Samstag, 07.12.2019
 
28.01.2013

Neurowissenschaft Mangelnder Tiefschlaf im Alter beschleunigt den geistigen Abbau

Forscher der Universität von Kalifornien in Berkeley haben entdeckt, dass es offenbar einen Zusammenhang gibt zwischen drei, im Alter häufigen Phänomenen: einem gestörten Tiefschlaf, einem schlechterem Gedächtnis sowie dem Verlust von Zellen in einer bestimmten Hirnregion. Gehen in dem sogenannten medialen präfrontalen Cortex Zellen verloren, hat dies Auswirkungen auf die Schlafqualität, denn es entstehen weniger von den für den Tiefschlaf typischen Delta-Hirnwellen. In ihrer Studie mit jungen und älteren Menschen fanden die Forscher Belege dafür, dass ältere Menschen, die Zellen im Stirnlappen verloren hatten, tatsächlich einen gestörten Tiefschlaf aufwiesen. Bei Gedächtnistests schnitten sie deutlich schlechter ab, als Vergleichspersonen. Nicht das Alter an sich schlage aufs Gedächtnis, schreiben die Forscher im Fachblatt „Nature Neuroscience“, sondern der gestörte Tiefschlaf. Möglicherweise könne eine Besserung des Tiefschlafs – durch Medikamente oder Trainingsmethoden – den geistigen Abbau im Alter bremsen. //[mawi]//

Quelle: eurekalert.org

Anthropologie / Medizin Penizillin und nicht die "Pille" hat Sexuelle Revolution ausgelöst

Diese These stellt ein Wirtschaftswissenschaftler der US-amerikanischen Emory University im Fachblatt „Archives of Sexual Behaviour“ auf. Eine Zunahme riskanter, nicht-traditioneller sexueller Beziehungen sei nicht erst in den 60er-Jahren sondern bereits ein Jahrzehnt früher festzustellen. Der flächendeckende Einsatz von Penizillin nach dem Zweiten Weltkrieg habe in den USA zu einer raschen Eindämmung der Syphilis in den 50er-Jahren geführt. Das Penizillin habe dramatisch die Kosten dafür gesenkt, riskanten Sex zu praktizieren, schreibt Andrew Francis in Anlehnung an wirtschaftswissenschaftliche Theorien, die besagen: Wenn die Kosten für ein Gut fallen, steigt die Nachfrage nach diesem Gut. Vor der Einführung der Antibiotika hätte die Menschen eine große Angst vor einer Ansteckung mit der Syphilis gehabt. Allein im Jahr 1939 starben in den USA 20.000 Menschen an den Folgen der Infektion. //[mawi]//

Quelle: EMORY

Verhaltensbiologie Delfine halten verletzte Artgenossen über Wasser

Biologen aus Südkorea haben im Japanischen Meer eine Gruppe von zwölf Delfinen beobachtet. Aufnahmen der Delfin-Gruppe zeigen, dass die Tiere versuchen, einem Weibchen zu helfen, das seine Brustflossen, die Flipper, nicht mehr bewegen kann. Sie bilden eine Art Rettungsfloß und versuchen das verletzte Weibchen über Wasser zu halten und so vor dem Ertrinken zu retten. Als das Weibchen aufhört zu atmen, bleiben fünf Delfine noch bei dem Tier und berühren es regelmäßig. Dann versinkt der Körper. Bekannt ist, dass einzelne Delfine anderen Tieren helfen – in der Regel Muttertiere ihren Kälbern. Es handelt sich hier aber um den ersten Beleg, dass eine ganze Gruppe einem verletzten Artgenossen zu Hilfe kommt. Das Hilfsverhalten könnte dazu dienen, die Bande zwischen den Gruppenmitgliedern zu stärken, vermuten die Forscher. //[mawi]//

