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05.12.2011

Astronomie 300 Millionen Lichtjahre entfernt lauern gigantische Schwarze Löcher

Kalifornische Astronomen haben die bislang größten Schwarzen Löcher im Weltall aufgespürt. Sie hätten jeweils rund zehn Milliarden Mal so viel Masse wie unsere Sonne, schreibt das Team aus Berkeley im Fachblatt "Nature". Die Entdeckung gelang mit dem Keck-Teleskop auf Hawaii sowie dem Weltraumteleskop Hubble. Die supermassiven Schwarzen Löcher sitzen im Zentrum zweier Galaxien: der Galaxie NGC 3842 im Sternbild Löwe und NGC 4889 im Sternbild Haar der Berenike. Die Galaxien sind jeweils rund 300 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Die Schwarzen Löcher seien deutlich massereicher als erwartet, so die Forscher. Offenbar unterschieden sich die Wachstumsprozesse großer Galaxien und ihrer Schwarzen Löcher auf noch ungeklärte Weise von denen kleinerer Galaxien. [mawi]

Quelle: Nature-Online

Biologie Forscher hoffen, das Mammut doch klonen zu können

Im sibirischen Permafrostboden war im August der Oberschenkelknochen eines Mammuts entdeckt worden. Aus ihm konnte intaktes Knochenmark gewonnen werden. Forscher aus Japan und Russland wollen daher im kommenden Jahr mit Versuchen beginnen, das vor 10.000 Jahren ausgestorbene Mammut zu klonen, berichtet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Elefanten sind die nächsten noch lebenden Verwandten des Mammuts. Das Konzept: Das aus Knochemarkzellen gewonnene Mammut-Erbgut könnte in entkernte Elefanten-Eizellen eingepflanzt werden. Elefanten-Kühe könnten dann die Mammut-Embryonen austragen. //[mawi]//

Medizin Die Beine werden im Kopf müde und schwer

Wie stark wir unsere Muskeln aktivieren können, das hängt vom Trainingszustand aber auch von Willensstärke und Motivation ab. Forscher der Universität und der ETH Zürich haben jetzt einen weiteren Mechanismus aufgedeckt. Das Gehirn sorgt dafür, dass bei ermüdenden Aufgaben die physiologischen Grenzen nicht überschritten werden, indem es eine Senkung der Muskelleistung bewirkt. Die Forscher konnten zeigen: Nervenimpulse aus belasteten Muskeln gelangen über das Rückenmark in den Thalamus sowie den sogenannten insulären Kortex. Beide Hirnareale analysieren Informationen, die dem Organismus eine Bedrohung vermitteln, wie Schmerz oder Hunger. Je stärker die Belastung, um so mehr kommuniziert der insuläre Kortex mit dem primären motorischen Areal und hemmt dieses Hirnareal. Die Folge: Die Leistungsfähigkeit sinkt. Die Entdeckung könnte helfen, Trainingsstrategien zu verbessern, aber auch die Ursache für körperliche Schwäche - wie sie bei vielen Krankheiten auftritt - zu finden. bu: Dornier Do 17

Quelle: Universität und ETH Zürich

Medizin Ein altes Problem der Krebsforschung scheint bald lösbar zu sein

In jedem vierten Tumor ist ein Gen mit Namen RAS verändert und dadurch besonders aktiv. Wenn RAS überaktiv ist, teilen sich Krebszellen schneller, sie beginnen zu wandern und Tochtergeschwülste zu bilden – alles dies Zeichen einer besonders aggressiven Krebserkrankung. Bislang galt es als unmöglich, ein Medikament zu entwickeln, das das RAS-Protein blockiert. Pharmaforscher der US-amerikanischen Firma Genentech glauben jetzt aber die Achilles-Ferse des RAS-Proteins entdeckt zu haben. Die Forscher untersuchten 25 Wirkstoffe, die an das Protein binden. Eine Untersuchung mithilfe der Kernspin Resonanz Spektroskopie ergab, dass alle 25 an genau der selben Stelle andocken. Das Problem: Keiner der Wirkstoffe kann das RAS-Protein blockieren. Jetzt wollen die Forscher einen Wirkstoff maßschneidern, der RAS lahmlegen kann. //[mawi]//

