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05.01.2015

Verkehrsforschung Autofahrer sind berechenbar

Schwedische Wissenschaftler haben Daten aus Fahrtsimulatoren und von Probefahrten auf Teststrecken ausgewertet, um das Lenkverhalten von Autofahrern besser zu verstehen. Sogenannte lineare Modelle gehen davon aus, dass Fahrer das Steuerrad sehr ruhig halten und dem Verlauf der Straße folgen. Im wahren Leben, auf der Straße, machen Autofahrer aber oft Bewegungen, die nicht zu diesem Modell passen.

Die Göteborger Wissenschaftler fanden heraus: Autofahrer halten das Lenkrad nicht immer ruhig, sondern machen viele kleine Korrekturbewegungen. Diese Bewegungen folgten klaren Mustern. So lässt sich berechnen, wie ein Fahrer das Lenkrad bewegen wird– noch bevor er es getan hat. In den Proceedings der "Human Factors and Ergonomics Society" stellen die Forscher ein mathematisches Modell vor, das dabei helfen könnte, bessere Sicherheitssysteme für Kraftfahrzeuge zu entwickeln. [jri]

Human Factors and Ergonomics Society Annual Meeting Proceedings, DOI: 10.1177/1541931214581186

Biologie/IT Software Bakterien-Evolution voraus

Viele Krankheitserreger werden unempfindlich gegen Antibiotika und bereiten Ärzten zunehmend Probleme, wenn sie sich - wie zum Beispiel der Bakterienstamm MRSA - in Krankenhäusern ausbreiten. Mithilfe eines Computerprogramms ist es US-amerikanischen Forschern gelungen, Mutationen vorherzusagen, die zu solchen Antibiotikaresistenzen führen.

Sie untersuchten die Wirkung einer neuen Klasse experimenteller Wirkstoffe gegen MRSA. Wie die Wissenschaftler im Fachblatt "PNAS" schreiben, identifizierte die Software genetische Veränderungen der Bakterien, die theoretisch zu Antibiotikaresistenz führen könnten.

Ihre Prognosen überprüften sie im Labor. Das Ergebnis: Zwei der vorhergesagten Mutationen traten tatsächlich auf. Solche Berechnungen könnten helfen, Krankheitserregern eine Nase voraus zu bleiben, so die Hoffnung der Forscher. [jri]

Quelle: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1411548112

Archäologie Forscher haben das Grab einer ägyptischen Königin entdeckt

Es handele sich um das Grabmal der bisher unbekannten Königin und Gemahlin von Pharao Raneferef, melden ägyptische Medien. Ihr Name, Khentakawes III., sei auf den mit Hieroglyphen beschriebenen Wänden der in Abu Sir südwestlich von Kairo entdeckten Grabkammer entziffert worden. Pharao Raneferef herrschte vor rund 4.500 Jahren. Das von einer tschechischen Erkundungsmission freigelegte Grab habe die Form einer sogenannten Mastaba, eines rechteckigen Baus aus Kalkstein. Unter den Fundstücken sind auch Kalksteinvasen sowie aus Kupfer gefertigte Werkzeuge. Das Grab befindet sich im Herzen der königlichen Nekropole von Abu Sir am westlichen Ufer des Nils – etwa 20 Kilometer südwestlich von Kairo. [mawi]

Raumfahrt Philae wird weiter gesucht

Der Versuch, die Europäische Kometen-Landeeinheit Philae zu finden, ist erneut gescheitert. Auf den von der Kometensonde Rosetta gesammelten Aufnahmen des Kometen Churyumov-Gerasimenko sei von Philae nichts zu sehen, berichtet die britische BBC unter Berufung auf Experten der Europäischen Raumfahrtagentur ESA . Philae war am 12. November 2014 auf dem Kometen gelandet und hatte zahlreiche Daten zur Erde gefunkt. Wegen leerer Batterien wurde Philae dann in eine Art Winterschlaf versetzt.

