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06.01.2015

Biologie Forscher bauen Mini-Maschinen aus DNA

Mit der DNA-Origami-Methode werden schon seit einigen Jahren Nanostrukturen hergestellt. Sie befördern zum Beispiel Medikamente an ihren Bestimmungsort im Körper. Dafür werden DNA-Stränge gefaltet und mit kürzeren Strängen zusammengehalten. Ein Forscherteam hat jetzt flexible einfache DNA-Stränge mit fester DNA aus zwei Strängen kombiniert. So konnten die Wissenschaftler bewegliche Scharniere, Kolben und Zylinder im Nanoformat herstellen. In Zukunft könnten solche Bauteile die Grundlage für kontrollierbare Nanoroboter bilden, notieren die Forscher im Fachblatt "PNAS". [hell]

Quelle: PNAS - doi: 10.1073/pnas.1408869112

Raumfahrt Start der Falcon-9-Rakete wurde abgebrochen

Die Rakete der Firma Space-X sollte heute früh in Cape Canaveral abheben und eine Versorgungskapsel zur ISS befördern. Das Besondere: Die Unterstufe der Rakete sollte nach dem Start auf einer schwimmenden Plattform im Meer landen. Ein bisher nicht da gewesenes Manöver, das es ermöglichen würde, die Rakete wiederzuverwenden. Doch keine zwei Minuten vor dem Start brach ein Computer den Countdown ab. Es habe ein Problem mit dem Motor der Oberstufe gegeben, heißt es von der NASA. Ein neuer Versuch ist für Freitag, fünf Uhr neun Ortszeit angesetzt. [hell]

Ernährung Vollkorn schützt vor Gefäßkrankheiten, jedoch nicht vor Krebs

Vollkornprodukte gelten als gesund. Jedoch ging aus der bisherigen Datenlage nicht hervor, wie die Menge an verzehrtem Vollkorn und die Sterblichkeit zusammenhängen. US-Mediziner sind dem nun nachgegangen. Sie untersuchten Daten von über 100.000 Menschen aus mehreren Jahrzehnten. Die Auswertung fassen sie im Fachjournal "Jama" zusammen. Demnach senkt eine Portion Vollkorn – also etwa 28 Gramm – pro Tag die Sterblichkeit durch Gefäßkrankheiten um neun Prozent. Eine Wirkung gegen Krebs konnten die Forscher nicht feststellen. [hell]

Geologie Fracking hat leichte Erdbeben im US-Bundesstaat Ohio verursacht

Diesen Zusammenhang haben Forscher bestätigt. Dazu untersuchten sie seismische Aktivitäten. Diese Daten korrelierten sie dann mit Arbeiten an Bohrlöchern in der Gegend. Das stärkste Beben erreichte einen Wert von drei auf der Richter-Skala. Ein solches Erdbeben kann von Menschen wahrgenommen werden, verursacht in der Regel jedoch keine Schäden. Im "Bulletin of the Seismological Society of America" schreiben die Forscher, dass das Fracking keine neue Verwerfung im Erdreich verursacht habe. Es habe vielmehr eine alte Verwerfung aktiviert. Als Fracking bezeichnet man eine Methode der Erdgasgewinnung. Dabei werden unterirdische Gesteinsschichten mit hohem Druck und unter Einsatz von Chemikalien aufgebrochen.[hell]

Gesundheit Wer sich vor Erkältungen schützen will, sollte die Kälte meiden

Diese Volksweisheit haben Biologen der Yale University nun bestätigt. Dazu untersuchten sie, wie Rhinoviren – also die Verursacher von Erkältungen – sich bei verschiedenen Temperaturen entwickeln. Im Labor ließen sie die Viren auf Zellen von Mäusen los und variierten die Temperatur von 33 bis 37 Grad Celsius. Wobei 33 Grad etwa der Temperatur in einer kühlen Nase entspricht. Das Ergebnis: In der Kälte bildeten sich deutlich mehr Viren in den Zellen als bei hohen Temperaturen. Das lag jedoch nicht an den Viren selbst. Der Grund war die schwächere Immunantwort der Zellen bei tiefen Temperaturen, schreiben die Wissenschaftler im Magazin "PNAS". [hell]

Wissenschaft Bürgerwissenschaften ermöglichen völlig neue Forschungsprojekte

Als Bürgerwissenschaften oder "Citizen Science" bezeichnet man Projekte, bei denen auch Laien Aufgaben übernehmen. Sie klassifizieren etwa Galaxien oder werten Bilder von Krebszellen aus. US-Forscher haben dieses Zusammenwirken von Bürgern und Wissenschaftlern nun untersucht. Im Magazin "PNAS" resümieren sie: Dank der Hilfe von Laien können Projekte realisiert werden, die es vorher nicht gab. Jedoch ersetzt die Hilfe von Laien nicht die traditionelle wissenschaftliche Arbeit.