Quelle: New Scientist-Online

Raumfahrt Iran hat einen Affen ins All befördert

Das Tier sei mit einer „Pischtam“-Rakete in eine Höhe von 120 Kilometern geschossen worden und wohlbehalten zurückgekehrt, berichtete heute das staatliche Fernsehen. Wann und wo der Start stattfand, wurde nicht bekannt. Der Sender sprach von einem weiteren Schritt auf dem Weg zum bemannten Raumflug. 2010 hatte der Iran bereits den Flug einer Weltraumrakete mit einer Maus, einer Schildkröte und Würmern an Bord bekannt gegeben. Die USA und ihre Verbündeten betrachten das iranische Raumfahrtprogramm mit Argwohn. Sie befürchten, dass es auch der Entwicklung von Langstreckenraketen als Trägersysteme für Atomwaffen dienen könnte. //[mawi]//

Biologie/Chemie Außergewöhnliche Elastizität und Festigkeit von Spinnenseide ist kein Geheimnis mehr

Bisher jedenfalls wussten die Forscher nicht genau, wie die hohe Reißfestigkeit von Spinnengewebe zustande kam. Wissenschaftlern der „Arizona State“ Universität gelang es jetzt, die Elastizität intakter Spinnennetze zerstörungsfrei aufzuklären. Bis ins kleinste Detail vermaßen die Forscher die Spinnennetze mit spektroskopischen Methoden. Die Geschwindigkeit, mit der die Spinne ihre Netze spinnt, entscheidet über die Festigkeit und Elastizität des Spinnengewebes und der Netzknoten. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse jetzt im Magazin „Nature Materials“. Gerade für die Entwicklung von elastischen und gleichzeitig reißfesten Materialien sind die neuen Erkenntnisse hilfreich. //[mawi]// //Paper: http://www.nature.com/nmat/journal/vaop/ncurrent/full/nmat3549.html Materialwissenschaften//

Quelle: Nature Materials

25.01.2013

Neurowissenschaften Das Gehirn kann Teile des Gedächtnis abschalten, um Energie zu sparen.

Diese Fähigkeit haben zumindest hungernde Fruchtfliegen. Auch bei knapper Nahrung versorgt der Organismus bevorzugt das Gehirn mit Energie. Droht jedoch das Verhungern, blockieren die Fliegen gezielt das Speichern bestimmter Langzeiterinnerungen, das viel Energie kostet. Diese Ergebnisse haben französische Neurobiologen im Fachjournal "Science" veröffentlicht. In Laborversuchen zeigte sich: Ausgehungerte Fliegen deaktivieren die Bildung von Erinnerungen an unangenehme Reize, für das aufwändig Proteine gebildet werden müssen. Um zu testen, ob die Tiere dadurch tatsächlich Energie sparen, aktivierten die Forscher die blockierten Nervenzellen künstlich. Das Resultat: Die Lebensdauer der Insekten verkürzte sich um etwa 30 Prozent. //[lp]//

Quelle: Science

Biologie Mistkäfer orientieren sich an der Milchstraße.

Damit sei erstmals nachgewiesen, dass neben Vögeln und einigen Säugetieren auch Insekten die Sterne zur Navigation nutzen. Das schreiben Biologen im Fachblatt "Current Biology". Sternenlicht helfe den Tieren, ihre Kugeln schnell von einem Dunghaufen wegzurollen, um Konkurrenten aus dem Weg zu gehen. Die Forscher testeten afrikanische Mistkäfer nachts in einer Freilandarena. Einigen Insekten setzten sie kleine Kappen auf, so dass sie keine Sterne sehen konnten. Diese Käfer schoben ihre Dungkugeln zickzackförmig umher. Käfer ohne Kappe rollten ihre Kugeln dagegen geradewegs zum Rand der Arena. In Planetariums-Versuchen konnten die Forscher anschließend zeigen, dass sich die Tiere nicht an einzelnen Leitsternen orientieren, sondern am Licht der Milchstraße insgesamt. Aus vorhergehenden Studien ist bekannt, dass Mistkäfer auch das Licht von Sonne und Mond nutzen um zu navigieren. //[lp]//

Quelle: DOI: 10.1016/j.cub.2012.12.034

Paläontologie Forscher entdecken Fossilien einer bislang unbekannten Fuchsart.