Die Forscher ahnen zwar, wo Philae sein müsste. Sie wollen jetzt abwarten, dass der Lander selbst ein Zeichen gibt, wo er steckt. Der Komet nähert sich mehr und mehr der Sonne an. Das könnte die Energieversorgung von Philae nachhaltig verbessern. [mawi]

Zoologie Wal-Gene verraten Geheimnis eines langen Lebens

Grönlandwale können über 200 Jahre alt werden und sind damit vermutlich die langlebigsten Säugetiere der Welt. Gegenüber altersbedingten Erkrankungen scheinen sie weitgehend immun zu sein. Ein internationales Forscherteam hat im Erbgut der Wale nach den Genen gesucht, die den Tieren ihre Langlebigkeit verleihen. Wie die Forscher im Fachblatt "Cell Reports" berichten, verglichen sie das Genom des Grönlandwals mit dem Erbgut von Minkwal, Delphin und Rind. Der Befund: Von Genen, die bei anderen Arten mit Alterungsprozessen und Krebs in Verbindung stehen, besitzen Grönlandwale spezifische Varianten. In Studien an Mäusen wollen die Wissenschaftler die Wirkung dieser offenbar schützenden Gen-Varianten weiter erforschen. [jri]

Quelle: Cell Reports, doi: 10.1016/j.celrep.2014.12.008

02.01.2015

Medizin Körperfett kann vor Infektionen schützen

Das berichten Wissenschaftler aus Kalifornien im Fachmagazin "Science". Sie haben entdeckt, dass bestimmte Fettzellen, die direkt unter der Haut sitzen, Bakterien abwehren können. Diese sogenannten Adipozyten stellen Eiweißverbindungen her, durch welche die Pathogene unschädlich gemacht werden. Beobachtet haben die Forscher solch eine Reaktion des angeborenen Immunsystems an Mäusen, deren Haut durch Staphylokokken infiziert war. Bisher war man davon ausgegangen, dass bei einer Verletzung der Haut vor allem die weißen Blutkörperchen die Abwehr der Krankheitserreger übernehmen. [reu]

Quelle: Eurekalert, Science - DOI: 10.1126/science.1260972

Materialforschung Ein Kitt verklebt Halbleiter miteinander

Forscher aus Chicago haben ein Material entwickelt, mit dem sich winzig kleine Körner aus Halbleitermaterialien förmlich miteinander verbacken lassen. Damit ergäben sich ganz neue Verarbeitungsmöglichkeiten für gedruckte Elektronik-Komponenten und Solarzellen, erläutern die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science". Das Material muss in seiner Zusammensetzung an den jeweiligen Halbleiter angepasst werden. Es kann wie eine Art Tinte verarbeitet werden, die zusammen mit den Halbleiter-Partikeln auf eine Oberfläche aufgetragen wird. Durch Erhitzen bildet sich ein gelartiger Film, in dem die Körnchen eingebettet sind. Die Eigenschaften dieser Schicht lassen sich in gewissen Grenzen einstellen, wie etwa die Beweglichkeit von Ladungsträgern, die durch sie hindurch wandern. [reu]

Quelle: Quelle: Science - DOI: 10.1126/science.1260501

Biologie Manche Frösche werden als Kaulquappe geboren

Auf einer indonesischen Insel lebt eine Froschart, die lebende Kaulquappen zur Welt bringt. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt „PLOS ONE". Die Amphibien aus der Gattung Limnonectes legen ihre Eier nicht ab. Sondern das Männchen befruchtet sie im Körper des Weibchens, wo sie dann zu Kaulquappen heranwachsen. Solch eine interne Befruchtung kannte man bereits von anderen Froscharten. Diese bringen dann aber kleine Frösche zur Welt, die das Stadium der Kaulquappe bereits durchlaufen haben. Andere Spezies legen die intern befruchteten Eier am Grunde eines Flusslaufes ab. Die vorherrschende Methode der Fortpflanzung stellt bei Fröschen jedoch die externe Befruchtung der abgelegten Eier durch das Männchen dar. [reu]

Quelle: Eurekalert, PLOS ONE - DOI: 10.1371/journal.pone.0115884

Lebensmittelchemie Reinen Weißwein gibt es nicht wirklich

Auch Weißwein enthält Substanzen, die eigentlich typisch sind für Rotwein. Das berichten Forscher aus Italien und Portugal im Fachblatt „Food Research International". Sie hatten Trauben von Weißwein-Rebsorten untersucht und waren dabei auf Anthocyane gestoßen. Das sind die natürlichen Pigmente, die dem Rotwein seine Farbe verleihen. Ihre Konzentration war in den Weißweinsorten allerdings deutlich geringer. Diese Entdeckung könnte ein bekanntes Phänomen erklären: Manche Winzer verarbeiten Weißwein-Trauben und erhalten trotzdem ein Getränk, das leicht rosa gefärbt ist. [reu ]