Medizin Es sterben mehr Menschen an Schlangenbissen als geschätzt

Behörden erfassten nur einen Bruchteil der tatsächlichen Todesopfer, berichten Forscher vom Frankfurter Forschungszentrum Biodiversität und Klima auf einer Fachtagung in Philadelphia. Von 100 Opfern würden nur drei von Ärzten behandelt, 86 hingegen von Wundheilern. Medizinische Versorgung sei oft weit entfernt und der Transport teuer. Außerdem sei das lebensrettende Gegengift in vielen Regionen in Asien, Afrika und Lateinamerika rar und teuer. Studien in Nepal hätten gezeigt, dass es möglich ist, die Sterblichkeit nach Schlangenbissen zu senken – von 10,5 Prozent auf 0,5 Prozent – wenn Opfer schneller versorgt werden. In Nepal bringen Motorradfahrer Patienten ins nächste Krankenhaus. Erste Schnelltests erlaubten inzwischen, eine sichere Diagnose zu stellen und zu entscheiden, ob und welches Gegengift Patienten gespritzt werden muss. Allerdings gebe es längst nicht gegen alle Schlangengifte Gegenmittel. //[mawi]//

Quelle: LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Frankfurt a.M.

Biologie Menschliche Zellen setzen Bakterien in einem Käfig fest

Französische Forscher am Institut Pasteur in Paris haben einen neuen Verteidigungsmechanismus des menschlichen Körpers gegen krank machende Bakterien entdeckt. Aus Teilen der Zellmembran, einem Protein mit Namen Septin, bauen die Zellen einen Käfig, um eindringende Shigellen-Bakterien zu fangen. Shigellen können lebensbedrohliche Durchfallerkrankungen verursachen. Im Käfig gefangen, können die Bakterien sich nicht teilen. Sie sind aber auch von der Energieversorgung mit Aktin abgeschnitten und können keine Nachbarzellen befallen. Gefangene Shigellen werden in der Regel von Zellen aufgelöst und verdaut. //[mawi]//
02.12.2011

Biologie Wespen registrieren Gesichter wie Menschen

Davon sind Forscher der University of Michigan überzeugt. Bereits vor Jahren hatten die Biologen nachweisen können, dass Feldwespen der Spezies Polistes fuscatus sich einander anhand von Merkmalen im Gesicht unterscheiden können. Die Wissenschaftler legen nun eine Anschluss-Untersuchung vor. Die zeigt, dass die Hirne dieser Wespen besonders gut lernen können, Gesichtsmerkmale zu unterscheiden. Menschen verfügen über eine ähnliche Fähigkeit. Die Forscher vermuten, dass diese Feldwespen die Fähigkeit entwickelt haben, weil sie ein komplexes Zusammenleben in ihrem Nest pflegen: Den Staat gründen mehrere Königinnen, die in einer strengen Hierarchie leben. Sich einander erkennen zu können, fördere dabei den Frieden im Staat erheblich. Feldwespen mit einfacherem Sozialsystem können Gesichtsmerkmale schlechter unterscheiden, fügen die Wissenschaftler an. Ob es sich bei dieser Fähigkeit um ein angeborenes oder ein erworbenes Können handelt, wissen die Biologen noch nicht. [gä]

Quelle: nature/newscientist/dradio

Genetik Halbe Chromosomensätze lassen sich schneller auf Mutation durchsuchen

Das Erbgut von Lebewesen kommt auf zwei Weisen vor: Entweder gebündelt in einem einfachen Chromosomensatz – haploid – oder doppelt – diploid. Bei Säugetieren ist das Erbgut dabei immer doppelt organisiert. Das verhindert, dass Schäden im Erbgut sofort schwere Fehler auslösen, hat aber für Forscher einen Nachteil: Sie können nur mit großer Mühe herausfinden, welche Folgen Mutationen haben. Ein internationales Wissenschaftlerteam präsentiert jetzt im Fachblatt „Cell Stem Cell“ eine Methode, um diese Untersuchung zu vereinfachen: Den Forschern ist es gelungen, haploide Embryonale Stammzellen aus den Zellen der ersten Embryonalen Entwicklung von Mäusen zu gewinnen. Diese lassen sich offenbar gut für genetische Untersuchungen verwenden. So ist es dem Wissenschaftlerteam nach eigenen Angaben schnell gelungen, herauszufinden, warum das Gift Rizin manchmal nicht tödlich wirkt: Fehlt Zellen das Eiweiß Gpf107, sind sie immun gegen das Gift. [gä]

