Weibchen vermehrt mit mehreren Männchen paarten. Dadurch stammt der Nachwuchs eines Geleges von mehreren Vätern. Somit hätten selbst nur noch wenig verbliebene Männchen das Potenzial, auch stark dezimierte Populationen zu erhalten, so die Forscher.[Mst]

Quelle: Proc. R.Sco. B (doi10.1098/rspb.2011.2285)

Biologie Forscher entdecken invasive Mücken in Deutschland

Zwei Forschergruppen in Baden-Württemberg haben Exemplare von //Culiseta longiareolata// in der Nähe vor Karlsruhe und in Freiburg gefunden. Das im Mittelmeerraum heimische Insekt sticht vor allem Vögel. Zudem sei den Mückenjägern in der Nähe von Weil am Rhein ein adultes Weibchen der Asiatischen Tigermücke (//Aedes albopictus//) in die Falle gegangen. Nach 2008 sei es das Zweite Mal, dass diese invasive Mückenart am Oberrhein gefunden wurde. Die Forscher sehen darin den Nachweis, dass immer wieder Exemplare der Tigermücke über den Personen- und Warenverkehr aus Italien nach Deutschland eingeschleppt werden. Bisher hat sich diese Art, die mehr als 20 Krankheitserreger auf den Menschen übertragen kann, hierzulande noch nicht etablieren können. Seit dem Frühjahr 2011 erfassen zwei Arbeitsgruppen in Monitorings die Mückenfauna in Deutschland. [Mst]

Quelle: Joachim Budde: European Mosquito Bulletin 29 (2011), 143-150;persönliche Mitteil

Medizin Frittiertes Essen muss nicht für Herzerkrankungen verantwortlich sein

Diese Aussage tätigen Mediziner der Autonomen Universität Madrid im "British Medical Journal". Sie hatten elf Jahre lang das Essverhalten von mehr als 40.000 Erwachsenen verfolgt, die zu Beginn der Studie gesund waren. Im Verlauf der Datenerhebung starben mehr als tausend der Teilnehmer, rund 600 von ihnen an koronaren Erkrankungen. Den Forschern zufolge ließen sich anhand der Daten keine Regelmäßigkeiten ausmachen, die in Fett gebackenes Essen als Auslöser der Erkrankungen vermuten lassen. Demnach führt frittierte Nahrung nicht zwangsläufig zu Herzerkrankungen oder zu einem frühzeitigen Tod. Jedoch gelten diese Aussagen nur für Oliven- und Sonnenblumenöle, die reich an ungesättigten Fettsäuren sind. [Mst]

Quelle: British Medical Journal

Paläontologie Der Archaeopteryx trug vermutlich ein schwarzes Federkleid

Paläontologen aus den USA und Deutschland ist es gelungen, aus einer Feder des Urvogels die Pigment-produzierenden Teile von Zellen zu isolieren. Wie sie im Fachblatt „Nature Communications“ schreiben, deuten diese sogenannte Melanosome darauf hin, dass die rund 150 Millionen Jahre alte Feder mit großer Wahrscheinlichkeit schwarz gewesen war. Die Anordnung der Melanosome machte die Feder demzufolge steif und haltbar. Gegenüber dem Deutschlandfunk sagte der Hauptautor der Studie Rick Carney von der Brown University, dass dies dem Dinosaurier möglicherweise beim Flattern geholfen haben könnte. Jedoch sei dies kein Beweis dafür, dass der Archaeopteryx zu den Vertretern der Flugsaurier zu rechnen sei. Damit ist weiter unklar, ob der sogenannte Urvogel fliegen konnte oder lediglich ein gefiederter, flugunfähiger Saurier war. [Mst]

Quelle: Nature Communications (doi:10.1038/ncomms1642)