Quelle: New Scientist, Food Research International - doi:10.1016/j.foodres.2014.12.002

Medizin Biologen finden Mittel gegen ein erstarkendes Virus

US-amerikanische Forscher haben eine Schwachstelle des Enterovirus D68 gefunden. Dieses sonst eher seltene Pathogen hatte jüngst in den USA für eine Häufung von Atemwegserkrankungen gesorgt, vor allem bei Kindern. Das Virus hält seine Hülle durch ein bestimmtes Molekül stabil. Wenn der Erreger an einer Zelle andockt, dann sorgt dieses Molekül dafür, dass das Virus seine Hülle abwirft und sein Erbgut in die Zelle injiziert. Die Forscher zeigten, dass es sich dabei um eine Fettsäure handelt, die mit einem bereits bekannten Wirkstoff blockiert werden kann – zumindest an einer Zellkultur im Labor, wie die Experten im Fachmagazin "Science" berichten. [reu]

Quelle: Eurekalert, Science - DOI: 10.1126/science.1261962

30.12.2014

Biologie Ein molekulares Netzwerk im Gehirn könnte Autismus auslösen

Autismus ist ein komplexes Phänomen mit vielen Symptomen und Schweregraden. Hunderte von Genen, die mit autistischen Störungen verbunden sind, wurden bereits identifiziert. Wissenschaftler der Stanford University wollten herausfinden, wie diese Gene zusammenarbeiten und sich gegenseitig beeinflussen.

Mit einer Kombination aus Datenbankeinträgen und molekulargenetischen Methoden identifizierten sie ein Netzwerk aus 119 Proteinen, von denen viele mit Autismus in Zusammenhang stehen.

Dieses Netzwerk ist besonders im sogenannten Hirnbalken aktiv, der beide Gehirnhälften miteinander verbindet, schreiben die US-Forscher im Fachjournal "Molecular Systems Biology". Sie vermuten, dass Störungen der molekularen Vorgänge in dieser Region verschiedene Formen von Autismus hervorrufen könnten. [jri]

Quelle: "Molecular Systems Biolog" - DOI: 10.15252/msb.20145487

Weltraumforschung  Beobachtungen aus dem Weltall zeigen die Lichtverschmutzung in Städten

Als Lichtverschmutzung bezeichnet man Licht, das in Richtung des Weltraums abgestrahlt wird - etwa von Straßenlaternen. Forscher aus Deutschland und Spanien sind diesem verschwendeten Licht nun mit hochauflösenden Aufnahmen der ISS und eines Wettersatelliten nachgegangen.

Das Ergebnis offenbart regionale Unterschiede: Pro Einwohner strahlt der Osten Deutschlands heller als der Westen, notieren die Forscher im Magazin "Remote Sensing". Außerdem sei die Lichtemission deutscher Städte geringer als die amerikanischer.

In den USA nimmt die Lichtverschmutzung pro Einwohner mit der Bevölkerungsdichte zu. In Deutschland ist das Gegenteil der Fall: je geringer die Bevölkerungsdichte, desto kleiner die Lichtverschmutzung pro Einwohner.

Eine praktische Anwendung der Arbeit könnten Karten mit Angaben zur Lichtemission sein. Auf ihnen ließen sich Orte mit großer Lichtverschmutzung - und damit großen Potenzial zur Energieeinsparung - ausfindig machen. [hell]

Quelle: "Remote Sens", 2015, 7(1), 1-23 - DOI:10.3390/rs70100001

Nanotechnologie Winziger Biegebalken erkennt Leben, indem er Bewegungen analysiert

Schweizer Forscher haben dieses Konzept entwickelt. Sie nutzen dafür einen Nano-Balken, der auf einer Seite fest verankert ist.

Platziert man auf der anderen Seite beispielsweise Bakterien, regen sie den Balken etwa durch das Schlagen ihrer Geiseln zu Bewegungen an. Das können die Forscher wiederum mit einem Laser erkennen.

Wie sie im Magazin "PNAS" schreiben, konnten sie so Bewegungen von isolierten Bakterien, Hefe und tierischen Zellen nachweisen. Wenn sie Wirkstoffe hinzugaben, die die Proben abtöteten, stoppten die Bewegungen.