Die Forscher analysierten die Tätigkeit von über 100.000 Freiwilligen. Dabei stellten sie fest, dass die Bürgerwissenschaftler pro Projekt Arbeit im Wert von 22.000 bis 650.000 Dollar verrichteten. Obwohl diese unbezahlte Arbeitskraft attraktiv wirke, dürften zusätzliche Kosten nicht vergessen werden. Die fallen etwa dabei an, Aufgaben für Laien einfach zu gestalten.

Bisher gab es Bürgerwissenschaften vornehmlich in den Disziplinen Biologie und Astronomie. Für die Zukunft erwarten die Forscher mehr Projekte in anderen Fachgebieten. Um die Freiwilligen da bei der Stange zu halten, müssten die Aufgaben interessant oder gesellschaftlich relevant sein. [hell]
PNAS - doi: 10.1073/pnas.1408907112

 

05.01.2015

Verkehrsforschung Autofahrer sind berechenbar

Schwedische Wissenschaftler haben Daten aus Fahrtsimulatoren und von Probefahrten auf Teststrecken ausgewertet, um das Lenkverhalten von Autofahrern besser zu verstehen. Sogenannte lineare Modelle gehen davon aus, dass Fahrer das Steuerrad sehr ruhig halten und dem Verlauf der Straße folgen. Im wahren Leben, auf der Straße, machen Autofahrer aber oft Bewegungen, die nicht zu diesem Modell passen.

Die Göteborger Wissenschaftler fanden heraus: Autofahrer halten das Lenkrad nicht immer ruhig, sondern machen viele kleine Korrekturbewegungen. Diese Bewegungen folgten klaren Mustern. So lässt sich berechnen, wie ein Fahrer das Lenkrad bewegen wird– noch bevor er es getan hat. In den Proceedings der "Human Factors and Ergonomics Society" stellen die Forscher ein mathematisches Modell vor, das dabei helfen könnte, bessere Sicherheitssysteme für Kraftfahrzeuge zu entwickeln. [jri]

Human Factors and Ergonomics Society Annual Meeting Proceedings, DOI: 10.1177/1541931214581186

Biologie/IT Software Bakterien-Evolution voraus

Viele Krankheitserreger werden unempfindlich gegen Antibiotika und bereiten Ärzten zunehmend Probleme, wenn sie sich - wie zum Beispiel der Bakterienstamm MRSA - in Krankenhäusern ausbreiten. Mithilfe eines Computerprogramms ist es US-amerikanischen Forschern gelungen, Mutationen vorherzusagen, die zu solchen Antibiotikaresistenzen führen.

Sie untersuchten die Wirkung einer neuen Klasse experimenteller Wirkstoffe gegen MRSA. Wie die Wissenschaftler im Fachblatt "PNAS" schreiben, identifizierte die Software genetische Veränderungen der Bakterien, die theoretisch zu Antibiotikaresistenz führen könnten.

Ihre Prognosen überprüften sie im Labor. Das Ergebnis: Zwei der vorhergesagten Mutationen traten tatsächlich auf. Solche Berechnungen könnten helfen, Krankheitserregern eine Nase voraus zu bleiben, so die Hoffnung der Forscher. [jri]

Quelle: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1411548112

Archäologie Forscher haben das Grab einer ägyptischen Königin entdeckt

Es handele sich um das Grabmal der bisher unbekannten Königin und Gemahlin von Pharao Raneferef, melden ägyptische Medien. Ihr Name, Khentakawes III., sei auf den mit Hieroglyphen beschriebenen Wänden der in Abu Sir südwestlich von Kairo entdeckten Grabkammer entziffert worden. Pharao Raneferef herrschte vor rund 4.500 Jahren. Das von einer tschechischen Erkundungsmission freigelegte Grab habe die Form einer sogenannten Mastaba, eines rechteckigen Baus aus Kalkstein. Unter den Fundstücken sind auch Kalksteinvasen sowie aus Kupfer gefertigte Werkzeuge. Das Grab befindet sich im Herzen der königlichen Nekropole von Abu Sir am westlichen Ufer des Nils – etwa 20 Kilometer südwestlich von Kairo. [mawi]