Quelle: Developmental Cell

Klimaforschung Als das Kohlendioxyd aus der Luft verschwand, vereisten die Pole

Vor rund 34 Millionen Jahren bildeten sich die ersten Gletscher an der Antarktis und fror die Arktis zu. Klimaforscher hatten bislang angenommen, dass diese Entwicklung nicht mit dem Kohlendioxidgehalt in der Luft zusammenhinge. Ein internationales Wissenschaftlerteam widerspricht jetzt in "Science“ dieser Vermutung. Die Wissenschaftler stützen sich auf Kohlenstoff-Isotope, die sie in Überresten von Algen in Bohrkernen vom Meeresgrund entdeckt hatten. Die Analyse dieser Daten legt nahe, dass die Pole vereisten, als die Konzentration von CO2 in der Luft unter 600 part per Million viel. Das war vor rund 34 Millionen Jahren. Heute beträgt der CO2-Anteil in der Luft 390 ppm. Der Umkehrschluss, dass ein Überschreiten dieser Grenze zu einem Abschmelzen der Pole führte, sei jedoch nicht zulässig, so die Forscher weiter. [gä]

Quelle: science

Physik Physiker der University of Oxford haben Diamanten miteinander verschränkt

Eigentlich ist das Verschränken von Teilchen ein quantenmechanischer Effekt. Unter bestimmten Bedingungen verhalten sich zwei Teilchen so, als wären sie eines – wobei die Entfernung zwischen ihnen keine Rolle spielt. Bis jetzt hatten Physiker vermutet, dass dieses Phänomen nur auf atomarer Ebene zu beobachten sei und nur bei sehr tiefen Temperaturen. Nun konnten jedoch Physiker aus Großbritannien den Effekt auch im Makrokosmos erzielen, in dem sie die Atome in dem Kristallgitter zweier kleiner Diamanten mit Hilfe eines Laser in eine besondere Vibration versetzten und verschränkten. Die so behandelten Zonen in den Diamanten waren ein viertel Millimeter lang und ein zwanzigstel breit – gerade noch sichtbar fürs Auge. Ob sich diese Methode technisch nutzen lässt, ist offen. [gä]

Quelle: science

01.12.2011

Medizin Stinkende Frösche erzeugen Antibiotika

Es gibt Frösche, die abstoßende Gerüche verströmen, etwa nach verdorbenem Fisch. Chinesische Forscher haben jetzt herausgefunden, dass diese stinkenden Tiere in ihrer Haut eine immense Vielfalt an antibiotisch wirkende Substanzen bilden. Die Wissenschaftler untersuchten neun verschiedene Frösche der Gattung Odorrana. Auf der Haut konnten sie über 700 unterschiedliche antimikrobielle Peptide, kurz AMP, nachweisen. Mehr als 90 Prozent davon waren bisher unbekannt, berichten die Forscher im "Journal of Proteome Research". Die Stoffe könnten als Grundlage für die Entwicklung neuer Antibiotika dienen. Einige der gefundenen antimikrobiellen Peptide haben eine doppelte Wirkung: Sie töten Bakterien und aktivieren zugleich das Immunsystem. //[luh]//

Quelle: Journal of Proteome Research, doi:10.1021/pr200782u

Energie Die Jetstreams der oberen Atmosphäre taugen nicht als Energiequelle

Hoch oben in der Atmosphäre gibt es starke Windbänder rund um Nord- und Südpol. Die sogenannten Jetstreams erreichen Geschwindigkeiten von über 90 Kilometer pro Stunde, weshalb es immer wieder Überlegungen gibt, sie als Quelle regenerativer Energie anzuzapfen. Doch die weit verbreiteten Annahmen hinsichtlich der Energieausbeute sind offenbar völlig überzogen. Forscher des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena haben jetzt errechnet, dass die maximale Energiegewinnung aus den Jetstreams etwa 200-fach geringer ist als bisher geschätzt. Die Jetstreams sind nur so schnell, weil sie in 7 bis 16 Kilometer Höhe so gut wie keiner Reibung ausgesetzt sind. Es braucht verhältnismäßig wenig Energie, um sie anzutreiben. Folglich kann man ihnen entsprechend weniger Energie entziehen. //[luh]//

