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02.01.2015

Medizin Körperfett kann vor Infektionen schützen

Das berichten Wissenschaftler aus Kalifornien im Fachmagazin "Science". Sie haben entdeckt, dass bestimmte Fettzellen, die direkt unter der Haut sitzen, Bakterien abwehren können. Diese sogenannten Adipozyten stellen Eiweißverbindungen her, durch welche die Pathogene unschädlich gemacht werden. Beobachtet haben die Forscher solch eine Reaktion des angeborenen Immunsystems an Mäusen, deren Haut durch Staphylokokken infiziert war. Bisher war man davon ausgegangen, dass bei einer Verletzung der Haut vor allem die weißen Blutkörperchen die Abwehr der Krankheitserreger übernehmen. [reu]

Quelle: Eurekalert, Science - DOI: 10.1126/science.1260972

Materialforschung Ein Kitt verklebt Halbleiter miteinander

Forscher aus Chicago haben ein Material entwickelt, mit dem sich winzig kleine Körner aus Halbleitermaterialien förmlich miteinander verbacken lassen. Damit ergäben sich ganz neue Verarbeitungsmöglichkeiten für gedruckte Elektronik-Komponenten und Solarzellen, erläutern die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science". Das Material muss in seiner Zusammensetzung an den jeweiligen Halbleiter angepasst werden. Es kann wie eine Art Tinte verarbeitet werden, die zusammen mit den Halbleiter-Partikeln auf eine Oberfläche aufgetragen wird. Durch Erhitzen bildet sich ein gelartiger Film, in dem die Körnchen eingebettet sind. Die Eigenschaften dieser Schicht lassen sich in gewissen Grenzen einstellen, wie etwa die Beweglichkeit von Ladungsträgern, die durch sie hindurch wandern. [reu]

Quelle: Quelle: Science - DOI: 10.1126/science.1260501

Biologie Manche Frösche werden als Kaulquappe geboren

Auf einer indonesischen Insel lebt eine Froschart, die lebende Kaulquappen zur Welt bringt. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt „PLOS ONE". Die Amphibien aus der Gattung Limnonectes legen ihre Eier nicht ab. Sondern das Männchen befruchtet sie im Körper des Weibchens, wo sie dann zu Kaulquappen heranwachsen. Solch eine interne Befruchtung kannte man bereits von anderen Froscharten. Diese bringen dann aber kleine Frösche zur Welt, die das Stadium der Kaulquappe bereits durchlaufen haben. Andere Spezies legen die intern befruchteten Eier am Grunde eines Flusslaufes ab. Die vorherrschende Methode der Fortpflanzung stellt bei Fröschen jedoch die externe Befruchtung der abgelegten Eier durch das Männchen dar. [reu]

Quelle: Eurekalert, PLOS ONE - DOI: 10.1371/journal.pone.0115884

Lebensmittelchemie Reinen Weißwein gibt es nicht wirklich

Auch Weißwein enthält Substanzen, die eigentlich typisch sind für Rotwein. Das berichten Forscher aus Italien und Portugal im Fachblatt „Food Research International". Sie hatten Trauben von Weißwein-Rebsorten untersucht und waren dabei auf Anthocyane gestoßen. Das sind die natürlichen Pigmente, die dem Rotwein seine Farbe verleihen. Ihre Konzentration war in den Weißweinsorten allerdings deutlich geringer. Diese Entdeckung könnte ein bekanntes Phänomen erklären: Manche Winzer verarbeiten Weißwein-Trauben und erhalten trotzdem ein Getränk, das leicht rosa gefärbt ist. [reu ]

Quelle: New Scientist, Food Research International - doi:10.1016/j.foodres.2014.12.002

