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09.01.2015

Tiermedizin Neuroimplantat lässt lahme Nager wieder gehen

Eine weiche, flexible Prothese, mit der sich Verletzungen am Rückenmark ausgleichen lassen, präsentiert ein internationales Forscherteam heute im Fachblatt "Science". Das Implantat besteht aus einem Silikon-Band, das von feinen Kanälen und dehnbaren Elektroden durchzogen ist. Darüber können zum Wirkstoffe transportiert und Nervensignale weitergeleitet werden. Die Forscher implantierten die Prothese in querschnittsgelähmte Ratten. Dadurch konnten die Tiere sich wieder bewegen. Deformationen der Wirbelsäule, wie sie bei härteren Implantaten auftreten, haben die Forscher nach eigenen Angaben nicht beobachtet. Sie schätzen, dass solch ein Implantat im menschlichen Körper gut zehn Jahre überdauern könnte. [reu]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1260960

Nanotechnologie Nanodrähte in Textilien könnten Heizkosten senken

Wissenschaftler der Stanford University haben ein Gewebe entwickelt, das an kalten Tagen besonders warm hält. Wie sie im Fachblatt "Nano Letters" berichten, tränkten die US-Forscher Baumwollstoff in einer Lösung aus Silbernanopartikeln. Diese verknüpften sich dann zu einem leitfähigen Geflecht. Das Ergebnis waren luftdurchlässige Textilien, die fast 80 Prozent der Körperwärme zurückhalten. Wegen ihrer Leitfähigkeit konnte auch ein schwacher Strom angelegt werden, der den Stoff auf knapp 40 Grad Celsius aufheizte. Kleidung aus solchen Textilien könnte helfen, Heizkosten zu sparen, so die Forscher. Im Winter sei es effizienter, den menschlichen Körper aufzuheizen, als ganze Räume auf angenehme Temperaturen zu bringen. [rie]

Quelle: doi: 10.1021/nl5036572

Biologie Blaualgen produzieren ihren eigenen Dünger.

Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, beeinflussen den Nährstoffkreislauf in Seen. Das schreiben amerikanische Forscher im Fachblatt "Ecosphere". Sie erstellten mathematische Modelle von Stickstoff- und Phosphorzyklen in Gewässern. Beide Elemente sind wichtige Nährstoffe für Algen, können aber auch unerwünschte Effekte haben: Hohe Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft führen häufig zu Algenblüten: Das Wasser trübt sich, der See "kippt". Cyanobakterien nehmen in solchen Ökosystemen eine besondere Rolle ein: Sie können Quellen für Stickstoff und Phosphor anzapfen, an die andere Algenarten nicht herankommen. Dazu gehören zum Beispiel gelöstes Stickstoffgas und Phosphorverbindungen im Sediment. Blaualgen setzen diese Nährstoffe frei, sodass auch andere Algen wachsen können. Die US-Wissenschaftler errechneten, dass Cyanobakterien nährstoffarme Seen auf diese Weise mit Stickstoff und Phosphor anreichern – und Ökosysteme nachhaltig verändern. [rie]

Quelle: doi: 10.1890/ES14-00174.1

Tiermedizin Wurmkuren sind nicht nur nützlich

Von einer Behandlung gegen Darmwürmer können einzelne Büffel profitieren, aber der Bestand der gesamten Herde kann dadurch gefährdet werden. Das berichten US-Forscher, die eine wilde Büffelherde im Krüger-Nationalpark untersucht haben. Die Tiere dort leiden oft unter Infektionen mit Darmparasiten, aber auch die Rinder-Tuberkulose macht ihnen zu schaffen. Parasitische Würmer können das Immunsystem unterdrücken. Deshalb erwarteten die Forscher, dass entwurmte Rinder sich besser gegen Tuberkulose-Bakterien zur Wehr setzen können. Stattdessen entdeckten sie einen anderen Effekt: Die entwurmten Büffel bekamen genauso häufig Tuberkulose, sie überlebten aber länger. Dadurch hatten sie länger Zeit, andere Tiere mit der Krankheit anzustecken. Die Ergebnisse seien zwar nicht direkt auf den Menschen übertragbar, so die Forscher. Es sei aber wichtig, solche Wechselwirkungen zu berücksichtigen, wenn man Wurmerkrankungen behandelt. [rie]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1261714

