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27.01.2015

Archäologie Die alten Dänen schlugen sich die Köpfe ein.

Das ergeben Untersuchungen von Gräbern aus dem Zeitraum zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert. Dänische Forensiker analysierten knapp 240 Männer-Schädel aus diesen Gräbern. Bei etwa neun Prozent fanden sie Verletzungen. Damit lag die Zahl der Schädelverletzungen etwa dreimal höher als heute, schreiben die Forscher im Magazin "PNAS". Weil sie bei Schädeln von Männern viel häufiger waren als bei Frauen, vermuten die Wissenschaftler Kämpfe als die gängige Ursache. Das Ergebnis zeige, dass zwischenmenschliche Gewalt zu dieser Zeit allgegenwärtig war, heißt es von den Forschern.
[hell]

Quelle: http://www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1412511112

Physik Hohle Fasern verkürzen Laser-Pulse.

Schickt man einen Laserpuls durch ein Medium, wird er für gewöhnlich länger. Das liegt daran, dass die verschiedenen Wellenlängen des Lichtes unterschiedlich schnell vorankommen. So ziehen sie den Puls auseinander. Forscher der TU-Wien haben diesen Effekt nun umgekehrt. Sie schicken einen Laser-Puls durch Fasern, die mit Gas gefüllt sind. In dem Gas sind die großen Wellenlängen schneller unterwegs als die kurzen. In den Fasern ist das Gegenteil der Fall. Die Kombination führt dazu, dass sich der Puls verkürzt, schreiben die Wissenschaftler im Magazin "Nature Communications". So schafften sie es, einen Laserpuls mit einer Dauer von 80 Femtosekunden auf bloß 4,5 Femtosekunden zu stauchen. Der Laserpuls wird dadurch intensiver und eignet sich als Präzisionswerkzeug für die Atom- und Molekülforschung.
[hell]

Quelle: idw

Astronomie Astronomen haben die bisher ältesten Exoplaneten gefunden.

Die fünf Planeten sind kleiner als die Erde und umkreisen den Stern Kepler-444. Der Stern entstand vor etwas mehr als 11 Milliarden Jahren - zu einer Zeit, als das Universum gerade mal ein Fünftel seines jetzigen Alters erreicht hatte. Das System um Keppler-444 ist damit zweieinhalb Mal so alt wie das Planetensystem unserer Sonne. Die Entdeckung könnte dabei helfen, die Zeit, in der die ersten Planeten entstanden, genauer einzugrenzen, schreiben die Forscher im "Astrophysical Journal".
[hell]

Quelle: Eurekalert

Astronomie Der Asteroid "2004 BL86" ist nicht allein.

Denn er hat einen kleinen Mond als Begleiter. Das ist klar, seit der Asteroid gestern in 1,2 Millionen Kilometern Entfernung an der Erde vorbeiflog. Diese Distanz entspricht der dreifachen Strecke zwischen Erde und Mond. Der Asteroid kommt auf einen Durchmesser von über 300 Metern. Sein Mond misst 70 Meter, berichtet die NASA. Aus Daten optischer Teleskope hatten Wissenschaftler schon länger vermutet, dass der Asteroid einen Mond hat. Nun sind sie sicher.
[hell]

Chemie Hochgeschwindigkeitskameras zeigen, warum Alkalimetalle im Wasser explodieren.

Dass die Metalle aus der ersten Hauptgruppe des Periodensystems heftig mit Wasser reagieren, wissen die meisten Schüler, denn Chemielehrer führen das Experiment oft vor. Doch wie diese Reaktion, im Detail abläuft, war bisher nicht bekannt. Mit Hochgeschwindigkeitskameras und Simulationen sind tschechische Chemiker dem nun auf den Grund gegangen. Demnach verliert die Metalloberfläche bei Kontakt mit Wasser schlagartig Elektronen. Zurück bleiben positiv geladene Metallatome, die sich abstoßen. Daraufhin bilden sich lange Metallspitzen. Das wiederum vergrößert die Oberfläche, wodurch die Reaktion besser ablaufen kann, notieren die Forscher im Magazin "Nature Chemistry".
[hell]

Quelle: http://nature.com/articles/doi:10.1038/nchem.2161

Astronomie "Tschuri" putzt sich raus.