Medizin Seide könnte als Gerüst für nachwachsendes Herzgewebe dienen

Dieser Idee sind Max-Planck-Forscher nachgegangen und präsentieren erste Erfolge an Rattenherzen im Fachblatt Biomaterials. Demnach konnten sie auf der Seide einer tropischen Raupenart Herzmuskelzellen ansiedeln. Dieses Material besitzt Proteinstrukturen, die eine Anheftung der Zellen erleichtern, da sie etwas rauer als andere Seidenarten ist. Bei ersten Tests sei die Kommunikation der nachgewachsenen Zellen intakt gewesen. Ähnlich wie im echten Herzmuskel schlugen die neuen Herzmuskelzellen 20 Tage lang synchron. Die Wissenschaftler hoffen, dass es bei diesem Material nicht zu Abstoßungsreaktionen kommt. Herzmuskelzellen benötigen Patienten nach einem Infarkt. Da die dabei zerstörten Zellen nicht nachwachsen, könnte zukünftig Ersatzgewebe aus dem Labor Abhilfe schaffen, so die Hoffnung der Mediziner. [Mst]

Quelle: MPG

24.01.2012

Astronomie Sonnensturm trifft die Erde

Dabei handelt es sich um den stärksten Sturm seit 2005. Er wird noch bis morgen das magnetische Feld der Erde beeinflussen, berichtet das Zentrum für Weltraumwetter-Vorhersagen der Behörde NOAA im US-Bundesstaat Colorado. Die Sonneneruption habe sich am vergangenen Sonntag ereignet. Demnach könnten das solare Plasma und geladene Teilchen in der hohen Atmosphäre unter anderem Telekommunikationssatelliten stören. //[mst]//

Zoologie Frösche kommunizieren auch olfaktorisch

Bislang gingen Forscher davon aus, dass sich die Amphibien nur mithilfe taktiler, akustischer und optischer Signale verständigen. Chemiker der der Universität Braunschweig konnten nun zeigen, dass Frösche auch Pheromone zur Kommunikation verwenden. Wie die Forscher im Fachblatt "Angewandte Chemie" schreiben, scheinen sich Madagaskarfrösche zudem über Peptide und Proteine, die sich leicht im Wasser lösen oder auf der Wasseroberfläche ausbreiten, zu verständigen. Die flüchtigen Verbindungen könnten den extremen Artenreichtum von Fröschen im tropischen Regenwald in Madagaskar erklären. Demnach würde die chemische Arterkennung helfen, Fehlpaarungen mit unpassenden Partnern zu vermeiden und dadurch eher überlebensfähigen Nachwuchs ermöglichen.Ebenso könnten die Pheromone auch einen erheblichen Einfluss auf die Artbildung und die Evolution tropischer Amphibien haben. //[mst]//

Quelle: Angewandte Chemie (DOI: 10.1002/ange.201106592)

Medizin 19 schwerkranke Patienten der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg mit Erkältungsviren infiziert

In drei Stationen, in denen Patienten mit Blutkrebs behandelt werden, wurde demnach zu Jahresbeginn eine ungewöhnliche Häufung von Infektionen mit dem sogenannten RS-Virus festgestellt. Bei drei seit Anfang des Jahres verstorbenen Patienten sei der Erreger ebenso gefunden worden, teilte die Klinik mit. Diese Viren führen bei gesunden Erwachsenen in der Regel zu harmlos verlaufenden Erkältungskrankheiten. Für Risikopatienten mit einem schwachen Immunsystem hingegen können die RS-Viren jedoch lebensbedrohlich werden. Diese werden vor allem über Tröpfchen verbreitet. Trotz umfangreicher Screenings seien die Infektionsquelle beziehungsweise die Übertragungswege bisher jedoch noch nicht bekannt. Das Klinikum habe daher Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) angefordert, die bei der Ursachensuche helfen sollen. Die Infektionswelle wurde auch dem Gesundheitsamt gemeldet, umfangreiche hygienische Maßnahmen seien inzwischen eingeleitet worden. //[mst]//