Tiermedizin Weißstörche im Rostocker Zoo mit Vogelgrippevirus infiziert

Alle Weißstörche im Rostocker Zoo sind mit dem Vogelgrippevirus H5N8 infiziert gewesen, teilte heute das Agrarministerium in Schwerin mit. Sämtliche Vögel des Zoos sollen nun untersucht werden, insgesamt etwa 500 Tiere. Von den zwölf Störchen, die in der Anlage lebten, waren drei Tiere in den vergangenen Tagen verendet. Die restlichen neun waren vorsichtshalber getötet worden, um weitere Infektionen zu verhindern. [reu] - dpa

08.01.2015

Umwelt Klimastudie warnt vor weiterer Nutzung von Kohle, Öl und Gas

Große Mengen an Kohle, Öl und Gas sollten in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr genutzt werden, wenn wir das Zwei-Grad-Klimaschutzziel noch halten wollen. Bis 2050 - so hatte der jüngste Weltklimabericht ausgewiesen - hat die Menschheit noch ein Budget von 870 bis 1.240 Gigatonnen Kohlendioxid, die in die Atmosphäre geschickt werden kann. Zwei britische Forscher haben berechnet, was das für die künftige Nutzung der fossilen Brennstoffe bedeutet. Das in NATURE veröffentlichte Ergebnis der Studie: 30 Prozent aller Ölreserven müssten im Boden bleiben, um das Zwei Grad Ziel zu erreichen. Maximal 50 Prozent aller Gasreserven und sogar nur 20 Prozent aller Kohlereserven dürfe genutzt werden. Und in der Arktis dürften die dortigen Öl- und Gasvorkommen gar nicht erst erschlossen werden.
[tj]

Quelle: NATURE doi: 10.1038/nature14016

Medizin Ein Kofferlabor soll Ebola schneller diagnostizieren als bisherige Methoden.

Infektionsforscher des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen haben einen Diagnosekoffer entwickelt, der alles notwendige enthält, um das Ebolavirus innerhalb von 15 Minuten direkt vor Ort nachzuweisen. Dabei kommt eine Nachweismethode zum Einsatz, die genauso empfindlich ist wie die bisherige, aber wesentlich schneller arbeitet. Das "Labor im Koffer" wird mit Solarstrom betrieben und kommt ohne kühlbedürftige Reagenzien aus. Gerade in abgelegenen Gegenden sind Strom und eine zuverlässige Kühlkette bisher das Problem. In einem Feldversuch in Guinea sollen jetzt Diagnosekoffer auf ihre Tauglichkeit geprüft werden.
[tj]

Quelle: Idw, Pressemitteilung DPZ

Ozeanologie Je wärmer die Ozeane, umso weniger CO2 nehmen sie auf.

Derzeit nehmen die Ozeane einen großen Teil der in die Atmosphäre entlassenen Kohlendioxide auf, und zwar über die sogenannte biologische Kohlenstoffpumpe. Das bedeutet: CO2 wird an der Oberfläche des Ozeans von kleinen Organismen aufgenommen. Diese sterben ab und sinken in die Tiefsee, wo sie remineralisiert werden. Dieser Prozess - so fand ein internationales Forscherteam bei Untersuchungen im Nordatlantik heraus - ist temperaturabhängig. Wenn die Temperatur der Ozeane steigt, dann wird weniger Kohlenstoff in die Tiefsee transferiert und damit letztlich auch die CO2 Aufnahme des Ozeans herabgesetzt. Wie die Forscher im Fachorgan PNAS schreiben, waren sie von ihren Ergebnissen überrascht. Denn bisherige Untersuchen hatten in wärmeren, tropischen Ozeanen einen effizienteren Partikelfluss gezeigt. Bei dieser Forschungsarbeit habe man zwar nur einen kleinen, aber dafür einzigartigen, repräsentativen Datensatz.
[tj]

Quelle: PNAS doi: 10.1073/pnas.1415311112

Biologie Warum Rüben so viel Zucker enthalten, ist jetzt geklärt.