//Vulpes skinneri// – so lautet der wissenschaftliche Name der neuen Spezies. Forscher hatten etwa zwei Millionen Jahre alte Knochen und Zähne der Art bei der südafrikanischen Grabungsstätte Malapa entdeckt. Jetzt berichten sie in der Zeitschrift "Transactions of the Royal Society of South Africa" von ihrem Fund. Die Wissenschaftler verglichen die Fossilien mit anderen Fuchsarten und kamen so zu dem Schluss, dass //Vulpes skinneri// mit großer Wahrscheinlichkeit ein Vorfahre jetziger Füchse ist. Der Fund könne helfen, die Entwicklungsgeschichte heute lebender Hunde besser zu verstehen, hoffen die Forscher. //[lp]//

Quelle: DOI: 10.1080/0035919X.2012.74869

Genetik Der Kontakt mit Giftstoffen während der Schwangerschaft kann sich über Generationen auswirken.

Auch wenn die Nachkommen selbst mit den Stoffen nicht in Berührung kommen, können noch die Urenkel darunter leiden. Das berichten amerikanische Biologen im Fachblatt "PLoS One". Sie setzten trächtige Ratten verschiedenen Weichmachern und dem Kunststoffbestandteil Bisphenol A aus. Die Jungtiere litten nach der Geburt verstärkt unter Nieren- und Prostataproblemen. Beschwerden wie Fettleibigkeit und Erkrankungen der Keimdrüsen fanden sich aber noch bei den Urenkeln der kontaminierten Rattenmütter. Für die Vererbung der Schäden machen die Forscher so genannte epigenetische Effekte verantwortlich. Während die Erbgut-Sequenz an sich unverändert bleibt, deaktivieren die Schadstoffe demnach einige Gene unumkehrbar. //[lp]//

Quelle: <a href="http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0055387">P

Virologie HIV-ähnliche Viren gibt es bei Primaten viel länger als gedacht.

Bereits vor fünf bis zwölf Millionen Jahren trugen afrikanische Affen derartige Viren – sogenannte Lentiviren – in sich. Das ist das Ergebnis einer Studie amerikanischer Biologen im Fachmagazin "PLOS Pathogens". Bisherige Analysen hatten nahegelegt, dass Lentiviren erst vor einigen zehntausend Jahren entstanden waren. Die Virologen untersuchten ein bestimmtes Gen des Primaten-Immunsystems, das sich im evolutionären Wettlauf mit einem ursprünglichen Lentivirus-Gen fortentwickelt hat. Indem sie die genetischen Veränderungen systematisch nachverfolgten, konnten sie den Beginn der Wechselwirkung datieren. Die Krankheit Aids breitete sich im vergangenen Jahrhundert aus, vermutlich nachdem ein HIV-artiger Virus von Schimpansen auf den Menschen übergesprungen war. Weltweit sind heute etwa 35 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. //[lp]//

Chemie Flüssiges Metall lässt Silizium bei sehr niedrigen Temperaturen kristallisieren.

Chemikern der University of Michigan ist es gelungen, schon bei 80 Grad Celsius Siliziumkristalle herzustellen. Das berichtet das Fachmagazin "Journal of the American Chemical Society". Industriell wird kristallines Silizium bisher in sehr energieintensiven Verfahren bei über 1000 Grad Celsius gewonnen. Das Kernstück der neuen Methode ist eine Elektrode aus flüssigem Gallium. Dieses Metall schmilzt bereits bei 30 Grad Celsius. An der Elektrode wird Siliziumtetrachlorid zu elementarem Silizium reduziert. Dieses löst sich im flüssigen Gallium und kristallisiert dann an der Elektrodenoberfläche aus. Kristallines Silizium hat einen besonders hohen Reinheitsgrad und kommt beispielsweise in Solarzellen zum Einsatz. //[lp]//

Quelle: DOI: 10.1021/ja310897r

24.01.2013

Forschungspolitik Welche Hochschulen mit welchen Unternehmen kooperieren, soll nicht mehr geheim bleiben...