Quelle: UniversitätsKlinikum Heidelberg

Paläoanthropologie/Archäologie Neandertaler mochten rote Farben

Und zwar schon wesentlich früher als bislang angenommen. Archäologen der Universität Leiden haben ein pulverisiertes Eisenmineral bei einer Ausgrabung im niederländischen Maastricht-Belvédère entdeckt. Die aus dem Mineral Hämatit bestehenden Farbreste wurden auf ein Alter von 250.000 Jahren datiert, schreiben die Forscher im Fachblatt "PNAS". Gegenüber dem Deutschlandfunk sagte Hauptautor Will Roebroecks, dass in der Fundgegend natürlicherweise kein Hämatit vorkommt. Die nächsten Fundstätten habe es erst wieder in der Eifel gegeben. Dies gebe zur Vermutung Anlass, dass die Neandertaler das farbige Material gezielt über weite Strecken transportiert haben. Vor diesem Fund galt die Lehrmeinung, dass die Neandertaler frühestens vor rund 60.000 Jahren Farbstoffe verwendeten. //[mst]//

Quelle: PNAS (doi: 10.1073/pnas.1112261109)

Geologie Winde machen Beulen

Forscher vom University College London haben im Arktischen Ozean eine riesige Süßwasserlache entdeckt und deren Ursache klären können. Wie sie im Fachblatt "Nature Geoscience" schreiben, sind zirkulierende Winde dafür verantwortlich. Dadurch sind Teile des Arktischen Ozeans in den vergangenen Jahren erheblich angeschwollen. So habe sich etwa seit 2002 die Meeresoberfläche in der Beaufortsee nördlich von Alaska um etwa 15 Zentimeter gehoben. Mittlerweile seien mehr als 70.000 Kubikkilometer Süßwasser in den oberen Schichten des Arktischen Ozeans gelagert. Es stammt überwiegend aus Flüssen und geschmolzenem Eis. Grund sei der Wind, der in den vergangenen Jahren häufiger als sonst aus der gleichen Richtung geblasen habe. Erst wenn sich die vorherrschende Windrichtung ändere, würde das Süßwasser aus der Lache laufen und sich im Meer verteilen. //[mst]//

Quelle: Nature Geoscience (doi:10.1038/NGEO1379)

Geologie Kölner Dom schwankt anders als gedacht

Das berichten Geologen der Universität Köln im Fachblatt "Seismological Research Letters". Die Wissenschaftler der Erdbebenstation hatten die Standfestigkeit des Doms im Inneren der Kirche mit fünf Schwingungsmessern überwacht. Bei einem Erdbeben der Stärke 4,4 auf der Richterskala im Februar vergangenen Jahres bei Koblenz, etwa 90 Kilometer von Köln entfernt, zeigten die aufgezeichneten Daten, dass die Kathedrale mit einer anderen Frequenz schwankte als bisher angenommen. Nun müssen die Vorhersagemodelle für das Verhalten der Domtürme bei seismischen Aktivitäten neu berechnet werden, resümieren die Forscher. Mit den neuen Daten kann außerdem ermittelt werden, ob und wann starke Stürme den Dom ins Wanken bringen. //[mst]//

Quelle: Seismological Research Letters (doi: 10.1785/gssrl.83.1.9)

23.01.2012

Medizin Pandemie-Forscher unterbrechen ihre Arbeit am Vogelgrippe-Virus

Wissenschaftler haben freiwillig ihre Forschungen an einem im Labor entwickelten besonders infektiösen H5N1-Virus für 60 Tage unterbrochen. Die Wissenschaftszeitschriften "Nature" und "Science" veröffentlichten jetzt das von 39 Vogelgrippe-Experten aus aller Welt unterschriebene Moratorium. Darin fordern die Unterzeichner ein internationales Forum zur Debatte über die Gefahren des Erregers und angemessene Gegenmaßnahmen. Die Viren waren von Ron Fouchier von der niederländischen Erasmus Universität in Rotterdam und Yoshihiro Kawaoka von der US-amerikanischen Universität von Wisconsin-Madison hergestellt worden. Beide Teams hatten entdeckt, dass es nur weniger genetischer Veränderungen bedarf, damit das H5N1-Virus leichter von Mensch zu Mensch weiter gegeben werden kann. Die USA hatten im Dezember an die Forscher und Fachjournale appelliert, die Daten der Erregervariante unter Verschluss zu halten – aus Sorge, dass Terroristen Biowaffen auf der Basis dieses Virus bauen könnten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat jetzt Experten und Behörden zu einer Konferenz zu den neuen H5N1-Viren für Ende Februar nach Genf einladen. //[mawi]//