Bei heimischen Hochleistungszuckerrüben kommen auf zehn Kilogramm Rübe bis zu 2,3 Kilo Zucker. Ein deutsches Forscherteam hat nun eine Erklärung dafür gefunden. Die Rübenzellen häufen Zucker in Form von Saccharose in speziellen Saftspeichern an, den sogenannten Vakuolen. Dass der Zucker dorthin gelangen kann, verdankt er einem Transportprotein namens BvTST2.1. Im Wissenschaftsjournal NATURE PLANTS beschreiben die Forscher das neu entdeckte Transportprotein. Es ist auf Saccachrose spezialisiert, dass es in die Vakuolen leitet. Die Erkenntnis könnte in weiterführenden Forschung genutzt werden, um Rüben zu züchten, die noch mehr Zucker speichern oder schon früher im Jahr mit der Zuckerspeicherung beginnen.
[tj]

Quelle: Nature Plants doi: 10.1038/nplants.2014.1, idw

Geowissenschaften Deutschland verliert jeden Tag 100 Fußballfelder.

So groß ist die Bodenfläche, die dem Städte- und Straßenbau zum Opfer fällt: mehr als 70 Hektar Tag für Tag. Das geht aus dem gestern erstmals in Berlin vorgestellten Bodenatlas hervor. Außerdem sind rund drei Millionen Hektar von Wind - und Bodenerosion bedroht, das entspricht einem Viertel aller hiesigen Ackerflächen. Müsste Deutschland mit seinen eigenen Flächen auskommen, würde es schon jetzt schwierig. Denn es werden Agrar- und Verbrauchsgüter importiert, deren Produktion knapp 80 Millionen Hektar Fläche beanspruchen - das aber ist sogar doppelt so viel, wie die gesamte Landesfläche Deutschlands.
[tj]

07.01.2015

Polarforschung Die "Polarstern" muss in die Werkstatt.

Der deutsche Forschungseisbrecher Polarstern muss aufgrund einer Panne weitere Forschungsprojekte in der Antarktis abbrechen und in der heimischen Werft in Bremerhaven repariert werden. Betroffen sei ein Hydrauliksystem im linken Antriebsstrang des 118 Meter langen Schiffs, das mit fünf Knoten selbst anderthalb Meter dicke Eisschollen aus dem Weg räumen kann. Die Rückfahrt nur mit halber Kraft soll fünf Wochen dauern.

[mst]

Quelle: SPON

Astronomie Astronomen kartieren Sonnenwinde.

Sonnenwinde sind Ströme geladener Teilchen, die durch das Weltall ziehen und auch das Magnetfeld der Erde beeinflussen. Sie besitzen eine schnelle Komponente, die hauptsächlich an den Polen der Sonne entspringt. Es gibt aber auch langsamer fliegende Partikel, deren Ursprung bislang unbekannt war. Um das zu klären, haben US-Physiker Bilder vom japanischen Satelliten Hinode mit Modellen des Magnetfelds der Sonne kombiniert. So konnten sie eine detaillierte Karte der langsamen Sonnenwinde erstellen. Diese werden offenbar aus verschiedenen Quellen gespeist - darunter aktive Regionen auf der Sonnenoberfläche und noch unbekannte Quellen in den äußeren Schichten der Sonnenatmosphäre.

[mst]

Quelle: Nature Communications (10.1038/ncomms6947)

Geophysik Das Tohoku-Erdbeben baute sich langsam auf.