Medizin Biologen finden Mittel gegen ein erstarkendes Virus

US-amerikanische Forscher haben eine Schwachstelle des Enterovirus D68 gefunden. Dieses sonst eher seltene Pathogen hatte jüngst in den USA für eine Häufung von Atemwegserkrankungen gesorgt, vor allem bei Kindern. Das Virus hält seine Hülle durch ein bestimmtes Molekül stabil. Wenn der Erreger an einer Zelle andockt, dann sorgt dieses Molekül dafür, dass das Virus seine Hülle abwirft und sein Erbgut in die Zelle injiziert. Die Forscher zeigten, dass es sich dabei um eine Fettsäure handelt, die mit einem bereits bekannten Wirkstoff blockiert werden kann – zumindest an einer Zellkultur im Labor, wie die Experten im Fachmagazin "Science" berichten. [reu]

Quelle: Eurekalert, Science - DOI: 10.1126/science.1261962

30.12.2014

Biologie Ein molekulares Netzwerk im Gehirn könnte Autismus auslösen

Autismus ist ein komplexes Phänomen mit vielen Symptomen und Schweregraden. Hunderte von Genen, die mit autistischen Störungen verbunden sind, wurden bereits identifiziert. Wissenschaftler der Stanford University wollten herausfinden, wie diese Gene zusammenarbeiten und sich gegenseitig beeinflussen.

Mit einer Kombination aus Datenbankeinträgen und molekulargenetischen Methoden identifizierten sie ein Netzwerk aus 119 Proteinen, von denen viele mit Autismus in Zusammenhang stehen.

Dieses Netzwerk ist besonders im sogenannten Hirnbalken aktiv, der beide Gehirnhälften miteinander verbindet, schreiben die US-Forscher im Fachjournal "Molecular Systems Biology". Sie vermuten, dass Störungen der molekularen Vorgänge in dieser Region verschiedene Formen von Autismus hervorrufen könnten. [jri]

Quelle: "Molecular Systems Biolog" - DOI: 10.15252/msb.20145487

Weltraumforschung  Beobachtungen aus dem Weltall zeigen die Lichtverschmutzung in Städten

Als Lichtverschmutzung bezeichnet man Licht, das in Richtung des Weltraums abgestrahlt wird - etwa von Straßenlaternen. Forscher aus Deutschland und Spanien sind diesem verschwendeten Licht nun mit hochauflösenden Aufnahmen der ISS und eines Wettersatelliten nachgegangen.

Das Ergebnis offenbart regionale Unterschiede: Pro Einwohner strahlt der Osten Deutschlands heller als der Westen, notieren die Forscher im Magazin "Remote Sensing". Außerdem sei die Lichtemission deutscher Städte geringer als die amerikanischer.

In den USA nimmt die Lichtverschmutzung pro Einwohner mit der Bevölkerungsdichte zu. In Deutschland ist das Gegenteil der Fall: je geringer die Bevölkerungsdichte, desto kleiner die Lichtverschmutzung pro Einwohner.

Eine praktische Anwendung der Arbeit könnten Karten mit Angaben zur Lichtemission sein. Auf ihnen ließen sich Orte mit großer Lichtverschmutzung - und damit großen Potenzial zur Energieeinsparung - ausfindig machen. [hell]

Quelle: "Remote Sens", 2015, 7(1), 1-23 - DOI:10.3390/rs70100001

Nanotechnologie Winziger Biegebalken erkennt Leben, indem er Bewegungen analysiert

Schweizer Forscher haben dieses Konzept entwickelt. Sie nutzen dafür einen Nano-Balken, der auf einer Seite fest verankert ist.

Platziert man auf der anderen Seite beispielsweise Bakterien, regen sie den Balken etwa durch das Schlagen ihrer Geiseln zu Bewegungen an. Das können die Forscher wiederum mit einem Laser erkennen.

Wie sie im Magazin "PNAS" schreiben, konnten sie so Bewegungen von isolierten Bakterien, Hefe und tierischen Zellen nachweisen. Wenn sie Wirkstoffe hinzugaben, die die Proben abtöteten, stoppten die Bewegungen.