Biologie Kohlendioxid verwirrt Meeresfische

Das berichten Forscher der australischen James Cook University. Demnach stört zu viel CO2 im Wasser die Arbeit eines wichtigen Rezeptors im Gehirn der Fische: den sogenannten GABA-A-Rezeptor. Dadurch wird das gesamte zentrale Nervensystem der Tiere beeinträchtigt – sie können nicht mehr richtig sehen und hören, und verlieren ihren Instinkt, gemeinsam koordiniert im Schwarm zu schwimmen. Diese Änderungen im Verhalten machen die Fische sehr anfällig und gefährden ihr Überleben, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Nature Climate Change". Sie vermuten, dass alle Meeresbewohner besonders stark auf Kohlendioxid reagieren, weil ihr Blut von Natur aus weniger CO2 als das anderer Tiere enthält. //[mawi]//

Quelle: Fanny Jimenez, 23.01.2012, aus "Nature Climate Change"

Medizin Eine seltene Krankheit hilft, Bluthochdruck besser zu verstehen

Forscher der Yale Universität haben im Erbgut von Menschen mit einer seltenen Stoffwechselstörung, dem sogenannten Pseudo-Hypo-Aldosteronismus vom Typ II, Veränderungen in zwei Genen gefunden, die auch bei dem viel häufigeren Problem Bluthochdruck eine Rolle spielen könnten. Die Forscher hatten Mitglieder aus 41 betroffenen Familien untersucht. Die veränderten Gene KLHL3 und CUL3 sorgen dafür, dass in den Nieren zu viel Salz wieder aufgenommen wird. Die hohe Salzkonzentration wiederum führt dazu, dass auch zu viel Wasser in die Blutgefäße einströmt. Die Folge: hoher Blutdruck. Der Fund liefere ganz neue Ansatzpunkte für die Entwicklung von Wirkstoffen zur Blutdruck-Regulation, schreiben die Forscher in der Online-Ausgabe des Fachblatts "Nature". Es sind bereits gut ein Dutzend Gen-Varianten bekannt, die das Risiko für Bluthochdruck erhöhen. //[mawi]//

Medizin Eine einzige genetische Veränderung macht Darmkrebs unempfindlich für ein gängiges Medikament

Patienten mit Dickdarmkrebs erhalten nach der Operation häufig ein Medikament mit Namen Cetuximab. Das ist ein sogenannter monoklonaler Antikörper, der gegen eine Struktur auf der Oberfläche der Krebszellen gerichtet ist. Die Blockade dieses EGF-Rezeptors sorgt dafür, dass die Krebszellen sich nicht weiter teilen. Spanische Forscher am Hospital del Mar in Barcelona haben jetzt bei Patienten genetisch veränderte Darmkrebs-Zellen entdeckt. Eine einzige Mutation im EGFR-Gen sorgt dafür, dass die Antikörper-Therapie mit Cetuximab unwirksam wird. Es handele sich um einen neuartigen Resistenzmechanismus, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature Medicine". Bei Dickdarmkrebs-Patienten, bei denen Cetuximab nicht wirke, könnten Mediziner auf ähnlich wirkende alternative Antikörper ausweichen. Daher sei es sinnvoll vor einer Behandlung zu testen, ob die Mutation vorliegt. Die Forscher wollen prüfen, ob die Mutation typisch ist für Darmtumore oder ob auch andere Tumore so auf Antikörper-Therapien reagieren. //[mawi]//

Quelle: Nature Medicine

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