Ein über mehrere Jahre anwachsender Druck in der Erdkruste hat das verheerende Erdbeben vor Japans Küste im Jahr 2011 ausgelöst. Das haben die Untersuchungen japanischer Wissenschaftler ergeben, die sie im Fachblatt NATURE Communications vorstellen. Die Forscher hatten GPS-Daten aus dem Zeitraum von 1996 bis 2011 ausgewertet, um die Verschiebungen der Erdplatten zu erfassen, die vor der Küste Japans aufeinandertreffen. Demnach hatte sich über neun Jahre hinweg Druck in der Erdkruste aufgebaut. Schließlich schob sich dann eine Erdplatte unter die andere und löste das schwere Beben mit der Stärke 9,0 aus.

[jri/mst]

Quelle: Nature Communications (doi:10.1038/ncomms6934)

Biologie Japan geht auf Wal-Tour.

Die Regierung in Tokio kündigte an, dass morgen Schiffe für eine erstmals rein wissenschaftliche Walbeobachtung bis Ende März auslaufen werden. Die bisher üblicherweise mitgenommenen Harpunen seien dieses Mal nicht dabei. Offenbar zeigt die internationale Kritik an Japans bisheriger Walfangpraxis Wirkung. Obwohl der kommerzielle Walfang seit 1986 international verboten ist, tötete Japan weiter Wale, offiziell zu Forschungszwecken. Dennoch wurde das Fleisch der erlegten Tiere verzehrt. Im März 2014 hatte der Internationale Gerichtshof Japan den Walfang in der Antarktis untersagt.

[mst]

Biologie Vögel unterschätzen Autos.

US-Biologen haben untersucht, weshalb Vögel oft zu spät reagieren, wenn sich ihnen ein Auto nähert, obwohl sie sich rechtzeitig in Sicherheit hätten bringen können. Wie die Forscher in den Proceedings B der britischen Royal Society schreiben, haben sie Experimente mit Sperlingsvögeln gemacht. Dabei zeigten sie diesen auf einer nachgebauten Straße in einer Versuchskammer Videos von einem sich schnell nähernden PKW und schauten, wann die Tiere Fluchtreaktionen zeigten. Demnach liegt die Grenze, bei der Vögel nicht mehr fliehen können, bei rund 120 Kilometern pro Stunde. Die Forscher schreiben, dass die motorisierte Gefahr evolutionär gesehen eine Neuheit für die Vögel ist. Dadurch gebe es noch keine Anpassung im Sinne einer funktionierenden Fluchtstrategie. Weltweit sterben jedes Jahr hunderte Millionen Vögel und andere Tiere bei Kollisionen mit Fahrzeugen, so die Studienautoren.

[mst]

Quelle: Proc R Soc B (10.1098/rspb.2014.2188)

Medizin Mehr als 8.200 Menschen sind an Ebola gestorben.

Gestern Abend teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf neue Zahlen der am stärksten betroffenen Länder in Westafrika mit. Demnach liegt die Zahl der nachweislich an Ebola verstorbenen Patienten in Guinea, Liberia und Sierra Leone inzwischen bei 8.220. Die Zahl der Menschen, die sich mit dem Ebola-Virus infiziert haben, beträgt mehr als 20.700. Diese Zahlen ergeben einen Anstieg der Todesfälle von mehr als 300 binnen einer Woche. Die Zahl der gemeldeten Infektionen stieg von Ende Dezember bis zum 4. Januar um mehr als 500. Die WHO geht weiter von einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Ebola-Fälle aus.

[Mst]

Quelle: WHO

Medizin Die Sonnenaktivität könnte die Lebensdauer beeinflussen.