Das Gerät könnte man somit verwenden, um Kandidaten für Medikamente gegen Bakterien oder Krebszellen zu überprüfen.
[hell]

Quelle: "PNAS" - DOI: 10.1073/pnas.1415348112

Chemie Winzige Stufen auf Metalloberflächen können Oxidation aufhalten

Das haben US-Forscher gezeigt. Dazu ließen sie ein Metall oxidieren - also mit Sauerstoff reagieren - und beobachteten es mit einem Elektronenmikroskop. Als Material wählten sie eine Nickel-Aluminium-Legierung. Die Oberfläche dieses Metalls weist mikroskopische terrassenförmige Stufen auf.

Es zeigt sich: Die Oxidation breitet sich entlang der Terrassen aus. Die einzelnen Stufen hochwachsen, kann sie jedoch nicht. Das hemme die Ausbreitung der Oxidation, schreiben die Forscher im Magazin "PNAS".

Das Ergebnis helfe, Oxidationen besser zu verstehen. Mit dem Wissen lasse sich etwa die Korrosion von Metallen gezielt steuern.
[hell]

Quelle: "PNAS" - DOI: 10.1073/pnas.1420690112

Zellforschung Forscher stellen Urkeimzellen her

Bei der Entwicklung von Embryonen wird ein kleiner Teil der embryonalen Stammzellen zu Urkeimzellen. Diese haben das Potenzial, später im Leben zu Eizellen oder Spermien heranzureifen. Britische Forscher haben nun embryonale Stammzellen umprogrammiert, um sie in Urkeimzellen zu verwandeln.

Mit Stammzellen von Mäusen und Ratten war das dem Team bereits früher gelungen. Nun konnten sie das Prinzip auch auf menschliche Zellen anwenden.

Wie die Wissenschaftler im Fachblatt "Cell" schreiben, ließen sich auch normale Körperzellen in Urkeimzellen verwandelt. Daraus könnte man Zellkulturen herstellen, dank denen man Methoden gegen Unfruchtbarkeit oder Keimzelltumore entwickeln könnte.
[jri]

Quelle: "Cell" - DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.cell.2014.12.013

29.12.2014

Physik Forscher beschießen Gummibärchen mit Positronen

Bittere Medikamente lassen sich leichter schlucken, wenn sie in eine Gelatinekapsel verpackt sind. Außerdem sorgt Gelatine dafür, dass Wirkstoffe nur langsam frei gesetzt werden. Die Freisetzungsgeschwindigkeit hängt ab von der Größe und der Verteilung der Nanoporen in der Gelatine. Physiker der TU München haben rote Gummibärchen mit Positronen beschossen, um Größe und Verteilung der Nanoporen zu bestimmen.

Positronen sind die Antiteilchen der Elektronen. Treffen ein Positron und ein Elektron aufeinander, so bildet sich kurzzeitig ein kurzlebiges Positronium, das zu einem Lichtblitz zerstrahlt. Die Messungen zeigten, dass das sich bildende Positronium in trockenen Gummibärchen im Mittel nur 1,2 Nanosekunden überlebt, in gewässerten Gummibärchen dagegen 1,9 Nanosekunden. Aus der Überlebensdauer der Positronium-Teilchen im Material können die Wissenschaftler nun auf Zahl und Größe der Poren schließen. [mawi]

Medizin Die Kelten hatten Darmparasiten

Ein Schweizer Forscherteam hat Bodenproben aus einer keltischen Siedlung im heutigen Industriegebiet von Basel analysiert. In den Proben fanden sie Eier von Spulwürmern und Peitschenwürmern, die die ortsansässigen Kelten um rund 100 vor Christus geplagt haben. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Basler Wissenschaftler im "Journal of Archaeological Science".