…sondern mit einem Internetportal öffentlich gemacht werden. Die Anti-Korruptions-Organisation "Transparency International", die Berliner "tageszeitung" und die Studentenvertretung fzs stehen hinter dem Projekt. Heute starteten sie ihre Seite "hochschulwatch.de". Jeder der Erkenntnisse über Kooperationen von Hochschulen und Unternehmen habe, sei aufgerufen diese zu melden – nach einer Überprüfung gehen sie für alle sichtbar online. Ziel sei es, Kenntnisse über Kooperationen zu erhalten, bei denen die Freiheit und Unabhängigkeit von Forschung und Lehre beeinträchtigt sei. Das Projekt ist zunächst auf ein Jahr angelegt. //[tj]//

Quelle: Agenturen

Neurowissenschaften Magersüchtige haben einen " Verbindungsfehler" im Gehirn.

Das haben jetzt Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum herausgefunden. Sie beschäftigten sich mit den Hirnregionen, die beim Anschauen von Körperbildern aktiv sind. Bei magersüchtigen Frauen waren diese Regionen schwächer funktionell verbunden als bei gesunden Frauen. Das wurde bei Untersuchungen mit einem Kernspintomographen deutlich. Je massiver dieser Verbindungsfehler war, um so dicker empfanden sich die Frauen. Den Forschern zufolge könne die jetzt gefundene Auffälligkeit im Gehirn erklären, warum sich Frauen mit Magersucht selber als dick wahrnehmen, obwohl sie objektiv untergewichtig sind. Die funktionelle Veränderung bestimmter Gehirnverbindungen könnte eine Erklärung für Magersucht sein. //[tj]//

Quelle: Pressemitteilung Ruhr-Uni Bochum

Archäologie Das Futter machte aus Wölfen Hunde.

Bei der Domestizierung des Hundes spielte stärkehaltiges Futter eine wesentliche Rolle. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachjournal "Nature". Die Forscher hatten das gesamte Genom von Hunden nach Regionen durchsucht, die auffällig vom Erbgut des Wolfs abweichen. Dabei stießen sie unter anderem auf zehn Genbereiche, die den Stoffwechsel der Tiere regeln und insbesondere die biochemischen Prozesse beim Abbau von Stärke. Sie deuten darauf hin, dass der Hund im Laufe seiner Entwicklung Stärke besser verdauen konnte. Obgleich die Zeit und der genaue Ablauf der Domestizierung noch immer unklar seien, könnte die genetische Veränderung im Stärke-Stoffwechsel bedeuten, dass die frühen wilden Hunde zu Beginn des Ackerbaus zunehmend von landwirtschaftlichen Abfällen des Menschen profitierten. //[tj]//

Quelle: Nature

Physiologie Kleine Bissen machen auch vor dem Fernseher schneller satt.

Niederländische Forscher wollten mit einer Studie zwei wissenschaftliche Erkenntnisse zusammenbringen. Bekannt ist, dass Menschen größere Mengen essen, wenn sie abgelenkt sind – zum Beispiel beim Fernsehen. Zum andern führen kleine Bissen dazu, dass man weniger Nahrung zunimmt. In einem kleinen Versuch durften die Probanden Tomatensuppe zum Film essen. Wer sich bemühte, vor dem Fernsehgerät wenig Suppe pro Löffel zu sich zu nehmen, war deutlich schneller satt und aß 30 Prozent weniger ohne es zu merken. //[tj]//

Fortpflanzungsbiologie Wer treu ist, hat mehr Nachkommen.

Zumindest gilt das für Nachtaffen – wie Forscher im Fachblatt "PLoS One" schreiben. Seit gut 20 Jahren beobachten sie eine Nachtaffen-Population in der argentinischen Chaco-Region. Die Auswertung der Daten ergab, dass Nachtaffen, die monogam als Paar leben, mehr Nachkommen haben, als Männchen, die sich in eine Paarbeziehung einmischen und sich so ein neues Weibchen suchen. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Nachtaffen mit nur einer Partnerin bekamen innerhalb von zehn Jahren 25 Prozent mehr Nachwuchs als diejenigen, die zwei oder mehrere Weibchen begatteten. Weshalb das so ist, können die Forscher noch nicht mit Sicherheit sagen. Möglicherweise spiele die Fürsorge für die Nachkommen eine wichtige Rolle, denn bei monogamen Paaren kümmern sich beide Elternteile um die Jungen. //[tj]//

Quelle: <a href="http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0053724">P

Polarforschung Wie groß ist die Gefahr durch das Abschmelzens des grönländischen Eispanzers?