Raumfahrt Philae wird weiter gesucht

Der Versuch, die Europäische Kometen-Landeeinheit Philae zu finden, ist erneut gescheitert. Auf den von der Kometensonde Rosetta gesammelten Aufnahmen des Kometen Churyumov-Gerasimenko sei von Philae nichts zu sehen, berichtet die britische BBC unter Berufung auf Experten der Europäischen Raumfahrtagentur ESA . Philae war am 12. November 2014 auf dem Kometen gelandet und hatte zahlreiche Daten zur Erde gefunkt. Wegen leerer Batterien wurde Philae dann in eine Art Winterschlaf versetzt.

Die Forscher ahnen zwar, wo Philae sein müsste. Sie wollen jetzt abwarten, dass der Lander selbst ein Zeichen gibt, wo er steckt. Der Komet nähert sich mehr und mehr der Sonne an. Das könnte die Energieversorgung von Philae nachhaltig verbessern. [mawi]

Zoologie Wal-Gene verraten Geheimnis eines langen Lebens

Grönlandwale können über 200 Jahre alt werden und sind damit vermutlich die langlebigsten Säugetiere der Welt. Gegenüber altersbedingten Erkrankungen scheinen sie weitgehend immun zu sein. Ein internationales Forscherteam hat im Erbgut der Wale nach den Genen gesucht, die den Tieren ihre Langlebigkeit verleihen. Wie die Forscher im Fachblatt "Cell Reports" berichten, verglichen sie das Genom des Grönlandwals mit dem Erbgut von Minkwal, Delphin und Rind. Der Befund: Von Genen, die bei anderen Arten mit Alterungsprozessen und Krebs in Verbindung stehen, besitzen Grönlandwale spezifische Varianten. In Studien an Mäusen wollen die Wissenschaftler die Wirkung dieser offenbar schützenden Gen-Varianten weiter erforschen. [jri]

Quelle: Cell Reports, doi: 10.1016/j.celrep.2014.12.008

02.01.2015

Medizin Körperfett kann vor Infektionen schützen

Das berichten Wissenschaftler aus Kalifornien im Fachmagazin "Science". Sie haben entdeckt, dass bestimmte Fettzellen, die direkt unter der Haut sitzen, Bakterien abwehren können. Diese sogenannten Adipozyten stellen Eiweißverbindungen her, durch welche die Pathogene unschädlich gemacht werden. Beobachtet haben die Forscher solch eine Reaktion des angeborenen Immunsystems an Mäusen, deren Haut durch Staphylokokken infiziert war. Bisher war man davon ausgegangen, dass bei einer Verletzung der Haut vor allem die weißen Blutkörperchen die Abwehr der Krankheitserreger übernehmen. [reu]

Quelle: Eurekalert, Science - DOI: 10.1126/science.1260972

Materialforschung Ein Kitt verklebt Halbleiter miteinander

Forscher aus Chicago haben ein Material entwickelt, mit dem sich winzig kleine Körner aus Halbleitermaterialien förmlich miteinander verbacken lassen. Damit ergäben sich ganz neue Verarbeitungsmöglichkeiten für gedruckte Elektronik-Komponenten und Solarzellen, erläutern die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science". Das Material muss in seiner Zusammensetzung an den jeweiligen Halbleiter angepasst werden. Es kann wie eine Art Tinte verarbeitet werden, die zusammen mit den Halbleiter-Partikeln auf eine Oberfläche aufgetragen wird. Durch Erhitzen bildet sich ein gelartiger Film, in dem die Körnchen eingebettet sind. Die Eigenschaften dieser Schicht lassen sich in gewissen Grenzen einstellen, wie etwa die Beweglichkeit von Ladungsträgern, die durch sie hindurch wandern. [reu]