Zu diesem Schluss kommen norwegische Wissenschaftler in den Proceedings B der britischen Royal Society. Sie hatten historische Geburten- und Sterberaten von über 9.000 Menschen der Geburtsjahrgänge 1676 bis 1878 analysiert. Die Daten stammen aus den Kirchenbüchern von zwei norwegischen Kommunen. Die Forscher aus Trondheim brachten die Anzahl der Geburten mit der Sonnenaktivität zum Zeitpunkt der Geburt in Verbindung, sowie das Sterbealter dieser Personen. Ein Sonnenzyklus dauert etwa elf Jahre - drei davon mit hoher Sonnenaktivität, acht mit niedriger. Das Ergebnis: Kinder, die in einer Phase niedriger Sonnenaktivität geboren wurden, lebten im Durchschnitt etwa fünf Jahre länger. Ein Grund dafür könnte die UV-Strahlung sein, die mit den Sonnenzyklen zu- und abnimmt, so die Forscher: Hohe UV-Strahlung führe zum Abbau wichtiger Vitamine im Körper werdender Mütter.

[jri/Mst]

Quelle: Proc R Soc B (doi: 10.1098/rspb.2014.2032)

06.01.2015

Biologie Forscher bauen Mini-Maschinen aus DNA

Mit der DNA-Origami-Methode werden schon seit einigen Jahren Nanostrukturen hergestellt. Sie befördern zum Beispiel Medikamente an ihren Bestimmungsort im Körper. Dafür werden DNA-Stränge gefaltet und mit kürzeren Strängen zusammengehalten. Ein Forscherteam hat jetzt flexible einfache DNA-Stränge mit fester DNA aus zwei Strängen kombiniert. So konnten die Wissenschaftler bewegliche Scharniere, Kolben und Zylinder im Nanoformat herstellen. In Zukunft könnten solche Bauteile die Grundlage für kontrollierbare Nanoroboter bilden, notieren die Forscher im Fachblatt "PNAS". [hell]

Quelle: PNAS - doi: 10.1073/pnas.1408869112

Raumfahrt Start der Falcon-9-Rakete wurde abgebrochen

Die Rakete der Firma Space-X sollte heute früh in Cape Canaveral abheben und eine Versorgungskapsel zur ISS befördern. Das Besondere: Die Unterstufe der Rakete sollte nach dem Start auf einer schwimmenden Plattform im Meer landen. Ein bisher nicht da gewesenes Manöver, das es ermöglichen würde, die Rakete wiederzuverwenden. Doch keine zwei Minuten vor dem Start brach ein Computer den Countdown ab. Es habe ein Problem mit dem Motor der Oberstufe gegeben, heißt es von der NASA. Ein neuer Versuch ist für Freitag, fünf Uhr neun Ortszeit angesetzt. [hell]

Ernährung Vollkorn schützt vor Gefäßkrankheiten, jedoch nicht vor Krebs

Vollkornprodukte gelten als gesund. Jedoch ging aus der bisherigen Datenlage nicht hervor, wie die Menge an verzehrtem Vollkorn und die Sterblichkeit zusammenhängen. US-Mediziner sind dem nun nachgegangen. Sie untersuchten Daten von über 100.000 Menschen aus mehreren Jahrzehnten. Die Auswertung fassen sie im Fachjournal "Jama" zusammen. Demnach senkt eine Portion Vollkorn – also etwa 28 Gramm – pro Tag die Sterblichkeit durch Gefäßkrankheiten um neun Prozent. Eine Wirkung gegen Krebs konnten die Forscher nicht feststellen. [hell]

Geologie Fracking hat leichte Erdbeben im US-Bundesstaat Ohio verursacht

Diesen Zusammenhang haben Forscher bestätigt. Dazu untersuchten sie seismische Aktivitäten. Diese Daten korrelierten sie dann mit Arbeiten an Bohrlöchern in der Gegend. Das stärkste Beben erreichte einen Wert von drei auf der Richter-Skala. Ein solches Erdbeben kann von Menschen wahrgenommen werden, verursacht in der Regel jedoch keine Schäden. Im "Bulletin of the Seismological Society of America" schreiben die Forscher, dass das Fracking keine neue Verwerfung im Erdreich verursacht habe. Es habe vielmehr eine alte Verwerfung aktiviert. Als Fracking bezeichnet man eine Methode der Erdgasgewinnung. Dabei werden unterirdische Gesteinsschichten mit hohem Druck und unter Einsatz von Chemikalien aufgebrochen.[hell]