Der Komet Tschurjumow-Gerassimenko hat den Staub abgeschüttelt, den er über die letzten vier Jahre angesammelt hat. Je näher er der Sonne kommt, desto aktiver wird die Oberfläche des Kometen. Dabei reist ausströmendes Gas den Staub von der Oberfläche ab. Mit Daten der Raumsonde Rosetta, die den Kometen begleitet, konnten Forscher nun den Staub analysieren. Im Fachblatt "Nature" schreiben sie: Der Staub ist locker-flockig, reich an Natrium und die größten Körnchen messen gut einen zwanzigstel Millimeter.
[hell]

Quelle: http://nature.com/articles/doi:10.1038/nature14159

Biologie Forscher finden einen Durst-Schalter im Gehirn von Mäusen.

Es handelt sich um zwei Gruppen von Gehirnzellen. Eine der Zell-Gruppe regt Durst an, die andere stellt das Bedürfnis zu Trinken ab. Die Forscher entdeckten die Zell-Gruppen, indem sie dort lichtempfindliche Stoffe einschleusten. So konnten sie die Zellen mit Lichtimpulsen aktivieren. Stimulierten die Wissenschaftler die Durst-Zellen in den Mäusen, begannen die Tiere zu trinken, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature". Dabei war es egal, ob die Tiere schon genug getrunken hatten oder dehydriert waren. Die Durst-Schalter sitzen im Hypothalamus. Wissenschaftler hatten die Schalter schon einige Zeit dort vermutet. Doch erst die präzise Stimulation mit Licht machte es möglich, sie genau zu lokalisieren. Der Hypothalamus ist der Teil des Gehirns, der das vegetative Nervensystem steuert.
[hell]

Quelle: http://nature.com/articles/doi:10.1038/nature14108

Biologie Biologen entschlüsseln, wie ein Virus das Immunsystem blockiert.

Konkret handelt es sich um das Epstein Barr Virus. Einen Erreger aus der Herpes-Familie, der Krebs verursacht, zum Beispiel Nasenrachenkrebs. Molekularbiologen aus Texas konnten in dem Virus nun microRNA identifizieren, die eine Immunantwort des Körpers hemmt. Sie blockiert die Ausschüttung von Interferonen. Diese Stoffe haben eine antivirale Wirkung. Bei microRNA handelt es sich um kleine Moleküle. Viren nutzen sie, um natürliche Prozesse in Zellen zu manipulieren. Aus ihrem Ergebnis ließen sich Ansätze für neue Krebstherapien ableiten, schreiben die Forscher im Magazin "PNAS".
[hell]

Quelle: http://www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1417891112

26.01.2015

Paläoanthropologie Forscher entdecken Tattoo auf Ötzis Brustkorb

Forscher am EURAC-Institut in Bozen haben eine vollständige Übersicht erstellt über alle Tätowierungen der 1991 entdeckten Gletschermumie Ötzi. Dazu haben sie den Körper von Ötzi aus verschiedenen Blickwinkeln mithilfe einer speziellen Technik fotografiert, sodass bei den Bildern der gesamte infrarote bis ultraviolette Wellenlängenbereich abgedeckt ist. So konnten sie auch für das menschliche Auge nicht mehr sichtbare Tätowierungen in tieferliegenden Hautschichten darstellen.

Die 61 vorgefundenen Hautzeichen auf Ötzis Körper bestehen aus 0,7 bis 4 Zentimeter langen Linien. Diese sind vorwiegend zu Gruppen von zwei, drei oder vier parallelen Linien angeordnet. Darunter befinden sich auch zwei Kreuze.

Einige Forscher vermuten, dass die Tätowierungen in der späten Jungsteinzeit weniger Körperschmuck waren als eine medizinische Maßnahme darstellten - eine Art Akupunktur zur Linderung von Schmerzen. (mawi)

Krankenhauskeime Uniklinik Kiel holt sich Hilfe

Ein Team des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Universität Frankfurt hat am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel seine Arbeit aufgenommen. Die Mikrobiologen kennen sich besonders gut mit antibiotika-resistenten Acinetobacter-Bakterien aus. Am Wochenende war bekanntgeworden, dass elf im Kieler Klinikum gestorbene Patienten Träger des Keimes Acinetobacter baumannii waren. Bei neun von ihnen sei das Bakterium mittlerweile eindeutig als Todesursache ausgeschlossen worden. Bei zwei 87 und 70 Jahre alten Patienten konnte die Todesursache nicht zweifelsfrei geklärt werden. Bis Samstagabend waren an der Klinik 27 Patienten positiv getestet worden auf das Bakterium.