Quelle: Quelle: Science - DOI: 10.1126/science.1260501

Biologie Manche Frösche werden als Kaulquappe geboren

Auf einer indonesischen Insel lebt eine Froschart, die lebende Kaulquappen zur Welt bringt. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt „PLOS ONE". Die Amphibien aus der Gattung Limnonectes legen ihre Eier nicht ab. Sondern das Männchen befruchtet sie im Körper des Weibchens, wo sie dann zu Kaulquappen heranwachsen. Solch eine interne Befruchtung kannte man bereits von anderen Froscharten. Diese bringen dann aber kleine Frösche zur Welt, die das Stadium der Kaulquappe bereits durchlaufen haben. Andere Spezies legen die intern befruchteten Eier am Grunde eines Flusslaufes ab. Die vorherrschende Methode der Fortpflanzung stellt bei Fröschen jedoch die externe Befruchtung der abgelegten Eier durch das Männchen dar. [reu]

Quelle: Eurekalert, PLOS ONE - DOI: 10.1371/journal.pone.0115884

Lebensmittelchemie Reinen Weißwein gibt es nicht wirklich

Auch Weißwein enthält Substanzen, die eigentlich typisch sind für Rotwein. Das berichten Forscher aus Italien und Portugal im Fachblatt „Food Research International". Sie hatten Trauben von Weißwein-Rebsorten untersucht und waren dabei auf Anthocyane gestoßen. Das sind die natürlichen Pigmente, die dem Rotwein seine Farbe verleihen. Ihre Konzentration war in den Weißweinsorten allerdings deutlich geringer. Diese Entdeckung könnte ein bekanntes Phänomen erklären: Manche Winzer verarbeiten Weißwein-Trauben und erhalten trotzdem ein Getränk, das leicht rosa gefärbt ist. [reu ]

Quelle: New Scientist, Food Research International - doi:10.1016/j.foodres.2014.12.002

Medizin Biologen finden Mittel gegen ein erstarkendes Virus

US-amerikanische Forscher haben eine Schwachstelle des Enterovirus D68 gefunden. Dieses sonst eher seltene Pathogen hatte jüngst in den USA für eine Häufung von Atemwegserkrankungen gesorgt, vor allem bei Kindern. Das Virus hält seine Hülle durch ein bestimmtes Molekül stabil. Wenn der Erreger an einer Zelle andockt, dann sorgt dieses Molekül dafür, dass das Virus seine Hülle abwirft und sein Erbgut in die Zelle injiziert. Die Forscher zeigten, dass es sich dabei um eine Fettsäure handelt, die mit einem bereits bekannten Wirkstoff blockiert werden kann – zumindest an einer Zellkultur im Labor, wie die Experten im Fachmagazin "Science" berichten. [reu]

Quelle: Eurekalert, Science - DOI: 10.1126/science.1261962

30.12.2014

Biologie Ein molekulares Netzwerk im Gehirn könnte Autismus auslösen

Autismus ist ein komplexes Phänomen mit vielen Symptomen und Schweregraden. Hunderte von Genen, die mit autistischen Störungen verbunden sind, wurden bereits identifiziert. Wissenschaftler der Stanford University wollten herausfinden, wie diese Gene zusammenarbeiten und sich gegenseitig beeinflussen.

Mit einer Kombination aus Datenbankeinträgen und molekulargenetischen Methoden identifizierten sie ein Netzwerk aus 119 Proteinen, von denen viele mit Autismus in Zusammenhang stehen.

Dieses Netzwerk ist besonders im sogenannten Hirnbalken aktiv, der beide Gehirnhälften miteinander verbindet, schreiben die US-Forscher im Fachjournal "Molecular Systems Biology". Sie vermuten, dass Störungen der molekularen Vorgänge in dieser Region verschiedene Formen von Autismus hervorrufen könnten. [jri]

Quelle: "Molecular Systems Biolog" - DOI: 10.15252/msb.20145487

Weltraumforschung  Beobachtungen aus dem Weltall zeigen die Lichtverschmutzung in Städten

Als Lichtverschmutzung bezeichnet man Licht, das in Richtung des Weltraums abgestrahlt wird - etwa von Straßenlaternen. Forscher aus Deutschland und Spanien sind diesem verschwendeten Licht nun mit hochauflösenden Aufnahmen der ISS und eines Wettersatelliten nachgegangen.