Im "Nature" liefern Forscher heute ein Zukunftsszenario, das sich aus der Vergangenheit speist: aus einer Analyse einer 2540 Meter langen Eisstange aus dem grönländischen Eispanzer. Dadurch wurde es möglich Ereignisse der Eem-Warmzeit zu beurteilen, die vor 130.000 Jahren begann und vor 115.000 Jahren endete. Während dieser Warmzeit sei das Grönlandeis um höchstens ein Viertel geschrumpft und das Schmelzwasser habe die Meere um maximal zwei Meter steigen lassen, berichten jetzt Forscher des Alfred-Wegener-Instituts. Dies widerlege alle Schreckensszenarien, denen zufolge der grönländische Eispanzer im Zuge einer Warmzeit im Nu verschwinden und zu einem meterhohen Ozeananstieg führen könne. Allerdings müsse man mit Prognosen vorsichtig sein. Es könne nämlich auch sein, dass sich das Problem nur verlagert habe. Andere Studien hatten gezeigt, das die Pegel der Ozeane im Eem um vier bis neun Meter höher standen als heute – irgendwo muss das Wasser damals hergekommen sein. Die Eismassen der Antarktis könnten dafür verantwortlich gewesen sein. //[tj]//

Quelle: Pressemeldung Awi

23.01.2013

Biologie Die Fitness von Vögeln erkennt man am Gefieder.

Das berichten spanische Evolutionsforscher in den Proceedings B der britischen Royal Society. Sie hatten die Fraktalgeometrie der schwarz-weiß gemusterten Federn von Rothühnern berechnet. Dabei sahen die Biologen, dass die Größe der einzelnen Gefiederflecken mit der Fitness der Tiere korreliert. Je intensiver und größer die Fraktale auf dem Brustgefieder waren, desto besser war das Immunsystem und die körperliche Fitness der Vögel. Um diese These zu überprüfen, kürzten die Wissenschaftler den Hühnern kurzzeitig die Futterration. Die Muster im Gefieder veränderten sich alsbald und eine erneute Berechnung des Brustschmucks ergab einen kleineren Wert für die Fraktalgeometrie. [mst]

Quelle: Proc. Roy. Soc B.

Erziehungswissenschaften Die Universität Düsseldorf prüft die Aberkennung des Doktortitels von Annette Schavan.

Die zuständige Promotionskommission habe entschieden, ein entsprechendes Prüfungsverfahren gegen die Bundesministerin für Bildung und Forschung einzuleiten. Das teilte Dekan Bruno Bleckmann von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf mit. 14 Mitglieder des Fakultätsrats hätten bei einer Enthaltung dafür gestimmt. Bleckmann betonte, das Verfahren sei ergebnisoffen. Frau Schavan wird vorgeworfen, in ihrer Dissertation vor mehr als 30 Jahren nicht alle Quellen wissenschaftlich korrekt benannt zu haben. Sie selbst bestreitet die Vorwürfe. Sie habe sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Text befasst und mit zahlreichen Fachwissenschaftlern gesprochen, erklärte die CDU-Politikerin in Berlin. Sie sehe sich dadurch in ihrer Überzeugung bestärkt, dass ihre Dissertation kein Plagiat sei. [mst]

Quelle: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, BMBF

Paläontologie Paläontologen gelingt eine Geschlechtsbestimmung bei einem Fossil.