Gesundheit Wer sich vor Erkältungen schützen will, sollte die Kälte meiden

Diese Volksweisheit haben Biologen der Yale University nun bestätigt. Dazu untersuchten sie, wie Rhinoviren – also die Verursacher von Erkältungen – sich bei verschiedenen Temperaturen entwickeln. Im Labor ließen sie die Viren auf Zellen von Mäusen los und variierten die Temperatur von 33 bis 37 Grad Celsius. Wobei 33 Grad etwa der Temperatur in einer kühlen Nase entspricht. Das Ergebnis: In der Kälte bildeten sich deutlich mehr Viren in den Zellen als bei hohen Temperaturen. Das lag jedoch nicht an den Viren selbst. Der Grund war die schwächere Immunantwort der Zellen bei tiefen Temperaturen, schreiben die Wissenschaftler im Magazin "PNAS". [hell]

Wissenschaft Bürgerwissenschaften ermöglichen völlig neue Forschungsprojekte

Als Bürgerwissenschaften oder "Citizen Science" bezeichnet man Projekte, bei denen auch Laien Aufgaben übernehmen. Sie klassifizieren etwa Galaxien oder werten Bilder von Krebszellen aus. US-Forscher haben dieses Zusammenwirken von Bürgern und Wissenschaftlern nun untersucht. Im Magazin "PNAS" resümieren sie: Dank der Hilfe von Laien können Projekte realisiert werden, die es vorher nicht gab. Jedoch ersetzt die Hilfe von Laien nicht die traditionelle wissenschaftliche Arbeit.

Die Forscher analysierten die Tätigkeit von über 100.000 Freiwilligen. Dabei stellten sie fest, dass die Bürgerwissenschaftler pro Projekt Arbeit im Wert von 22.000 bis 650.000 Dollar verrichteten. Obwohl diese unbezahlte Arbeitskraft attraktiv wirke, dürften zusätzliche Kosten nicht vergessen werden. Die fallen etwa dabei an, Aufgaben für Laien einfach zu gestalten.

Bisher gab es Bürgerwissenschaften vornehmlich in den Disziplinen Biologie und Astronomie. Für die Zukunft erwarten die Forscher mehr Projekte in anderen Fachgebieten. Um die Freiwilligen da bei der Stange zu halten, müssten die Aufgaben interessant oder gesellschaftlich relevant sein. [hell]
PNAS - doi: 10.1073/pnas.1408907112

 

05.01.2015

Verkehrsforschung Autofahrer sind berechenbar

Schwedische Wissenschaftler haben Daten aus Fahrtsimulatoren und von Probefahrten auf Teststrecken ausgewertet, um das Lenkverhalten von Autofahrern besser zu verstehen. Sogenannte lineare Modelle gehen davon aus, dass Fahrer das Steuerrad sehr ruhig halten und dem Verlauf der Straße folgen. Im wahren Leben, auf der Straße, machen Autofahrer aber oft Bewegungen, die nicht zu diesem Modell passen.

Die Göteborger Wissenschaftler fanden heraus: Autofahrer halten das Lenkrad nicht immer ruhig, sondern machen viele kleine Korrekturbewegungen. Diese Bewegungen folgten klaren Mustern. So lässt sich berechnen, wie ein Fahrer das Lenkrad bewegen wird– noch bevor er es getan hat. In den Proceedings der "Human Factors and Ergonomics Society" stellen die Forscher ein mathematisches Modell vor, das dabei helfen könnte, bessere Sicherheitssysteme für Kraftfahrzeuge zu entwickeln. [jri]

Human Factors and Ergonomics Society Annual Meeting Proceedings, DOI: 10.1177/1541931214581186

Biologie/IT Software Bakterien-Evolution voraus

Viele Krankheitserreger werden unempfindlich gegen Antibiotika und bereiten Ärzten zunehmend Probleme, wenn sie sich - wie zum Beispiel der Bakterienstamm MRSA - in Krankenhäusern ausbreiten. Mithilfe eines Computerprogramms ist es US-amerikanischen Forschern gelungen, Mutationen vorherzusagen, die zu solchen Antibiotikaresistenzen führen.