Üblicherweise werden Parasiteneier mit Wasser aus Bodenproben ausgeschwemmt. Weil die Schweizer Forscher aber die Proben mit Kunstharz fixierten und dünne Schnitte anfertigten, konnten sie die Parasiteneier an ihren ursprünglichen Fundorten erfassen. Die Spulwurm- und Peitschenwurmeier befanden sich nicht nur in noch erhaltenen Exkrementen von Mensch und Tier, sie waren auch im Boden verteilt. Dies gebe Aufschluss auf die Lebensweise in der keltischen Siedlung, so die Forscher. Möglicherweise seien die Abfälle als Dünger in den Nutzgärten gelandet. Die Verteilung der Eier weise außerdem auf dürftige Hygieneverhältnisse hin. [mawi]

Quelle: Journal of Archaeological Science, doi:10.1016/j.jas.2013.12.002

Medizin Das Aids-Virus beeinträchtigt offenbar auch das Gehör

Mediziner der San Diego State University in Kalifornien haben das Hörvermögen von knapp 400 Erwachsenen getestet. Bei den etwa 220 HIV-positiven Männern und Frauen fanden die Mediziner häufig Anzeichen für deutliche Hörverluste insbesondere im Tiefton- und im Hochton-Bereich. Warum Menschen mit HIV schlechter hören, ist noch unklar, schreiben die Forscher im Fachblatt der US-amerikanischen Fachgesellschaft für Otolaryngology. Möglicherweise schädige das Virus selbst das Hörvermögen. Denn weder die Art noch die Dauer der Gabe von Aids-Medikamenten noch der Zustand des Immunsystems hatten Einfluss auf das Ergebnis des Hör-Tests. [mawi]

Zoologie Auf Entdeckungsreisen gehen Ameisen am liebsten nach links

Das schreiben britische Wissenschaftler im Fachblatt "Biology Letters". Sie ließen Ameisen aus 18 verschiedenen Kolonien durch Labyrinthe laufen und stellten fest, dass die Tiere bevorzugt links abbogen. Dadurch hätten die Ameisen gleich mehrere Vorteile, so die Forscher. Es vereinfache nicht nur den Entscheidungsprozess: Wenn sie sich beim Erkunden fremder Nester immer nach links wende, habe eine Ameise auch eine größere Chance, den Ausgang wiederzufinden.

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Asymmetrie des Ameisengehirns zur Entwicklung dieser Verhaltensweise beigetragen hat. So könnten beispielsweise die Augen der Ameise unterschiedliche Aufgaben erfüllen: Das linke erspäht Feinde, während das rechte der Orientierung dient. [mawi]

Quelle: Quelle: Biology Letters, DOI: 10.1098/rsbl.2014.0945

Zoologie  Für viele Tierarten war 2014 kein gutes Jahr ... .

Zu dieser Einschätzung kommt die Umweltstiftung WWF. Manche Arten wie der Blauwal vor der Küste Chiles würden zwar nun besser geschützt, aber es gebe auch viele Verlierer. Zu diesen zählen nach Ansicht des WWF Nashörner, Elefanten und Walrösser. Sie hätten Lebensraum verloren, würden von Wilderern bedroht oder litten unter klimatischen Veränderungen.

Für Menschenaffen wie Bonobos drohten die letzten Schutzgebiete zu verschwinden: In einem Nationalpark im Kongo etwa sei geplant, Erdöl zu fördern. Auch die Zahl der Löwen schwinde dramatisch - in Westafrika stünden die Tiere vor dem Aussterben, in Indien gebe es nur noch Restbestände.

Ebenfalls stark geschrumpft sei der Bestand an Amerikanischen Monarchfaltern. Deren Population in den USA und in Kanada habe sich in nur einem Jahr um rund 45 Prozent verringert. Von Artenschutzaktivitäten hätten neben den Blauwalen auch die Berggorillas profitiert, und in den Alpen gebe es durch Auswilderung wieder mehr Bartgeier. [mawi]

Zoologie Forscher sortieren die Ameisen der Welt

Etwa jede zehnte Ameise auf der Welt gehört zur Gattung Pheidole aus der Unterfamilie der Knotenameisen. Forscher am Institut für Wissenschaft Technologie im japanischen Okinawa haben mithilfe genetischer Analysen einen Stammbaum der besonders artenreichen Gattung entwickelt.