Das Gerät könnte man somit verwenden, um Kandidaten für Medikamente gegen Bakterien oder Krebszellen zu überprüfen.
[hell]

Quelle: "PNAS" - DOI: 10.1073/pnas.1415348112

Chemie Winzige Stufen auf Metalloberflächen können Oxidation aufhalten

Das haben US-Forscher gezeigt. Dazu ließen sie ein Metall oxidieren - also mit Sauerstoff reagieren - und beobachteten es mit einem Elektronenmikroskop. Als Material wählten sie eine Nickel-Aluminium-Legierung. Die Oberfläche dieses Metalls weist mikroskopische terrassenförmige Stufen auf.

Es zeigt sich: Die Oxidation breitet sich entlang der Terrassen aus. Die einzelnen Stufen hochwachsen, kann sie jedoch nicht. Das hemme die Ausbreitung der Oxidation, schreiben die Forscher im Magazin "PNAS".

Das Ergebnis helfe, Oxidationen besser zu verstehen. Mit dem Wissen lasse sich etwa die Korrosion von Metallen gezielt steuern.
[hell]

Quelle: "PNAS" - DOI: 10.1073/pnas.1420690112

Zellforschung Forscher stellen Urkeimzellen her

Bei der Entwicklung von Embryonen wird ein kleiner Teil der embryonalen Stammzellen zu Urkeimzellen. Diese haben das Potenzial, später im Leben zu Eizellen oder Spermien heranzureifen. Britische Forscher haben nun embryonale Stammzellen umprogrammiert, um sie in Urkeimzellen zu verwandeln.

Mit Stammzellen von Mäusen und Ratten war das dem Team bereits früher gelungen. Nun konnten sie das Prinzip auch auf menschliche Zellen anwenden.

Wie die Wissenschaftler im Fachblatt "Cell" schreiben, ließen sich auch normale Körperzellen in Urkeimzellen verwandelt. Daraus könnte man Zellkulturen herstellen, dank denen man Methoden gegen Unfruchtbarkeit oder Keimzelltumore entwickeln könnte.
[jri]

Quelle: "Cell" - DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.cell.2014.12.013

29.12.2014

Physik Forscher beschießen Gummibärchen mit Positronen

Bittere Medikamente lassen sich leichter schlucken, wenn sie in eine Gelatinekapsel verpackt sind. Außerdem sorgt Gelatine dafür, dass Wirkstoffe nur langsam frei gesetzt werden. Die Freisetzungsgeschwindigkeit hängt ab von der Größe und der Verteilung der Nanoporen in der Gelatine. Physiker der TU München haben rote Gummibärchen mit Positronen beschossen, um Größe und Verteilung der Nanoporen zu bestimmen.

Positronen sind die Antiteilchen der Elektronen. Treffen ein Positron und ein Elektron aufeinander, so bildet sich kurzzeitig ein kurzlebiges Positronium, das zu einem Lichtblitz zerstrahlt. Die Messungen zeigten, dass das sich bildende Positronium in trockenen Gummibärchen im Mittel nur 1,2 Nanosekunden überlebt, in gewässerten Gummibärchen dagegen 1,9 Nanosekunden. Aus der Überlebensdauer der Positronium-Teilchen im Material können die Wissenschaftler nun auf Zahl und Größe der Poren schließen. [mawi]

Medizin Die Kelten hatten Darmparasiten

Ein Schweizer Forscherteam hat Bodenproben aus einer keltischen Siedlung im heutigen Industriegebiet von Basel analysiert. In den Proben fanden sie Eier von Spulwürmern und Peitschenwürmern, die die ortsansässigen Kelten um rund 100 vor Christus geplagt haben. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Basler Wissenschaftler im "Journal of Archaeological Science".