Die Gewerkschaft Verdi warf dem Klinikum unterdessen Hygieneverstöße infolge von Personalmangel vor. Der Krankenhausgesellschaft hingegen liegen keine Hinweise auf Hygienefehler vor. Das Bundesgesundheitsministerium kündigte an, die Meldepflicht für Krankenhauskeime zu verschärfen.

Acinetobacter baumannii sind sogenannte gram-negative Bakterien, die Lungenentzündungen aber auch Wund- und Weichteilinfektionen sowie Hirnhautentzündungen verursachen können. [mawi]

Medizin Kopf des hingerichteten Mörders Fritz Haarmann eingeäschert

Die Göttinger Universitätsmedizin hat den Kopf Fritz Haarmanns fast 90 Jahre nach dessen Hinrichtung eingeäschert. Die Urne sei bereits im März 2014 auf dem anonymen Gräberfeld eines Göttinger Friedhofs beigesetzt worden, teilte das Klinikum mit. Der 1879 geborene Friedrich Haarmann war wegen Mordes an 24 Jungen und jungen Männern 1924 vom Schwurgericht Hannover zum Tode verurteilt worden. Das Urteil wurde am 15. April 1925 mit dem Fallbeil vollstreckt.

Haarmanns Kopf wurde nach der Hinrichtung in Formalin eingelegt und der Göttinger Rechtsmedizin übergeben. Der Hintergrund: Anatomen und Rechtsmediziner glaubten damals, Verbrecher an besonderen Gesichtszügen oder Besonderheiten im Aufbau des Gehirns erkennen zu können. Mit der Beisetzung reagierte das Klinikum auf Forderungen, den Kopf Haarmanns menschenwürdig zu bestatten. [mawi]

Technologie In Bayern ist eine Teststrecke für selbstfahrende Autos geplant

Auf der A9 in Bayern soll ein Abschnitt so eingerichtet werden, dass dort Autos mit Assistenzsystemen oder auch voll automatisierte Fahrzeuge getestet werden können. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", die ersten Schritte für das Pilotprojekt "Digitales Testfeld Autobahn" sollten in diesem Jahr absolviert werden. Die Strecke solle technisch so aufgerüstet werden, dass dort Fahrzeuge mit Assistenzsystemen und später auch voll automatisierte Fahrzeuge fahren könnten. Die deutsche Autoindustrie werde auch beim digitalen Auto Weltspitze sein können, so der Minister. [mawi]

Veterinärmedizin Genetischer Defekt ist Ursache für rätselhafte Rinder-Erkrankung

Die Erkrankung trat ausschließlich in Herden von Holstein-Rindern auf. Einige Kälber kamen mit zu kurzen Schwänzen auf die Welt. Zum Teil entwickelten sie einen hoppeligen Gang oder hatten Probleme zu stehen. Forscher am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) Dummerstorf berichten im Fachblatt "Genetics", dass offenbar eine Mutation in einem einzigen Gen, dem sogenannten T-Gen, für die Krankheit verantwortlich ist. Betroffenen Tieren fehlt ein Halswirbel. Seit über 200 Millionen Jahren verfügen Säugetiere über sieben Halswirbel. Tiere mit sechs Halswirbeln sind in der Regel nicht lebensfähig. Auch bei Menschen ist eine verringerte Halswirbel-Zahl mit einer stark eingeschränkten Lebenserwartung verbunden.