Quelle: Earth System Dynamics, doi: 10.5194/esd-2-201-2011

Paläoanthropologie Steinwerkzeuge bezeugen die Völkerwanderung

Britische Forscher haben im Sultanat Oman Steinwerkzeuge gefunden, die sie als Zeugnisse der ersten Wanderungsbewegungen des modernen Homo sapiens raus aus Afrika sehen. Die behauenen Steine ordneten sie der Mittleren Nubischen Steinzeit zu. Die neuen Funde sind die ersten dieser Art außerhalb Afrikas. Die Spuren stellen gängige Theorien über den Auszug des Menschen aus Afrika in Frage. Bisher gingen Anthropologen davon aus, dass der moderne Homo sapiens vor rund 70.000 Jahren von Afrika aus nach Arabien kam und sich dort entlang der Küsten verbreitete. Die Fundstellen der Steinwerkzeuge liegen aber alle im Inland. Zudem datierten die Forscher einige der Funde auf ein Alter von mindestens 106.000 Jahren.Die Studie ist im Fachmagazin "PLoS One" erschienen. //[luh]//

Quelle: PLoS One, doi:10.1371/journal.pone.0028239

Physik Laser liefert Energie für Herzschrittmacher

Herzschrittmacher werden mit Strom aus einer Batterie betrieben. Ist diese leer, muss sie bisher noch in einer erneuten, belastenden Operation ausgetauscht werden. Japanische Forscher haben eine mögliche Abhilfe entwickelt: In der Zeitschrift "Angewandte Chemie" stellen sie einen implantierbaren Stromerzeuger vor, der einfach durch die Haut mit Laserlicht bestrahlt wird. Das System beruht auf Kohlenstoff-Nanoröhren. Die Nanoröhren absorbieren das Laserlicht und wandeln die Lichtenergie in Wärme um. Die Wärmeenergie wird wiederum durch einen thermoelektrischen Konverter auf Halbleiterbasis in Strom umgewandelt. Das implantierbare Ladegerät ist kleiner als ein Viertel eines Stücks Würfelzucker. //[luh]//

Quelle: Angewandte Chemie, doi:10.1002/ange.201106136

Zoologie Silberfische begehen Duftraub

Silberfische leben häufig als Schmarotzer in Ameisenkolonien. Um dort nicht als Eindringling aufzufallen, nutzen die Insekten einen besonderen Trick. Forscher der Ludwig-Maximilian-Universität in München haben herausgefunden, dass die Silberfische sich mit dem gleichen Duft umhüllen wie die Ameisen. Allerdings produzieren die Silberfische die Duftstoffe gar nicht selbst, sondern begehen gewissermaßen Duftraub. Die Parasiten pirschen sich an neu geschlüpfte Ameisen heran und reiben ihren Körper an den noch wehrlosen Tieren. Die Studie ist im Magazin "BMC Ecology" erschienen. //[luh]//

Quelle: BMC Ecology / LMU

30.11.2011

Medizin Die EU will die embryonale Stammzellforschung weiter fördern.

Die EU-Kommission will unter bestimmten Auflagen zukünftig weiter Fördergelder für die embryonale Stammzellforschung bereitstellen. Am bisherigen Prozedere solle nichts geändert werden, hieß es in Brüssel. Dort wurde der Gesetzentwurf für die EU-Forschungspolitik im Zeitraum 2014 bis 2020 vorgestellt. Bisher liegt der EU-Förderung ein Kompromiss zugrunde: Projekte, bei denen zur Gewinnung von Stammzellen Embryonen zerstört werden, erhalten keine Fördergelder. Studien mit bereits vorhandenen embryonalen Stammzellen sind dagegen förderfähig. Über den Gesetzesvorschlag der EU-Kommission müssen jetzt das Europaparlament und die EU-Regierungen im Ministerrat beraten. [mst]

Medizin Die US-Gesundheitsbehörde bricht Studie mit dem "chemischen Kondom" ab.

Das Gel mit dem Wirkstoff Tenofovir, das Frauen beim Geschlechtsverkehr vor einer HIV-Infektion schützen sollte, hat sich nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde als wirkungslos erwiesen. Die Studie mit dem so genannten chemischen Kondom wurde abgebrochen. Ungeklärt ist, warum diese anfangs viel versprechende Methode - bei der das Gel vor dem Sex in die Scheide eingeführt wird - am Ende enttäuschend abschnitt. In einer Pilotstudie in Südafrika war das Ansteckungsrisiko mit HIV anfänglich um knapp 40 Prozent gesunken. Die jüngsten Daten zeigten jedoch, dass sich trotz Schutz rund sechs Prozent der Probandinnen mit HIV infiziert hatten. Diese Zahl war identisch mit dem Infektionsrisiko von Frauen in einer Vergleichsgruppe, die statt des Gels ein wirkungsloses Placebo angewandt hatten. [mst]

Quelle: www.nih.gov

Biologie Raben gestikulieren wie Kleinkinder.