Üblicherweise werden Parasiteneier mit Wasser aus Bodenproben ausgeschwemmt. Weil die Schweizer Forscher aber die Proben mit Kunstharz fixierten und dünne Schnitte anfertigten, konnten sie die Parasiteneier an ihren ursprünglichen Fundorten erfassen. Die Spulwurm- und Peitschenwurmeier befanden sich nicht nur in noch erhaltenen Exkrementen von Mensch und Tier, sie waren auch im Boden verteilt. Dies gebe Aufschluss auf die Lebensweise in der keltischen Siedlung, so die Forscher. Möglicherweise seien die Abfälle als Dünger in den Nutzgärten gelandet. Die Verteilung der Eier weise außerdem auf dürftige Hygieneverhältnisse hin. [mawi]

Quelle: Journal of Archaeological Science, doi:10.1016/j.jas.2013.12.002

Medizin Das Aids-Virus beeinträchtigt offenbar auch das Gehör

Mediziner der San Diego State University in Kalifornien haben das Hörvermögen von knapp 400 Erwachsenen getestet. Bei den etwa 220 HIV-positiven Männern und Frauen fanden die Mediziner häufig Anzeichen für deutliche Hörverluste insbesondere im Tiefton- und im Hochton-Bereich. Warum Menschen mit HIV schlechter hören, ist noch unklar, schreiben die Forscher im Fachblatt der US-amerikanischen Fachgesellschaft für Otolaryngology. Möglicherweise schädige das Virus selbst das Hörvermögen. Denn weder die Art noch die Dauer der Gabe von Aids-Medikamenten noch der Zustand des Immunsystems hatten Einfluss auf das Ergebnis des Hör-Tests. [mawi]

Zoologie Auf Entdeckungsreisen gehen Ameisen am liebsten nach links

Das schreiben britische Wissenschaftler im Fachblatt "Biology Letters". Sie ließen Ameisen aus 18 verschiedenen Kolonien durch Labyrinthe laufen und stellten fest, dass die Tiere bevorzugt links abbogen. Dadurch hätten die Ameisen gleich mehrere Vorteile, so die Forscher. Es vereinfache nicht nur den Entscheidungsprozess: Wenn sie sich beim Erkunden fremder Nester immer nach links wende, habe eine Ameise auch eine größere Chance, den Ausgang wiederzufinden.

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Asymmetrie des Ameisengehirns zur Entwicklung dieser Verhaltensweise beigetragen hat. So könnten beispielsweise die Augen der Ameise unterschiedliche Aufgaben erfüllen: Das linke erspäht Feinde, während das rechte der Orientierung dient. [mawi]

Quelle: Quelle: Biology Letters, DOI: 10.1098/rsbl.2014.0945

Zoologie  Für viele Tierarten war 2014 kein gutes Jahr ... .

Zu dieser Einschätzung kommt die Umweltstiftung WWF. Manche Arten wie der Blauwal vor der Küste Chiles würden zwar nun besser geschützt, aber es gebe auch viele Verlierer. Zu diesen zählen nach Ansicht des WWF Nashörner, Elefanten und Walrösser. Sie hätten Lebensraum verloren, würden von Wilderern bedroht oder litten unter klimatischen Veränderungen.

Für Menschenaffen wie Bonobos drohten die letzten Schutzgebiete zu verschwinden: In einem Nationalpark im Kongo etwa sei geplant, Erdöl zu fördern. Auch die Zahl der Löwen schwinde dramatisch - in Westafrika stünden die Tiere vor dem Aussterben, in Indien gebe es nur noch Restbestände.

Ebenfalls stark geschrumpft sei der Bestand an Amerikanischen Monarchfaltern. Deren Population in den USA und in Kanada habe sich in nur einem Jahr um rund 45 Prozent verringert. Von Artenschutzaktivitäten hätten neben den Blauwalen auch die Berggorillas profitiert, und in den Alpen gebe es durch Auswilderung wieder mehr Bartgeier. [mawi]

Zoologie Forscher sortieren die Ameisen der Welt

Etwa jede zehnte Ameise auf der Welt gehört zur Gattung Pheidole aus der Unterfamilie der Knotenameisen. Forscher am Institut für Wissenschaft Technologie im japanischen Okinawa haben mithilfe genetischer Analysen einen Stammbaum der besonders artenreichen Gattung entwickelt.

Er zeigt, dass es offenbar zwei getrennte Ameisenwelten gibt, die sich unabhängig voneinander entwickelt haben. Zunächst hätten sich in der Neuen Welt, also auf den amerikanischen Kontinenten, aus einer Pheidole-Art über sechshundert Arten gebildet. Eine dieser Ameisenarten habe dann die Alte Welt besiedelt. Aus ihr seien auch an die sechshundert Arten hervorgegangen, die heute in Europa, Asien, Afrika und Australien leben.