Den Dummertorfer Nutztierbiologen gelang es, das erste Tier mit der Mutation im T-Gen ausfindig zu machen. Die Forscher hoffen, mit einem speziell entwickelten Gentest eine weitere Ausbreitung des genetischen Defektes in Rinder-Zuchtbetrieben verhindern zu können. (mawi)

Quelle: Genetics - doi: 10.1534/genetics.114.169680

23.01.2015

Zoologie Forscher identifizieren Gedächtnis-Gene bei Fadenwürmern

Wissenschaftler der Princeton University haben ein Netzwerk von Genen entdeckt, das für das Langzeitgedächtnis zuständig ist. Dazu brachten sie Fadenwürmern bei, den Geruch von Karamell mit Futter zu assoziieren. Die Würmer konnten sich auch nach 16 Stunden noch an den Geruch erinnern – für die etwa einen Millimeter großen Tiere eine beachtliche Leistung. Wie die Wissenschaftler im Magazin "Neuron" schreiben, waren bei den trainierten Würmern 757 Gene aktiv, die durch ein bestimmtes Protein mit Namen CREB aktiviert werden. Dieses Protein steht mit dem Gedächtnis in Verbindung und kommt auch bei höheren Lebewesen wie Mäusen und Menschen vor. [jri]

Quelle: Neuron - Doi: 10.1016/j.neuron.2014.12.029

Biologie Bären schützen Pflanzen ...

... indem sie Ameisen naschen. Das haben Forscher der Florida State University herausgefunden. In einer Studie, die in "Ecology Letters" erschienen ist, nehmen die Wissenschaftler die Beziehung zwischen Schwarzbären, Ameisen und einer Staudenart unter die Lupe, die im US-Bundesstaat Colorado vorkommen. Das Verhältnis der drei Arten ist komplizierter als vermutet: Die Ameisen beschützen eine weitere Insektenart, die Buckelzikaden. Diese ernähren sich vom Saft der Staude und schädigen so die Pflanzen.Wenn Bären Ameisenhügel zerstören, verlieren die Buckelzikaden ihre Bodyguards und werden gefressen – die Stauden können sich erholen. [jri]

Quelle: Ecology Letters, doi: 10.1111/ele.12396

Physik Schottische Wissenschaftler bremsen Photonen

Die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum liegt bei knapp 300 Millionen Metern pro Sekunde und gilt als absolut - sie ist eine Konstante in vielen physikalischen Formeln. In einem Experiment haben Wissenschaftler aus Glasgow und Edinburgh Lichtteilchen gebremst, wie sie im Fachblatt "Science Express" berichten. Dazu schickten sie Photonen durch eine spezielle Blende, die den Lichtstrahl verformte und langsamer machte. Den verformten Strahl ließen die Forscher in einem Rennen gegen normale Photonen antreten. Nachdem sie die Blende passiert hatten, trafen die Photonen tatsächlich minimal später im Ziel ein.Bislang war es Forschern nur in dichteren Medien gelungen, Licht abzubremsen, nie aber in Luft. [jri]

Quelle: Science Express, doi: 10.1126/science.aaa3035

Geologie Fossilien auf den Kanaren haben Vulkanausbrüche überlebt ...

... und geben Geologen Aufschluss über den Ursprung der Inselgruppe. Die Inseln liegen auf einem vulkanischen Hotspot, dem sie auch ihre Entstehung verdanken. Wie genau die Kanaren entstanden sind, ist allerdings noch unklar. Jetzt könnten winzige Fossilien dabei helfen, das Rätsel zu lösen. Forscher aus Uppsala, Lissabon und Teneriffa haben Gesteinsproben untersucht, die fossile Mikroalgen enthielten. Die Verteilung dieser Fossilien deute darauf hin, dass sich die Inselkette von Ost nach West aus dem Meer erhoben habe, notieren die Forscher im Fachblatt "Scientific Reports". [jri]

Quelle: Scientific Reports, doi: 10.1038/srep07945

Pharmazie Europäische Arzneimittelbehörde empfiehlt, Medikamente zurückzuziehen

Das indische Unternehmen GVK Bio soll über Jahre klinische Tests für Medikamentenzulassung manipuliert haben. Daraufhin hat die Europäische Arzneimittelbehörde mehr als 1.000 Zulassungen aus rund 30 europäischen Ländern überprüft. Europaweit sollen etwa 700 Arzneimittel vorerst nicht verschrieben und verkauft werden. In Deutschland hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bereits im Dezember für zahlreiche der Arzneimittel die Zulassung ausgesetzt. [jri]

Paläoanthropolgie Schon Australopithecus könnte Werkzeug benutzt haben

Das verraten fossile Mittelhandknochen der Art Australopithecus africanus. Sie gilt als möglicher Vorfahr moderner Menschen und lebte vor etwa drei bis zwei Millionen Jahren in Afrika. Ein Forscherteam aus England, Deutschland und Österreich hat die Mittelhandknochen von Australopithecus mit denen von Schimpanse und Mensch verglichen.