Er zeigt, dass es offenbar zwei getrennte Ameisenwelten gibt, die sich unabhängig voneinander entwickelt haben. Zunächst hätten sich in der Neuen Welt, also auf den amerikanischen Kontinenten, aus einer Pheidole-Art über sechshundert Arten gebildet. Eine dieser Ameisenarten habe dann die Alte Welt besiedelt. Aus ihr seien auch an die sechshundert Arten hervorgegangen, die heute in Europa, Asien, Afrika und Australien leben.

Ein besonderer Artenreichtum sei in warmen feuchten Klimazonen zu finden, berichten die Forscher in den Proceedings der Royal Academy.
Sie wollen jetzt herausfinden, warum in tropischen Regionen oft viele Ameisenarten eng nebeneinander existieren können. [mawi]

 

Medizin Stärke einer allergischen Reaktion hängt auch von den Hormonen ab

Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen verschlimmert allergische Reaktionen, haben Forscher am US-amerikanischen Institut für Allergien und Infektionskrankheiten in Bethesda, Maryland, im Tierversuch an Mäusen beobachtet. Die Studie könnte erklären helfen, warum bei Frauen häufiger starke allergische Reaktionen auftreten – bis hin zu einem anaphylaktischen Schock. Solch ein Schock kann von Lebensmitteln – etwa Erdnüssen – ausgelöst werden aber auch von Medikamenten oder Insektenstichen. Als Reaktion setzen Zellen des Immunsystems, die sogenannten Mastzellen, Enzyme frei. Diese lassen Gewebe anschwellen, weiten die Blutgefäße und können Atemprobleme verursachen.

Das Hormon Östrogen führt ebenfalls zu einer Weitung der Blutgefäße, indem es dafür sorgt, dass ein Enzym mit Namen eNOS effektiver arbeitet. Sobald die Forscher bei weiblichen Mäusen entweder das Östrogen blockierten oder aber das eNOS-Enzym, fielen die allergischen Reaktionen deutlich schwächer aus – also in etwa so stark wie bei männlichen Mäusen. Der Fund könnte helfen, neue Schock-vorbeugende Behandlungen zu entwickeln. [mawi]

Medizin Entfesselte Zellen sorgen dafür, dass sich Lungenkrebs ausbreitet

Gesunde Zellen bauen routinemäßig einzelne Zellteile ab, um sie zu "recyceln". Bei Lungenkrebszellen, haben Forscher aus Manchester auf Mikroskop-Aufnahmen beobachtet, ist dieser Recyclingprozess gestört. Sie bauen zu viel von einem Protein ab, das Körperzellen zusammenhält, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Cell Reports".

Weil zu viele Verbindungen zwischen den Tumorzellen abgebaut werden, können sich einzelne Krebszellen "losreißen", in andere Teile des Körpers wandern und dort Metastasen bilden. In Experimenten mit Zellkulturen gelang es den britischen Forschern, in den Abbau der Zellverbindungen einzugreifen. Dadurch erhoffen sie sich neue Therapieansätze, die die Ausbreitung von Krebs im Körper stoppen könnten. [mawi]

Quelle: Cell Reports

23.12.2014

Klimaforschung Passatwinde könnten Klimawandel bremsen

Anhand von Bohrkernen aus pazifischen Korallen haben Forscher aus den USA und Großbritannien die Windverhältnisse zwischen 1894 und 1982 rekonstruiert. Die Korallen nehmen während ihres Wachstums Mineralien aus der Umgebung auf. Besonders starke pazifischen Passatwinde wirbeln Mangan vom Meeresboden auf. Die Mangankonzentration eines bestimmten Zeitraums kann im Skelett der Korallen abgelesen werden.