Ein besonderer Artenreichtum sei in warmen feuchten Klimazonen zu finden, berichten die Forscher in den Proceedings der Royal Academy.
Sie wollen jetzt herausfinden, warum in tropischen Regionen oft viele Ameisenarten eng nebeneinander existieren können. [mawi]

 

Medizin Stärke einer allergischen Reaktion hängt auch von den Hormonen ab

Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen verschlimmert allergische Reaktionen, haben Forscher am US-amerikanischen Institut für Allergien und Infektionskrankheiten in Bethesda, Maryland, im Tierversuch an Mäusen beobachtet. Die Studie könnte erklären helfen, warum bei Frauen häufiger starke allergische Reaktionen auftreten – bis hin zu einem anaphylaktischen Schock. Solch ein Schock kann von Lebensmitteln – etwa Erdnüssen – ausgelöst werden aber auch von Medikamenten oder Insektenstichen. Als Reaktion setzen Zellen des Immunsystems, die sogenannten Mastzellen, Enzyme frei. Diese lassen Gewebe anschwellen, weiten die Blutgefäße und können Atemprobleme verursachen.

Das Hormon Östrogen führt ebenfalls zu einer Weitung der Blutgefäße, indem es dafür sorgt, dass ein Enzym mit Namen eNOS effektiver arbeitet. Sobald die Forscher bei weiblichen Mäusen entweder das Östrogen blockierten oder aber das eNOS-Enzym, fielen die allergischen Reaktionen deutlich schwächer aus – also in etwa so stark wie bei männlichen Mäusen. Der Fund könnte helfen, neue Schock-vorbeugende Behandlungen zu entwickeln. [mawi]

Medizin Entfesselte Zellen sorgen dafür, dass sich Lungenkrebs ausbreitet

Gesunde Zellen bauen routinemäßig einzelne Zellteile ab, um sie zu "recyceln". Bei Lungenkrebszellen, haben Forscher aus Manchester auf Mikroskop-Aufnahmen beobachtet, ist dieser Recyclingprozess gestört. Sie bauen zu viel von einem Protein ab, das Körperzellen zusammenhält, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Cell Reports".

Weil zu viele Verbindungen zwischen den Tumorzellen abgebaut werden, können sich einzelne Krebszellen "losreißen", in andere Teile des Körpers wandern und dort Metastasen bilden. In Experimenten mit Zellkulturen gelang es den britischen Forschern, in den Abbau der Zellverbindungen einzugreifen. Dadurch erhoffen sie sich neue Therapieansätze, die die Ausbreitung von Krebs im Körper stoppen könnten. [mawi]

Quelle: Cell Reports

23.12.2014

Klimaforschung Passatwinde könnten Klimawandel bremsen

Anhand von Bohrkernen aus pazifischen Korallen haben Forscher aus den USA und Großbritannien die Windverhältnisse zwischen 1894 und 1982 rekonstruiert. Die Korallen nehmen während ihres Wachstums Mineralien aus der Umgebung auf. Besonders starke pazifischen Passatwinde wirbeln Mangan vom Meeresboden auf. Die Mangankonzentration eines bestimmten Zeitraums kann im Skelett der Korallen abgelesen werden.

Im Fachblatt "Nature Geoscience" korrelierten die Wissenschaftler die Mangansignatur in den Korallen mit Veränderungen der Lufttemperatur des letzten Jahrhunderts. Das Ergebnis: Während des verhältnismäßig starken Temperaturanstiegs zwischen 1910 und 1940 waren die Passatwinde besonders schwach. Von 1940 bis 1970 dagegen stagnierte der globale Temperaturanstieg – und die Passatwinde bliesen wieder stärker.

Die Forscher vermuten, dass starke Passatwinde auch heute die Erderwärmung bremsen. Wenn sie wieder abnehmen, könnte auch die Temperatur wieder schneller ansteigen. (hell)

Quelle: Nature Geoscience, doi: 10.1038/NGEO2321

Physik Forscher entdecken piezoelektrische Eigenschaften in ultradünnem Halbleiter

Piezoelektrisch sind Materialen, die elektrische Energie in mechanische umwandeln können und umgekehrt. Wissenschaftler arbeiten daran, solche Materialen möglichst klein zu gestalten. So könnte man sie als Mini-Schalter oder hochempfindliche Biosensoren verwenden. Im Fachblatt "Nature Nanotechnology" beschreiben Forscher aus Kalifornien nun ein extrem dünnes piezoelektrisches Material: Einen wenige Atome dicken Monolayer aus Molybdändisulfid. Er zeige ähnliche Eigenschaften wie bekannte, dicke piezoelektrische Bausteine und könnte den Weg für neue Bauteile ebnen, heißt es von den Forschern. (hell)