Das Ergebnis offenbart regionale Unterschiede: Pro Einwohner strahlt der Osten Deutschlands heller als der Westen, notieren die Forscher im Magazin "Remote Sensing". Außerdem sei die Lichtemission deutscher Städte geringer als die amerikanischer.

In den USA nimmt die Lichtverschmutzung pro Einwohner mit der Bevölkerungsdichte zu. In Deutschland ist das Gegenteil der Fall: je geringer die Bevölkerungsdichte, desto kleiner die Lichtverschmutzung pro Einwohner.

Eine praktische Anwendung der Arbeit könnten Karten mit Angaben zur Lichtemission sein. Auf ihnen ließen sich Orte mit großer Lichtverschmutzung - und damit großen Potenzial zur Energieeinsparung - ausfindig machen. [hell]

Quelle: "Remote Sens", 2015, 7(1), 1-23 - DOI:10.3390/rs70100001

Nanotechnologie Winziger Biegebalken erkennt Leben, indem er Bewegungen analysiert

Schweizer Forscher haben dieses Konzept entwickelt. Sie nutzen dafür einen Nano-Balken, der auf einer Seite fest verankert ist.

Platziert man auf der anderen Seite beispielsweise Bakterien, regen sie den Balken etwa durch das Schlagen ihrer Geiseln zu Bewegungen an. Das können die Forscher wiederum mit einem Laser erkennen.

Wie sie im Magazin "PNAS" schreiben, konnten sie so Bewegungen von isolierten Bakterien, Hefe und tierischen Zellen nachweisen. Wenn sie Wirkstoffe hinzugaben, die die Proben abtöteten, stoppten die Bewegungen.

Das Gerät könnte man somit verwenden, um Kandidaten für Medikamente gegen Bakterien oder Krebszellen zu überprüfen.
[hell]

Quelle: "PNAS" - DOI: 10.1073/pnas.1415348112

Chemie Winzige Stufen auf Metalloberflächen können Oxidation aufhalten

Das haben US-Forscher gezeigt. Dazu ließen sie ein Metall oxidieren - also mit Sauerstoff reagieren - und beobachteten es mit einem Elektronenmikroskop. Als Material wählten sie eine Nickel-Aluminium-Legierung. Die Oberfläche dieses Metalls weist mikroskopische terrassenförmige Stufen auf.

Es zeigt sich: Die Oxidation breitet sich entlang der Terrassen aus. Die einzelnen Stufen hochwachsen, kann sie jedoch nicht. Das hemme die Ausbreitung der Oxidation, schreiben die Forscher im Magazin "PNAS".

Das Ergebnis helfe, Oxidationen besser zu verstehen. Mit dem Wissen lasse sich etwa die Korrosion von Metallen gezielt steuern.
[hell]

Quelle: "PNAS" - DOI: 10.1073/pnas.1420690112

Zellforschung Forscher stellen Urkeimzellen her

Bei der Entwicklung von Embryonen wird ein kleiner Teil der embryonalen Stammzellen zu Urkeimzellen. Diese haben das Potenzial, später im Leben zu Eizellen oder Spermien heranzureifen. Britische Forscher haben nun embryonale Stammzellen umprogrammiert, um sie in Urkeimzellen zu verwandeln.

Mit Stammzellen von Mäusen und Ratten war das dem Team bereits früher gelungen. Nun konnten sie das Prinzip auch auf menschliche Zellen anwenden.

Wie die Wissenschaftler im Fachblatt "Cell" schreiben, ließen sich auch normale Körperzellen in Urkeimzellen verwandelt. Daraus könnte man Zellkulturen herstellen, dank denen man Methoden gegen Unfruchtbarkeit oder Keimzelltumore entwickeln könnte.
[jri]

Quelle: "Cell" - DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.cell.2014.12.013

29.12.2014

Physik Forscher beschießen Gummibärchen mit Positronen

Bittere Medikamente lassen sich leichter schlucken, wenn sie in eine Gelatinekapsel verpackt sind. Außerdem sorgt Gelatine dafür, dass Wirkstoffe nur langsam frei gesetzt werden. Die Freisetzungsgeschwindigkeit hängt ab von der Größe und der Verteilung der Nanoporen in der Gelatine. Physiker der TU München haben rote Gummibärchen mit Positronen beschossen, um Größe und Verteilung der Nanoporen zu bestimmen.