Das haben Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie zusammen mit Kollegen aus Wien herausgefunden. Wie sie im Fachblatt Nature Communications schreiben, verwenden die Vögel zur Kommunikation ähnliche Gesten wie Kleinkinder, um auf sich aufmerksam zu machen. Die als sehr intelligent geltenden Raben benutzten bei den Studien ihre Schnäbel als "Hände", um Gegenstände wie Zweige, Steine oder Moos ihrem Gegenüber zu zeigen. Derartige Handlungen waren bislang nur bei Menschenaffen beobachtet worden. Bei den nun beschriebenen Verhaltensweisen richteten sich die Raben damit direkt an Tiere des anderen Geschlechts und lenkten so deren Aufmerksamkeit auf sich. Menschen nutzen Gesten wie das Zeigen auf Gegenstände oder das Hochhalten von Objekten den Studienautoren zufolge bereits mit knapp einem Jahr, also noch bevor sie sprechen können. [mst]

Quelle: Nature Comm.

Biologie Bakterien schützen Ameisen.

Blattschneiderameisen zerschneiden mit ihren Mundwerkzeugen Blätter und züchten darauf Pilze. Die ausgedehnten Pilzgärten in den Nestern stellen die Nahrungsgrundlage der Ameisen dar. Durch den regelmäßigen Kontakt mit Pilzen besteht ebenso ein Risiko, selbst von einem schädlichen Pilz befallen zu werden. Wie sich die Ameisen vor einer solchen Infektion schützen, haben brasilianische Forscher aus Rio de Janeiro herausgefunden. Im Fachblatt Biology Letters schreiben sie, dass ein Bakterienfilm am Körper der Tiere diese vor Pilzen schützt. Ameisen, denen im Rahmen der Studie die Bakterien mithilfe eines Antibiotikums entfernt wurden, waren demnach anfälliger für Infektionen. [mst]

Quelle: Biology Letters (doi: 10.1098/rsbl/2011.0963)

Biologie Forscher klären, warum Süßwasserschildkröten gleichzeitig schlüpfen.

Frisch geschlüpfte Breitrandspitzkopfschildkröten sind Fressfeinden auf dem Weg vom Strand bis zum Meer hilflos ausgeliefert. Um die Überlebenschance des Einzelnen zu erhöhen, schlüpfen die Tiere gleichzeitig. Wie die Reptilien von Ei zu Ei kommunizieren, konnten australische Forscher nun in ersten Ansätzen lösen. Wie sie in den "Proceedings B der britischen Royal Society" vermuten, spielt die Kohlendioxid-Konzentration im Nest eine entscheidende Rolle, zudem könnte der stärkere Herzschlag der weiter entwickelten Embryonen ein wichtiges Signal sein. Demnach erhöht sich der CO2-Gehalt im Gelege, wenn die oben liegenden Eier besonders weit entwickelt sind. Dies könnte das Signal für die weiter unten liegenden Embryonen sein, mehr Schilddrüsenhormon zu produzieren, wodurch die Entwicklung des Herzens und des Körpers beschleunigt wird. [mst]

Quelle: Proc.RSoc.B (doi:10.1098/prsb.2011.2074)

Raumfahrt Fadenwürmer haben sich auf der Internationalen Raumstation eingelebt.

Forscher der Universität Nottingham haben erste Daten von 4000 Fadenwürmern veröffentlicht, die vor einigen Monaten auf die ISS gebracht wurden. Im Journal of the Royal Society Interface schreiben die Wissenschaftler, dass die Tiere der Spezies C. elegans bereits in zwölfter Generation im All leben. Dort sollen sie zeigen, wie gut ein Organismus mit den Bedingungen im Weltall langfristig zurechtkommt. Demnächst wollen die Forscher untersuchen, welche Auswirkungen die erhöhte Strahlung im Weltall auf die Fadenwürmer hat und wie sich deren Muskeln entwickeln. [mst]

Quelle: J.R.Soc.Interface (doi:10.1098/rsif.2011.0716)