Im Fachblatt "Nature Geoscience" korrelierten die Wissenschaftler die Mangansignatur in den Korallen mit Veränderungen der Lufttemperatur des letzten Jahrhunderts. Das Ergebnis: Während des verhältnismäßig starken Temperaturanstiegs zwischen 1910 und 1940 waren die Passatwinde besonders schwach. Von 1940 bis 1970 dagegen stagnierte der globale Temperaturanstieg – und die Passatwinde bliesen wieder stärker.

Die Forscher vermuten, dass starke Passatwinde auch heute die Erderwärmung bremsen. Wenn sie wieder abnehmen, könnte auch die Temperatur wieder schneller ansteigen. (hell)

Quelle: Nature Geoscience, doi: 10.1038/NGEO2321

Physik Forscher entdecken piezoelektrische Eigenschaften in ultradünnem Halbleiter

Piezoelektrisch sind Materialen, die elektrische Energie in mechanische umwandeln können und umgekehrt. Wissenschaftler arbeiten daran, solche Materialen möglichst klein zu gestalten. So könnte man sie als Mini-Schalter oder hochempfindliche Biosensoren verwenden. Im Fachblatt "Nature Nanotechnology" beschreiben Forscher aus Kalifornien nun ein extrem dünnes piezoelektrisches Material: Einen wenige Atome dicken Monolayer aus Molybdändisulfid. Er zeige ähnliche Eigenschaften wie bekannte, dicke piezoelektrische Bausteine und könnte den Weg für neue Bauteile ebnen, heißt es von den Forschern. (hell)

Quelle: Nature Nanotechnology doi: 10.1038/nnano.2014.30

Zoologie Motten haben ein abwechslungsreiches Sexleben

Das gilt zumindest für den Heidekraut-Wurzelbohrer. Im "Biological Journal of the Linnean Society" beschreibt ein britischer Biologe das Paarungsverhalten dieser Tiere. Er fand heraus: Verglichen mit anderen Insekten besitzt die Motte ein regelrechtes Kamasutra an verschiedenen Stellungen und Werbungsverhalten.

Wie bei anderen Mottenarten sendet das Weibchen Duftstoffe aus, um Männchen anzulocken. Gelegentlich findet jedoch ein Rollentausch statt und das Weibchen fliegt zum Männchen. Darüber hinaus gibt es weitere Strategien der Partnerwahl wie zum Beispiel Paarungstänze. Bei der Paarung selbst kennen die Motten verschiedene Stellungen. Der Forscher konnte auch gleichgeschlechtliches Werbungsverhalten beobachten. Dies könne von Weibchen in der Nähe ausgelöst worden sein, deren Duftstoffe die Männchen verwirrten. Entstanden ist diese Vielfalt möglicherweise wegen der relativ kleinen Gebiete, in denen sich die Motten zur Paarung treffen. Die große Dichte an Motten könne die Evolution verschiedener Paarungsstrategien gefördert haben. (hell)
Biological Journal of the Linnean Society

 

Medizin Während Herzspezialisten zu Kongressen reisen, sterben weniger Herzpatienten

Zu dem Ergebnis kommt eine Studie von US-Medizinern. Die Forscher analysierten Überlebensraten von Hochrisikopatienten mit Herzleiden. Ihr Augenmerk richteten sie dabei auf die Zeiträume zweier Fachkongresse für Herzspezialisten. Währen dieser Zeit konnten sich die Ärzte nicht um ihre Patienten kümmern. Das Ergebnis: Waren die Ärzte verreist, starben weniger Patienten. Dies gilt jedoch nur für Hochrisikopatienten in Lehrkrankenhäusern, also Kliniken, an denen Teile des Medizinstudiums stattfinden.