Positronen sind die Antiteilchen der Elektronen. Treffen ein Positron und ein Elektron aufeinander, so bildet sich kurzzeitig ein kurzlebiges Positronium, das zu einem Lichtblitz zerstrahlt. Die Messungen zeigten, dass das sich bildende Positronium in trockenen Gummibärchen im Mittel nur 1,2 Nanosekunden überlebt, in gewässerten Gummibärchen dagegen 1,9 Nanosekunden. Aus der Überlebensdauer der Positronium-Teilchen im Material können die Wissenschaftler nun auf Zahl und Größe der Poren schließen. [mawi]

Medizin Die Kelten hatten Darmparasiten

Ein Schweizer Forscherteam hat Bodenproben aus einer keltischen Siedlung im heutigen Industriegebiet von Basel analysiert. In den Proben fanden sie Eier von Spulwürmern und Peitschenwürmern, die die ortsansässigen Kelten um rund 100 vor Christus geplagt haben. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Basler Wissenschaftler im "Journal of Archaeological Science".

Üblicherweise werden Parasiteneier mit Wasser aus Bodenproben ausgeschwemmt. Weil die Schweizer Forscher aber die Proben mit Kunstharz fixierten und dünne Schnitte anfertigten, konnten sie die Parasiteneier an ihren ursprünglichen Fundorten erfassen. Die Spulwurm- und Peitschenwurmeier befanden sich nicht nur in noch erhaltenen Exkrementen von Mensch und Tier, sie waren auch im Boden verteilt. Dies gebe Aufschluss auf die Lebensweise in der keltischen Siedlung, so die Forscher. Möglicherweise seien die Abfälle als Dünger in den Nutzgärten gelandet. Die Verteilung der Eier weise außerdem auf dürftige Hygieneverhältnisse hin. [mawi]

Quelle: Journal of Archaeological Science, doi:10.1016/j.jas.2013.12.002

Medizin Das Aids-Virus beeinträchtigt offenbar auch das Gehör

Mediziner der San Diego State University in Kalifornien haben das Hörvermögen von knapp 400 Erwachsenen getestet. Bei den etwa 220 HIV-positiven Männern und Frauen fanden die Mediziner häufig Anzeichen für deutliche Hörverluste insbesondere im Tiefton- und im Hochton-Bereich. Warum Menschen mit HIV schlechter hören, ist noch unklar, schreiben die Forscher im Fachblatt der US-amerikanischen Fachgesellschaft für Otolaryngology. Möglicherweise schädige das Virus selbst das Hörvermögen. Denn weder die Art noch die Dauer der Gabe von Aids-Medikamenten noch der Zustand des Immunsystems hatten Einfluss auf das Ergebnis des Hör-Tests. [mawi]

Zoologie Auf Entdeckungsreisen gehen Ameisen am liebsten nach links

Das schreiben britische Wissenschaftler im Fachblatt "Biology Letters". Sie ließen Ameisen aus 18 verschiedenen Kolonien durch Labyrinthe laufen und stellten fest, dass die Tiere bevorzugt links abbogen. Dadurch hätten die Ameisen gleich mehrere Vorteile, so die Forscher. Es vereinfache nicht nur den Entscheidungsprozess: Wenn sie sich beim Erkunden fremder Nester immer nach links wende, habe eine Ameise auch eine größere Chance, den Ausgang wiederzufinden.

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Asymmetrie des Ameisengehirns zur Entwicklung dieser Verhaltensweise beigetragen hat. So könnten beispielsweise die Augen der Ameise unterschiedliche Aufgaben erfüllen: Das linke erspäht Feinde, während das rechte der Orientierung dient. [mawi]

Quelle: Quelle: Biology Letters, DOI: 10.1098/rsbl.2014.0945

Zoologie  Für viele Tierarten war 2014 kein gutes Jahr ... .

Zu dieser Einschätzung kommt die Umweltstiftung WWF. Manche Arten wie der Blauwal vor der Küste Chiles würden zwar nun besser geschützt, aber es gebe auch viele Verlierer. Zu diesen zählen nach Ansicht des WWF Nashörner, Elefanten und Walrösser. Sie hätten Lebensraum verloren, würden von Wilderern bedroht oder litten unter klimatischen Veränderungen.