Das Augenmerk der Forscher lag auf der schwammartigen Substanz im Inneren der Knochen. Ihre Struktur verändert sich im Laufe des Lebens, je nach Art der Belastung. So konnten die Wissenschaftler an den Knochen ablesen, wie Australopithecus seine Hände benutzte.

Ihr Fazit: die frühen Hominiden kletterten zwar noch auf Bäume, waren aber auch in der Lage, präzise zu greifen und Werkzeuge zu benutzen. Die Studie ist im Fachblatt "Science" erschienen. [jri]

Quelle: Science, 10.1126/science.1261735

Medizin Ein Implantat senkt den Blutdruck

Forscher der Queen Mary University in London haben ein Implantat entwickelt, dass vor Bluthochdruck schützen soll. Es ist etwa so groß wie eine Büroklammer und wird in den Oberschenkel eingesetzt. Dort stellt es eine Verbindung zwischen Vene und Arterie her und senkt so den Druck in den Arterien.

Das Verfahren wirke auch bei Patienten, die auf medikamentöse Behandlung nicht reagierten, schreiben die Wissenschaftler in der medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet". Allerdings gebe es Nebenwirkungen: in einer klinischen Studien entwickelten knapp 30 Prozent der Patienten Schwellungen in den Beinen, die mit einem weiteren Eingriff behoben werden konnten. [jri]

Quelle: The Lancet - Doi: 10.1016/S0140-6736(14)62053-5

22.01.2015

Verhaltensbiologie In der Nähe von Menschen fressen Pumas weniger, töten aber mehr

Nicht nur Menschen haben Angst vor Raubtieren, umgekehrt ist es ebenso. Das ergab die Beobachtung von Pumas. In der Nähe von Menschen müssen Pumas nämlich befürchten, dass sie beim Fressen ihrer Beute gestört werden. In den "Proceedings B" der britischen Royal Society berichten Forscher über 30 Pumas, die sie mit Sendern versehen hatten. Als sie die Daten auswerteten, ergab sich ein klarer Zusammenhang zwischen deren Jagdverhalten und der Nähe zu menschlichen Siedlungen: So ließen sich die Pumas beim Verspeisen ihrer Beute 42 Prozent weniger Zeit als in menschenleeren Gegenden, töteten aber ein Drittel mehr Wild.

Quelle: Doi: 10.1098/rspb.2014.2711

Hirnforschung Stromstöße frischen das Gedächtnis auf

Wir können uns nicht alles merken. Deshalb arbeitet unser Gedächtnis selektiv. Details oder unwichtige Informationen haben wir oft schnell wieder vergessen. Wissenschaftler von der New York University haben in einem Experiment getestet, ob sich die "verlorenen" Erinnerungen wieder zurückholen lassen. Wie sie im Fachjournal NATURE schreiben lautet die Antwort: Ja. In ihren Versuchen hatten sie es mit leichten elektrischen Schlägen geschafft, dass sich die Teilnehmer der Studie an Bilder erinnerten, die sie lange vor den kleinen Elektroschocks einmal gesehen hatten. Offenbar verstärken Schmerzen nicht nur entscheidende, sondern auch nur noch schwach vorhandene Erinnerungsspuren in unserem Gedächtnis.

 

Quelle: NATURE Doi:10.1038/nature14106

Genetik Mal lesen Krebszellen diese, mal jene Gene

Der sogenannte schwarze Hautkrebs ist besonders aggressiv und bildet häufig tödliche Metastasen. Bislang gingen Forscher davon aus, dass Veränderungen in bestimmten Genen für die Wucherungen verantwortlich sind. Krebstherapien zielen deshalb auf die entsprechenden Signalwege der Krebszellen. Allerdings reagieren die Krebszellen nach einiger Zeit nicht mehr auf das Medikament und haben offenbar neue Wege gefunden, um weiterzuwachsen. Forscher der Universität Zürich haben dafür nun eine Erklärung gefunden: Je nachdem welche Bedingungen vorherrschen, können Krebszellen unterschiedliche Gene "lesen" und für ihr Fortkommen nutzen.