Im Magazin "JAMA" räumen die Autoren ein, dass sie die Ursache für diese Beobachtung nicht zufriedenstellend benennen können. Eine Begründung könnte sein, dass bestimmte komplizierte Prozeduren den Hochrisikopatienten mehr schaden als nutzen. (hell)

Quelle: JAMA doi:10.1001/jamainternmed.2014.6781 hell 23.12.2014 bif141223d.doc

Raumfahrt Russland hat neue Rakete getestet

Die Trägerrakete vom Typ Angara-A5 startete heute früh vom Kosmodrom im nordrussischen Plessezk. Sie ist für schwere Lasten geeignet und soll künftig Raketentypen wie "Proton" und "Rokot" ablösen. Langfristig soll sie der bemannten Raumfahrt dienen. Bei der Angara handelt es sich um die erste Rakete, die nach dem Zerfall der Sowjetunion vollständig in Russland gebaut wird. (hell)

Gesundheit  Wer auf leuchtenden Bildschirmen liest, kann sich um den Schlaf bringen

Denn der hohe Blau-Anteil des Lichts von Tablets oder E-Book-Readern kann den Hormonhaushalt durcheinanderbringen. Das haben US-Forscher in Experimenten gezeigt. Sie ließen zwölf Testpersonen unter kontrollierten Bedingungen E-Books lesen und schickten sie anschließend schlafen. Das Ergebnis: Wer vier Stunden lang auf einem leuchtenden Display las, dessen Körper schüttete deutlich weniger Melatonin aus. Melatonin gilt als Schlafhormon und steuert den Tag-Nacht-Rhythmus. Die Probanden hatten daraufhin verkürzte Traumphasen und fühlten sich am nächsten Tag matter, notieren die Forscher im Fachblatt "PNAS". (hell)

Quelle: PNAS doi: 10.1073/pnas.1418490112

22.12.2014

Seismologie Kleine Erdbeben lassen den David erzittern

In der Region Chianti zwischen Florenz und Siena seien in den vergangenen Tagen mehr als 250 Erdstöße registriert worden, teilte das Institut für Geophysik und Vulkanologie in Rom mit. Es sei niemand verletzt worden, dennoch könnten sie an prominenter Stelle bestehende Schäden verschlimmert haben: an der David-Statue des Michelangelo in Florenz. Dort sind im Frühjahr bereits Mikrorisse in den Beinen entdeckt worden. Angesichts der Vielzahl der Erschütterungen bestehe die Sorge, dass sich diese weiter ausbreiteten. Die Statue drohe dann auseinanderzubrechen.

Der italienische Kulturminister Dario Franceschini kündigte derweil an, die Regierung werde 200.000 Euro in einen erdbebensicheren Sockel für die David-Statue investieren.

Michelangelo hatte die Skulptur aus einem fünf Tonnen schweren Marmorblock gefertigt, der bereits Risse aufwies.

Hirnforschung Verlorene Erinnerungen lassen sich wiederherstellen

Das vermuten Forscher von der University of California nach Versuchen mit Meeresschnecken.
Wenn Erfahrungen ins Langzeitgedächtnis übergehen, entstehen neue Verbindungen zwischen Hirnzellen. Eine Hypothese war daher: Langzeiterinnerungen werden in den Synapsen gespeichert.

Die kalifornischen Forscher stellten die Hypothese auf den Prüfstand. Dazu stellten sie zunächst eine Lernsituation im Schneckengehirn nach: Sie behandelten Paare von Nervenzellen mit Serotonin. Das führte zur Bildung neuer Synapsen - ein Mechanismus, der auch im menschlichen Gehirn dazu führt, dass Erinnerungen gefestigt werden. Die Forscher wiederholten den Versuch an lebenden Schnecken. Der Befund – wie erwartet: Gehen die Synapsen verloren, ist auch die Erinnerung an das Gelernte verschwunden.