Für Menschenaffen wie Bonobos drohten die letzten Schutzgebiete zu verschwinden: In einem Nationalpark im Kongo etwa sei geplant, Erdöl zu fördern. Auch die Zahl der Löwen schwinde dramatisch - in Westafrika stünden die Tiere vor dem Aussterben, in Indien gebe es nur noch Restbestände.

Ebenfalls stark geschrumpft sei der Bestand an Amerikanischen Monarchfaltern. Deren Population in den USA und in Kanada habe sich in nur einem Jahr um rund 45 Prozent verringert. Von Artenschutzaktivitäten hätten neben den Blauwalen auch die Berggorillas profitiert, und in den Alpen gebe es durch Auswilderung wieder mehr Bartgeier. [mawi]

Zoologie Forscher sortieren die Ameisen der Welt

Etwa jede zehnte Ameise auf der Welt gehört zur Gattung Pheidole aus der Unterfamilie der Knotenameisen. Forscher am Institut für Wissenschaft Technologie im japanischen Okinawa haben mithilfe genetischer Analysen einen Stammbaum der besonders artenreichen Gattung entwickelt.

Er zeigt, dass es offenbar zwei getrennte Ameisenwelten gibt, die sich unabhängig voneinander entwickelt haben. Zunächst hätten sich in der Neuen Welt, also auf den amerikanischen Kontinenten, aus einer Pheidole-Art über sechshundert Arten gebildet. Eine dieser Ameisenarten habe dann die Alte Welt besiedelt. Aus ihr seien auch an die sechshundert Arten hervorgegangen, die heute in Europa, Asien, Afrika und Australien leben.

Ein besonderer Artenreichtum sei in warmen feuchten Klimazonen zu finden, berichten die Forscher in den Proceedings der Royal Academy.
Sie wollen jetzt herausfinden, warum in tropischen Regionen oft viele Ameisenarten eng nebeneinander existieren können. [mawi]

 

Medizin Stärke einer allergischen Reaktion hängt auch von den Hormonen ab

Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen verschlimmert allergische Reaktionen, haben Forscher am US-amerikanischen Institut für Allergien und Infektionskrankheiten in Bethesda, Maryland, im Tierversuch an Mäusen beobachtet. Die Studie könnte erklären helfen, warum bei Frauen häufiger starke allergische Reaktionen auftreten – bis hin zu einem anaphylaktischen Schock. Solch ein Schock kann von Lebensmitteln – etwa Erdnüssen – ausgelöst werden aber auch von Medikamenten oder Insektenstichen. Als Reaktion setzen Zellen des Immunsystems, die sogenannten Mastzellen, Enzyme frei. Diese lassen Gewebe anschwellen, weiten die Blutgefäße und können Atemprobleme verursachen.

Das Hormon Östrogen führt ebenfalls zu einer Weitung der Blutgefäße, indem es dafür sorgt, dass ein Enzym mit Namen eNOS effektiver arbeitet. Sobald die Forscher bei weiblichen Mäusen entweder das Östrogen blockierten oder aber das eNOS-Enzym, fielen die allergischen Reaktionen deutlich schwächer aus – also in etwa so stark wie bei männlichen Mäusen. Der Fund könnte helfen, neue Schock-vorbeugende Behandlungen zu entwickeln. [mawi]

Medizin Entfesselte Zellen sorgen dafür, dass sich Lungenkrebs ausbreitet

Gesunde Zellen bauen routinemäßig einzelne Zellteile ab, um sie zu "recyceln". Bei Lungenkrebszellen, haben Forscher aus Manchester auf Mikroskop-Aufnahmen beobachtet, ist dieser Recyclingprozess gestört. Sie bauen zu viel von einem Protein ab, das Körperzellen zusammenhält, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Cell Reports".

Weil zu viele Verbindungen zwischen den Tumorzellen abgebaut werden, können sich einzelne Krebszellen "losreißen", in andere Teile des Körpers wandern und dort Metastasen bilden. In Experimenten mit Zellkulturen gelang es den britischen Forschern, in den Abbau der Zellverbindungen einzugreifen. Dadurch erhoffen sie sich neue Therapieansätze, die die Ausbreitung von Krebs im Körper stoppen könnten. [mawi]

Quelle: Cell Reports

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