Gesteuert wird die Lesbarkeit von Genen durch sogenannte epigenetische Faktoren. Die Züricher Forscher untersuchten ein epigenetisches Kontrollprotein, dass in Hautkrebszellen besonders aktiv ist. Anschließend unterdrückten sie medikamentös die Aktivität dieses Proteins. Im Labor und im Tierversuch konnten die Wissenschaftler verhindern, dass sich Krebs ausbreitet.

Quelle: Tj22.1.2015 bif150122c

Verhaltensbiologie Nur ein scharfer Schwenk zur Seite hilft gegen den Beuteflug eines Habichts

Ein internationales Forscherteam hat die Jagdausflüge eines Habichts gefilmt und zwar mit Hilfe eines Kamerahelms, den sie dem Greifvogel aufsetzten. Die Auswertung, die sie im "Journal of Experimental Biology" veröffentlicht haben, ergibt: Sobald der Habicht seine Beute entdeckt hat, fixiert er sie mit seinem Blick und stürzt schnurstracks auf sie zu. Mit diesem Überraschungsangriff hat der Vogel meistens Erfolg. Wenn nicht, dann setzt er eine spezielle Verfolgungstaktik ein: Er näherte sich kontinuierlich seiner Beute an, verschleierte dabei aber die Annäherung. Zum Schluss fliegt er neben seiner Beute her und greift im besten Moment zu. Die einzige Überlebenschance – so ergab die kleine Videostudie – besteht für Kaninchen und Fasane darin, einen scharfen Ausfall zur Seite zu unternehmen und damit den Blickkontakt des Habichts zu seinem Opfer zu unterbrechen.

Quelle: Journal of Experimental Biology

Medizin Forscher verhindern bei Labormäusen Diabetes Typ 1

Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung. Dabei werden die Insulin produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse vom körpereigenen Immunsystem zerstört. Bislang sind zwei der daran beteiligten T-Zellen bekannt. Amerikanische Forscher des Saint Louis University Medical Center haben sich nun auf eine dritte Sorte, die TH17 Zellen, konzentriert. In einer Studie mit Labormäusen gelang es ihnen, deren zerstörerische Wirkung zu blockieren. Dazu schalteten sie zwei wichtige Rezeptoren dieser T-Helferzellen aus. Wie das Fachmagazin "Endocrinology" berichtet, entwickelte keines der Tiere Diabetessymptome - selbst wenn die Behandlung erst einsetzte, nachdem bereits ein Großteil der Betazellen zerstört waren.

Quelle: Endocrinology doi:10.1210/en.2014-1677

21.01.2015

Verhaltensbiologie Mutige Krebse lassen sich leichter fangen

Das notieren australische Forscher in den Proceedings B der Royal Society. Sie beobachteten eine Verbindung zwischen dem Verhalten und der Wachstumsgeschwindigkeit von Flusskrebsen. Die Krebse, die am schnellsten wuchsen, waren mutiger und gefräßiger als ihre langsam wachsenden Kollegen.

In ihrem Versuch stellten die Wissenschaftler Fallen auf und beobachteten das Verhalten der Tiere. Das Ergebnis: Flusskrebse mit hohen Wachstumsraten tappten häufiger in die Falle.

Das liegt vermutlich an ihrem erhöhten Energiebedarf: Schnell wachsende Krebse mussten ihre Sandlöcher öfter zur Nahrungssuche verlassen und waren deshalb einfacher zu fangen.