Aber: Sobald die Wissenschaftler bei den Schnecken die Bildung neuer Synapsen anregten – kehrte mit ihnen auch die Erinnerung an das Gelernte zurück. Die Forscher vermuten deshalb: Erinnerungen werden nicht in den Synapsen – sondern in den Zellkernen von Neuronen gespeichert. Belege für diese Hypothese gibt es allerdings noch nicht.

Entomologie In Indonesien krabbeln weit mehr Rüsselkäfer als bislang bekannt

Deutsche und indonesische Insektenkundler haben auf den Inseln Java, Bali und Lombok gefundene Rüsselkäfer aus der Gruppe Trigonopterus untersucht. In der Fachzeitschrift "ZooKeys" stellen sie jetzt an die 100 bisher unbekannte Käferarten vor.

Einige Käfer seien nach ihren Fundorten benannt, bei anderen mussten indonesische Zahlen herhalten. Ein Käfer bekam einen besonderen Namen: Trigonopterus attenboroughi – benannt nach dem Dokumentarfilmer David Attenborough.

Da eine herkömmliche wissenschaftliche Beschreibung der 98 Spezies zu zeitaufwendig gewesen, werden die neuen Arten ausführlicher auf einer Webseite zu der Käfergruppe dokumentiert.

Viele Arten sind vom Aussterben bedroht, da die Urwälder auf den dicht besiedelten Inseln großflächig gerodet werden. Die meisten der flugunfähigen Rüsselkäfer leben in eng begrenzten Lebensräumen.

Tiermedizin Impfung schützt Hirsche vor Prionen-Erkrankungen

US-amerikanische Forscher der New York University haben erfolgreich eine Schutzimpfung gegen die chronische Auszehrung an Hirschen getestet. Die ansteckende Erkrankung des Zentral-Nervensystems ähnelt BSE bei Rindern und der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit bei Menschen. Verursacht wird sie von falsch gefalteten, ansteckenden Prion-Proteinen.

Für die Schluck-Impfung bauten die Forscher das Erbgut für ein prion-ähnliches Protein in Salmonella-Bakterien ein. Für ihre Studie impften sie fünf Hirsche, die über 11 Monate acht Auffrischungsimpfungen erhielten.

Innerhalb von zwei Jahren erkrankten alle sechs nicht geimpften Tiere an der Auszehrungskrankheit, der Chronic Wasting Disease. Ein geimpftes Tier zeigte keinerlei Krankheitszeichen, bei vier weiteren Tieren dauerte es bis zu einer Ansteckung deutlich länger als bei den nicht-geimpften.

Das Konzept, so schreiben sie im Fachblatt "Vaccination", könnte helfen, weitere Impfungen zu entwickeln – etwa zum Schutz von Menschen vor der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.

Ebola Sparvorgaben des IWF haben Ebola-Ausbreitung begünstigt

... kritisieren britische Forscher. Soziologen aus Cambridge und Oxford sowie Tropenmediziner aus London zufolge habe die vom IWF angeordnete Sparpolitik die Gesundheitssysteme in Liberia, Guinea und Sierra Leone so sehr geschwächt, dass sie der Epidemie wenig entgegenzusetzen hatten.
Die Programme des IWF in der Region hätten die Regierungen dazu gezwungen, ihren Haushalt zu sanieren und dazu ihre Ausgaben zu reduzieren - auch im Gesundheitssystem. Dadurch seien nicht genügend Ärzte eingestellt worden, und die Krankenhäuser seien schlecht ausgestattet.

Ein IWF-Sprecher wies die Vorwürfe zurück. Seit 2009 habe der IWF an arme Länder zinslose Kredite vergeben – insbesondere für die Bereiche Bildung und Gesundheit. Der IWF habe zudem im September 130 Millionen Dollar für die Bekämpfung von Ebola bereitgestellt. Ein Hilfspaket in gleicher Höhe sei für 2015 geplant.

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