29.11.2011

Robotik Seestern als Vorbild für Roboter

Wissenschaftler der Havard University haben einen Roboter konstruiert, der sich nach dem Vorbild eines Seesterns vorwärts bewegt. Mit seinen vier flexiblen Beinen kann er über den Boden kriechen, seine Gangart wechseln und sich unter Hindernissen hindurch quetschen. Möglich macht das sein weicher Körper, der aus einer Kunststofffolie besteht und in einzelne Kammern aufgeteilt ist. Mit Druckluft lässt sich dieses Gebilde bewegen. Für bestimmte Geländearten seien solche Roboter besser geeignet als die herkömmlichen Modelle aus Metall, schreiben die Forscher im Fachblatt "PNAS". //[reu]//

Quelle: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1116564108

Klima Das Klima lässt Käfer erröten

Das glauben Biologen, die in zwei niederländischen Regionen das Muster auf den Flügeln von Zweipunkt-Marienkäfern untersucht haben. Diese Käferart existiert in zwei Varianten: rot mit schwarzen Tupfen und schwarz mit roten Tupfen. Vor 25 Jahren lebten an der Küste vor allem die roten Exemplare – im Innland jedoch die schwarzen. Denn in dem kälteren Klima konnte diese Farbe mehr Sonnenwärme absorbieren. Mittlerweile überwiegen in beiden Regionen aber die roten Marienkäfer. Das liege daran, dass die Temperaturen in beiden Landstrichen mittlerweile nahezu gleich seien. Die Käfer hätten sich so an den Klimawandel angepasst, schreiben die Forscher aus England im Fachmagazin "Heredity". //[reu]//

Quelle: Science Now

Psychologie Eine Formel soll Streit verhindern

Mit der richtigen Zusammensetzung der Mietparteien lassen sich Streitereien in Mehrfamilienhäusern vermeiden. Das glauben zumindest italienische Forscher, die dafür eine Formel entwickelt haben. Für das Sozialamt der mittelitalienischen Stadt Reggio Emilia stellten sie einen Schlüssel auf, um Sozialwohnungen so unter Bewerbern zu verteilen, dass es zu möglichst wenigen Streitfällen kommt. Die Experten fanden heraus, dass in einem idealen Mehrfamilienhaus 24 Prozent der Bewohner über 65 Jahre als sein sollten. 31 Prozent sollten Familien sein. Die Stadtverwaltung will nun innerhalb eines Pilotprojektes 44 Sozialwohnungen nach dieser Formel vergeben. //[reu]//

IT Software nimmt aufgehübschte Bilder unter die Lupe

Eine Methode, mit der sich automatisch bewerten lässt, wie stark ein Porträtfoto digital retuschiert wurde, stellen US-Forscher heute in den "Proceedings" der Nationalen Akademie der Wissenschaften vor. Das Programm vergleicht das Original mit dem manipulierten Bild und bestimmt zunächst acht Parameter, die anschließend in einem einzigen Kennwert zusammengefasst werden. In diesen Index fließen vor allem die Geometrie der Körper und Gesichter ein sowie die Lichtverhältnisse. Darin äußern sich etwa Anpassungen des Hauttons oder der Hautstruktur. Die Informatiker fordern, dass digital retuschierte Fotos immer gekennzeichnet werden sollen. Die Amerikanische Medizinische Gesellschaft AMA hatte bereits früher solch eine Bildbearbeitung kritisiert, weil sie zu einer unrealistischen Einschätzung des eigenen Körpers beitrage. //[reu]//

Quelle: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1110747108

Medizin Stammzellen bekämpfen Krebs

Forschern aus Kalifornien ist es gelungen, Stammzellen aus dem Blut so zu verändern, dass sie sich in Immunzellen verwandeln und Tumorgewebe zerstören. Die Methode beschreiben die Biologen im Fachmagazin "Pnas". Sie hatten zunächst ein bestimmtes Gen in menschliche Stammzellen eingepflanzt, das die Information für einen Rezeptor trägt, der bestimmte Krebszellen erkennen kann, nämlich Melanomzellen. Befinden sich Spuren davon im Blut, entsteht aus der Stammzelle eine sogenannte T-Zelle, welche den Tumor attackiert. Die Untersuchung wurde an Mäusen durchgeführt. Bei vier von neun Tieren verschwand das Tumorgewebe komplett. Die Forscher möchten den neuen Therapieansatz nun in einer klinischen Studie untersuchen. //[reu]//

Quelle: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1115050108

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