Quelle: Nature Nanotechnology doi: 10.1038/nnano.2014.30

Zoologie Motten haben ein abwechslungsreiches Sexleben

Das gilt zumindest für den Heidekraut-Wurzelbohrer. Im "Biological Journal of the Linnean Society" beschreibt ein britischer Biologe das Paarungsverhalten dieser Tiere. Er fand heraus: Verglichen mit anderen Insekten besitzt die Motte ein regelrechtes Kamasutra an verschiedenen Stellungen und Werbungsverhalten.

Wie bei anderen Mottenarten sendet das Weibchen Duftstoffe aus, um Männchen anzulocken. Gelegentlich findet jedoch ein Rollentausch statt und das Weibchen fliegt zum Männchen. Darüber hinaus gibt es weitere Strategien der Partnerwahl wie zum Beispiel Paarungstänze. Bei der Paarung selbst kennen die Motten verschiedene Stellungen. Der Forscher konnte auch gleichgeschlechtliches Werbungsverhalten beobachten. Dies könne von Weibchen in der Nähe ausgelöst worden sein, deren Duftstoffe die Männchen verwirrten. Entstanden ist diese Vielfalt möglicherweise wegen der relativ kleinen Gebiete, in denen sich die Motten zur Paarung treffen. Die große Dichte an Motten könne die Evolution verschiedener Paarungsstrategien gefördert haben. (hell)
Biological Journal of the Linnean Society

 

Medizin Während Herzspezialisten zu Kongressen reisen, sterben weniger Herzpatienten

Zu dem Ergebnis kommt eine Studie von US-Medizinern. Die Forscher analysierten Überlebensraten von Hochrisikopatienten mit Herzleiden. Ihr Augenmerk richteten sie dabei auf die Zeiträume zweier Fachkongresse für Herzspezialisten. Währen dieser Zeit konnten sich die Ärzte nicht um ihre Patienten kümmern. Das Ergebnis: Waren die Ärzte verreist, starben weniger Patienten. Dies gilt jedoch nur für Hochrisikopatienten in Lehrkrankenhäusern, also Kliniken, an denen Teile des Medizinstudiums stattfinden.

Im Magazin "JAMA" räumen die Autoren ein, dass sie die Ursache für diese Beobachtung nicht zufriedenstellend benennen können. Eine Begründung könnte sein, dass bestimmte komplizierte Prozeduren den Hochrisikopatienten mehr schaden als nutzen. (hell)

Quelle: JAMA doi:10.1001/jamainternmed.2014.6781 hell 23.12.2014 bif141223d.doc

Raumfahrt Russland hat neue Rakete getestet

Die Trägerrakete vom Typ Angara-A5 startete heute früh vom Kosmodrom im nordrussischen Plessezk. Sie ist für schwere Lasten geeignet und soll künftig Raketentypen wie "Proton" und "Rokot" ablösen. Langfristig soll sie der bemannten Raumfahrt dienen. Bei der Angara handelt es sich um die erste Rakete, die nach dem Zerfall der Sowjetunion vollständig in Russland gebaut wird. (hell)

Gesundheit  Wer auf leuchtenden Bildschirmen liest, kann sich um den Schlaf bringen

Denn der hohe Blau-Anteil des Lichts von Tablets oder E-Book-Readern kann den Hormonhaushalt durcheinanderbringen. Das haben US-Forscher in Experimenten gezeigt. Sie ließen zwölf Testpersonen unter kontrollierten Bedingungen E-Books lesen und schickten sie anschließend schlafen. Das Ergebnis: Wer vier Stunden lang auf einem leuchtenden Display las, dessen Körper schüttete deutlich weniger Melatonin aus. Melatonin gilt als Schlafhormon und steuert den Tag-Nacht-Rhythmus. Die Probanden hatten daraufhin verkürzte Traumphasen und fühlten sich am nächsten Tag matter, notieren die Forscher im Fachblatt "PNAS". (hell)

Quelle: PNAS doi: 10.1073/pnas.1418490112

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