Bei Confuciusornis sanctus handelt es sich um einen Urvogel, der vor rund 125 Millionen Jahren im heutigen China beheimatet war. Zwar sind der Forschung mehrere Hundert versteinerte Exemplare bekannt, eine sichere Geschlechtsbestimmung war den Fossilienforschern bislang nicht möglich. Diese gelang nun einem internationalen Wissenschaftlerteam. Im Fachblatt NATURE Communications schreiben die Forscher, dass eins der untersuchten Vogelexemplare definitiv weiblich war. Denn im Inneren eines Oberarmknochens des Tieres entdeckten die Paläontologen Reste des sogenannten medullären Knochengewebes. Diese schwammartige Struktur aus miteinander verwobenen Knochensträngen gibt es ausschließlich bei weiblichen Vögeln, die sich in ihrer fruchtbaren Lebensphase befinden. Dieses Knochengewebe dient als eine Art Kalziumreserve für die Bildung der Eierschalen. [mst]

Quelle: Nature Communications (10.1038/ncomms2377)

Biologie Ein Hormon sorgt für Kooperation.

Kooperative Tiere haben viele Vorteile gegenüber Einzelgängern. Ihr Nachwuchs besitzt bessere Überlebenschancen, zudem leben sie länger. Bislang konnten Forscher nicht klären, welche Mechanismen Kooperation überhaupt ermöglichen. Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig ist dieser Nachweis nun gelungen. Demnach ist das Hormon Oxytocin eng mit der Pflege kooperativer Beziehungen bei Schimpansen verbunden, schreiben sie in den Proceedings B der britischen Royal Society. Die Wissenschaftler hatten wilde Tiere in Uganda untersucht. Demnach war der Oxytocinspiegel im Urin der Primaten höher, wenn diese mit einem befreundeten Tier Fellpflege betrieben hatten. Verwandtschaft oder sexuelle Interessen spielten dabei keine Rolle. Möglicherweise hilft das Hormon den Primaten, den Überblick über ihre kooperativen Beziehungen zu mehreren Artgenossen zu behalten. [mst]

Quelle: Proc.B. Roy. Soc

Medizin Ein altersbedingter Hörverlust verschlechtert die Denkleistung.

Auf diesen Zusammenhang machen Forscher der Johns Hopkins University in Baltimore in ihrer Studie im Fachblatt JAMA Internal Medicine aufmerksam. Darin schreiben sie, dass Menschen mit einem altersbedingten Hörverlust ein um 24 Prozent höheres Risiko für eine kognitive Störung haben im Gegensatz zu Gleichaltrigen ohne ein beeinträchtigtes Hörvermögen. Um diese bislang unbekannten Folgen einer Schwerhörigkeit zu mindern, sei es wichtig zu prüfen, ob der frühzeitige Einsatz von Hörhilfen das beschleunigte Nachlassen der Hirnfunktionen aufhalten kann, so die Forscher. [mst]

Quelle: JAMA/Eurekalter!

22.01.2013

Wissenschaft Forscher fälschen Forschungen weit öfter als Forscherinnen

Sie wurden in den USA deutlich häufiger für Plagiate, Verfälschungen oder Erfindungen bestraft als es ihrem Anteil am Personal entsprechen würde. Das berichtet ein US-Wissenschaftlerteam. Was das Team dabei besonders überraschte war der Umstand, dass weit mehr arrivierte Wissenschaftler Ergebnisse schönten als Nachwuchswissenschaftler. Sie vermuten, dass dieser Umstand der starken Konkurrenz unter Akademikern geschuldet ist. Warum aber mehr Männer als Frauen fälschen, sei wissenschaftlich nicht geklärt. Die Forscherinnen und Forscher regen an, Ethik-Training nicht nur Nachwuchswissenschaftlern vorzuschreiben, sondern auch den Professoren angedeihen zu lassen. //[gä]//

Biologie Holz dient Tiefseebewohnern als "Arche Noah"