Sie untersuchten die Wirkung einer neuen Klasse experimenteller Wirkstoffe gegen MRSA. Wie die Wissenschaftler im Fachblatt "PNAS" schreiben, identifizierte die Software genetische Veränderungen der Bakterien, die theoretisch zu Antibiotikaresistenz führen könnten.

Ihre Prognosen überprüften sie im Labor. Das Ergebnis: Zwei der vorhergesagten Mutationen traten tatsächlich auf. Solche Berechnungen könnten helfen, Krankheitserregern eine Nase voraus zu bleiben, so die Hoffnung der Forscher. [jri]

Quelle: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1411548112

Archäologie Forscher haben das Grab einer ägyptischen Königin entdeckt

Es handele sich um das Grabmal der bisher unbekannten Königin und Gemahlin von Pharao Raneferef, melden ägyptische Medien. Ihr Name, Khentakawes III., sei auf den mit Hieroglyphen beschriebenen Wänden der in Abu Sir südwestlich von Kairo entdeckten Grabkammer entziffert worden. Pharao Raneferef herrschte vor rund 4.500 Jahren. Das von einer tschechischen Erkundungsmission freigelegte Grab habe die Form einer sogenannten Mastaba, eines rechteckigen Baus aus Kalkstein. Unter den Fundstücken sind auch Kalksteinvasen sowie aus Kupfer gefertigte Werkzeuge. Das Grab befindet sich im Herzen der königlichen Nekropole von Abu Sir am westlichen Ufer des Nils – etwa 20 Kilometer südwestlich von Kairo. [mawi]

Raumfahrt Philae wird weiter gesucht

Der Versuch, die Europäische Kometen-Landeeinheit Philae zu finden, ist erneut gescheitert. Auf den von der Kometensonde Rosetta gesammelten Aufnahmen des Kometen Churyumov-Gerasimenko sei von Philae nichts zu sehen, berichtet die britische BBC unter Berufung auf Experten der Europäischen Raumfahrtagentur ESA . Philae war am 12. November 2014 auf dem Kometen gelandet und hatte zahlreiche Daten zur Erde gefunkt. Wegen leerer Batterien wurde Philae dann in eine Art Winterschlaf versetzt.

Die Forscher ahnen zwar, wo Philae sein müsste. Sie wollen jetzt abwarten, dass der Lander selbst ein Zeichen gibt, wo er steckt. Der Komet nähert sich mehr und mehr der Sonne an. Das könnte die Energieversorgung von Philae nachhaltig verbessern. [mawi]

Zoologie Wal-Gene verraten Geheimnis eines langen Lebens

Grönlandwale können über 200 Jahre alt werden und sind damit vermutlich die langlebigsten Säugetiere der Welt. Gegenüber altersbedingten Erkrankungen scheinen sie weitgehend immun zu sein. Ein internationales Forscherteam hat im Erbgut der Wale nach den Genen gesucht, die den Tieren ihre Langlebigkeit verleihen. Wie die Forscher im Fachblatt "Cell Reports" berichten, verglichen sie das Genom des Grönlandwals mit dem Erbgut von Minkwal, Delphin und Rind. Der Befund: Von Genen, die bei anderen Arten mit Alterungsprozessen und Krebs in Verbindung stehen, besitzen Grönlandwale spezifische Varianten. In Studien an Mäusen wollen die Wissenschaftler die Wirkung dieser offenbar schützenden Gen-Varianten weiter erforschen. [jri]

Quelle: Cell Reports, doi: 10.1016/j.celrep.2014.12.008

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