Die Forscher vermuten, dass durch diesen Mechanismus ein Selektionsdruck entstehen könnte: Wenn große, „mutige" Tiere weggefangen werden, wird die restliche Population allmählich immer kleiner und ängstlicher. [jri]

Quelle: Proceedings of the Royal Society B, doi: 10.1098/rspb.2014.2283

Mathematik Ein Manuskript von Alan Turing wird versteigert

Ein bislang unbekanntes Dokument des britischen Kryptoanalytikers Alan Turing soll im April in New York versteigert werden. Das Auktionshaus Bonhams erwartet einen Betrag in Höhe von mindestens einer Million Dollar für das 56-seitige Manuskript. Es handelt sich wohl um das einzige handschriftliche Konzept des britischen Mathematikers, das noch existiert.

Die Notizen Turings beschäftigten sich mit Grundlagen der Mathematik und der Computerwissenschaft und böten einen Einblick in den "Denkprozess eines Genies", erklärte das Auktionshaus.

Gefunden wurde das bislang unbekannte Manuskript im Nachlass des britischen Mathematikers Robin Gandy, einem Weggefährten und Freund von Turing. Die Versteigerung findet am 13. April statt. [jri]

Medizin Durch Teamwork lassen sich falsche Diagnosen vermeiden

Das ist das Ergebnis einer Studie, die im Fachblatt "JAMA" erschienen ist. Wie Forscher der Berliner Charité berichten, stellten Medizinstudenten im Team bessere Diagnosen.

Die Studierenden sollten sechs simulierte Fälle von Atembeschwerden am Computer analysieren. Dabei arbeiteten sie entweder alleine oder in Paaren.

Die Zweierteams brauchten etwas länger, um zu einer Diagnose zu kommen - sie lagen aber häufiger richtig. In 68 Prozent der Fälle kamen sie zur korrekten Schlussfolgerung. Ihre Kommilitonen, die einzeln gearbeitet hatten, brachten es nur auf 50 Prozent. [jri]

Quelle: JAMA, doi=10.1001/jama.2014.15770

Medizin Ebola-Viren verändern sich

Das könnte die Wirkung von Medikamenten einschränken. Das schreiben US-Forscher im Journal "mBio". Sie untersuchten das Erbgut der Erreger - und stellten deutliche Unterschiede zu Virenstämmen früherer Ebola-Ausbrüche fest.

Etwa drei Prozent des Viren-Genoms waren seit den Ausbrüchen von 1976 und 1995 mutiert. Zehn dieser Mutationen könnten die Wirkung experimenteller Wirkstoffe gegen Ebola beeinträchtigen.

Die Wissenschaftler empfehlen, die Wirksamkeit der Medikamente gegen die mutierten Virenstämme bald im Labor zu testen. Außerdem sei es wichtig, weitere genetische Veränderungen im Auge zu behalten. ]jri]

Quelle: mBio, doi:10.1128/mBio.02227-14

Nanotechnologie Laser erzeugen wasserabweisende Metalle

Forscher der amerikanischen Rochester University haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich wasserabweisende Metalle herstellen lassen. Sie beschossen Platin-, Titan- und Messingstücke mit kurzen Laserimpulsen und schnitten so winzige Rillen in die Oberfläche.

Durch diese Nanostrukturen wurden die Metalle schwarz, weil sie kein Licht mehr reflektierten. Außerdem waren die behandelten Materialien extrem wasserabweisend.

Mit dieser Technik ließen sich Metalle herstellen, die nicht rosten und kaum gereinigt werden müssen, so die Forscher. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im "Journal of Applied Physics". [jri]

Quelle: Journal of Applied Physics, doi : 10.1063/1.4905616

Paläontologie Der Urahne der Primaten lebte auf Bäumen

Das bestätigen fossile Knochen, die Forscher im US-Bundesstaat Montana gefunden haben. Ihren Fund beschreiben sie im Fachblatt "PNAS". Die Knochen stammen aus dem Fußgelenk von Purgatorius, einem prähistorischen Säugetier, das als Vorgänger heutiger Primaten gehandelt wird. Purgatorius war etwa so groß wie ein Eichhörnchen und ernährte sich von Früchten und Insekten. Bisher waren nur Zähne und Kieferknochen von dem frühen Primaten gefunden worden. Die Fußknochen zeigten Gemeinsamkeiten mit denen heutiger Primaten, so die Forscher. So konnte Purgatorius zum Beispiel seine Füße rotieren und sich so an Ästen festhalten. [jri]

Quelle: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1421707112

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