Das belegte ein deutsch-französisches Forscherteam mit einem Experiment: Die Wissenschaftler versenkten im Mittelmeer Baumstämme in eine Tiefe von rund 1700 Metern. Nach einem Jahr kehrten die Forscher an diese Stelle zurück und fanden zahlreiche Tiefseebakterien, Muscheln oder Würmer, die sich auf dem Holz angesiedelt hatten. Für die Wissenschaftler war dies überraschend: Einige dieser Tiefseebewohner benötigen für ihr Überleben besonders energiereiche Gasverbindungen wie Methan oder Schwefelwasserstoff. Keine davon war hier vorhanden. Die Forscher vermuten daher, dass einige der Tiefsee-Bakterien aus dem Holz Schwefelwasserstoff freisetzen. Der könne anderen Organismen als Energiequelle dienen. //[gä]//

Paläoanthropologie Die frühen Chinesen und die Ureinwohner Amerikas sind verwandt

Davon sind Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Kollegen der Akademie der Wissenschaften in China überzeugt. Die Wissenschaftler hatten das Erbgut eines Menschen untersucht, der vor 40 tausend Jahren in der Region um Peking lebte. Dabei konnten sie mit Hilfe eines neu entwickelten Verfahrens ausschießen, dass Verunreinigungen durch das Erbgut von Bakterien das Menschen-Erbgut verfälschten. So konnten sie nachweisen, dass der nach seinem Fundort Tianyuan – Mensch genannte Vorfahr und die Ureinwohner Amerikas eine gemeinsame Herkunft haben. Von den Vorfahren Europas hatten sich die Urahnen von Peking aber bereits getrennt. Gleichzeitig konnten die Forscher nachweisen, dass der Mensch vor 40 tausend Jahren genauso viel Erbgut-Spuren vom Neandertaler im Genom hat wie die Menschen heute. Sie schließen daraus, dass sich die beiden Menschenarten vorher vermischt hatten. //[gä]//

Kosmologie Zusammenprall im All könnte kosmische Strahlung hochgetrieben haben

Vor rund 1200 Jahren traf die Erde ein Ausbruch ungewöhnlich starker kosmischer Strahlung. Das hatten Astrophysiker durch eine Analyse von Baumringen im vergangenen Jahr entdeckt. Woher die Strahlung kam, konnten sie jedoch nicht erklären. Forscher aus Jena hoffen nun, dieses Rätsel gelöst zu haben: Sie vermuten, dass zwei Neutronensterne, auch Weiße Zwerge genannt, zusammen geprallt sind, oder zwei schwarze Löcher. Die Kollision könnte einen kurzen Anstieg oder einen Blitz kosmischer Strahlung ausgelöst haben. Auf der Erde wäre das durch eine Analyse von Kohlenstoffisotopen in Baumringen nachweisbar. Die Wissenschaftler vermuten, dass der Zusammenstoß weiter als 3000 Lichtjahre entfernt statt fand. Wäre er näher an der Erde erfolgt, hätte die Strahlung das Leben auf der Erde gefährden können. Unter Umständen hätte sogar ein Massensterben ausgelöst werden können. Die Wissenschaftler regen daher an, nach weiteren Spuren zu suchen, um die Wahrscheinlichkeit dieser Zusammenstöße berechnen zu können. //[gä]//

Medizin Goldpartikel hungern Krebszellen in Lymphknoten aus

Das berichten Forscher aus den USA im Fachblatt "PNAS". Die Wissenschaftler nutzten den Cholesterinhunger von Lymphomzellen, um den Krebs zu bekämpfen: Sie entwickelten künstliche Lipo - Proteinpartikel mit einem winzigen Goldkern. Lipoproteinteilchen transportieren im Körper fettähnliche Substanzen und versorgen die Krebszellen mit Cholesterin. Die künstlichen Partikel docken wie die natürlichen an eine Krebszelle an. Das Goldkörnchen jedoch blockiert die Aufnahme von Cholesterin und geht sogar noch weiter: die poröse Oberfläche des Goldes saugt sogar Cholesterin aus der Zelle heraus. Auf gesunde Zellen haben die Partikel keinen Effekt, schreiben die Wissenschaftler. Sie halten eine Bekämpfung von Lymphdrüsenkrebs ohne Chemotherapie für möglich. //[gä]//
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